Mittwoch, 25. März 2026

Der Stoff und seine Formen.

zoibrina                                                        aus Marxiana

Indem so die lebendige Arbeit durch ihre Verwirklichung im Material dieses selbst verän-dert, eine Veränderung, die durch den Zweck der Arbeit bestimmt, und die zweckmässige Thätigkeit derselben – (eine Veränderung die nicht wie im todten Gegenstand das Setzen der Form als äusserlich dem Stoff, bloser verschwindender Schein seines Bestehns) – wird das Material so in bestimmter Form erhalten, der Formwechsel des Stoffs dem Zweck der Arbeit unterworfen. Die Arbeit ist das lebendige, gestaltende Feuer; die Vergänglichkeit der Dinge, ihre Zeitlichkeit, als ihre Formung durch die lebendige Zeit. 

Im einfachen Productionsprozeß – abgesehn vom Verwerthungsprocess – wird die Ver-gänglichkeit der Form der Dinge benuzt um ihre Brauchbarkeit zu setzen. Indem aus der Baumwolle Garn wird, aus dem Garn Gewebe, aus dem Gewebe gedrucktes etc Gewebe, oder gefärbtes etc, und aus diesem sage ein Kleid hat sich 1) die Substanz der Baumwolle in allen diesen Formen erhalten. (Im chemischen Process haben sich im von der Arbeit gere-gelten Stoffwechsel überall Equivalente (natürliche) ausgetauscht etc); 2) in allen diesen sub-sequenten Processen hat der Stoff eine nützlichere Form erhalten, weil eine ihn mehr dem Consum aneignende; bis er zu-lezt die Form erhalten, worin er direkt Gegenstand desselben werden kann, wo also die Aufzehrung des Stoffs und die Aufhebung seiner Form menschli-cher Genuß wird, seine Veränderung sein Gebrauch selbst ist. 

Der Stoff der Baumwolle erhält sich in allen diesen Processen; in der einen Form des Ge-brauchswerths geht er unter um einer höhren Platz zu machen, bis der Gegenstand als Ge-genstand der unmittelbaren Consumtion da ist. Indem aber die Baumwolle als Twist gesezt ist, ist sie in einer bestimmten Beziehung auf eine fernere Art der Arbeit gesezt. Träte diese Arbeit nicht ein, so ist nicht nur die Form nutzlos an ihr gesezt worden, d. h. die frühere Arbeit wird nicht durch die neue bestätigt, sondern auch der Stoff ist verdorben, indem er in der Form als Twist nur Gebrauchswerth hat, insofern er wieder verarbeitet wird: nur noch Gebrauchswerth ist in Bezug auf den Gebrauch, den die fernere Arbeit davon macht; nur Gebrauchswerth ist, insofern seine Form als Twist aufgehoben / wird zu der von Ge-webe; während die Baumwolle in ihrem Dasein als Baumwolle unendlicher Nutzanwendun-gen fähig ist. So wäre ohne die fernere Arbeit der Gebrauchswerth von Baumwolle und Twist, Material und Form verhunzt; er wäre vernichtet, statt producirt worden.
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K. Marx, Grundrisse..., MEGA II/1.1  S. 272f. [MEW 42, S. 278]



Nota.  Sachlich gesehen, nämlich unterm Gesichtspunkt des Zwecks der Arbeit: dem be-absichtigten Gebrauchswert der Ware, handelt es sich eben nur um einen Arbeitsprozess; es ist die spezifische Form der industriellen Arbeitsteilung, der ihn in viele Einzelteile zerlegt, die nicht einmal mehr in derselben Fabrik erledigt werden; und die Einzelteile müssen je-desmal erst zu Tauschwerten, zu Geld werden, müssen verkauft sein, damit der nächsthöhe-re Gebrauchswert daraus werden und das Stück Gebrauchswert überhaupt bleiben kann –denn sonst wäre auch der Tauschwert verloren.
JE, 9. 11. 15

Dienstag, 24. März 2026

Urzeugung

microsites/pear                      zu Philosophierungen, oder Das Vernunftsystem

Bestimmen ist der Anfang von Allem.

