Antikythera-Mechanismus aus Marxiana
Keineswegs ist das
"wesentliche Neue" an der Dialektik, wenn sie rationell aufgefasst wird,
dass sie - entgegen einer "statischen" formalen Logik - "das
Dynamische" denkbar mache: Das tut sie nur in ihrer hegelisch mystifizierten Form, in welcher sie freilich das "Dynami-sche" gerade auch
wieder aufhebt - und eben damit nicht denkbar macht...
...denn tatsächlich ist das System der "Wechselbestimmung der Begriffe" ein System des Gleichgewichts, nicht der Entwicklung:
Eines hält das Andere, und das Andere hält das Eine: Da ist gar kein
Grund, oder wie Wittgenstein sagt, das ganze Haus trägt das Funda-ment.
"Das Dynamische" wird hingegen durch das dialektische "Modell" - um es geradeheraus zu sagen - in der Tat dargestgellt, nämlich per Negation: 'Ursprung' und 'Zusammenbruch' als die bestimmten Grenzen seiner Geltung.
Und der Moment seiner
positiven Geltung ist dann gleichermaßen eine Art Grenzbestim-mung: der
"Punkt", wo sein noch-nicht-Gelten und sein schon-nicht-mehr-Gelten sich
be-stimmt die Waage halten;* und dies macht vollends deutlich den
transitorischen, nämlich rein instrumentalen, nämlich heuristischen Charakter des 'Modells': Mittel der Sinn-"Bestim-mung" - aber Bestimmung hier nicht als Setzung, sondern lediglich als deren Darstellung; die Setzung selbst des Sinns ist "praktisch"; nicht diskursiv-vermittelt...
26. 6. 87
*) Real ist für Fichte stets nur das Übergehen aus einem zeitlosen Moment in den nächsten: ein "Schweben".
2. 9. 25
Nachtrag.
Das Kapital hat 3 Bände. Der erste stellt in einem abstrakten Modell
dar, wie sich das Ka-pital im Produktionsprozess 'selbst setzt' -
unter historisch gegebenen Bedingung, die au-ßerhalb seiner liegen, aber
im 1. Band doch dargestellt werden: die "sogenannte ursprüng-liche Akkumulation". Der 2. Band stellt dar, wie sich das Kapital im Zirkulationsprozess 'als solches bestimmt': den Mehr wert realisiert. Der
3. Band stellt dar - wiederum in einem ab-strakten Modell, unter
Auslassung störender Kontingenzen - den "Gesamtprozess der
kapi-talistischen Produktion" als die Einheit von Produktions- und Zirkulationsprozess; und stellt dar seine historische Schranke: den Fall der Profitrate.
Zwischen den Polen 'ursprüngliche Akkumulation' und 'Fall der Profitrate' funktioniert das Modell. Beide Pole sind nicht begrifflicher, sondern faktischer Art und können im
Modell daher nicht dargestellt werden. Das gilt nicht nur für die
"ursprüngliche Akkumulation", sondern ebenso für den 'Fall der
Profitrate' - für die sogar doppelt: Erstens, indem sich im Wertzuwachs
des Fixen Kapitals der Gebrauchs wert,
der im Modell materialiter gar nicht vorkommt, als selber
formbestimmend geltend macht; und zweitens, indem die Entschei-dung, ob
das abstrakte (=aus dem Begriff abgeleitete) 'Gesetz' überhaupt je
aktuell wirksam wird, von Fakten abhängt, die im 'gesetzgebenden' Modell überhaupt nicht vorhersehbar sind.
Darauf will ich hinaus: Die Kritik der Politischen Ökonomie ist - ein historisches Fach, und das macht die Kritik gerade aus: Die Politische Ökonomie selber verstand sich als seine no-mothetische Disziplin: Vorangegangene Wirtschaftsweisen wären historischen Verirrungen geschuldet; mit dem Markt setze sich endlich die wahre Art des Wirtschaftens durch, die ökonomischen Gesetze kämen zu freier Entfaltung. Dr. Quesnay, Smith und Ricardo bau-ten an Modellen.
Marx greift die Prämisse auf, zunächst gar nicht kritisch, sondern in der Absicht, das 'Mo-dell' zu vervollständigen. Doch immerhin:
Er betrachtet das Modell nicht als aus den Ge-setzen hervorgegangen,
sondern umgekehrt die Gesetze als dem Modell zugehörig. Er be-handelt das
Modell als ein Idion; als Eine
historische Begebenheit,* und was er an 'Geset-zen' antrifft,
entschlüsselt er als das wirkliche Handeln lebender Menschen unter den
Bedin-gungen dieser Begebenheit. Nicht, wie die Politische Ökonomie tat, nomothetisch, sondern idiographisch,
wie es der Geschichtswissenschaftler tut. Er benutzt das Modell als
eine heu-ristische Figur: apagogisch, um zu prüfen, was es taugt. Es
taugt nicht zum Verstehen, aber es taugt zum Verschleiern.
*) Das Modell kennt keine Zeit. Es gibt ein funktionales Nacheinander, aber keine Dauer. Es geschieht alles mit einem Mal. Das Modell ist nicht wirklich, es kann nur vorgestellt werden.
15. 12. 16
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