Montag, 12. Oktober 2026

Symbolisieren.

Symbol  für Kraft                                    zu Philosophierungen, oder Das Vernunftsystem

Ich: 
Die definitive Scheidung von bildhaftem Vorstellen und begrifflichem Denken ist das Symbolisieren. Was zuvor nur unmittelbar war, wird durch sie vermittelt - und wird unendlich wiederholbar. Das Symbol überdauert die Zeit und Bedeutung dauert endlos: So entsteht der Begriff, und so verselbstständigt sich Bedeutung zum Gedanken. 
 
Das Symbol taugt zum digit. Die Digitalisierung wird zur zweiten Dimension des Bewusstseins. Doch  die wird nicht zur vollen Entfaltung finden, solange sie die Anschauung im analogen Modus als die mangelhafte Vorstufe zum Begriff auffasst: Sie ist seine Bedingung.

ChatGPT antwortet:

Ihr Schlussabsatz ist besonders wichtig: Die Digitalisierung wird zur zweiten Dimension des Bewusstseins, aber sie kann sich nicht voll entfalten, solange sie die Anschauung als bloße Vorstufe des Begriffs behandelt. Denn die Anschauung ist nicht das noch unvollkommene Denken, sondern dessen Bedingung.

Das knüpft unmittelbar an Ihre Unterscheidung an: Vorstellen kann mit einem Schema operieren; Denken muss die Geltungsbedingungen des Schemas selbst mitdenken können.

Ich sehe in Ihrem Text drei aufeinander aufbauende Behauptungen:

  1. Symbolisierung als Scheidung. Bildhaftes Vorstellen und begriffliches Denken werden nicht einfach unterschieden, sondern definitiv geschieden. Erst diese Scheidung ermöglicht ihre Vermittlung.

  2. Symbolisierung als zeitliche Verselbstständigung. Das Symbol überdauert den einzelnen Vollzug; Bedeutung wird wiederholbar und kann sich zum Gedanken verselbstständigen.

  3. Digitalisierung als zweite Bewusstseinsdimension. Diese gewinnt ihre Eigenständigkeit nicht dadurch, dass sie die Anschauung ersetzt, sondern nur, wenn sie deren konstitutive Funktion anerkennt.

An einer Stelle würde ich kritisch nachfragen: Sie schreiben, das Symbol taugt zum Digit. Das ist eine prägnante Formulierung, aber sie enthält einen Übergang, der noch erläutert werden müsste. Nicht jedes Symbol ist bereits digital im engeren Sinn. Was macht aus dem Symbol ein Digit? Ist es die prinzipielle Wiederholbarkeit, seine Abgrenzung von anderen Symbolen oder erst die regelgeleitete Unterscheidbarkeit, die eine digitale Ordnung ermöglicht?

Und noch eine Frage betrifft den Anfang: Wenn Vorstellen und Denken erst durch die Symbolisierung definitiv geschieden werden, in welchem Sinn können sie dann zuvor schon als zwei voneinander unterscheidbare Vermögen gelten? Vielleicht liegt gerade darin Ihr Punkt: Sie sind nicht ursprünglich zwei fertige Vermögen, die anschließend verbunden werden; sie werden erst durch ihre Scheidung zu dem, was sie sind.

Das wären meine beiden Einwände beziehungsweise Rückfragen. Im Übrigen scheint mir der Text eine klare These zu enthalten: Die digitale Dimension des Bewusstseins ist nicht die Überwindung der analogen, sondern eine durch Symbolisierung ermöglichte Differenzierung, die auf ihre anschauliche Bedingung angewiesen bleibt.
9. 10. 26 

Samstag, 10. Oktober 2026

Geld, Symbol und allgemeine Anerkennung.

                                                                   aus Marxiana

Die Verwandlung der Waare in Tauschwerth sezt sie aber nicht einer bestimmten andren Waare gleich, sondern drückt sie als Equivalent, ihr Austauschbarkeitsverhältniß zu allen andren Waaren aus. Diese Vergleichung, die im Kopf mit einem Schlag vorgenommen ist, wird in der Wirklichkeit nur in einem bestimmten, durch das Bedürfniß bestimmten Um-kreis realisirt, und nur successive. (Z. B. ich tausche der Reihe nach ein Ein/kommen von 100 Thalern, wie es meine Bedürfnisse mit sich bringen, gegen einen ganzen Umkreis von Waaren aus, deren Summe = dem Tauschwerth von 100 Th.) 