Alles ist alles, was wir wissen. Wir wissen nicht vom Sein, sondern nur von Bedeutungen. Etwas ist, was als seiend gilt. Einem, das als seiend gilt, eine Bedeutung zuschreiben, ist bestimmen. Vorher war nichts wissbar.

Sein ist nur denkbar als Bestimmtsein als Dieses. Sein ist Dieses sein.
 
aus e. Notizbuch, 1. 9. 19
 
 
 

Montag, 23. März 2026

Unendliches Bedingungsverhältnis.

 
Ex nihilo Fred. Hart                                                                                                   zu Philosophierungen, oder Das Vernunftsystem

 Was als Welt im Bewusstsein vorkommt, ist nicht ein Summe von Seiendem, sondern ein unendliches Bedingungsverhältnis: Da ist Eines immer bedingt durch ein Vorangegangenes, und bedingt ein Anderes, das aus ihm folgt; doch da faktisch keines als Das Erste auftritt, kann man den unbegrenzten Komplex mal von hier und mal von da anschauen. Welches das Bedingte und welches die Bedingung ist, muss in jedem einzelnen Fall immer neu festgestellt werden; denn mal gilt die Bedingungsreihe so rum, mal gilt sie andersrum - es kommt immer darauf an, wo man anfängt.

Gemeint ist nämlich ein wirkliches Anfangen: so, als habe mit dem Bestimmen wirklich ein Erster angefangen, denn nichts anderes als Bestimmtheit heißt Bedingtheit und nichts anderes als Bedingen heißt bestimmen - es ist nicht, sondern muss getan werden. Und wenn nicht, gibt es ohne Bedingung keine Bestimmung und ohne Bestimmtheit keinen Begriff.

Unendlich ist der Komplex nur nach vorn: Das Bestimmen kommt nie zu einem Schluss. Aber denkbar ist es nur, sofern es angefangen wurde. Ex nihilo, muss man einräumen, solange man im Reich der Begriffe bleibt. So mag man die Bedingungsverhältnisse kreuz und quer verfolgen; nur umkehren lassen sie sich nicht. Hinter die vordere Grenze geht es nicht zurück. Hier muss die Einbildungskraft ihr Machwort sprechen.
19. 11. 19 

Sonntag, 22. März 2026

Stoff der Vernunft (Terminologisches).

                                      zu Philosophierungen, oder Das Vernunftsystem.

Originärer Stoff der Vernunft sind Vorstellungen. In Begriffen ist er bereits reflektiert und instrumentalisiert. Sie sind Stoff zweiter Wahl, nämlich schon geformter Stoff.

Stoff ist das Bestimmbare, Form ist Bestimmtheit, Begriff ist bestimmte Vorstellung; jeder Begriff lässt sich weiterbestimmen.

Bestimmen heißt, einer Absicht zuordnen; sie ist es, die im Begriff geltend gemacht wird. Den Stoff mit einer Absicht synthetisieren, heißt vernünftig handeln.
18. 11. 19 

 
Rein Terminologisches gibt es nicht: Der Terminus terminiert die Geltung einer Bedeutung, die ihrerseits durch die Aufzählung ihrer Merkmale zum Begriff definiert wird. Ohne Bedeutung geht es nicht.

Oben heißt es aber: Jeder Begriff lässt sich weiterbestimmen. Da wird ein Bestimmtes wieder zu einem Bestimmbaren. Wie das? Indem seine Merkmale zergliedert und Distink-tionen hinzugefügt werden. Immanente Differenzierungen bleiben analytisch, sie fügen materialiter nichts hinzu. Der Bedeutungskreis erweitert sich nicht, es wird lediglich feiner darin unterschieden. Vermehrung ist nur synthetisch möglich.

Eine Erweiterung des Horizonts wird erst wieder möglich, indem hinter die Begriffe zu den Vorstellungen zurückgekehrt wird, wo die ideale Tätigkeit wieder frei und unendlich ist. Spekulatives Denken in Begriffen ist ein Widersinn. Stofflich fortschreiten kann nur die Einbildungskraft.

