Sonntag, 5. Juli 2026

Über den Witz.

 Maria Reinfeld,           zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik    

Witz ist eine sehr ernsthafte Sache.
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J. G. Fichte, Erste Wissenschaftslehre von 1804, Stuttgart 1969, S. 8 


Wenn z.B. der Philosoph eine Idee in allen ihren einzelnen Bestandtheilen Schritt vor Schritt zerlegt, jeden dieser Bestandtheile, einen nach dem andern, durch eines jeden eigenthümlichen Grenzbegriff bestimmt, und von ihm unterscheidet, so lange bis die ganze Idee erschöpft ist: so geht er den Weg der methodischen Mittheilung, und beweiset mittelbar die Wahrheit seiner Idee. 

Gelingt es ihm nun etwa noch zum Beschlusse das Ganze in seiner absoluten Einheit in einen einzigen Lichtstrahl zu fassen, der es wie ein Blitz durchleuchte und abgesondert hinstelle, und jeden verständigen Hörer oder Leser ergreife, dass er ausrufen müsse: ja wahrhaftig so ist es, jetzt sehe ich es mit einemmale ein; so ist dies die Darstellung der aufgegebenen Idee in ihrer unmittelbaren Anschaulichkeit, oder die Darstellens derselben durch den Witz: und hier zwar durch den directen oder positiven Witz.
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Nota. - So geht es natürlich auch: Er gibt erst seinen Witz zum Besten und erklärt ihn danach; oder irgendein anderer, der ihn verstanden hat.

Didaktisch ist das sogar geschickter; aber nicht mehr lustig.
JE.

Samstag, 4. Juli 2026

Freiheit ist nur in ihrem Podukt anschaubar.

                         zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Die Freiheit ist absolute Selbstaffektion und weiter nichts, sie ist aber kein Mannigfaltiges, also auch nicht anschaubar. Hier soll aber ein Produkt derselben anschaubar sein, sie soll also mittelbar anschaubar sein. 
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, S. 59 
 

 
Nota. - Bedenke jedoch, dass ihr Produkt nicht dieser oder jener Gegenstand ist, sondern die Handlung selbst.
JE
 
 
Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. 

Freitag, 3. Juli 2026

Krisen sind notwendig, um das gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen.

umdiewelt                                                                aus Marxiana

Gleichzeitig mit der Entwicklung der Produktivkraft entwickelt sich die höhere Zusam-mensetzung des Kapitals, die relative Abnahme des variablen Theils gegen den konstanten.
 

Diese verschiednen Einflüsse machen sich bald mehr neben einander im Raum, bald mehr nach einander in der Zeit geltend; periodisch macht sich der Konflikt der widerstreitenden Agentien in Krisen Luft. Die Krisen sind immer nur momentane gewaltsame Lösungen der vorhandnen Widersprüche, gewaltsame Eruptionen, die das gestörte Gleichgewicht für den Augenblick wieder herstellen.
 
Der Widerspruch, ganz allgemein ausgedrückt, besteht darin, daß die kapitalistische Pro-duktionsweise eine Tendenz einschließt nach absoluterEntwicklung der Produktivkräfte, abgesehn vom Werth und dem in ihm eingeschloßnen Mehrwerth, auch abgesehn von den gesellschaftlichen Verhältnissen, innerhalb deren die kapitalistische Produktion stattfin-det; während sie andrerseits die Erhaltung des existirenden Kapitalwerths undseine Ver-werthung im höchsten Maß (d. h. stets beschleunigten Anwachsdieses Werths) zum Ziel hat. Ihr specifischer Charakter ist auf den vor handnen Kapitalwerth als Mittel zur größtmög-lichen Verwerthung dieses Werths gerichtet. Die Methoden, wodurch sie dies erreicht, schließen ein: Abnahme der Profitrate, Entwerthung des vorhandnen Kapitals, und Ent-wicklung der Produktivkräfte der Arbeit auf Kosten der schon producirten Produktivkräfte.

