Dienstag, 18. August 2026

Anschaulich wird Freiheit erst, wo sie auf Widerstand trifft.

                                                             zu Philosophierungen

Die reale Tätigkeit* ist als solche nicht anschaubar, sie ist nicht Etwas, sondern bloßer Gedanke. Anschaubares Etwas wird die Tätigkeit erst, weil und wenn sie auf ein Hinder-nis stößt, welches sie aufhält. Nicht in ihrer Tätigkeit selbst ist Freiheit anschaubar, son-dern erst, wenn sie ein Objekt wählt, das ihr entgegen steht.

Freiheit ist dem tätigen Ich als seine Bestimmung zuerst nur zugedacht, ihre Energie heiße reale Tätigkeit; sie 'sind' insofern, als sie den Sinn der Handlung ausmachen, die doch sel-ber das einzig Anschaubare, das real-Reale ist. Sie ist der Ausgangspunkt der Wissen-schaftslehre, und nachdem jene sie in ihrem ersten, analytischen Gang als den einzig mög-lichen Grund der Ichheit bloßgelegt hatte, setzt sie in ihrem zweiten, synthetischen Gang das System der Vernunft aus diesem seinen Grund wieder zusammen.


Auf Widerstand trifft Freiheit erst, wo aus dem Gedanken sinnliches Handeln wird: indem sie sich am Gegenstand stößt.
7. 8. 17


Nachtrag. Dass Fichte zwischen Tätigkeit und Handlung unterscheidet, ist keine semanti-sche Feinheit, sondern in einem gewissen Sinn die Grundlage der Wissenschaftslehre. Denn sachlicher Kern- und Angelpunkt der kritischen Analyse sowohl als der transzendentalen Rekonstruktion der Vernunft sind weder das Ich noch die ihm als wesentlich zugeschrie-bene Tätigkeit - die erscheinen erst dem reflektierenden Verstand. Die reale Gegebenheit, an der die Analyse ihren Halt und die Rekonstruktion einen festen Baugrund findet, ist das Handeln - nur im Handeln geschieht Einheit einer intelligiblen und einer Sinnenwelt, anders wäre ihre Unterscheidung gar nicht möglich. Erst hier begegnen sich Gegenstand und Zweck und bestimmen einander zu Geist und Stoff.

Die ontologisch-metaphysische Frage nach der Priorität des einen oder des andern war beantwortet, bevor sie gestellt werden konnte; denn Aufgabe war gar nicht ihre Vereini-gung, sondern ihre Scheidung. Die erste ist gegeben vor allem Bewusstsein, die zweite dessen unvermeidliches Resultat. Um sie wieder aufzuheben, ist es nötig, dass das Be-wusstsein seiner selbst bewusst wird; als Transzendentalphilosophie.
16. 4. 19

*Tätigkeit 'überhaupt', nämlich vor jeder Bestimmung, ist Übergehen vom Unbestimmten zum Bestimmteren. Real ist sie, sofern wirklich vorgestellt wird. 'Ideal' heißt dagegen die bloße Reflexion auf das wirkliche Vorstellen. Tätigkeit in der sinnlichen Welt ist eine zu-sätzliche, weiterführende Bestimmung der realen Tätigkeit: denn wirkliches Vorstellen war sie, bevor sie sinnlich werden konnte.
4. 10. 22



Montag, 17. August 2026

Eine Wirklichkeit zweiten Grades.

                       zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Aber das, was nicht im Gebiete der Erfahrung liegt, hat keine Wirklichkeit im eigentlichen Sinn, es darf nicht in Raum und Zeit betrachtet werden, es muss betrachtet werden als et-was notwendig Denkbares, als etwas Ideales. Z. B. das reine Ich ist in diesem Sinn nichts Wirkliches; das Ich, das in der Erfahrung vorkommt, ist die Person. Wenn jemand das reine Ich als philosophischen Begriff darum tadelt, weil es nicht in der Erfahrung vorkommt, so weiß er nicht, was er will.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo,
 
S. 25 

 

Nota. - Keine Wirklichkeit im eigentlichen Sinn - aber doch auch nicht nichts. Auch nicht bloß denkbar, sondern notwendig denkbar; nämlich wenn man die dazugehörigen Fragen stellt, aber das ist nicht notwendig, sondern steht jedermann frei. Man kann leben, ohne zu philosophieren - aber nicht philosophieren, ohne zu leben.
JE 

 

Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

Sonntag, 16. August 2026

Eine höhere Stufe der Arbeitsteilung.

Arbeitsteilung in der Steinzeit, Wiktor Wasnezow                                 zu Marxiana

Mit der Einführung der Maschinerie, mit welcher die Arbeitsmittel großen Wertumfang an-nehmen und sich in massenhaften Gebrauchswerten darstellen, wächst dieser Unterschied zwischen Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß und wird ein bedeutendes Moment in der Entwicklung der Produktivkraft und dem Charakter der Produktion. Ein Atelier von me-chanischen Webstühlen z.B., das während 12 Jahren leistet, ist die Abnutzung der Maschine-rie usw. während des Arbeitsprozesses an einem Tage unbedeutend und erscheint daher der Wertteil der Maschinerie, der in der einzelnen Ware wiedererscheint oder selbst in dem Pro-dukt eines ganzen Jahres, relativ unbedeutend. Die vergangene, vergegenständlichte Arbeit tritt hier massenhaft in den Arbeitsprozeß ein, während nur ein relativ unbedeutender Teil dieses Teils des Kapitals sich in demselben Arbeitsprozeß abnutzt, also in den Verwer-tungsprozeß eintritt und daher als Wertteil im Produkt wiedererscheint. 

