Donnerstag, 5. Februar 2026

Wie kommt das Ich dazu, aus sich heraus zu gehen?

nach Dalí                           zu Wissenschftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik 

Im Begriff oder in der Anschauung muss außer einander liegen, was im Gefühl eins ist. Un-sere Aufgabe ist nun: Wie mag das, was Sache des Gefühls ist, Objekt einer Anschauung oder des Begreifens werden können? /

(Diese Frage ist sehr wichtig, wir kommen dadurch zum eigentlichen Objekt, zum NichtIch und zur Beschreibung der Art und Weise, wie das NichtIch entworfen wird.
 
Unsere Frage könnte auch so heißen: Wie kommt das Ich dazu, aus sich heraus zu gehen? Diese Frage macht eigentlich den Charakter der Wissenschaftslehre aus. Die Lehre von der produktiven Einbildungskraft wird hier eine neue Klarheit und Festigkeit erlangen. Die ge-samte Sinnenwelt wird durch sie hervorgebracht nach ihren bestimmten Gesetzen.)
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S
. 77f.  


Nota. - 'Aus sich herauszugehen': Das könnte man missverstehen - wenn man das Ich für ein Reales und nicht für ein Noumen hielte. Es ist hier aber von der Vorstellung vom Ich die Rede und nicht von einem in einer Schale latent schon vorhandenen wirklichen Kern. Es geht darum, wie das Ich 'sich setzt', indem es sich ein(em) NichtIch entgegen setzt.
 
Die ganze Wissenschaftslehre ist eigentlich Variation über dieses Thema. In der Wirklich-keit ist es das Gefühl von einem Andern, die die Reflexion aufs Selbst veranlasst.
JE 
 
 

Mittwoch, 4. Februar 2026

Das, was ist, und das Nicht-Etwas.

                                                       aus Philosophierungen, oder Das Vernunftsystem
 
Die Grundmystifikation des Hegel'schen Systems war ein fauler Trick. Nämlich die dialek-tische Gleichsetzung von Sein und Nichts ganz am Anfang der Logik. Die Negation des Seins ist offenbar das Nichtsein. Das Nichts wäre dann die Totalität von Allem, was nicht ist. Das ist offenkundiger Blödsinn. 

Es geht um das metaphysische Prinzip: die Gleichsetzung von Logischem und Realem. Position und Negation bilden nur logisch ein Paar. Realiter ist zuerst einmal das Positive; das Negative kommt danach – nicht als negatives Sein, sondern als aktive Verneinung; als Tat eines Subjekts; als Tat-Sache.


Nachtrag I. - Diese Pointe will ich erklären. Was ist, ist Etwas in Raum und Zeit. Was nicht in Raum und Zeit ist, ist nicht; nicht einmal Nichts. Logisches ist jenseits von Raum und Zeit. Es ist nicht, sondern gilt; für logisch in Raum und Zeit Urteilende. Was nicht gilt, ist nicht nichts, sondern ist ungültig für logisch Urteilende; Unfug heißt es umgangssprachlich.
2. 9. 15 

Nachtrag II. -
Und Nicht-Etwas ist nicht das Nichts und nicht einmal nichts. Es ist der Mangel an Etwas. Nichts ist er nur in Raum und Zeit, doch in der Vorstellung ist der Mangel immerhin eine Dynamis; und unbestimmt ist er auch nicht, sondern bestimmt durch seinen Bezug auf Etwas.
9. 12. 19 




Dienstag, 3. Februar 2026

Das bildende Vermögen und der formlose Stoff.

                                                                                aus Marxiana

Das Capital ist Geld (für sich gesezter Tauschwerth) aber nicht mehr Geld als in einer be-sondren Substanz und daher ausgeschlossen von den andren Substanzen der Tauschwerthe neben ihnen existirend, sondern in allen Substanzen, den Tauschwerthen jeder Form und Daseinsweise der vergegenständlichten Arbeit seine ideale Bestimmung erhaltend. 

Insofern das Capital, als in allen besondren Formen der vergegenständlichten Arbeit existi-rendes Geld nun in Prozeß tritt mit der nicht vergegenständlichten, sondern lebendigen, als Prozeß und Akt existirenden Arbeit, ist es zunächst dieser qualitative Unterschied der Sub-stanz in der es besteht von der Form, worin es nun auch als Arbeit besteht. Es ist der Pro-zeß dieser Unterscheidung und der Aufhebung derselben, worin das Capital selbst Prozeß wird. Die Arbeit ist das Ferment, das in es geworfen wird, es nun zur Gährung bringt. 