Die periodische Entwerthung des vorhandnen Kapitals, die ein der kapitalistischen Produk-tionsweise immanentes Mittel ist, den Fall der Profitrate aufzuhalten und die Akkumulation von Kapitalwerth durch Bildung von Neukapital zu beschleunigen, stört die gegebnen Ver-hältnisse, worin sich der Cirkulations- und Reproduktionsproceß des Kapitals vollzieht, und ist daher begleitet von plötzlichen Stockungen und Krisen des Produktionsprocesses.
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K. Marx, Das Kapital III, MEGA II/15,  S. 245f.  [MEW 25, S. 259f.]
   



Nota I. - Nicht nur können Krisen nicht verhindert werden, weil das nötige politische Ins-trumentarium fehlt. Es wäre auch nicht sinnvoll, sie zu verhindern, weil sonst das Gleichge-wicht ganz verloren ginge.

Ach, das Gleichgewicht soll anders wiederhergestellt werden als durch die Krise? Das geht nicht, solange Kokurrenz herrscht, und die ist die Triebkraft der kapitalistischen Produk-tion. So können Krisen zwar palliativ gemildert werden, aber nur durch anhaltende Akku-mulation neuer Ungleichgewichte - Aufblähen eines (aus kapitalistischer Sicht) unprodukti-ven Staatssektors und Explosion der öffentlichen Schulden.
21. 1. 17 

Nota II. -  Vgl. darüberhinaus Das fixe Kapital und das System der Arbeitsteilung.
JE

Donnerstag, 2. Juli 2026

Vorkapitalistische Herrschaftsformen mussten sich nicht verschleiern.

                                                                     aus Marxiana

In frühern Gesellschaftsformen tritt diese ökonomische Mystifikation nur ein hauptsächlich in Bezug auf das Geld und das zinstragende Kapital. Sie ist der Natur der Sache nach ausge-schlossen, erstens wo die / Produktion für den Gebrauchswerth, für den unmittelbaren Selbstbedarf vorwiegt; zweitens wo, wie in der antiken Zeit und im Mittelalter, Sklaverei oder Leibeigenschaft die breite Basis der gesellschaftlichen Produktion bildet: die Herrschaft der Produktionsbedingungen über die Producenten ist hier versteckt durch die Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnisse, die als unmittelbare Triebfedern des Produktionsprocesses erscheinen und sichtbar sind. 

In den ursprünglichen Gemeinwesen, wo naturwüchsiger Kommunismus herrscht, und selbst in den antiken städtischen Gemeinwesen, ist es dies Gemeinwesen selbst mit seinen Bedingungen, das als Basis der Produk-tion sich darstellt, wie seine Reproduktion als ihr letzter Zweck. Selbst im mittelalterlichen Zunftwesen er-scheint weder das Kapital noch die Arbeit ungebunden, sondern ihre Beziehungen durch das Korporationswe-sen und mit demselben zusammenhängende Verhältnisse und ihnen entsprechende Vorstellungen von Berufspflicht, Meisterschaft etc. bestimmt. Erst in der kapitalistischen Produktionsweise
[Hier bricht das Ms. ab.]
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K. Marx, Das Kapital III, MEGA II.15; S. 805f. [MEW 25, S. 839]   


Nota. - Genauer gesagt, vorkapitalistische Herrschaftsformen konnten sich gar nicht ver-schleiern. Sie waren das, als was sie erschienen und erschienen als was sie waren. Die Grundherrschaft der Feudalen beruhte auf ihrer Zugehörigkeit zur Klasse des kriegfüh-renden Adels oder einer geweihten Priesterschaft - was weitgehend auf dasselbe hinauslief. Sie war nicht durch ökonomische Abhängigkeiten "vermittelt", sondern sie begründeten dieselben. Dass ökonomische Abhängigkeiten politische Herrschaft begründen, ist vielmehr das auszeichnende Merkmal der bürgerlichen Verkehrsweise. Es ist dieser Umstand, der ide-ologisch verklärt werden muss, denn gerechtfertigt erscheint er nur im Sinne geltenden Rechts, nicht aber im Sinne höherer Gerechtigkeit. 