Wie bedeutend daher immer die Wertgröße sei, welche die in den Arbeitsprozeß eingehnde Maschinerie und die mit ihr gegebnen Baulichkeiten usw. darstellen, geht, mit dieser Ge-samtwertmasse verglichen, immer nur ein relativ geringer Teil derselben in den täglichen Verwertungsprozeß, daher in den Wert der Ware, ein, verteuert die Ware relativ, aber nur unbedeutend und in viel geringerem Maße, als die von der Maschinerie ersetzte Handarbeit sie verteuern würde. Wie groß daher auch der Teil des Kapitals, der in Maschinerie ausge-legt ist, erscheinen möge gegen den Teil, der in der lebendigen Arbeit ausgelegt ist, welcher diese Maschinerie als Produktionsmit-tel dient, so erscheint diese Proportion sehr gering, wenn der Wertteil der Maschinerie, der in der einzelnen Ware wiedererscheint, verglichen wird mit der in derselben Ware aufgesaugten lebendigen Arbeit, und erscheint der von beiden — Maschinerie und Arbeit — dem einzelnen Produkt zugesetzte Wertteil gering — im Verhältnis zum Wert des Rohmaterials selbst. 

Es ist erst mit der Maschinerie, daß die gesellschaftliche Produktion auf großer Stufenleiter die Kraft erwirbt, Produkte, die ein großes Quantum vergangner Arbeit darstellen, also große Wertmassen, ganz in den Arbeitsprozeß eingehen zu lassen, ganz als Produktionsmit-tel, während nur ein relativ geringer aliquoter Teil derselben in den während des einzelnen Arbeitsprozesses vor sich gehenden Verwertungsprozesses eingeht. Das Kapital, was in dieser Form in jeden einzelnen Arbeitsprozeß eingeht, ist groß, aber das Verhältnis, worin sein Gebrauchswert während dieses Arbeitsprozesses vernutzt, konsumiert wird und sein Wert daher ersetzt werden muß, ist relativ klein. Die Maschinerie wirkt ganz als Arbeits-mittel, setzt dem Produkt aber nur Wert zu im Verhältnis, worin der Arbeitsprozeß sie entwertet, eine Entwertung, die / durch den Grad der Abnutzung ihres Gebrauchswerts während des Arbeitsprozesses bedingt ist. 
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K. M arx, Ökonomisches Manuskript von 1861-63, in Marx-Engels-Werke Band 43, Berlin 1990, S. 321f.  



Nota. - Ohne die Ausbildung des Kapitals wäre die Einführung von Maschinen und der Übergang zu erweiterter, industrieller Arbeitsteilung nicht möglich gewesen.

Einfache Kooperation in den Ateliers der Manufakturen konnte Ludwig XIV. selbst durchführen. Um Geld zu verdienen, denn seine Kriege waren nicht minder kostspielig als das Bauen in Versailles. Er produzierte Luxusgüter, die auch er selbst gebrauchen konnte - zum Selbstkostenpreis. Die gewaltigen Investitionen, die die Einführung von Maschinen erfordert hätten, konnte er sich gar nicht leisten, denn ein Gewinn im kommenden Jahr linderte nicht seine Geldknappheit im Moment.

Der Fürst kann nur selber industrieller Kapitalist werden, wenn er fähig ist, ganz und gar Kapitalist zu werden. Solange seine Privatschatulle Teil des Staatshaushalts ist, ist daran nicht zu denken.

Mit andern Worten, die Verheerungen des Frühkapitalismus und der industriellen Revolu-tion waren historisch unumgänglich; die nachträglichen Romantisierungen aristokratischer Staatssozialisten konnten es nicht vertuschen.
JE, 16. 12. 18

Samstag, 15. August 2026

Notwendig und durchschnittlich.

wolfram                                                                                      zu Marxiana

Es ist nur in einzelnen Fällen, daß der Kapitalist durch Einführung der Maschinerie direkte Herabsetzung des Arbeitslohns bezweckte, obgleich dies stets der Fall, wenn er an die Stelle der geschickten Arbeit einfache und an die Stelle der Arbeit erwachsener Männer die Arbeit von Frauen und Kindern setzt. 

Der Wert der Ware ist durch die in ihr enthaltne gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit bestimmt. Bei Einführung neuer Maschinerie, solange die Masse der Produktion noch auf Grundlage der alten Produktionsmittel fortdauert, kann der Kapitalist die Ware unter ihrem gesellschaftlichen Wert verkaufen, obgleich er sie über ihrem individuellen Wert verkauft, d.h. über der Arbeitszeit, die er unter dem neuen Produktionsprozeß zu ihrer Herstellung bedarf. Hier scheint also der Mehrwert für ihn aus dem Verkauf — der Übervorteilung der andren Warenbesitzer, dem Steigen des Preises der Ware über ihren Wert, herzustammen, nicht aus der Verminderung der notwendigen Arbeitszeit und der Verlängerung der Sur-plusarbeitszeit. 

Indes ist auch das nur Schein. Durch die ausnahmsweise Produktivkraft, die die Arbeit hier im Unterschied von der Durchschnittsarbeit in demselben Geschäftszweig erhalten, wird sie im Verhältnis zu derselben höhre Arbeit, so daß z. B. eine Arbeitsstunde derselben gleich  5/4 Arbeitsstunden der Durchschnittsarbeit, einfache Arbeit auf höherer Potenz. Der Ka-pitalist zahlt sie aber wie die Durchschnittsarbeit. Eine geringre Zahl Arbeitsstunden wird so gleich einer größeren Zahl Arbeitsstunden der Durchschnittsarbeit. Er bezahlt sie als Durchschnittsarbeit und verkauft sie als das, was sie ist, höhere Arbeit, von der ein be-stimmtes Quantum
= einem höheren Quantum der Durchschnittsarbeit. Der Arbeiter braucht hier also nur geringre Zeit zu arbeiten, unter der Voraussetzung, als der Durch-schnittsarbeiter, um denselben Wert zu produzieren. 