Um also die Waare auf einen Schlag als Tauschwerth zu realisiren und ihr die allgemeine Wirkung des Tauschwerths zu geben, reicht der Austausch mit einer besondren Waare nicht aus. Sie muß mit einem dritten Ding ausgetauscht werden, das nicht selbst wieder eine be-sondre Waare ist, sondern das Symbol der Waare als Waare, des Tauschwerths der Waare selbst; das also sage die Arbeitszeit als solche repräsentirt, sage ein Stück Papier oder Leder, welches einen aliquoten Theil Arbeitszeit repräsentirt. (Ein solches Symbol unterstellt die allgemeine Anerkennung; es kann nur ein gesellschaftliches Symbol sein; es drückt in der That nur ein gesellschaftliches Verhältniß aus.) 

Dieß Symbol repräsentirt die aliquoten Theile der Arbeitszeit; den Tauschwerth in solchen aliquoten Theilen, als fähig sind durch einfache arithmetische Combination alle Verhältnisse der Tauschwerthe unter einander auszudrücken. Dieß Symbol, dieß materielle Zeichen des Tauschwerths ist ein Product des Tausches selbst, nicht die Ausführung einer a priori ge-faßten Idee. (In fact wird die Waare, die als Mittler des Austauschs gebraucht wird, erst nach und nach in Geld verwandelt, in ein Symbol; sobald das geschehn ist, kann ein Symbol der-selben sie selbst wieder ersetzen. Sie wird jezt bewußtes Zeichen des Tauschwerths.)
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K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 78f. [MEW 42, S. 79]


Nota. – Begriff ist Symbol. Als solches unterstellt es allgemeine Anerkennung: Das ist der springende Punkt, denn die kann historisch gegeben oder nicht gegeben sein, und das ist eine rein faktische Frage. 

Eine logische Schwierigkeit – nämlich beim Gebrauch der Begriffe – liegt darin, dass das Symbol sowohl eine Klasse wirklicher konkreter Dinge bezeichnen kann, als auch eine blo-ße gedankliche Abstraktion oder gar Projektion. Ob das eine oder das andere, sieht man dem Symbol selber nicht an; man kann sie verwechseln.
JE,
7. 10. 15



 
Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

Freitag, 9. Oktober 2026

Vermittlung, Für-sich-sein und gegenseitige Anerkennung.

                                                                      aus Marxiana

Aber dieß ist nicht alles: Das Individuum A dient dem Bedürfnisse des Individuums B vermittelst der Waare a, nur insofern und weil das Individuum B dem Bedürfniß des In-dividuums A vermittelst der Waare b dient und vice versa. Jedes dient dem andren um sich selbst zu dienen; jedes bedient sich des andren wechselseitig als seines Mittels. 

Es ist nun beides in dem Bewußtsein der beiden Individuen vorhanden: 1) daß jedes nur seinen Zweck erreicht, soweit es dem andren als Mittel dient; 2) daß jedes nur Mittel für das andre (Sein für andres) wird als Selbstzweck (Sein für sich); 3) daß die Wechselseitigkeit, wo-nach jedes zugleich Mittel und Zweck, und zwar nur seinen Zweck erreicht, insofern es Mit-tel wird, und nur Mittel wird, insofern es sich als Selbstzweck sezt, daß jeder sich also als Sein für andres sezt, insofern er Sein für sich, und der andre als Sein für ihn, insofern er Sein für sich – daß diese Wechselseitigkeit ein nothwendiges fact ist, vorausgesezt als natür-liche Bedingung des Aus-tauschs, daß sie aber als solche jedem der beiden Subjekte des Austauschs gleichgültig ist, und ihm diese Wechselseitigkeit nur Interesse hat, so weit sie sein Interesse als das des andren ausschliessend, ohne Beziehung darauf befriedigt. 

D. h. das gemeinschaftliche Interesse, was als Motiv des Ge/sammtakts erscheint, ist zwar als fact von beiden Seiten anerkannt, aber als solches ist es nicht Motiv, sondern geht so zu sagen nur hinter dem Rücken der in sich selbst reflectirten Sonderinteressen, dem Einzelin-teresse im Gegensatze zu dem des andren vor. Nach dieser lezten Seite kann das Individu-um höchstens noch das tröstliche Bewußtsein haben, daß die Befriedigung seines gegen-sätzlichen Einzelinteresses grade die Verwirklichung des aufgehobnen Gegensatzes, des gesellschaftlichen allgemeinen Interesses ist. 