So war hingegen die Feudalherrschaft begründet - nämlich in höherer, überirdischer Ordnung. Nicht der Umstand, dass sie herrschen, muss vertuscht werden, sondern die überzeitliche Gültigkeit jener Ordnung muss zelebriert und repräsentiert werden. Pracht und Luxus, die die Bourgeoisie vor den Augen des Publikums verstecken muss, sind in der Feudalordnung nicht Vergeudung, sondern werden als Verschwendung zu unverzichtbaren Attributen des Herrschens, und werden öffentlich zur Schau gestellt. Ihre Zurschaustellung ist fast das einzige Stück Öffentlichkeit, das sich mit der Feudalität verträgt.
JE, 21. 12. 15



Mittwoch, 1. Juli 2026

Das fixe Kapital und das System der Arbeitsteilung.

Ford, Fließband                                                                             aus Marxiana

Das Charakteristische dieser Art der Ökonomie des konstanten Kapitals, die aus der fort-schreitenden Entwicklung der Industrie hervorgeht, ist, dass hier das Steigen der Profitrate in einem Industriezweig geschuldet wird der Entwicklung der Produktivkraft in einem an-dern. Was hier dem Kapitalisten zugute kommt, ist wieder ein Gewinn, der das Produkt der gesellschaftlichen Arbeit ist, wenn auch nicht das Produkt der direkt von ihm selbst explo-itierten Arbeiter.

Jene Entwicklung der Produktivkräfte führt sich in letzter Instanz immer zurück auf den gesellschaftlichen Charakter der in Tätigkeit gesetzten Arbeit; auf die Teilung der Arbeit innerhalb der Gesellschaft; auf die Entwicklung der geistigen Arbeit, namentlich der Na-turwissenschaft. Was der Kapitalist hier benutzt, sind die Vorteile des gesamten Systems der Arbeitsteilung. Es ist die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit in ihrer auswärtigen Abteilung, in der Abteilung, die ihm Produktionsmittel liefert, wodurch hier der Wert des vom Kapitalisten angewandten konstanten Kapitls relativ gesenkt, also die Profitrate erhöht wird.

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K. Marx, Das Kapital III, MEW 25, S. 92



Nota. - Die Rede ist hier von dem Teil des konstanten Kapitals, der in Produktionsmitteln besteht (der andere Teil wären die Rohstoffe); dem, was M. andernorts das fixe Kapital nennt. Im fixen Kapital ist allerdings der ganze Stand der technischen Kultur, nämlich die ganze Arbeitsteilung vergegenständlicht. Wenn auch der Tauschwert der Produkte letzten Endes nur im jeweiligen Produktionspreis der Arbeitskraft besteht: der Gebrauchswert der Produktion wird bestimmt vom Stand der Technologie, und zu der gehört der Bildungsgrad des Arbeitsvermögens.
JE,
29. 12. 16

 

 

Dienstag, 30. Juni 2026

Gesetz der relativen Überbevölkerung.

                                                                       aus Marxiana
 
Es zeigt sich hier das schon früher entwickelte Gesetz, daß mit der relativen Abnahme des variablen Kapitals, also der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit eine wachsend größre Masse Gesammtkapital nöthig ist, um dieselbe Menge Arbeitskraft in Bewegung zu setzen und dieselbe Masse Mehrarbeit einzusaugen. 

Im selben Verhältniß daher, wie sich die kapitalistische Produktion entwickelt, entwickelt sich die Möglichkeit einer relativ überzähligen Arbeiterbevölkerung, nicht weil die Produk-tivkraft der gesellschaftlichen Arbeit abnimmt, sondern weil sie zunimmt, also nicht aus einem absoluten Mißverhältniß zwischen Arbeit und Existenzmitteln oder Mitteln zur Produktion dieser Existenzmittel, sondern aus einem Mißverhältniß, entspringend aus der kapitalistischen Exploitation der Arbeit, dem Mißverhältniß zwischen dem steigenden Wachsthum des Kapitals und seinem relativ abnehmenden Bedürfniß nach wachsender Bevölkerung.
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K. Marx, Das Kapital III, MEGA II/15,  S
 