Einerseits muß die Gegenständlichkeit, worin es besteht verarbeitet, d. h. von der Arbeit aufgezehrt, andrerseits die blose Subjektivität der Arbeit als bloser Form aufgehoben, und sie in dem Material des Capitals vergegen-ständlicht werden. Die Beziehung des Capitals seinem Inhalt nach auf die Arbeit, der vergegenständlichten Arbeit auf die lebendige Arbeit – in dieser Beziehung, wo das Capital passiv gegen die Arbeit erscheint, ist es sein passives Dasein, als besondre Substanz, das in Bezug auf die Arbeit als formende Thätigkeit tritt – kann überhaupt nur die Beziehung der Arbeit auf ihre Gegenständlichkeit, ihren Stoff sein – (was schon im ersten Capitel aus/einanderzusetzen, das dem [vom] Tauschwerth vorher-gehn und von der Production im Allgemeinen handeln muß) – und in Bezug auf die Arbeit als Thätigkeit hat der Stoff, die vergegenständlichte Arbeit, nur 2 Beziehungen, die des Roh-stoffs, d. h. des formlosen Stoffs, des blosen Materials für die Formsetzende, zweckmässige Thätigkeit der Arbeit und die des Arbeitsinstruments, des selbst gegenständlichen Mittels, wodurch die subjektive Thätigkeit zwischen sich und den Gegenstand, selbst einen Gegen-stand als ihren Leiter schiebt.
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K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 218f. [MEW 42, S. 219f.]  


Nota. - M. 'kokettiert' hier wieder mit Hegels 'eigentümlicher Ausdrucksweise', er skizziert eine Ontologie der Arbeit, die eher in die Metaphysik gehört als in die Politische Ökonomie; aber vielleicht doch in die Kritik an ihr?

Solange der Standpunkt, von dem aus kritisiert wird, zumindest auch ein philosophischer bleibt, ist Dialektik die angezeigte Methode der Darstellung. Aber schon in ihrer enthegel-ten Form: Nicht substantiierte Begriffe 'entfalten sich', sondern überall tritt die Arbeit, näm-lich reelle physische Tätigkeit, als das Subjekt auf, dem der tote Stoff lediglich entgegen steht, und der geformte Stoff  das selbst als Arbeitsprodukt entzifferte Kapital –  als Mittel dient; während es aber umgekehrt erscheint. 

Der chaotisch nachlässige Satzbau verweist aber darauf, dass M. sich bewusst ist, an dieser Stelle mehr mit seiner Vergangenheit als Philosoph abzurechnen, als dass er positiv an der Vivisektion der bürgerlichen Produktionsweise voranschreitet.
JE 
9. 10. 15

Montag, 2. Februar 2026

Das reine Wollen: das eigentlich wahre Ich.

 attisch                                  zu Wissenschftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Das Herausgehen über jene durch den reinen Willen bestimmte Sphäre ist selbst etwas Sinnliches, weil es dem reinen Wollen, dem eigentlich wahren Ich, entgegegesetzt ist.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 143 


Nota. - Das 'wahre Ich' hat mit Feuerbach, Schopenhauer, Nietzsche, Freud und C. G. Jung einen emphatischen Klang bekommen, der ihm transzendentalphilosophisch-kritisch noch völlig abging. Nicht ein irreduzibel-ursprünglicher Kern der wirklichen Menschen ist ge-meint, sondern das, was an einer lebenden Person als vernunft- und zurechnungsfähiger Anteil aufgefasst werden kann und Ort seiner Freiheit ist; nämlich sein Wollen. Es ist das, was den Menschen nicht biologisch und genetisch, sondern logisch und historisch von den Tieren unterscheidet. Vorgestellt werden kann es nur als bloßes Vermögen, das erst durch reelle Willensakte in Raum und Zeit zu tat sächlichem Willen bestimmt werden kann. Als bloße Möglichkeit ist es noch rein und völlig unbestimmt. Und möglich ist auch, dass Die-ser oder Jener von ihm keinen Gebrauch macht.
 JE 

Sonntag, 1. Februar 2026

Anschauung und Vorstellung.

                                      zu Philosophierungen, oder Das Vernunftsystem

Das Bild unterscheidet sich vom bloßen Anblick dadurch, dass es die Mannigfaltigen in einer sinnhaften 'Gestalt' zu einander ordnet. Der erste Schritt der Reflexion ist ein Übergehen vom Sehen zum Auffassen. 

Das Vorstellen des Bildes, sein Ein bilden in die vom Gefühl vermerkten Sinnesdaten, ist das Vorgehen, das bei Kant als transzendentale Apperzeption vorkommt. Es ist zu bemer-ken, dass Kant aber zwischen Sinnlichkeit und Anschauung nicht unterscheidet.