Samstag, 21. März 2026

Begreifen ist wollen.

                                 aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Ich finde mich als wollend (Grundgesetz), so nur, in wiefern durch meinen Begriff etwas wirklich werden soll. Dies ist Gesetz meiner sinnlichen Erkenntnis, nun ist diese Wirklich-keit nicht, außer in wie fern sie durch meinen Begriff sein soll, sie wird also nicht erblickt, als insofern mein Begriff als Kausalität habend angeschaut wird. Nur insofern die Kategorie etwas hinzusetzt, produzierend ist; an einen Begriff als einen wirkenden wird die Wirkung erst hinzugedacht; durch die Kategorie wird etwas. 
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 198 


Nota I. - Hier sind wir nicht mehr beim reinen, sondern schon beim empirischen Wollen: Als Bestimmungsgrund ist der (Zweck-) Begriff hinzugetreten. Die Vorstellung der Kausa-lität ist ein Derivat des Wollens

In der Wirklichkeit will ich freilich immer schon etwas - dieses oder jenes -, und nie 'rein'.

31. 12. 14

Nota II. - Das reine Wollen ist ein bloßes Gedankending, Noumenon, das dazu dient, mei-nem wirklichen Wollen von diesem oder jenem einen Grund zu legen. Doch ist die Trans-zendentalphilosophie keine Metaphysik, die das, was ist, aus dogmatisch vorausgesetzten Ursachen konstruiert: 'Weil dieses so ist, folgt daraus jenes', was... so oder anders ist. So oder anders: Es müsste Notwendigkeit herrschen. 

Die Transzendentalphilosophie hat gar nicht mit Sachverhalten zu tun, die so oder anders sein könnten. Sie hat es mit den Vorstellungen zu tun. Da geht es nicht um hinreichende Gründe; sondern um die notwendigen Bedingungen ihrer Möglichkeit, und Möglichkeit ist unbestimmt. Sie können nicht erklären, warum etwas so oder so ist, sondern nur, dass etwas ist. 

Dass es so oder so ausfällt - dass der eine dies, der andere jenes vorstellt -, bedarf der Be-stimmung; am Grunde angekommen, findet sie ein sich-selbst bestimmendes Unbestimm-tes vor, eine prädikative Qualität, und die identifiziert sie als Freiheit. Sie ist vorauszusetzen als allererste Bedingung aller Möglichkeit. Vorausgesetzt bleibt immer ein Wollen. Ohne das wird aus keiner Möglichkeit etwas.
JE, 21. 11. 18

 

Nota. Das obige Foto gehört mit nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE   

Freitag, 20. März 2026

Das Gefühl und sein Gegenstand.

Go bash!                                  aus Wissenschftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik.

Das Gefühl ist Affektion unserer selbst, es wird im Gefühle uns etwas angetan, es muss also etwas in uns sein, dem es angetan wird, und dies ist unser Handeln, aber es ist für uns nichts ohne Beschränktheit und Beschränktheit nicht ohne Handeln, daraus besteht nun das Fühl-bare. Durch das Handeln ist es für uns; dadurch, dass es beschränkt ist, ist es Gegenstand des Gefühls. Alles unser Bewusstsein geht aus von einer Wechselwirkung des Handelns und der Beschränktheit, beides ist beisammen, und dies ist das Objekt des Gefühls.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982,S. 155 

 

Nota. – Die Wissenschaftslehre ist keine empirische Psychologie, sondern ein transzenden-tales Schema, das die Entstehung des Bewusstseins verständlich macht. Darum ist vom Ge-fühl in ihr stets nur die Rede, soweit es für die Entstehung des Bewusstseins eine Rolle spielt. 