. 220f. [MEW 25, S. 232]   

 
 
Nota. - 'Überbevölkerung' entsteht, wenn die neu hinzugefügte lebendige Arbeit gegenüber der in der Maschinerie akkumulierten toten Arbeit eine nur noch verschwindende Größe darstellt - logisch gesprochen. Materiell ist das der Fall, wenn die hinzugefügte Arbeit, so produktiv sie auch sei, nicht mehr ausreicht, um eine Wertmasse zu schaffen, die mit dem am Markt bereits präsenten Kapital konkurrieren, nämlich selbst als neues Kapital fungieren könnte. Dann könnte nicht mehr akkumuliert werden und die Konkurrenz käme zum Erliegen; und damit die Wertproduktion selbst: Das wäre der Fall der Profitrate
 
Dieses  Gespenst hatte schon Adam Smith beunruhigt, der es gar nicht recht verstand. Marx hat es erklärt, aber wohlweislich lediglich als eine Tendenz der Kapitalproduktion ausgesprochen. Denn 'es gilt' vorerst nur logisch. In der historischen Wirklichkeit gibt es im 'Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion' tausend unvorhergesehene Fakten, die ihm immer wieder entgegenwirken - namentlich die unvermeidliche Entwertung des akkumulierten fixen Kapitals durch Krisen, Kriege und... den technischen Fortschritt, der letzthin jedes historische Maß überschritten hat.
 
Logisch stammt das Gespenst der Überbevölkerung aus einem Entwicklungsstadium der kapitalistischen Pruktionsweise, in der sie faktisch noch gar nicht möglich war.
 
Nota II. - Doch wenn es dieses Gesetz wirklich gäbe, müsste der reale Arbeitslohn unaufhörlich sinken, und aus dem Gesetz der relativen Überbevölkerung würde ein Gesetz der absoluten Verelendung des Proletariats. Wenn es also nach den Begriffen ginge...
JE 
 
 
Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE

Montag, 29. Juni 2026

Wird die Logik wie der Wert im verallgemeinerten Verkehr ermittelt?

Les Halles de Paris                         aus Marxiana

Einigen unter den Kennern und Liebhabern ist aber aufgefallen: Im reellen Prozess des Warenverkehrs wird als Tauschwert schließlich und endlich eine reelle Größe ermittelt - nämlich der Anteil am gesellschaftlichen Gesamtarbeitstag, der in der Ware jeweils verge-genständlicht ist. Das ist ein tatsächliches, historisches Verhältnis, das aber außerhalb dieses reellen Vermittlungsprozesses nie und nirgends in Erscheinung tritt.

Gibt es eine ähnliche feste Größe, um die kreisend die Logik sich aus dem geistigen Verkehr der Menschen ausgemittelt hätte? Die also der Logik logisch vorausgeht? Das könnte doch nur das Projekt eines intelligenten Designers sein! Dem läge wiederum gar nichts irgend Zwingendes zu Grunde; es wäre ein reiner Willkürakt ohne alle Logik.

Aber so ist es nicht. Der Tauschwert - Wert - der Ware ist etwas Sachliches: das wirkliche, tätige Verhältnis lebendiger Menschen, die ihre Produkte tauschen unter der Bedingung prinzipiell knapper Ressourcen - und unter der Bedingung, dass der Stoffwechsel der Men-schen mit der Natur und miteinander in ganz überwiegender Weise in der Nutzung und dem Verzehr von Gegenständen geschieht, die (nur) durch menschliche Arbeit erzeugt werden können. Ob das der Fall ist oder nicht, ist ausschließlich historisch bedingt und muss wie jedes historische Datum empirisch überprüfbar sein.

Was der Logik 'zugrunde liegt', ist aber nicht eine Wirkursache, sondern eine Zweckursache. Sie soll es möglich machen, dass ein gedankliches Argument jederzeit einem jeden so mit-teilbar ist, dass es ihm so einleuchtet, wie es dem Absender eingeleuchtet hat (ohne Infor-mationsverlust, clare et distincte, usw. usw. ...) Das kann sich nur erweisen, indem man es versucht. 