Auf dem Bild ein Mannigfaltiges erkennen, in dem Gegenstände zu iden tifizieren sind, ist schon Reflexion in specie. Hier entstehen die Begriffe.

Beachten Sie aber, dass es sich hier bloß um Erklärungen des Wortgebrauchs handelt, der seine spezifische Bedeutung durch den Satz erhält, in dem er vorkommt. Begriffsbestimungen sind es nicht.
12. 12. 19

 maisonapart 

Anschauen ist nicht schon das Vermerken von soundsoviel Sinnesdaten, sondern erst deren Synthetisierung zu einem Bild. 

 



Samstag, 31. Januar 2026

Der Stoff und seine Formen.

zoibrina                                                                                             aus Marxiana

Indem so die lebendige Arbeit durch ihre Verwirklichung im Material dieses selbst verän-dert, eine Veränderung, die durch den Zweck der Arbeit bestimmt, und die zweckmässige Thätigkeit derselben – (eine Veränderung die nicht wie im todten Gegenstand das Setzen der Form als äusserlich dem Stoff, bloser verschwindender Schein seines Bestehns) – wird das Material so in bestimmter Form erhalten, der Formwechsel des Stoffs dem Zweck der Arbeit unterworfen. Die Arbeit ist das lebendige, gestaltende Feuer; die Vergänglichkeit der Dinge, ihre Zeitlichkeit, als ihre Formung durch die lebendige Zeit. 

Im einfachen Productionsprozeß – abgesehn vom Verwerthungsprocess – wird die Ver-gänglichkeit der Form der Dinge benuzt um ihre Brauchbarkeit zu setzen. Indem aus der Baumwolle Garn wird, aus dem Garn Gewebe, aus dem Gewebe gedrucktes etc Gewebe, oder gefärbtes etc, und aus diesem sage ein Kleid hat sich 1) die Substanz der Baumwolle in allen diesen Formen erhalten. (Im chemischen Process haben sich im von der Arbeit gere-gelten Stoffwechsel überall Equivalente (natürliche) ausgetauscht etc); 2) in allen diesen sub-sequenten Processen hat der Stoff eine nützlichere Form erhalten, weil eine ihn mehr dem Consum aneignende; bis er zu-lezt die Form erhalten, worin er direkt Gegenstand desselben werden kann, wo also die Aufzehrung des Stoffs und die Aufhebung seiner Form menschli-cher Genuß wird, seine Veränderung sein Gebrauch selbst ist. 

Der Stoff der Baumwolle erhält sich in allen diesen Processen; in der einen Form des Ge-brauchswerths geht er unter um einer höhren Platz zu machen, bis der Gegenstand als Ge-genstand der unmittelbaren Consumtion da ist. Indem aber die Baumwolle als Twist gesezt ist, ist sie in einer bestimmten Beziehung auf eine fernere Art der Arbeit gesezt. Träte diese Arbeit nicht ein, so ist nicht nur die Form nutzlos an ihr gesezt worden, d. h. die frühere Arbeit wird nicht durch die neue bestätigt, sondern auch der Stoff ist verdorben, indem er in der Form als Twist nur Gebrauchswerth hat, insofern er wieder verarbeitet wird: nur noch Gebrauchswerth ist in Bezug auf den Gebrauch, den die fernere Arbeit davon macht; nur Gebrauchswerth ist, insofern seine Form als Twist aufgehoben / wird zu der von Ge-webe; während die Baumwolle in ihrem Dasein als Baumwolle unendlicher Nutzanwendun-gen fähig ist. So wäre ohne die fernere Arbeit der Gebrauchswerth von Baumwolle und Twist, Material und Form verhunzt; er wäre vernichtet, statt producirt worden.
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K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1 S. 272f. [MEW 42, S. 278] 


Nota. Sachlich gesehen, nämlich unterm Gesichtspunkt des Zwecks der Arbeit: dem be-absichtigten Gebrauchswert der Ware, handelt es sich eben nur um einen Arbeitsprozess; es ist die spezifische Form der industriellen Arbeitsteilung, der ihn in viele Einzelteile zerlegt, die nicht einmal mehr in derselben Fabrik erledigt werden; und die Einzelteile müssen jedes-mal erst zu Tauschwerten, zu Geld werden, müssen verkauft sein, damit der nächsthöhere Gebrauchswert daraus werden und das Stück Gebrauchswert überhaupt bleiben kann – denn sonst wäre auch der Tauschwert verloren.
9. 11. 15

Nota II. -  'Bestimmung' ist Bestimmung als, und Bestimmung 'als' ist Bestimmung auf einen Zweck hin: 'als' einem Zweck dienlich; und Medium der Bestimmung ist Arbeit.
JE

 

Freitag, 30. Januar 2026

Ein Verhältnis ist kein Ding.