Aus dem Akt des Austauschs selbst ist das Individuum, jedes derselben in sich reflectirt als ausschließliches und herrschendes (bestimmendes) Subject desselben. Damit ist also die vollständige Freiheit des Individuums gesezt: Freiwillige Transaction; Gewalt von keiner Seite; Setzen seiner als Mittel, oder als dienend, nur als Mittel um sich als Selbstzweck, als das Herrschende und Uebergreifende zu setzen; endlich das selbstsüchtige Interesse, kein darüber stehendes verwirklichend; der andre ist auch als ebenso sein selbstsüchtiges Inter-esse verwirklichend anerkannt und gewußt, so daß beide wissen, daß das gemeinschaftliche Interesse eben nur in der Doppelseitigkeit, Vielseitigkeit, und Verselbstständigung nach den verschiednen Seiten der Austausch des selbstsüchtigen Interesses ist. Das allgemeine Inter-esse ist eben die Allgemeinheit der selbstsüchtigen Interessen. 
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K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 167f. [MEW 42, S. 169f.] 


 
Nota. - Das bürgerliche Individuum ist a priori als vergesellschaftet gesetzt: So 'findet es sich vor'. Vergesellschaftet aber nicht naturwüchsig durch leibhaftige Angehörigkeit zu einer Lebensgemeinschaft, sondern vorab vermittelt durch eine überpersönliche Instanz, den Markt; außerdem können die Andern ihm fremd bleiben. Als Marktteilnehmer ist er eine öffentliche Person, ansonsten wird er privat, was er in den naturwüchsigen Gemeinschaften niemals konnte.

Nota II. - Wenn Sie übrigens meinen, Vermittlung, Fürsichsein und Anerkennung seien Hegel'sche Schlüsselwörter, liegen sie nur halb richtig. Zuvor waren sie nämlich Fichte'sche Schlüsselwörter, bei dem hat sie der andere abgeschrieben.
JE,
22. 3. 18


 

Nota - Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog.  JE

Donnerstag, 8. Oktober 2026

Der universelle Vermittler.

 apotheken-umschau                                    aus Marxiana

Die Exakte Entwicklung des Capitalbegriffs nöthig, da er der Grundbegriff der modernen Oekonomie, wie das Capital selbst, dessen abstraktes Gegenbild sein Begriff, die Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft. Aus der scharfen Auffassung der Grundvoraussetzung des Verhältnisses müssen sich alle Widersprüche der bürgerlichen Production ergeben, wie die Grenze, an der es über sich selbst hinaus treibt.

Es ist wichtig zu bemerken, daß der Reichthum als solcher, i. e. der bürgerliche Reichthum immer in der höchsten Potenz ausgedrückt ist in dem Tauschwerth, wo er als Vermittler gesezt, als die Vermittlung der Extreme von Tauschwerth und Gebrauchswerth selbst. Die-se Mitte erscheint immer als das vollendete ökonomische Verhältniß, weil es die Gegensät-ze zusammenfaßt, und erscheint schließlich immer als eine Einseitig Höhere Potenz gegen-über den Extremen selbst; weil die Bewegung oder das Verhältniß, das / als vermittelnd zwischen den Extremen ursprünglich erscheint, dialektisch dazu nothwendig fortführt, daß es als Vermittlung mit sich selbst erscheint, als das Subject, dessen Momente nur die Extre-me sind, deren selbstständige Voraussetzung es aufhebt, um sich durch ihre Aufhebung selbst als das allein Selbstständige zu setzen. 

So in der religiösen Sphäre Christus der Mittler zwischen Gott und dem Menschen – bloses Circulationsinstrument zwischen beiden – wird ihre Einheit, Gottmensch, und wird als sol-cher wichtiger denn Gott; die Heiligen wichtiger als Christus; die Pfaffen wichtiger als die Heiligen. 
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K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 246f. [MEW 42, S. 250f.]


Nota. – Wert ist – nach seiner Erscheinung, sagt Marx, was immer das heißen mag – nichts als Tauschwert. Genauer gesagt, er ist gar nicht, sondern vermittelt bloß. Ist im Moment der Vermittlung, könnte man allenfalls sagen. Zwischen wem? Zwischen sich und dem Ge-brauchswert? Zwischen den Reichtümern und den Bedürfnissen, denn nichts anderes stel-len die Gebrauchswerte dar - nämlich sofern sie Gebrauchswerte werden im Moment ihres Verzehrs. 