Er arbeitet also in der Tat geringere Arbeitszeit — als der Durchschnittsarbeiter — um das Äquivalent für seinen Arbeitslohn oder die zur Reproduktion seines Arbeitsvermögens nö-tigen Lebensmittel zu produzieren. Er gibt also eine größre
Zahl Arbeitsstunden als Surplus-arbeit dem Kapitalisten, und es ist nur diese relative Surplusarbeit, die dem letztern beim Verkauf den Überschuß des Preises der Ware über ihren Wert liefert. Er realisiert diese Sur-plusarbeitszeit, oder, was dasselbe, diesen Surpluswert nur im Verkauf, der also nicht aus dem Verkauf, sondern aus der Verkürzung der notwendigen Arbeitszeit und daher der re-lativen Vermehrung der Surplusarbeitszeit herstammt. 
 

Selbst wenn der Kapitalist, der die neue Maschinerie einführt, höheren als den Durch-schnittsarbeitslohn zahlte, rührte der von ihm realisierte Überschuß über den normalen Mehrwert, den von den andren Kapitalisten in demselben Geschäftszweig realisierten Mehrwert, nur davon her, daß der Arbeitslohn nicht in demselben Verhältnis vermehrt wird, in welchem 
/ diese Arbeit über die Durchschnittsarbeit steigt, daß also stets eine relative Vermehrung der Surplusarbeitszeit stattfindet. Dieser Fall also auch subsumiert unter das allgemeine Gesetz, daß der Mehrwert = Surplusarbeit. 

Die Maschinerie — sobald sie kapitalistisch angewandt wird, sich nicht mehr in ihren An-fängen befindet, worin sie meist nichts als machtvolleres Handwerksinstrument ist — setzt die einfache Kooperation voraus, und zwar er- scheint diese, wie wir weiter sehn werden, als viel wichtigeres Moment in ihr wie in der auf Teilung der Arbeit beruhenden Manufaktur, wo sie sich nur im Prinzip der multiples geltend macht, i.e. nicht nur darin, daß die ver-schiednen Operationen unter verschiedne Arbeiter verteilt sind, sondern daß Verhältniszah-len stattfinden, worin bestimmte Anzahl von Arbeitern gruppenweis je den einzelnen Ope-rationen zugeteilt, unter sie subsumiert ist. Im mechanischen Atelier, der entwickeltsten Form der kapitalistischen Anwendung der Maschinerie, ist es wesentlich, daß viele dasselbe tun. Es ist sogar sein Hauptprinzip. 

Die Anwendung der Maschinerie setzt ferner ursprünglich als Existenzbedingung die auf Teilung der Arbeit beruhnde Manufaktur voraus, indem die Maschinenfabrikation selbst — also die Existenz der Maschine — auf einem Atelier beruht, worin das Prinzip der Teilung der Arbeit vollständig durchgeführt. Erst auf weiterer Entwicklungsstufe findet Maschinen-fabrikation selbst auf Grundlage der Maschinerie — durch mechanisches Atelier — statt. 

„In den Anfängen des mechanischen Ateliers bot eine Werkstatt dem Auge die Teilung der einzelnen Arbeiten in mannigfachen Abstufungen dar; die Feile, der Bohrer, die Drechsel-bank hatten ein jedes je nach dem Grad der Geschicklichkeit seine Arbeiter; aber die Fin-gerfertigkeit, mit der Arbeiter mit Feilen oder Bohrern umgingen, ist heute durch Maschi-nen zum Hobeln, zum Fräsen von Falzen in Holz und zum Bohren versetzt, während die manuelle Arbeit der Eisen- und Kupferdreher von der maschinell betriebenen Drehbank übernommen wurde." (p.30, 31, Ure, 1.1, I.e.) 

Die in der Manufaktur entwickelte Teilung der Arbeit wiederholt sich einerseits im Innern des mechanischen Ateliers, obgleich in sehr vermindertem Maßstab; andrerseits, wie wir später sehn werden, wirft das mechanische Atelier die wesentlichsten Prinzipien der auf Teilung der Arbeit beruhenden Manufaktur über den Haufen. Endlich vermehrt die An-wendung der Maschinerie die Teilung der Arbeit im Innern der Gesellschaft, die Verviel-fältigung der besondren Geschäftszweige und unabhängigen Produktionssphären. 

Ihr Grundprinzip ist Ersetzung geschickter Arbeit durch einfache Arbeit; also auch Reduk-tion der Masse des Arbeitslohns auf den Durchschnittsarbeitslohn oder Reduktion der not-wendigen Arbeit der Arbeiter auf das / Durchschnittsminimum und Reduktion der Produk-tionskosten des Arbeitsvermögens auf die Produktionskosten des einfachen Arbeitsvermö-gens. 
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K. Marx, Ökonomisches Manuskript von 1861-63, in Marx-Engels-Werke Band 43, Berlin 1990, S. 315ff.



Nota. - Als gesellschaftlich notwendige Arbeit gilt der Durchschnitt. Wer über dem Durch-schnitt liegt, macht Verlust, weil sein Produkt unverkäuflich geworden ist. Wer unter dem Durchschnitt bleibt, macht einen größeren als den durchschnittlichen Gewinn - und sei es nur, weil er mehr, nämlich billiger verkauft als die andern. Das ist der springende Punkt beim Durchschnitt: Er ändert sich, indem einige darunter bleiben; aber nicht, wenn andere darüber bleiben: Die fallen einfach aus. Das ist 'Gesetz'.
JE,
14. 12. 18

Freitag, 14. August 2026

Das Wertgesetz gilt nur unter kapitalistischen Voraussetzungen.

                                                                         zu Marxiana

Das Produkt nimmt nur allgemein die Form der Ware an - das Verhältnis der Produzenten zueinander als Verkäufer und Käufer wird nur der sie beherrschende gesellschaftliche Zu-sammenhang -, wo das Arbeitsvermögen selbst zur Ware für seinen Besitzer, der Arbeiter daher Lohnarbeiter und das Geld Kapital geworden ist. Der gesellschaftliche Zusammen-hang zwischen dem Geldbesitzer und dem Arbeiter ist auch nur der von Warenbesitzern.