Das Tier handelt nicht im hier gemeinten Sinn. Fühlt es nicht? Soweit es für das Entstehen des Bewusstseins von Belang ist: nein, nämlich nicht als Beschränktheit. (Begriffe sind nicht dazu da, etwas nicht Vorhandenes neu zu konstruieren, sondern etwas in der Wirklichkeit Geschehendes – die Entstehung des Bewusstseins – zu beschreiben; also sind sie tautolo-gisch.)
JE,
13. 11. 19

 

 

Donnerstag, 19. März 2026

Anschauung des Gefühls.

                                         zu Philosophierungen, oder Das Vernunftsystem

Das Anschauen [ist,] im Gegensatz mit dem Gefühle [ ,] Tätigkeit.
J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, S. 81 

Ich fühle keinen Gegenstand, ich fühle nicht einmal den Widerstand, den er meiner Tätig-keit leistet. Ich fühle, punctum. Das einzige Etwas, das in meinem Fühlen vorkommt, bin ich selbst. Dass es ein Gegenstand war, der dieses mein Fühlen verursacht hat, ist eine Schlussfolgerung meiner Reflexion: So "muss es ja" gewesen sein. - Das heißt Anschauung; mit ihr beginnt das Denken in specie. 

(Im Anschauen sind Setzen und Bestimmen unmittelbar dasselbe; Bestimmen allerdings nur als dieses, nicht als das.)
23. 11. 19 

Mittwoch, 18. März 2026

Fühlen und Dafürhalten.

  Dornauszieher                                                    aus Philosophierungen

Kants Unterscheidung von Phänomenon und Noumenon ist der Kern der Transzenden-talphilosophie. Das Phänomen ist das, was den Sinnen erscheint, nämlich in Raum und Zeit zugleich. Es ist das, was landläufig ein Ding genannt wird und als das eigentlich Wirkliche gilt. 

Aber es kommt auch in dem vor, was wir unser Denken nennen und unsern Geist. Doch während wir selbst in Raum und Zeit sind, sind es unsere Gedanken nicht. Als Gedanke ist das Ding jenseits - oder diesseits? - von Raum und Zeit. Was wir denken, ist nicht das Ding selbst, sondern das, was es bedeutet. Das Ding gibt es zweimal - einmal sinnlich und einmal geistig, einmal gefühlt und einmal gedacht; und soll doch dasselbe sein!

An den Dingen sind Fühlen und Meinen getrennt. Nach der Trennung kann ich fragen: Was ist jedes für sich, wo kommen sie jeweils her? Statt nachzusehen, wo sie vor der Trennung waren! Ursprünglich sind sie nämlich vereint - im Handeln. Im Handeln fühle ich und mei-ne ich gleichermaßen und kann nicht das eine ohne das andere. Die Frage muss vielmehr lauten: Wo kommt die Trennung her? Sie kommt aus dem Reflektieren auf das Handeln. Das Reflektieren ist selber Handeln. Das Handeln ist sein Gegenstand, den es 'gemeint' hat. Sein gemeinter Gegenstand ist eine Abstraktion vom wirklichen Handeln. So sind alle Nou-mena Abstraktionen von wirklichem Handeln - und bestünde es nur im Vorstellen. 

Das Vorstellen geschieht in Raum und Zeit, und es geschieht in Gedanken; als Gedanke. Es ist Handeln. Es ist Schema des Handelns, aber nicht sein Urbild, sondern sein Abstraktis-simum; nämlich wenn es losgelöst von gegenständlichem Handeln aufgefasst wird: von einer nachträglich hinzugetretenen Reflexion.

Der wirkliche Ausgangspunkt ist das Handeln, im Handeln sind sinnliche Welt und intelli-gible Welt eins. Erst wenn die Vorstellung sich aus dem Handeln hinausdenkt und von Din-gen unterscheidet, entsteht mit der intelligiblen Welt eine sinnliche. Im wirklichen Leben sind sie ungeschieden, denn da ist jedes Ding das, als was es gilt, und was nicht als dieses oder jenes gilt, gilt immerhin als Rätsel.
19. 3. 20

 

Dienstag, 17. März 2026

Die vorzügliche Verwendung des Begriffs ist Kritik.