Doch die Bedürfnisse sind keine abstrakten, womöglich gleichen Größen, sondern sie sind die Bedürfnisse von Diesem oder Jenem. Wären Dieser und Jener gleich, so gälten auch ihre Bedürfnisse gleich. Aber sie sind verschieden, das ist schon von Natur so.* Irgendeinen Maßstab (oder persönlichen Schiedsrichter) müsste man immer suchen, wenn man die Ver-teilung angemessen, "gerecht" vornehmen will. - Die bürgerliche Gesellschaft nun misst den Anteil eines jeden am gesellschaftlichen Reichtum an der Menge fremder Arbeitskraft, über die er, qua Kaufkraft, verfügt. Aber das liegt nicht am Tauschwert selbst, sondern an der Klassenspaltung, auf der er beruht.
11. 10. 15

*) Marx hat die Gleicheitspropheten in der Kritik des Gothaer Programms darauf hingewiesen.

 

Nota II. -  Der Mehrwert ist möglich durch den Unterschied zwischen Tausch- und Ge-brauchstwert der Arbeitskraft. Marx konnte ihn erst erkennen, nachdem er sich während der Arbeit an den Grundrissen die Hegel'schen Flausen aus dem Kopf geschlagen hatte. Nach Hegel'schem Verfahren konnte ihm der Gebrauchswert gar nicht in den Blick geraten, weil er zum Begriff schlechthin nicht taugt. Und aus demselben Grund von der Politischen Ökonomie beiseite gelassen werden konnte! 

Merke: Der Gebrauchswert ist kein Gegensatz zum Tauschwert, sondern schlechterdings etwas anderes; er gehört zum Stoffwechsel und nicht zum gesellschaftlichen Verkehr. Aber das Geld vermittelt ihn trotzdem, nämlich real.
JE 

Mittwoch, 7. Oktober 2026

Zum Individuum wird der Mensch durch den Austausch.

                                     aus Marxiana 

Der Mensch vereinzelt sich erst durch den historischen Process. Er erscheint ursprünglich als ein Gattungs-wesen, Stammwesen, Heerdenthier – wenn auch keineswegs als ein ζω̃ον πολιτιϰόν im politischen Sinn. 

Der Austausch selbst ist ein Hauptmittel / dieser Vereinzelung. Er macht das Heerden-wesen überflüssig und löst es auf. Sobald die Sache sich so gedreht, daß er als Vereinzelter nur mehr sich auf sich bezieht, die Mittel aber, um sich als Vereinzelter zu setzen, sein sich Allgemein- und Gemeinmachen geworden sind. In diesem Gemeinwesen ist das objektive Dasein des Einzelnen als Eigenthümer, sage z. B. Grundeigenthümer vorausgesezt und zwar unter gewissen Bedingungen, die ihn an das Gemeinwesen ketten, oder vielmehr einen Ring in seiner Kette machen. 

In der bürgerlichen Gesellschaft steht der Arbeiter z. B. rein objektivlos, subjektiv da; aber die Sache, die ihm gegenübersteht, ist das wahre Gemeinwesen nun geworden, das er zu verspeisen sucht, und von dem er ver-speist wird. 
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K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.2  S. 399f. [MEW 42, S. 404]



Nota I. - Das wahre Gemeinwesen, das er zu verspeisen sucht und von dem er verspeist wird, ist offenbar der zu Geld gewordene Tauschwert. Zum Einzelnen kann er nur in die-sem Gemeinwesen werden. Anders: Als Aus-tauschender führt der Mensch zugleich eine private und eine öffentliche Existenz. Öffentlich wird er, sobald er mit dem geldgewor-denen Tauschwert in Berührung kommt.
28. 9. 15

 

Nota II. - Bei Fichte wird das Ich Individuum, soald es in der Reihe der vernünftigen Wesen die Aufforderung vernommen hat und durch erste SelbstBestimmungsakte aus der Reihe her-vorgetreten ist. Das ist mehr als eine Analogie; es ist eine Verwandtschaft.
JE

 

 

Dienstag, 6. Oktober 2026

Die als flüchtig gesetzte Substanz.

seo-blog                                                  aus Marxiana 

Das Geld in seiner lezten, vollendeten Bestimmung erscheint nun nach allen Seiten als ein Widerspruch, der sich selbst auflöst; zu seiner eignen Auflösung treibt. Als allgemeine Form des Reichthums steht ihm die ganze Welt der wirklichen Reichthümer gegenüber. Es ist die reine Abstraction derselben, – daher so festgehalten blose Einbildung. Wo der Reichthum in ganz materieller, handgreiflicher Form als solcher zu existiren scheint, hat er [als Geld] seine Existenz blos in meinem Kopf, ist ein reines Hirngespinst. Midas.