Ein solches Verfahren heißt problematisch. Der Zweck ist gegeben, aber als reine Form: Es soll 
Übereinstimmung hergestellt werden. Er ist Postulat; Projekt.  

Ob das Argument Übereinstimmung erlaubt, ist immer noch eine materiale Frage, die ge-prüft wird im Akt des Mitteilens selbst: Hält das Material den Mühsalen der Mitteilung stand? Das ist an vielen Materialen und vielen Übermittlungsweisen auszuprobieren, man kann nicht das eine überprüfen ohne das andere: Es ist ein ununterbrochener, sich ständing erneuernder Prozess; der niemals endende geistige Verkehr eben.

Dass er schließlich zu einem ('einstweilen definitiven') Ergebnis kommt, liegt daran, dass sie 'letzten Ende beide aus demselben Stoff' gemacht sind: der Intentio, der Absicht der mitein-ander verkehrenden Subjekte. Wobei sich das einstweilen definitive, aber konkrete Ergebnis an dem absoluten, aber als solchem unbestimmten Endzweck, der Endzweck wiederum
an den konkret-vermittelten Zwischenzwecken bewährt; diese an jenem formal, jener an ihnen material.
im Herbst 2015 


Die Analogie zum Wertgesetz springt ins Auge. Dabei ist dieses im engsten Sinne materiell, die Logik aber rein... logisch und ideell. Beide beruhen auf Voraussetzungen. Dieses auf materiellen, jene auf ideellen.

Die materiellen Voraussetzungen des Wertgesetzes sind, dass das gesellschaftliche Leben von einer Knappheit an Lebensmitteln bestimmt wird, die ihrerseits durch Arbeit jederzeit vermehrt werden können; und dass das Material und die Instrumente der Arbeit bei einer bestimmten Gruppe von Individuen monopolisiert ist, sodass alle Gesellschaftsangehö-rigen auf gegenseitigen Austausch angewiesen sind, weil das Arbeitsprodukt stets als Ware erscheint. Daraus ergeben sich alle andern Bestimmungen, die unterm Strich das Wertgesetz ausmachen.

Die Voraussetzung der Logik ist - was sie nicht ahnt - eine pragmatische: Es soll absolute Geltung geben. Damit es sie gibt, werden die Bedingungen herausgefunden, unter denen ein logisches Datum - ein Satz - gilt. Sind die Bedingungen gegeben, ist die Geltung absolut. Nur so ist ein verallgemeinerter Austausch von Gedachtem möglich.

Ist er aber nötig? Die Waren müssen vom Produzenten an die Konsumenten gelangen, das ist notwendig, damit die Gesellschaftsangehörigen Mittel zum Leben finden. In gewissem Maß ist dazu freilich ein Austausch von Gedachtem unerlässlich. Tatsächlich befasst sich aber der Austausch von Gedachtem in allen Gesellschaften, von den primitivsten Jäger- und Sammlerstämmen bis zu den postindustriellen Gemeinwesen der digitalen Revolution, mit weit mehr als der Produktion und Verteilung materieller Güter. Letzteres wird in den kom-menden Generationen immer mehr zur Angelegenheit intelligenter Maschinen werden. Wüssten wir uns nur um unsere materiellen Belange zu verständigen, stünden wir dann dumm da, aber zum Glück wissen wir viel mehr.