Das Verhältnis modifiziert sich, bringt neue gesellschaftliche Verhältnisse hervor, durch die spezifische Natur der Ware, die der Arbeiter zu verkaufen hat und die eigentümliche Art, worin der Käufer dasselbe konsumiert, ganz wie den besondren Zweck, wozu er es kauft. Die kapitalistische Produktion führt u.a. die Teilung der Arbeit im Innern des Ateliers mit sich, und es ist dies, wie die andren vom Kapital angewandten Produktionsmittel, die die Massenproduktion, daher die Gleichgiltigkeit des Gebrauchswerts des Produkts für den Produzenten, die Produktion für den bloßen Verkauf des Produkts als bloßer Ware wei-terentwickeln. 

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K. Marx, Ökonomisches Manuskript von 1861-63, in Marx-Engels-Werke Band 43, Berlin 1990, S. 311


Nota. - Nur wenn und wo das Produkt allgemein die Form der Ware angenommen hat und auf den Markt kommt, werden die Produktionskosten auf einen Durchschnitt reduziert - weil dann die Waren, die zu teuer produziert wurden, nicht verkauft werden. Nur wo ein Durchschnitt besteht, kann er um einen Mittelwert pendeln. Welcher kann das sein? Die-jenige Ware, die in jedes Produkt eingeht - und das ist die Arbeitskraft. 

(Wenn freilich die lebendige Arbeit proportional schließlich gegenüber dem Wert der verge-genständlichten Arbeit - fixes Kapital - an Bedeutung verliert, wird dieser Mittelwert end-lich zu einer quantité négligeable.)

Das Wertgesetz kann nur gelten unter der Voraussetzung entwickelter kapitalistischer Pro-duktion; q. e. d.

JE, 12. 12. 18


Donnerstag, 13. August 2026

Arbeit und Arbeitskraft; Tausch- und Gebrauchswert.

                                            zu Marxiana

Das Arbeitsvermögen unterscheidet sich als Gebrauchswert spezifisch von den Gebrauchs-werten aller andren Waren. Erstens dadurch, daß es als bloße Anlage in der lebendigen Leiblichkeit des Verkäufers, des Arbeiters, existiert; zweitens, was ihm einen von allen and-ren Gebrauchswerten durchaus charakteristischen Unterschied aufprägt, daß sein Ge-brauchswert — seine wirkliche Verwertung als Gebrauchswert, d. h. seine Konsumtion — die Arbeit selbst ist, also die Substanz des Tauschwerts, daß es die schöpferische Substanz des Tauschwertes selbst ist. Seine wirkliche Vernutzung, Konsumtion, ist Setzen des Tauschwerts. Tauschwert zu schaffen ist sein spezifischer Gebrauchswert. /

Als Ware jedoch hat das Arbeitsvermögen selbst einen Tauschwert. Es fragt sich, wie diesen Wert bestimmen? Soweit eine Ware unter dem Gesichtspunkt des Tauschwerts betrachtet wird, wird sie immer betrachtet als Resultat der produktiven Tätigkeit, die zur Erzeugung ihres Gebrauchswertes erheischt ist. Ihr Tauschwert ist gleich dem Quantum in ihr aufgear-beiteter, vergegenständlichter Arbeit, deren Maß die Arbeitszeit selbst ist. Als Tauschwert ist jede Ware von der andren nur quantitativ unterschieden, der Substanz nach aber ein gewisses Quantum der gesellschaftlichen Durchschnittsarbeit; der notwendigen Arbeitszeit, die erheischt ist, um diesen bestimmten Gebrauchswert unter gegebnen Produktionsbe-dingungen zu produzieren, also auch zu reproduzieren. 

Der Wert des Arbeitsvermögens wie der jedes andren Gebrauchswerts ist also gleich dem Quantum in ihm aufgearbeiteter Arbeit, der Arbeitszeit, die erheischt ist, um das Arbeits-vermögen zu produzieren. (Unter gegebnen allgemeinen Produktionsbedingungen.) Das Arbeitsvermögen existiert nur als Anlage in der lebendigen Leiblichkeit des Arbeiters. Die Produktion des Arbeitsvermögens, sobald es einmal als gegeben vorausgesetzt ist, löst sich wie die Produktion alles Lebendigen in Reproduktion auf, in Erhaltung. Der Wert des Arbeitsvermögens löst sich also zunächst auf in den Wert der Lebensmittel, die nötig sind, um es zu erhalten, d. h., um den Arbeiter als Arbeiter am Leben zu erhalten, so daß, wenn er heute gearbeitet hat, er fähig ist, denselben Prozeß unter denselben Bedingungen am andren Morgen zu wiederholen.

Zweitens: Eh' der Arbeiter sein Arbeitsvermögen entwickelt hat, ehe er fähig ist zu arbeiten, muß er leben. Soll also, wie vorausgesetzt ist, damit sich das Geld zum Kapital entwickle, damit das Kapitalverhältnis stattfinde — soll also das Kapital beständig auf dem Markt, innerhalb der Zirkulation, Verkäufer ihres eignen Arbeitsvermögens vorfinden, so ist es nötig — da der Arbeiter sterblich ist —, daß er außer seinen eignen Lebensmitteln genug Lebensmittel erhält, um die Arbeiterrace fortzupflanzen, zu vermehren oder allermin-destens auf ihrer gegebnen Höhe zu erhalten, so daß die dem Markt durch Untauglichkeit oder Tod entzogenen Arbeitsvermögen durch frische ersetzt werden. Mit andren Worten: Er muß hinlänglich Lebensmittel erhalten, um Kinder solange zu ernähren, bis sie selbst als Arbeiter leben können. Der Arbeiter — um ein bestimmtes Arbeitsvermögen zu entwi-ckeln, um seine allgemeine Natur so zu modifizieren, daß sie zur Ausübung einer bestimm-ten Arbeit fähig wird — bedarf einer Übung oder eines Unterrichts — einer Erziehung, die je nach der besondren Art produktiver Arbeit, die er erlernt, mehr oder minder selbst be-zahlt werden muß, also auch in die Produktionskosten des Arbeitsvermögens eingeht. 
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K. Marx, Ökonomisches Manuskript von 1861-63, in Marx-Engels-Werke Band 43, Berlin 1990
, S. 38f

 

Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

Mittwoch, 12. August 2026

Lebendige und vergegenständlichte Arbeit.