W. Mattheuer, Verstrickt                                                                           aus Marxiana

Die wechselseitige und allseitige Abhängigkeit der gegen einander gleichgültigen Individuen bildet ihren gesellschaftlichen Zusammenhang. Dieser gesellschaftliche Zusammenhang ist ausgedrückt im Tauschwerth, worin für jedes Individuum seine eigne Thätigkeit oder sein Product erst eine Thätigkeit und ein Product für es wird; es muß ein allgemeines Product produciren – den Tauschwerth oder, diesen für sich isolirt, individualisirt, Geld. Andrerseits die Macht, die jedes Individuum über die Thätigkeit der andren oder über die gesellschaftli-chen Reichthümer ausübt, besteht in ihm als dem Eigner von Tauschwerthen, von Geld. Es trägt seine gesellschaftliche Macht, wie seinen Zusammenhang mit der Gesellschaft, in der Tasche mit sich.

Die Thätigkeit, welches immer ihre individuelle Erscheinungsform, und das Product der Thätigkeit, welches immer seine besondre Beschaffenheit, ist der Tauschwerth, d. h. ein Allgemeines, worin alle Individualität, Eigenheit negirt und ausgelöscht ist. Dieses ist in der That ein Zustand sehr verschieden von dem, worin das Individuum oder das in Familie und Stamm (später Gemeinwesen) naturwüchsig oder historisch erweiterte Individuum direkt aus der Natur sich reproducirt oder seine productive Thätigkeit und sein Antheil an der Production an eine bestimmte Form der Arbeit und des Products angewiesen ist und sein Verhältniß zu andren eben so bestimmt ist.

Der gesellschaftliche Charakter der Thätigkeit, wie die gesellschaftliche Form des Products, wie der Antheil des Individuums an der Production erscheint hier als den Individuen gegen-über Fremdes, Sachliches; nicht als das Verhalten ihrer gegen einander, sondern als ihr Un-terordnen unter Verhältnisse, die unabhängig von ihnen bestehn und aus dem Anstoß der gleichgültigen Individuen auf einander entstehn. Der allgemeine Austausch der Thätigkeiten und Producte, der Lebensbedingung für jedes einzelne Individuum geworden, ihr wechsel-seitiger Zusammenhang, erscheint ihnen selbst fremd, unabhängig, als eine Sache.

Im Tauschwerth ist die gesellschaftliche Beziehung der Personen in ein gesellschaftliches Verhalten der Sachen verwandelt; das persönliche Vermögen in ein sachliches. Je weniger gesellschaftliche Kraft das Tauschmittel besizt, je zusammenhängender es noch mit der Natur des unmittelbaren Arbeitsproducts und den unmittelbaren Bedürfnissen der Austau-schenden ist, um so grösser muß noch die Kraft des Gemeinwesens sein, das die Individuen zusammenbindet, patriarchalisches Verhältniß, antikes Gemeinwesen, Feudalismus und Zunftwesen. 
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K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1 S. 90 [MEW 42, S. 90f.]  

 

Nota. - Sich Verhalten ist kein Substantiv, sondern ein Verb. Nur wer tätig ist, kann sich verhalten und in ein Verhältnis setzen - nämlich zu einem Andern. Schon zu einander kön-nen sie in einem Verhältnis nur sein, wenn auch der Andere ein Tätiger ist. Wenn einer mit dem Kopf gegen eine Wand rennt, ist das Verhältnis ein durchaus einseitiges - und genau ge-nommen gar keins.

Damit ein Verhältnis entsteht, müssen Mehrere miteinander tätig werden - und bleiben. So gern auch mancher Ideologe so tut, als sei das Verhältnis da gewesen, bevor Menschen 'in es' traten.
JE 

 

Donnerstag, 29. Januar 2026

Raum, Zeit, Sinnlichkeit und Bedeutung.

  Caduceus                                              zu Wissenschftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Raum und Zeit entstehen durch Bewegung. Aber nicht an und für sich, sondern erst durch die Reflexion, die das sinnliche Erleben nach zwei Seiten zerlegt und als Maßstäbe wieder zueinander passt.