Ein Glück ist es, denn eine Gesetzmäßigkeit ist darin nicht zu erkennen. Es ist eine augen-fällige Selbstverständlichkeit - das ja -, dass die Menschen, wenn sie das Denken schonmal erfunden haben, damit alles Mögliche versuchen und schaffen würden: So sind wir eben. Aber notwendig war es ja gerade nicht. Möglich wird dieses oder jenes, weil wir... die Frei-heit haben, es zu versuchen, und selbstverständlich ist uns nur, dass wir diese Freiheit haben und immer hatten. Denn wenn sich der Philosoph gelegentlich auch fragt, ob die Freiheit nicht unser Fluch ist, muss er doch dem Faktum ins Auge schauen, dass wir ihrer Versu-chung immer und immer wieder erliegen. Und dass wir das Beste, was man über unsre Auftritte in der Geschichte sagen kann, ihr verdanken.
13. 5. 17 
 
 
 

Sonntag, 28. Juni 2026

Ein Verhältnis von Sachen tritt an die Stelle des Verhältnisses zwischen Personen.

frauenzimmer                                                      aus Marxiana

Der gesellschaftliche Charakter der Thätigkeit, wie die gesellschaftliche Form des Products, wie der Antheil des Individuums an der Production erscheint hier als den Individuen gegen-über Fremdes, Sachliches; nicht als das Verhalten ihrer gegen einander, sondern als ihr Un-terordnen unter Verhältnisse, die unabhängig von ihnen bestehn und aus dem Anstoß der gleichgültigen Individuen auf einander entstehn. 

Der allgemeine Austausch der Thätigkeiten und Producte, der Lebensbedingung für jedes einzelne Individuum geworden
[ist], ihr wechselseitiger Zusammenhang, erscheint ihnen selbst fremd, unabhängig, als eine Sache.* Im Tauschwerth ist die gesellschaftliche Bezie-hung der Personen in ein gesellschaftliches Verhalten der Sachen verwandelt; das persön-liche Vermögen in ein sachliches. 

Je weniger gesellschaftliche Kraft das Tauschmittel besizt, je zusammenhängender es noch mit der Natur des unmittelbaren Arbeitsproducts und den unmittelbaren Bedürfnissen der Austauschenden ist, um so grösser muß noch die Kraft des Gemeinwesens sein, das die Individuen zusammenbindet, patriarchalisches Verhältniß, antikes Gemeinwesen, Feuda-lismus und Zunftwesen. (Sieh mein Heft, XII, 34 b.)
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K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 90 [MEW 42, S. 91]  


*Nota. - Nachdem die 'Sachen' zu Begriffen substanzialisiert wurden! "Verdinglichung" er-scheint zuerst als Verbegrifflichung. 
JE, 26. 1. 16

Samstag, 27. Juni 2026

Einfache und verallgemeinerte Zirkulation.

alcoholabuseandrehab                                               aus Marxiana

Die einfache Circulation bestand aus einer Menge gleichzeitiger oder successiver Austau-sche. Die Einheit derselben als Circulation betrachtet, war eigentlich nur vom Standpunkt des Beobachters aus vorhanden. (Der Austausch kann zufällig sein und er hat mehr oder minder den Charakter, wo er auf den Austausch des Ueberflusses beschränkt, nicht das Ganze des Productionsprocesses ergriffen hat.) 

In der Circulation des Capitals haben wir eine Reihe von Tauschoperationen, von Tausch-akten, deren jede gegen die andre ein qualitatives Moment vorstellt, ein Moment in der Re-production und Wachsthum des Capitals. Ein System von Austauschen, Stoffwechsel, so weit der Gebrauchswerth betrachtet, Formwechsel, so weit der Werth als solcher betrachtet wird. 

Das Product verhält sich zur Waare, wie Gebrauchswerth zum Tauschwerth; so die Waare zum Geld. Hier erreicht die eine Reihe ihre Höhe. Das Geld verhält sich zur Waare in die es rückverwandelt wird als Tauschwerth zum Gebrauchswerth; noch mehr so das Geld zur Arbeit. 
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K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 522 [MEW 42, S. 537] 



Nota I. - Die einfache Zirkulation gehört zu einer Entwicklungsstufe, wo die Güter noch vornehmlich um ihres Gebrauchswerts willen produziert, und nur nebenbei gegen andere Güter eingetauscht werden. Mit der Ent-wicklung des Kapitals werden die Güter von vorn-herein als Waren und um ihres Tauschwert willen produziert; ihr Gebrauchswert kommt nur sekundär als Bedingung für die Realisierbarkeit des Tauschwerts in Betracht.
8. 1. 2016