Andrerseits als materieller Repräsentant des allgemeinen Reichthums wird es blos verwirk-licht, indem es wieder in Circulation geworfen, gegen die einzelnen besondren Weisen des Reichthums verschwindet. In der Circulation bleibt es als Circulationsmittel; aber für das aufhäufende Individuum geht es verloren und dieß Verschwinden ist die einzig mögliche Weise es als Reichthum zu versichern. 

Die Auflösung des Aufgespeicherten in einzelnen Genüssen ist seine Verwirklichung. Es kann nun wieder von andren Einzelnen aufgespeichert werden, aber dann fängt derselbe Prozeß von neuem an. Ich kann sein Sein für mich nur wirklich setzen, indem ich es als bloses Sein für andre hingebe. Will ich es festhalten, so verdun-stet es unter der Hand in ein bloses Gespenst des wirklichen Reichthums. 

Ferner: Das Vermehren desselben durch seine Aufhäufung, daß seine eigne Quantität das Maaß seines Werths ist, zeigt sich wieder als falsch. Wenn die andren Reichthümer sich nicht aufhäufen, so verliert es selbst seinen Werth in dem Maaß in dem es aufgehäuft wird. Was als seine Vermehrung erscheint, ist in der That seine Abnahme. Seine Selbstständigkeit ist nur Schein; seine Unabhängigkeit von der Circulation besteht nur in Rücksicht auf sie, als Abhängigkeit von ihr. Es giebt vor allgemeine Waare zu sein, aber ihrer Natürlichen Beson-derheit wegen, ist es wieder eine besondre Waare, deren Werth sowohl von Nachfrage und Zufuhr abhängt, als er wechselt mit seinen spezifischen Productionskosten. 

Und da es selbst in Gold und Silber sich incarnirt, wird es in jeder wirklichen Form einsei-tig; so daß wenn das eine als Geld das andre als besondre Waare und vice versa erscheint und so jedes in beiden Bestimmungen erscheint. Als der absolut Sichre, ganz von meiner Individualität unabhängige Reichthum, ist es zugleich als das mir ganz äusserliche, das Ab-solut Unsichre, das durch jeden Zufall von mir getrennt werden kann. Ebenso die ganz widersprechenden Bestimmungen desselben als Maaß, Circulationsmittel, und Geld als solches. 

Endlich in der lezten Bestimmung widerspricht es sich noch, weil es den Werth als sol-chen re/epräsentiren soll; in der That aber nur ein identisches Quantum von veränder-lichem Werth* repräsentirt. Es hebt sich daher auf als vollendeter Tauschwerth. 
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K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1 S. 157f. [MEW 42, S. 160]


*) nämlich als Edelmetall; aber auch die Papierwährungen wechseln ihren Wert nach Markt-lage. Dagegen wird der Reichtum längst nicht mehr als Geld angehäuft, sondern "in Papie-ren angelegt". Deren Börsenwerte wer-den in Geld angegeben. Es steht nicht für eine Sache ein – den Wert –, sondern für ein Verhältnis: den Wert. Und ein Verhältnis ist veränderlich in dem Maße, wie die sich gegeneinander Verhaltenden ihr Verhalten ändern.
JE, 26. 10. 15


Montag, 5. Oktober 2026

Stoff und ökonomische Formbestimmung.

thehollyjollycupcake                                                              aus Marxiana 

Soweit die reine Form, die ökonomische Seite des Verhältnisses betrachtet wird – der Inhalt ausserhalb dieser Form fällt hier eigentlich noch ganz ausserhalb der Oekonomie, oder ist als von dem ökonomischen unter-schiedner natürlicher Inhalt gesezt, von dem gesagt wer-den kann, daß er noch ganz von dem ökonomischen Verhältniß getrennt ist, weil er noch unmittelbar mit ihm zusammenfällt – so treten nur 3 Momente hervor, die formell unter-schieden sind: Die Subjekte des Verhältnisses, die Austauschenden; in derselben Bestim-mung gesezt; die Gegenstände ihres Austauschs, Tauschwerthe, Equivalente, die nicht nur gleich sind, sondern ausdrücklich gleich sein sollen und als gleich gesezt sind; endlich der Akt des Austauschs selbst, die Vermittlung, wodurch die Subjekte eben als Austauschende, Gleiche, und ihre Objekte als Equivalente, gleiche gesezt werden. 