                                   zu Philosophierungen, oder Das Vernunftsystem

Der Begriff fasst mannigfaltige Erscheinungen unter einem oder mehreren Merkmalen zusammen: Es ist diese Gemeinsamkeit der Merkmale, die sie eo ipso von allen anderen Erscheinungen unterscheidet. Zu Grunde liegt aber das Unterscheiden der Merkmale. Es sind die Absichten der Menschen, an denen die Dinge Merkmale bekunden. Indem er an-fangs bestimmt und das heißt unterschieden hat, kann der Begriff erst zusammenfassen.

Seine diskursive Verwendung des geschieht darum 
typischerweise im Auflösen der Ge-meinsamkeit. Das ist Analyse. Und Analyse geschieht typischerweise als Kritik; als Über-prüfung einer vorgefundenen Bestimmung.

Die vorzügliche Verwendung des Begriffs ist Kritik.
4. 9. 19

                                                                                                                                                                                           

Das darf man viel weiter fassen, als es zunächst den Anschein hat. Denn fast kann man sagen, das sei sein ursprünglicher Zweck. Sein sachlicher Gehalt war anfangs jeweils eine Vorstellung, die, weil sie analog (bildhaft) kodiert ist, nicht ohne Verlust einem andern mit-geteilt werden kann - dazu muss er vereindeutigt werden; müssen ihm Grenzen gezogen, nämlich definiert werden. Im Sprachspiel, zu dem sich gewohnheitsmäßige Mitteilung schließlich ausbildet, werden die Begriffe zu einander in ein Verhältnis gesetzt, welches ihrem Gebrauch unausgesprochen zu Grunde gelegt wird.

Das scheint dem rationalistisch vorgebildetem Westler als das entscheidende logologische Ereignis. Genetisch war aber der entscheidende Schritt im Aufstieg zur Rationalität nicht so sehr die Ausbildung eines Systems von Begriffenbei Fichte intelligible Welt -, sondern die Bestimmungsarbeit an der analogen Vorstellung zu einem digitalen Symbol.
JE 

 

Montag, 16. März 2026

Wirklich ist, was...

                                                                       aus Philosophierungen
    
... in Raum und Zeit vorkommt. Das hat auch Kant nicht anders gesehen. Und das Denken bringt es erst zu was, wenn es einsieht, dass Begriffe ohne Anschauung leer sind. Unter An-schauung verstand er alles, was sinnlich ist, und sinnlich ist, was... in Raum und Zeit vor-kommt.

Radikalisiert wurde Kant von J. G. Fichte. Der nennt, was sinnlich ist, geradewegs Gefühl. Anschauung sei dagegen schon eine intellektuelle Leistung, durch die nämlich ein Gefühl erstens als dieses und zweitens als meins bestimmt wird. Doch was es ist und was Ich hei-ßen kann, bestimme ich erst durch meine Arbeit des Begreifens (und die geschieht durch Setzen und Entgegensetzen). Denn ohne Begriff bliebe meine Anschauung blind.

aus einem Kommentar, 5. 1. 17


 
Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.

Sonntag, 15. März 2026

Das Transzendentale ist rein noumenal.

isha.sadhguru                          aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Dass Transzendenz nicht in die Wissenschaft und also auch nicht in die Philosophie gehört, hat sich als stille Selbstverständlichkeit durchgesetzt, wenn auch an theologischen Fakultä-ten pro forma noch das Gegenteil gesagt wird und Astrophysiker, wenn sie die Siebzig überschritten haben, ihre Phantasie auch gern mal hinter den Urknall zurückschweifen lassen. Wirklich ist bloß die Wirklichkeit.