Nota II. - Die Zirkulation ist der prozessierende Moment, in dem der Wert 'real' wird - nämlich realisiert als das Maß, nach dem die Ware getauscht wird. Aber natürlich tauschen sie nicht sich selbst; das tun Menschen, die sich aus gegebende Gründen einen geltenden Maßstab vorstellen. Nicht das Produkt 'verhält sich...', sondern die Produzenten verhalten sich - sofern sie Austauschende sind. Der verdinglichende Jargon, den Marx noch pflegt, war bei den politischen Ökonomen nicht minder üblich als bei Hegel, und das ist kein Zufall.
JE 

Freitag, 26. Juni 2026

Geistige Arbeit wird grundsätzlich unter ihrem Wert bezahlt.

Benin-Bronze?                                                 aus Marxiana

Das Produkt der geistigen Arbeit – die Wissenschaft – steht immer tief unter ihrem Wert. Weil die Arbeitszeit, die nötig ist, um sie zu reproduzieren, in gar keinem Verhältnis steht zu der Arbeitszeit, die zu ihrer Originalproduktion erforderlich ist. Z. B. den binomischen Lehrsatz kann ein Schuljunge in einer Stunde lernen.
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K. Marx, Theorien über den Mehrwert, MEW Bd. 26.1, S. 329



Einmal entdeckt, kostet das Gesetz über die Abweichung der Magnetnadel im Wirkungs-kreise eines elektrischen Strom oder über Erzeugung von Magnetismus im Eisen, um
das ein elektrischer Strom kreist, keinen Deut.*

*)Die Wissenschaft kostet dem Kapitalisten überhaupt "nichts", was ihn durchaus nicht hindert, sie zu exploitieren. Die "fremde" Wissenschaft wird dem Kapital einverleibt wie fremde Arbeit. 
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ders., Das Kapital I, MEW Bd. 23, S. 407f.



...ist zu unterscheiden zwischen allgemeiner Arbeit und gemeinschaftlicher Arbeit. Beide spielen im Produktionsprozeß ihre Rolle, beide gehen ineinander über, aber beide unter-scheiden sich auch. Allgemeine Arbeit ist alle wissenschaftliche Arbeit, alle Entdeckung, alle Erfindung. Sie ist bedingt teils durch Kooperation mit den Lebenden, teils durch Benutzung der Arbeiten Früherer. Gemeinschaftliche Arbeit unterstellt die unmittelbare Kooperation der Individuen.
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ders., Das Kapital III, MEW 25, S. 113f.



Nota. Der Wert wird nicht bestimmt durch das, was gestern war, sondern durch das, was heute gilt. 

JE ,
5. 12. 15


 

Donnerstag, 25. Juni 2026

Transzendentale Miszellen.

                             zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Bürgerliche Gesellschaft heißt Markt, allgemeiner Verkehr, allgemeine Vermittlung. Heißt Arbeitsteilung, Austausch, Kooperation. Kooperation beruht darauf, dass ich die Hand-lungen  des Andern vorhersehen kann, mich darauf verlassen kann, dass er so und nicht anders reagiert. Bürgerliche Gesellschaft heißt Regelhaftigkeit. Wenn Kooperation gelingen soll, muss das Marktgeschehen berechenbar sein.

Dass die bürgerliche Gesellschaft den Kritikern im Gegenteil als ein Reich von Chaos und Willkür erscheint, liegt gerade daran, dass sie sie berechnen wollen. Als regelhaft und ge-setzlich erscheint sie immer, wenn sie funktioniert. Das tut sie, als Spiel von Angebot und Nachfrage, aber nur in der Regel; und nicht, wenn diese aussetzt.

Schein&Sein  

Der sinnliche Schein des Erscheinenden, der trügerische, ist ein zufälliger Schein - insofern, als er mir oder einem andern bei anderer Gelegenheit anders erscheint. So ein anderer ist auch der Schein, den das Erscheinende dem experimentierenden Wissenschaftler im Labor zeigt: Es kann auch anders sein, je nach Versuchsanordnung. "Sein" ist dagegen der Name für einen - hypothetischen - notwendigen Schein: das, was erschiene, wenn ich alle zufälli-gen Bedingungen beiseiteließeDas, was unter allen Umständen übrigbliebe.  