 Magnum                                                                                            zu Marxiana

Bei der Entwicklung des Kapitals ist es wichtig festzuhalten, daß die einzige Voraussetzung — das einzige Material, von dem wir ausgehn, Warenzirkulation und Geldzirkulation sind, Ware und Geld sind, und die Individue nur als Warenbesitzer einander gegenüberstehn. Die zweite Voraussetzung ist, daß der Formwechsel, den die Ware in der Zirkulation durchläuft, nur formell ist, d. h., der Wert in jeder Form unverändert bleibt, die Ware, die einmal als Gebrauchswert, das andre Mal als Geld existiert, aber ohne ihre Wertgröße zu ändern, die Waren also zu ihrem Wert, im Verhältnis zu der in ihnen enthaltnen Arbeitszeit, gekauft und verkauft werden, in andren Worten, nur Äquivalente sich austauschen. ... / 

... Den einzigen Gegensatz gegen die vergegenständlichte Arbeit bildet die nicht vergegen-ständlichte, die lebendige Arbeit. Die eine ist im Raum , die andre in der Zeit vorhandne Arbeit, die eine vergangen, die andre gegenwärtig, die eine in einem Gebrauchswert verkör-pert, die andre als menschliche Tätigkeit prozessierend und erst im Prozeß begriffen, sich zu vergegenständlichen, die eine ist Wert, die andre ist wertschaffend. Wird ein vorhandner Wert mit der wertschaffenden Tätigkeit, vergegenständlichte Arbeit mit lebendiger, kurz, Geld mit Arbeit ausgetauscht, so scheint die Möglichkeit vorhanden, daß ver/mittelst dieses Austauschprozesses der vorhandne Wert erhalten oder vergrößert wird. 

Nehmen wir also an, daß der Geldbesitzer Arbeit kauft, also der Verkäufer keine Ware, son-dern Arbeit verkauft. ...

In dem Prozeß G - W - G soll sich der Wert (eine gegebne Wertsumme) erhalten und ver-mehren, während er in die Zirkulation eingeht, d. h., abwechselnd die Formen der Ware und des Geldes annimmt. Die Zirkulation soll nicht bloßer Formwechsel sein, sondern die Wert-größe erhöhn, zu dem vorhandnen Wert einen Neuwert oder Mehrwert hinzusetzen. Der Wert als Kapital soll gleichsam Wert auf der zweiten Potenz sein, potenzierter Wert.

Der Tauschwert der Ware ist das in ihrem Gebrauchswert vergegenständlichte Quantum gleicher gesellschaftlicher Arbeit, oder das Quantum Arbeit, das in ihm verkörpert, aufge-arbeitet ist. Die Größe dieses Quantums mißt sich an der Zeit, der Arbeitszeit, die erheischt ist, um den Gebrauchswert zu produzieren, daher in ihm vergegenständlicht ist. ... 

Geld und Ware unterscheiden sich nur durch die Form, worin diese vergegenständlichte Arbeit ausgedrückt ist. Im Geld ist die vergegenständlichte Arbeit ausgedrückt als gesell-schaftliche Arbeit (allgemein), die daher unmittelbar austauschbar ist mit allen andren Waren in dem Maß , worin sie gleich viel Arbeit enthalten. In der Ware ist der in ihr ent-haltne Tauschwert oder die in ihr vergegenständlichte Arbeit nur ausgedrückt in ihrem Preis, d. h. in einer Gleichung mit Geld; nur ideell in Gold (dem Material des Gelds und dem Maß der Werte). Beide Formen aber sind Formen derselben Wertgröße und, ihrer Substanz nach betrachtet, Formen desselben Quantums vergegenständlichter Arbeit, also überhaupt vergegenständlichte Arbeit. (Das Geld, kann, wie wir gesehn haben, sowohl als Kaufmittel wie als Zahlungsmittel in der innren Zirkulation durch Wertzeichen, Zeichen seiner selbst, ersetzt werden. Dies ändert nichts an der Sache, da das Zeichen denselben Wert vorstellt, dieselbe Arbeitszeit, die im Geld enthalten ist. 
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K. Marx, Ökonomisches Manuskript 1861-63, in MEW 43, S. 29; 30f.  

 

Nota. - Es wird sich finden: Die lebendige Arbeit ist Tätigkeit, man kann sie anschauen und gebrauchen, aber nicht gegen eine andere Arbeit tauschen. Produkt ist die geronnene, die vergegenständlichte Arbeit, auch sie lässt sich anschauen und gebrauchen, doch nur sie lässt sich tauschen. 

Das wird sich im Lauf der Untersuchung als der alles entscheidende Unterschied erweisen. Denn gegen die im Geld vergegeständlichte Arbeit lässt sich zwar nicht die lebendige Arbeit, wohl aber die lebendige Arbeitskraft austauschen: Denn sie kann ihrerseits als Produkt aufgefasst werden. 