Die Equivalente sind die Vergegenständlichung des einen Subjekts für andre; d. h. sie selbst sind gleich viel werth und bewähren sich im Akt des Austauschs als Gleichgeltende und zu-gleich als Gleichgültige gegen / einander. Die Subjekte sind im Austausch nur für einander durch die Equivalente, als gleichgeltende und bewähren sich als solche durch den Wechsel der Gegenständlichkeit, worin das eine für andre ist. Da sie nur so als Gleichgeltende, als Besitzer von Equivalenten, und Bewährer dieser Equivalenz im Austausche für einander sind, sind sie als Gleichgeltende zugleich Gleichgültige gegen einander; ihr sonstiger indi-vidueller Unterschied geht sie nichts an; sie sind gleichgültig gegen alle ihre sonstigen indi-viduellen Eigenheiten. 

Was nun den Inhalt angeht ausserhalb dem Akt des Austauschs, der sowohl Setzen als Be-währen der Tauschwerthe, wie der Subjekte als Austauschender ist, so kann dieser Inhalt der ausserhalb der ökonomischen Formbestimmung fällt, nur sein: 1) Die natürliche Beson-derheit der Waare, die ausgetauscht wird. 2) Das besondre natürliche Bedürfniß der Austau-schenden, oder beides zusammengefaßt, der verschiedene Gebrauchswerth der auszutau-schenden Waaren. 

Dieser der Inhalt des Austauschs, der ganz ausserhalb seiner ökonomischen Bestimmung liegt, so weit entfernt die sociale Gleichheit der Individuen zu gefährden, macht vielmehr ihre natürliche Verschiedenheit zum Grund ihrer socialen Gleichheit. Wenn das Individuum A dasselbe Bedürfniß hätte wie das Individuum B und in demselben Gegenstand seine Ar-beit realisirt hätte, wie das Individuum B, so wäre gar keine Beziehung zwischen ihnen vor-handen; sie wären gar nicht verschiedne Individuen, nach der Seite ihrer Production hin betrachtet. 

Beide haben das Bedürfniß zu athmen; für beide existirt die Luft als Atmosphäre; dieß bringt sie in keinen socialen Contact; als athmende Individuen stehn sie nur als Naturkörper zu einander in Beziehung, nicht als Personen. Die Verschiedenheit ihres Bedürfnisses und ihrer Production giebt nur den Anlaß zum Austausch und zu ihrer socialen Gleichsetzung in ihm; diese natürliche Verschiedenheit ist daher die Voraussetzung ihrer socialen Gleich-heit im Akt des Austauschs und dieser Beziehung überhaupt, worin sie zu einander als pro-ductiv treten. 

Nach dieser natürlichen Verschiedenheit betrachtet ist das Individuum [A] als Besitzer eines Gebrauchswerths für B, und B als Besitzer eines Gebrauchswerths für A. Nach dieser Seite sezt die natürliche Verschiedenheit sie wieder wechselseitig in das Verhältniß der Gleichheit. Demnach sind sie aber nicht gleichgültig gegen einander, sondern integriren sich, bedürfen einander, so daß das Individuum B als objectivirt in der Waare ein Bedürfniß für das Indi-viduum A ist und vice versa; so daß sie nicht nur in gleicher, sondern auch in gesellschaft-licher Beziehung zu einander stehn. Dieß ist nicht alles. Daß das Bedürfniß des einen durch das Product des andren und vice versa befriedigt werden kann, und der eine fähig ist den Gegenstand dem Bedürfniß des andren zu produciren und jeder dem andren als Eigenthü-mer des Objekts des Bedürfnisses des andren gegenübersteht, zeigt, daß jeder als Mensch über sein eignes besondres Bedürfniß / etc übergreift, und daß sie sich als Menschen zu einander verhalten; daß ihr gemeinschaftliches Gattungswesen von allen gewußt ist. 
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K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 165ff.   [MEW 42, S. 167f.]    



Nota. - Allah hat seinem Propheten die Verse des Korans durch den Erzengel Gabriel di-rekt auf die Zunge legen lassen. Marx war kein Prophet, sondern Wissenschaftler, in den Grundrissen sehen wir zu, wie er progressiv seine Gedanken klärt und um die darauf pas-senden Wörter ringt. Er 'kokettiert' dabei nicht nur mit Hegels 'eigentümlicher Ausdrucks-weise', sondern bedient sich einstweilen seiner Begriffe, um seine Gedanken überhaupt auf dem Papier festhalten zu können. 