Wie ist das mit dem Transzendentalen? Die paar verbliebenen trotzigen Kantianer - Fich-tianer gibt es auch wieder - meinen, dass die Positivismen verschiedener Couleur es noch nie überholt, nicht einmal eingeholt haben. Doch ob das Transzendentale nun zur Wirk-lichkeit gehört oder doch nicht mehr, darf man sie nicht fragen: So einfach wär das nicht! Vielleicht sei es ja eine Realität sui generis, der Erfahrng zwar nicht zugänglich, kann dank passender Verrichtungen womöglich doch spekulativ erschlossen werden? Nicht zu jeder Zeit und nicht durch jedermann, man kann gar nicht recht sagen, was es ist, man muss es selber ausprobiert, gewissermaßen erfahren haben wie das Mystische, sonst fasst man es nie...


Es wundert nicht, dass Studenten, die ein Faible für die Schärfe des Begriffs haben, die Transzendentalphilosophie unbeachtet links liegenlassen.

Man muss es ein für allemal klarstellen: Das Transzendentale hat keine Realität, es ist rein noumenal; und um den Schlaumeiern zuvorzukommen: Auch als Begriff  hat es keine Rea-lität.

Es ist nicht ratsam, mit der Transzendentalphilosophie an ihrem historischen Ursprung bei Kant anzufangen. Kant ist nicht zuende gekommen und auf halbem Weg stehen geblieben. Nach einem ganzen Leben Kantstudium hat noch jeder mehr Fragen übrigbehalten als Ant-worten bekommen. Bis zum Schluss ist Fichte gegangen, oder doch beinahe, er hat kurz vorher doch noch kalte Füße bekommen und sich in die Büsche gedrückt: Jacobi hatte ihm gesagt, er habe zwar gegen Kant völlig Recht, aber seine Philosophie könne lediglich den Nihilismus begründen, und egal, ob richtig oder falsch, sei sie daher zu verwerfen. Davor ist Fichte zurückgeschreckt.

Das hätte er aber nicht müssen, man kann auch als Nihilist ein anständiger Mensch bleiben, es kommt bloß drauf an, was man draus macht: Man hat ja jetzt Freiheit, und darum ging es ihm doch. Und das einen das umso stärker in die Pflicht nimmt, hätte ihm gefallen müssen.

*

Wenn ich also ohnehin an mich selbst und meine leere Freiheit verwiesen bin, wenn ich mir alles, was Wert hat, doch ganz alleine einbilden und vorstellen muss; wenn ich gar noch sel-ber entscheiden soll, was es jeweils wert ist - wozu bräuchte ich die Transzendental- oder sonst eine Philosophie überhaupt?

Das Noumenon ist nach Kant ein "Grenzbegriff", der die Selbstherrlichkeit der Sinnlich-keit, die alles gelten lässt, was sie mit eignen Augen sieht, sonst aber nichts - der ihre Selbst-herrlichkeit in die Schranken weist: Was ich soll, kann ich aus dem, was ist, nicht heraus-lesen. Das Noumenon ist ein bloß-Gedachtes, das auf ein Dasein in der Welt gar keinen Anspruch macht, das lediglich gelten will - nämlich im Verkehr der anderen Gedachten untereinander. 

Auch den Anmaßungen meiner Einbildungskraft ziehen die Noumena nämlich Grenzen, besser gesagt: Nur Noumena können meine Einbildungskraft in den ihr zukommenden Grenzen halten, denn außerdem ist sie ganz frei. Was ich soll, kann ich nämlich auch durch bloßes Einbilden nicht wissen. Ich werde es entscheiden müssen, aber dazu brauche ich Ma-ße, die ich wiederum nirgends finde als in mir. Das Transzendentale ist rein noumenal heißt: Die Transzendentalphilosophie ist das immanente Maß unserer Vorstellung. Das Maß hat selber kein Sein. Es ist immer nur dann und da, wenn und wo gemessen wird, denn das ge-schieht in der Wirklichkeit.

Ein Maß braucht sie freilich nur, wenn und sofern sie vernünftig sein will; das heißt: nicht immer und überall. Wenn ich nur für mich allein wäre, bräuchte ich keine Vernunft, da könnte ich tun, wonach mir eben ist.

28. 1. 17 
 
 

Der Stoff und seine Formen.

zoibrina                                                          aus Marxiana Indem so die lebendige Arbeit durch ihre Verwirklichung i...