Dieses Thema wird Marx auf dutzenden Seiten so erschöpfend akribisch ausführen wie im chemischen Labor: Es soll in der Darstellung nicht die kleinste Lücke bleiben. Offenbar schreibt Marx auch hier noch mehr zum Zwecke der Selbstvergewisserung als für die Leser, denen er die vielen Wiederholung kaum zumuten durfte - und in der Endfassung des I. Bandes auch drastisch gekürzt hat.
JE 

 

Dienstag, 11. August 2026

Warum die Begriffsbestimmung des Kapitals beim Wert beginnen muss.

 alicdn                                                                  zu Marxiana
Zusätze zu α    
 

Um den Begriff des Kapitals zu entwickeln, ist es nötig nicht von der Arbeit, sondern vom Wert auszugehn, und zwar von dem schon in der Bewegung der Zirkulation entwickelten Tauschwert. Es ist ebenso unmöglich, direkt von der Arbeit zum Kapital überzugehn als von den verschiednen Menschenracen direkt zum Bankier oder von der Natur zur Dampf-maschine. /

Sobald das Geld als Tauschwert gesetzt wird, der sich verselbständigt, nicht nur gegen die Zirkulation (wie bei der Schatzbildung), sondern sich in ihr erhält, ist es nicht mehr Geld, denn dies kommt als solches nicht über die negative Bestimmung hinaus, sondern ist Ka-pital. Daher ist auch das Geld die erste Form, worin der Tauschwert zur Bestimmung des Kapitals fortgeht, und historisch die erste Erscheinungsform des Kapitals und wird daher auch historisch mit dem Kapital selbst verwechselt. Für das Kapital erscheint die Zirkula-tion nicht nur, wie beim Geld, als Bewegung, worin der Tauschwert verschwindet, sondern worin er sich erhält und selbst der Wechsel der beiden Bestimmungen von Geld und Ware ist. In der einfachen Zirkulation dagegen wird der Tauschwert nicht als solcher realisiert. Er wird immer nur realisiert im Moment seines Verschwindens. 

Wird Ware zu Geld und das Geld wieder zur Ware, so verschwindet die Tauschwertbestim-mung der Ware, die nur dazu gedient hat, für die erste Ware entsprechendes Maß der zwei-ten Ware (die zweite Ware im entsprechenden Maß) zu erhalten, womit letztre dann als Ge-brauchswert der Konsumtion anheimfällt. Die Ware wird indifferent gegen diese Form und ist nur noch direktes Objekt des Bedürfnisses. Wird Ware gegen Geld ausgetauscht, so ver-harrt die Form des Tauschwerts, das
Geld, nur so lange, als es sich außerhalb des Austauschs negativ gegen die Zirkulation verhält. Die Unvergänglichkeit, die das Geld anstrebte, indem es sich negativ gegen die Zirkulation verhielt, erreicht das Kapital, indem es sich grade da-durch erhält, daß es sich der Zirkulation preisgibt. 
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K. Marx, Ökonomisches Manuskript von 1861-63, in Marx-Engels-Werke Band 43, Berlin 1990, S. 29f.
                                     

Nota. - Band 43 war das letzte Stück, das von der Marx-Engels-Werke-Ausgabe erschienen, schon in der Bundesrepublik, aber noch herausgegeben vom SED-Institut.

Die MEGA hat mit der Edition des Ms. 61-63 noch nicht begonnen und ich weiß nicht, für wann sie geplant ist. Es ist Marxens erster Versuch, aus der Materialsammlung der soge-nannten Grundrisse ein lesbares Buch zu machen; aber auch der erste Versuch, die Kritik der Politischen Ökonomie systematisch darzustellen: Das Buch Zur Kritik... von 1859 sollte erst der Einstimmung des fachlichen Publikums dienen, hat aber die Wirkung, die Marx unter den Gelehrten erwartet hatte, nicht erzielt. Marx hat sich 1861 also an die Ausarbei-tung eines völlig neuen Werks gemacht.


Noch das Manuskript von 1863-1865 trägt viel mehr den Charakter eines 'Rohentwurfs', als die ebenfalls so untertitelten Grundrisse. Mit dem Band MEW 43 beginne ich eben erst. Er hat fast 500 Seiten. Ich mache mich auf einiges Durcheinander gefasst. Umso genauer müß-te man zusehen können, wie Marx in diesem Teil mit den Begriffen gerungen hat. Ich bin gespannt.
JE,
11. 12. 18

Montag, 10. August 2026

Real ist das Übergehen; Stationen gibt es nur für die Reflexion.

                                            zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Die Zirkulation, worin die Ware bald als Ware, bald als Geld dargestellt ist, zeigt einen Formwechsel derselben; die Art und Weise, wie ihr Tauschwert sich darstellt, wechselt, aber dieser Tauschwert selbst bleibt unverändert. Seine Wertgröße wechselt nicht, wird nicht affiziert durch diesen Formwechsel. 

In der Ware, der Tonne Eisen z. B., ist ihr Tauschwert, die in ihr enthaltne Arbeitszeit ausgedrückt (dargestellt) in ihrem Preise, sage von 3 lib St. Wird sie nun verkauft, so verwandelt sie sich in 3 lib St., in das durch ihren Preis angezeigte Geldquantum, das gleichviel Arbeitszeit enthält. Sie existiert jetzt nicht mehr als Ware, sondern als Geld, als selbständiger Tauschwert. In der einen Form wie in der andren bleibt die Wertgröße un-verändert. Nur die Form , worin derselbe Tauschwert existiert, hat sich verändert. Der Formwechsel der Ware, der die Zirkulation bildet, kaufen und verkaufen, haben an und für sich nichts mit der Wertgröße der Ware zu tun, die vielmehr als gegeben der Zirkulation vorausgesetzt ist. 

Die Geldform ist nur eine andre Form der Ware selbst, worin nichts an ihrem Tauschwert verändert wird, als daß er nun in seiner selbständigen Form erscheint.

In der Zirkulation W-G-W (verkaufen, um zu kaufen) stehn sich aber nur Warenbesitzer gegenüber, von denen der eine die Ware in ihrer ursprünglichen Gestalt, der andre sie in ihrer verwandelten Gestalt als Geld besitzt. Wie die Zirkulation W - G - W , so enthält die Zirkulation G - W - G nur die beiden Akte des Verkaufs und des Kaufs. In der einen wird mit dem Verkauf begonnen und mit dem Kauf geendet; in der andren wird mit dem Kauf begonnen und mit dem Verkauf geendet. 