Der Inhalt falle 'noch ganz außerhalb der Ökonomie', heißt es hier; deren Gegenstand sei lediglich die Form. Natürlich meint er die Politische Ökonomie, in der er noch ganz befan-gen ist, noch weiß er nicht, was am Ende seiner Untersuchung stehen wird: Eben dies war ja die Mystifikation der Politischen Ökonomie, dass sie vorgab, das reale Geschehen der gesellschaftlichen Reproduktion als bloße Form darstellen und den historischen 'Stoff' links liegen lassen zu können. Diese Erkenntnis reift erst langsam ab Heft IV der Grundrisse, und schließlich wird Marx die Kritik der Politischen Ökonomie in dem Satz zusammen-fassen, dass bei ihm der Gebrauchswert 'eine ganz anders wichtige Rolle spielt als in der bisherigen Ökonomie'. 

Und auch der Hegeljargon wird übrigens ab Heft IV immer seltener, jedenfalls braucht er ihn nicht mehr zur Selbstverständigung. Dies hatte die Politische Ökonomie nämlich mit dem Hegel'schen System gemein: dass sie den Begriffen, die doch nichts als mehr oder weniger passende Namen für mehr oder minder bestimmte Vorstellungsakte sind, eine eigene Wirklichkeit und Wirksamkeit zuschreibt. In den Grundrissen erleben wir mit, wie Marx sich nach und nach von diesem metaphysischen Sparren freimacht. Das fängt damit an, dass er, wie an obiger Stelle, die Hegel'schen Begriffe kritisch, nämlich gegen die Begrif-fe der Politischen Ökonomie ausspielt. Sie gehen schließlich beide daran zu Bruch.
JE  29. 2. 16

Sonntag, 4. Oktober 2026

Dialektik als Kritik.

systembruch                                                   aus Marxiana

Diese Mißverständnisse Ricar/dos gehn offenbar daraus hervor, daß er selbst nicht klar über den Process war, noch sein konnte als Bourgeois. Einsicht in diesen Process ist = dem statement, daß das Capital nicht nur, wie A. Smith meint Commando über fremde Arbeit ist, in dem Sinne wie jeder Tauschwerth es ist, weil er seinem Besitzer Kaufmacht giebt, sondern daß es die Macht ist sich fremde Arbeit ohne Austausch, ohne Equivalent, aber mit dem Schein des Austauschs, anzueignen. 

Ricardo weiß A. Smith und andren gegenüber, die in denselben Irrthum verfallen über Werth as determined by labour, und über Werth as determined by the price of labour (wages) nie anders zu refütiren als so: daß er sagt mit dem Product derselben Quantität Arbeit kann man bald mehr, bald weniger lebendige Arbeit in Bewegung setzen, d. h. er betrachtet das Product der Arbeit in Bezug auf den Arbeiter nur als Gebrauchswerth – den Theil des Products den er braucht um leben zu können als Arbeiter. 

Woher es aber kömmt, daß auf einmal der Arbeiter in dem Austausch nur Gebrauchswerth repräsentirt oder nur Gebrauchswerth aus dem Austausch zieht, ist ihm by no means klar, wie schon seine nie allgemein, sondern stets an einzelnen Beispielen demonstrirende Argumentation gegen A. Smith beweist. 
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K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.2  S. 447f. [MEW 42, S. 456] 


Nota. –
Das ist der Sinn der dialektischen Darstellungsweise bei Marx: ein kritischer. Den Ökonomen wird demonstriert, was sie tatsächlich sagen, was sie stattdessen zu erklären hätten, aber nicht erklären können – nämlich in ihrer eigenen Begriffsscholastik. Konkret: Es wird gezeigt, dass der dialektische Umschlag von Gebrauchswert in Tauschwert gerade nicht stattfindet – und dies bei der Ware par excellence, der Arbeitskraft. Die bürgerliche Wirtschaftsweise ist eben kein System, das sich auf dialektische Weise "bewegt"; nämlich (selber) setzt und entgegesetzt. Das ist nur ihr Schein.
JE,
27. 9. 15



Samstag, 3. Oktober 2026

Realer Gegensatz und logischer Widerspruch.

                                                                                       aus Marxiana

Gleichzeitig mit dem Fall der Profitrate wächst die Masse des Kapitals und geht Hand in Hand mit ihr eine Entwertung des vorhandnen Kapitals, welche diesen Fall aufhält und der Akkumulation von Kapitalwert einen beschleunigenden Antrieb gibt.