Bewegung entsteht der Wahrnehmung aus Schritten, die auf einander folgen. Sie hat ihr Maß in sich selbst. Es ist nicht die Bewegung selber, durch die Raum und Zeit in zwei Größen auseinanderfallen, sondern ihre Messung, und nur durch ihre Messung erscheinen sie als seiend.

Reihenfolge: sinnlich; 'episodisch', als Begebenheit. 

Zeit: als Vorstellung, 'semantisch', als Bedeutung

Fundus des Bewusstseins ist das Gedächtnis, das Begebenheit und Bedeutung separat speichert und verzeichnet.

Dauer ist das lebensweltlich Erfahrbare an der Zeit; will sagen: ihr Ursprung als Erlebnis. Doch erleben ist individuell und privat. Mitteilbar und Bestandteil eines Diskurses wird es nur als Begriff. Anschaulich ist es dann nicht mehr; lebensweltlich bleibt es aber vorherr-schend, weil die Zeit knapp ist und die begrifflichen Distinktionen überwuchert.

Leben muss und kann man zum Glück auch ohne Spekulation; philosophieren allerdings nicht

 

Nota. Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog JE

Mittwoch, 28. Januar 2026

Zeit ist zuerst Reihenfolge...

                               zu Wissenschftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

... und noch nicht Dauer: Die kommt erst durch den Raum hinzu. 

Die Schwierigkeit der Augustinus, einen Begriff der Zeit auszusprechen, kam aus der Unmöglichkeit, die Dauer zu begreifen, weil die die Synthesis von Raum und Zeit bereits voraus setzt. Wenn ich die Dauer hingegen aus der Zeit abziehe, bleibt die Reihenfolge übrig. 

Man kann Raum und Zeit nicht unabhängig von einander beschreiben, sondern braucht die Dauer als Vermittelstück: erst als Vermittelstück. Und Dauer ohne Raum und Reihenfolge ist die Anti zeit - bleierne Unendlichkeit. Zeit ist Ewigkeit, die vergeht. Zeit, in der nichts getan wird, ist vergangene Zeit. Bloße Reihenfolge ist die Zahlenkette - die auf Raum und Zeit gleichermaßen passt.

  

Nota. Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog JE

Dienstag, 27. Januar 2026

Empirie und Freiheit, oder Sinnlichkeit und Reflexion.

                             zu Wissenschftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

... das Wesen der Empirie besteht in diesem allmählichen Auffassen und Hinzusetzen (dies ist sinnlich). Aber in diesem Auffassen und Hinzusetzen besteht die Freiheit (dies ist über-sinnlich). Wir haben hier die Synthesis der Freiheit und der Empirie der Reihenfolge, eins kann ohne das andere nicht sein. Das Intelligible ist nur, in wiefern es zur Reihenfolge hinzugedacht wird, um das Mannigfaltige in ihr zu vereinigen; die Reihenfolge ist nicht möglich ohne die Freiheit, da sie erst durch die Freiheit der Reflexion zu Stande kommt.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 157

 

Nota. -  Begriff ohne Anschauung ist leer, aber Anschauung ohne Begriff ist blind. Wissen ist Erfahrung, aber Erfahrung ist eine Synthesis. Zeit ist zuerst Reihenfolge und noch nicht Dauer (die kommt erst durch den Raum hinzu).
JE 

Montag, 26. Januar 2026

Sinnlichkeit: System in einem System

                                                 zuJochen Ebmeiers Realien   zu Philosophierungen

Man sollte meinen, dass das, was einer empfindet, Teil eines Gefühlshaushalts ist, der sei-nerseits eine qualitas seines Gesamtorganismus ausmacht: System in einem System. Da fragt es sich, was hier 'dasselbe' überhaupt bedeuten könnte.

Auf den Evolutionsgedanken zurückzugreifen liegt zwar nahe. Doch leider induziert er viel zu leicht einen Denkfehler: dass nämlich das Ursprüngliche das Echtere und Wichtigere sei und das Neuere nur Epiphänomen, das man unter Umständen schonmal vernachlässigen kann. Ein System - wenn denn dieser Begriff hier am Platze ist - ist aber keine Hierarchie von Oben und Unten, sondern eben - Wechselbestimmung auf allen Ebenen. Es ist als Gan-zes stets gleichzeitig; oder: Das neu Hinzugekommene bestimmt mit über den aktuellen Sinn alles Vorhergegangenen.

Kommentar zu Wörter, Begriffe und das Gemeinte. JE, 21. 12. 19

 

 

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Wie kommt das Ich dazu, aus sich heraus zu gehen?

nach Dalí                            zu  Wissenschftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik   Im Begriff oder in der Anschauung muss auß...