Man braucht nur jeden der beiden Austauschakte für sich zu betrachten, um zu sehn, daß die Reihenfolge nichts an der Natur desselben ändern kann. In dem ersten Akt G - W exi-stiert das, was wir Kapital genannt haben, nur als Geld , in dem zweiten — W - G — nur als Ware, kann also in beiden Akten nur die Wirkung von Geld und Ware haben. In dem einen steht es dem andren Warenbesitzer als Käufer , Geldbesitzer, in dem andren als Verkäufer, Warenbesitzer, gegenüber. Nimmt man an, daß durch  irgendeinen unerklär-lichen Umstand es den Käufern gegeben sei, wohlfeiler zu kaufen, d. h., die Ware unter ihrem Wert zu kaufen und zu ihrem Wert oder über ihren  Wert zu verkaufen, so ist zwar in dem ersten Akt unser Mann  Käufer (in G - W ) und würde daher die Ware unter ihrem Wert kaufen, aber im zweiten Akt ist er Verkäufer ( W - G ) und ein andrer Warenbesitzer steht ihm als Käufer gegenüber; hätte also wieder das Privilegium, die Ware von ihm unter ihrem Wert zu erstehn. Was er auf der einen Hand gewonnen hätte, würde er mit der and-ren verlieren. Andrerseits nimmt man an, daß er die Ware über ihren Wert verkauft, indem dies das Privilegium des Verkaufens sei, so war in dem ersten Akt, bevor er selbst die Ware erstand, um sie wieder zu verkaufen, ein andrer ihm gegenüber Verkäufer, der ihm die Ware zu teuer verkauft hat. 

Verkaufen alle die Ware z.B. 10 % zu teuer — d . h . 10 % über ihrem Wert —, und wir haben hier nur Warenbesitzer einander gegenüberstehn, sei es, daß sie ihre Waren in der Form der Ware oder des Geldes besitzen, sie werden sie vielmehr jeder abwechselnd in der einen oder der andren Form besitzen — so ist es ganz dasselbe, als ob sie dieselben einan-der zu ihrem wirklichen Wert verkauften. Ebenso, wenn alle die Waren etwa 10 % unter ihrem Wert kaufen.

Die Zirkulation, worin die Ware bald als Ware, bald als Geld dargestellt ist, zeigt einen Formwechsel derselben; die Art und Weise, wie ihr Tauschwert sich darstellt, wechselt, aber dieser Tauschwert selbst bleibt unverändert. Seine Wertgröße wechselt nicht, wird nicht af-fiziert durch diesen Formwechsel. In der Ware, der Tonne Eisen z. B., ist ihr Tauschwert, die in ihr enthaltne Arbeitszeit ausgedrückt (dargestellt) in ihrem Preise, sage von 3 lib St. Wird sie nun verkauft, so verwandelt sie sich in 3 lib St., in das durch ihren Preis angezeigte Geldquantum, das gleichviel Arbeitszeit enthält. Sie existiert jetzt nicht mehr als Ware, son-dern als Geld, als selbständiger Tauschwert. In der einen Form wie in der andren bleibt die Wertgröße unverändert. 

Nur die Form, worin derselbe Tauschwert existiert, hat sich verändert. Der Formwechsel der Ware, der die Zirkulation bildet, kaufen und verkaufen, haben an und für sich nichts mit der Wertgröße der Ware zu tun, die vielmehr als gegeben der Zirkulation vorausgesetzt ist. Die Geldform ist nur eine andre Form der Ware selbst, worin nichts an ihrem Tauschwert verändert wird, als daß er nun in seiner selbständigen Form erscheint.

Soweit der bloße Gebrauchswert der Waren betrachtet wird, ist es klar, daß beide Teile durch den Austausch gewinnen können.  In diesem Sinn kann gesagt werden, daß „der Austausch eine Transaktion ist, worin beide Seiten nur gewinnen", (p. 68, Destutt de Tracy, „Élemens d'Idéo-logie. Traité de la volonté et de ses effets" (bildet IV et V parties), Paris 1826, wo es heißt: „Der Austausch ist eine bewundernswürdige Transaktion, in der die beiden Vertragspartner immer beide gewinnen.")

Soweit die ganze Zirkulation nur eine vermittelnde Bewegung ist, um Ware gegen Ware auszutauschen, veräußert jeder die Ware, die er nicht als Gebrauchswert bedarf und eignet sich die Ware an, die er als Gebrauchswert bedarf. Beide gewinnen also in diesem Prozesse und gehn ihn nur ein, weil sie beide in ihm gewinnen. Noch anders: A, der Eisen verkauft und Getreide kauft, produziert vielleicht in einer gegebnen Arbeitszeit mehr Eisen, als der Getreidebauer B in derselben Zeit produzieren könnte, und dieser seinerseits produziert in derselben Arbeitszeit mehr Getreide, als A produzieren könnte.

Durch den Austausch also, sei dieser durch Geld vermittelt oder nicht, erhält A für densel-ben Tauschwert mehr Getreide und B für denselben Tauschwert mehr Eisen, als wenn der Austausch nicht stattfände. Soweit also die Gebrauchswerte Eisen und Getreide in Betracht kommen , gewinnen beide durch den Austausch. Auch jeden der beiden Zirkulationsakte, Kauf und Verkauf, für sich betrachtet, gewinnen beide Seiten, soweit der Gebrauchswert betrachtet wird. Der Verkäufer, der seine Ware in Geld verwandelt, gewinnt dadurch, daß er sie jetzt erst in allgemein austauschbarer Form besitzt und sie so erst allgemeines Tausch-mittel für ihn wird. Der Käufer , der sein Geld in Ware rückverwandelt, gewinnt dadurch, daß er es aus dieser nur für die Zirkulation erheischten und sonst nutzlosen Form in einen Gebrauchswert für sich umgesetzt hat. Es macht also nicht die geringste Schwierigkeit ein-zusehn, daß beim Austausch jede der beiden Seiten gewinnt, soweit es sich um den Ge-brauchswert handelt.