Gleichzeitig mit der Entwicklung der Produktivkraft entwickelt sich die höhere Zusammen-setzung des Kapitals, die relative Abnahme des variablen Teils gegen den konstanten.

Diese verschiednen Einflüsse machen sich bald nebeneinander im Raum, bald mehr nach-einander in der Zeit geltend; periodisch macht sich der Konflikt der widerstreitenden Agen-tien in Krisen Luft. Die Krisen sind immer nur gewaltsame Lösungen der vorhandnen Wi-dersprüche, gewaltsame Eruptionen, die das gestörte Gleichgewicht für den Augenblick wiederherstellen.

Der Widerspruch, ganz allgemein ausgedrückt, besteht darin, dass die kapitalistische Pro-duktionsweise die Tendenz einschließt nach absoluter Entwicklung der Produktivkräfte, abgesehn vom Wert und dem in ihm eingeschlossenen Mehrwert, auch abgesehn von den gesellschaftlichen Verhältnissen, innerhalb deren die kapitalistische Produktion stattfindet; während sie andererseits die Erhaltung des existierenden Kapitalwerts und sein Verwertung im höchsten Maß (d. h. beschleunigten Anwachs dieses Werts) zum Ziel hat. Ihr spezifi-scher Charakter ist auf den vorhandnen Kapitalwert als Mittel zur größtmöglichen Verwer-tung dieses Werts gerichtet. Die Methoden, wodurch sie dies erreicht, schließen ein: Abnah-me der Profitrate, Entwertung des vorhandnen Kapitals und Entwicklung der Produktiv-kräfte der Arbeit auf Kosten der schon produzierte Produktivkräfte.

Die periodische Entwertung des vorhandnen Kapitals, die ein der kapitalistischen Produk-tionsweise immanentes Mittel ist, den Fall der Profitrate / aufzuhalten und die Akkumula-tion von Kapitalwert durch Bildung von Neuwert zu beschleunigen, stört die gegebnen Verhältnisse, worin sich der Zirkulationsprozess des Kapitals vollzieht, und ist daher be-gleitet von plötzlichen Stockungen und Krisen des Produktionsprozesses.
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K. Marx, Das Kapital III, MEW 25, S. 259f. [ MEGA II.15, S. 245f.]


Nota. – Die theoretische Bedeutung obiger Passage für die elementare Stellung des Falls der Profitrate in der Theorie des Kapitals ist offenkundig. – 

Aber sie hat eine meta-theoretische Seite: Der buchstäblich Grund-legende Denkfehler der rationalistischen metaphysischen Systeme war die Identifizierung von logischem Grund mit realer Ursache (von Sein und Gel-tung). Die Vermengung von (logischem) Widerspruch und (realem) Gegensatz ist nur ihre Umkehrung. Und in dieser Gestalt taucht sie unverhofft bei Marx wieder auf: Es ist ein Überrest seines 'Kokettierens mit der Hegel' schen Aus-drucks weise', in dem sich allerdings eine andauernde Unsicherheit über die sog. dialekti-schen Methode verbirgt, die Marx immer wieder dazu verleitet, die logische Darstellung mit der reellen Beschreibung zu vermengen. 

Dass der Produktionsprozess und der Zirkulationsprozess nicht in derselben Geschwin-digkeit und auch nicht am selben 'Platz' geschehen und ihre Synchronisierung periodisch durch Selbstvernichtung eines Teils des Kapitals wiederhergestellt werden muss, ist ein Realvorgang. Dass das unbegrenzte Wachstum der Produktion und ihre gleichzeitige Be-grenzung durch die Verwertungsmöglichkeit im Begriff des Kapitals beieinander liegen, ist dagegen ein logischer Widerspruch. Es ist aber nicht die Logik, die den Prozesse antreibt – sie beschreibt ihn lediglich. Und dass etwas im Begriff widersprüchlich ist, bedeutet noch nicht, dass es in der Realität auf seine Auflösung hindrängt. 

Das hat Marx auch nicht sagen wollen? Nein, sicher nicht. Aber er hat sich so ausgedrückt, dass epigonale Buchstabengelehrte es (in behördlichem Auftrag) so darstellen konnten.
JE
 10. 12. 15

Symbolisieren.

Symbol  für Kraft                                     zu   Philosophierungen, oder Das Vernunftsystem Ich:   Die definitive Scheidung von bi...