Alle Zufälle kann ich freilich nur hinweg denken. Zuerst also: Das Nicht-Bedingte, das nicht Zufällige, das schlechterdings Notwendige, lässt sich eo ipso nur denken. Wenn ich alle be-sonderen Bestimmungen hinwegdenke, bleibt ein schlechterdings Unbestimmtes zurück - das ich eo ipso nicht denken kann. Das Unbedingte ist, je nach Ansicht (die wiederum ein Zufall wäre!) einerseits das Ding-an-sich, "Dingheit", quidditas. Andererseits "Bedeutung", "Sinn" an-sich, qualitas. Beides, sofern ich Etwas als von mir unterschieden "wahrnehme". Ich werde 'Ich' aber erst, wenn und weil ich im Urteil beide unterscheide und auf einander beziehe.

*

Wenn es nur Bedingtes gibt, dann gibt es keine Bedingung , und also kein Bedingtes. Und also Nichts.*

*) Es ist die Rede von Bedeutungen, von Gelten; nicht von den "Dingen": Die mögen "rein zufällig" sein, und ergo nicht 'bedingt'. Aber merkwürdig: Das würden die meisten Anhän-ger von 'alles ist bedingt' gerade nicht 'gelten' lassen! Der 'Grund' der Geltung ist keine "Ur-sache", sondern "nur" [eine Absicht, für die etwas gilt].

Aus e. Notizheft, 14. 10. 03 

 

Nachtrag. Ich habe immer wieder mal versucht, aus meinem Eignen einen Zugang zur transzendentalen - alias 'kritischen' - Denkart zu finden. Angezeigt schien mir immer (früh) ein streng phänomenales Vorgehen. Was die Begriffe mir zu leisten vermögen, würde ich kaum herausfinden, wenn ich sie von Anfang an so verwendete, wie sie es gerne hätten. Denn dass sie dies 'gerne haben' und jenes nicht, bedeutet nur, dass sie selber ja nicht vom Himmel gefallen sein können, sondern von jemandem - bzw. von Jemanden - gefasst wor-den sein müssen. Und die können es schwerlich ohne eine Absicht getan haben; und die ihrerseits wird man durchschlagen spüren, wenn man es nur spüren will. Und wird sie ab-streifen müssen, um zum Kern zu kommen.

Die kritisch-richtige Methode ist daher die phänomenale. Wir reden vom Denken, Vorstel-len und Urteilen? Nehmen wir es eben so, wie wir es vorfinden. Kant hat es genommen als die Vernunft, wie er sie zu seiner Zeit tatsächlich vorgefunden  hatte. Da war einerseits die Newton'sche Physik und andererseits das rationalistische System von Wolff und Baumgar-ten, dessen Anhänger er selbst gewesen war. Dazwischen lagen störend der englische Sensu-alimus und David Humes Kritik an der Kausalität. Das war, was dem vernünftig Denken-den phänomenal gegeben war.

Seine Frage hieß, was kann die Definition von Begriffen leisten und was nicht? Er hat sie verklausuliert in der Formel Wie sind synthetische Urteile a priori möglich? So umschrieben steckt darin nicht nur der Satz Wieviel Welt steckt in den Begriffen?, sondern zugleich: Wie tief steckt der Begreifende in seiner Welt?

Es hat mich früh bedünkt: Ohne Marx gehts nicht. Aber mit Marx gehts nur ohne Hegel. Womit dann? Mit der Kritischen alias TranszendentalPhilosophie. Und nicht mit der Kant-schen Frühform, sondern mit der fast vollendeten Fichte'schen Fassung - wenn man sie nur zu vollenden wagt.
2. 6. 25 

 


Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. 

Über den Witz.

  Maria Reinfeld,              zu   Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik       Witz ist eine sehr ernsthafte Sache. _____...