Ganz anders jedoch mit dem Tauschwert. Hier heißt es umgekehrt: „Wo Gleichheit ist, ist kein Gewinn." ([p.] 244, Galiani, „Della Moneta", t. IV, Custodi, Autore etc., Parte Moderna ... „Dove è eguaglità non è lucro.")
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K. Marx, Ökonomisches Manuskript 1861-1863,  MEW 43, S. 17ff.  

 

Nota. - Fichtes Wissenschaftslehre fasst die Vernunft als einen unendlichen Progress auf. Er unterscheidet darin ein 'reale' und eine 'ideale' Ebene. Real ist das lebendige Vorstellen selbst, es geschieht ununterbrochen. Interpunktiert wird es von der idealen Tätigkeit: der Reflexion, des Rückblicks der Vorstellung auf sich selbst - der Moment des Reflektierens ist ein Stehenbleiben, die vorangegangene Vorstellungstätigkeit erscheint als ein Tat bestand, die lebendige Tätigkeit gerinnt zum Begriff. Der aber erscheint nur dem außenstehenden Zuschauer und ist dem wirklichen Fortschreiten äußerlich. Er braucht ihn aber, um am Gesamtprozess sinnhafte Abschnitte - Progresse - erkennen zu können. Real ist immer nur das Übergehen von einer Vorstellung zur nächsten: nämlich für den Vorstellenden selbst; erst wenn er sich oder einem andern Rechenschaft ablegt über das, was er getan hat, braucht er die Begriffe als Anhaltspunkte.  

Marx hat zum Gegenstand nicht das Vorstellen, sondern die materielle Produktion. Als Gesamtprozess erscheint auch sie als unendlicher Progress, doch der erscheint dem Be-obachter nicht nur als Nacheinander, sondern als ein Nebeneinander von Produktion und Zirkulation, von denen eine immer die andere voraussetzt und zugleich bezweckt. 

Den Standpunkt des außenstehenden Zuschauers verlässt Marx zu keinem Moment, denn er betrachtet den Gesamtprozess jederzeit im Vergleich mit dem Begriffssystem der Poli-tischen Ökonomie. Er ist kein theoretischer Systematiker, sondern Systemkritiker. 

Es liegt nahe, den beständigen Wechsel von W-G zu G-W mit dem Wechsel von real zu ide-al gleichzusetzen und als Übergehen zu benennen, aber das wäre zunächst nur eine Analo-gie, die im besten Fall eine Spur weist. 

Wenn das Wertgesetz gilt,* werden alle Waren gegeneinander je zu ihrem Wert getauscht. Durch den Tausch kann ein Mehr wert also nicht entstehen. Er muss in der Produktion entstehen. In die Produktion gehen allerdings alle Waren zu ihrem vollen Wert ein und verändern sich nicht - höchstens eine Minderung durch Verschleiß kommt vor. Auch da kann ein Mehrwert nicht entstehen. Und doch muss er irgendwo entstehen.

Der springende Punkt ist die Einheit von Produktion und Zirkulation, und in dieser Einheit muss der Mehrwert virtuell impliziert sein. Er muss in der Voraussetzung liegen, unter de-nen der Prozess überhaupt erst stattfindet: Es muss getauscht werden, damit produziert werden kann. Wenn jeder außer seinem Arbeitsvermögen auch über die nötigen Arbeits-mittel verfügt, kann ein jeder produzieren. Wenn genügend produziert wurde, um alle Be-dürfnisse zu befriedigen, mögen sie ihre Produkten gegeneinander tauschen. 

Wie ist es möglich, dass die Produktion überhaupt erst beginnen kann, nachdem ein primä-rer Austausch stattgefunden hat? 

Wenn das Arbeitsvermögen und die Arbeitsmittel von einander getrennt sind und durch einen Akt erst miteinander vermittelt werden müssen. 

Und in diesem Akt soll der Mehrwert zugrunde gelegt werden? 

Wenn der Wert des einen und des anderen nicht gleich ist - anders kann es nicht sein. 

Der Wert des Arbeitsmittels ist durch seine Erstellungskosten = die in ihm vergenständ-lichte Arbeit gesetzt; desgleichen wird der Wert der Arbeitskraft durch seine Erstellungs-kosten gesetzt, nämlich die Arbeit, die für Produktion und Reproduktion des Arbeitsver-mögens aufzuwenden war: den Arbeitslohn

Und welches ist das Mehr, das durch ihre Vermittlung hinzugesetzt wurde? Es ist die Arbeit selbst. Der Arbeiter erhält im Tausch den Gegenwert seines Arbeitsvermögens, der Kapital-besitzer erhält das Produkt der Arbeit. Es war ein ungleicher Tausch, denn der eine be-kommt den Tauschwert seines Arbeitsvermögen und der andere erhält den Gebrauchswert des fremden Arbeitsvermögens.

In der klassischen Politischen Ökonomie kommt, wie zu Recht gesagt wurde, der Ge-brauchswert gar nicht vor. Der geht es allein um die Formbestimmung: den Tausch wert. Nicht so die Kritik: Der geht es vielmehr um den Unterschied zwischen Form und Stoff - und das ist der Mehrwert.

*) Daß die Waren ihrem Wert gemäß ausgetauscht oder mit Rücksicht auf die besondre Form des Austauschs, die im Zirkulationsprozeß stattfindet, verkauft und gekauft werden, heißt überhaupt nur, daß Äquivalente, gleiche Wertgrößen, ausgetauscht werden, sich einander ersetzen, i.e. die Waren ausgetauscht werden im Verhältnis, worin ihre Gebrauchswerte gleich große Arbeitszeit aufgearbeitet enthalten, das Dasein gleich großer Quanta Arbeit sind.
aaO, S. 20 br

JE 

Anschaulich wird Freiheit erst, wo sie auf Widerstand trifft.

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