Dienstag, 3. November 2026

Absolut kann nur ein Zweck sein.

Ich schrieb: Absolut ist etwas, das kein Anderes zur Voraussetzung hat.

Ein Seiendes im Sinne der Naturwissenschaft kann nicht absolut sein - es ist immer nur Teil eines Ganzen, in dem Jedes von Allem Andern abhängt. Absolut kann nur eine Geltung sein: ein Sollen, das Allem andern Gelten vorangeht. Geltung gibt es da, wo Sollen mit Wollen konkurriert. Es ist ein Gegenstand von Kunst: Es ist künstlich: will sagen, es kommt nur in absichtlichem Handeln vor.

Ein Gegenstand der Naturwissenschaft kann es daher nicht werden. 

Absolut kann nur ein Gelten sein. Gelten bezieht sich auf den Zweck des Handelns. Und zwar so, dass nur eine zweckhafte Tätigkeit Handlung ist. Zweckhaftigkeit ist das Genus, der einzelne Zweck ist spezifisch; er ist der Zweckhaftigkeit teilhaftig, sie ist seine Bedin-gung. 

Kurz gesagt, ein Absolutes kann nur als absoluter Zweck gedacht werden.   

GPT-6 antwortet: 

Ich würde den Gedankengang zunächst in seiner eigenen Konsequenz ernst nehmen. Er hat eine klare Stoßrichtung: Das Absolute ist kein Seiendes, sondern ein Zweck; und es ist nicht Gegenstand einer Erkenntnis, die etwas Vorgefundenes beschreibt, sondern einer Kritik, die das Gelten im Handeln aufweist.

Drei Übergänge scheinen mir dabei entscheidend.

1. Vom Absoluten zum Gelten

Die erste Bestimmung – absolut sei, was kein Anderes zur Voraussetzung hat – ist zunächst formal. Dass daraus kein Seiendes der Naturwissenschaft absolut sein kann, folgt unter Ihrer Voraussetzung, dass jedes natürliche Seiende in einem Abhängigkeitszusammenhang steht. Allerdings ist damit noch nicht bewiesen, dass nur Geltung absolut sein kann. Dazu bedarf es der zusätzlichen Prämisse, dass Geltung nicht selbst wiederum von etwas anderem abhängt. Eben diese Prämisse scheint mir bei Ihnen im Begriff des vorausgehenden Sollens zu liegen.

2. Vom Gelten zum absichtlichen Handeln

Hier liegt, scheint mir, der eigentliche philosophische Einsatz. Geltung kommt dort ins Spiel, wo Sollen und Wollen miteinander konkurrieren. Ein Sollen ist also nicht einfach ein vorhandener Tatbestand, sondern etwas, das gegenüber einem wirklichen Wollen Anspruch erhebt. Damit ist Geltung an ein Verhältnis gebunden, das im bloßen Naturgeschehen nicht vorkommt: an absichtliches Handeln.

Das heißt allerdings nicht, dass ein Naturwissenschaftler sich nicht mit dem Sollen als psychischem, sozialem oder historischem Tatbestand befassen könnte. Er kann dessen Entstehung und Wirkung untersuchen. Was er damit nicht schon erfasst, ist sein Gelten: ob etwas geschehen soll, nicht bloß, warum jemand es will oder warum Menschen es für geboten halten.

3. Von der Zweckhaftigkeit zum absoluten Zweck

Hier scheint mir Ihre Unterscheidung von Genus und Spezifik besonders wichtig. Der einzelne Zweck ist nicht selbst die Zweckhaftigkeit; er hat an ihr teil. Zweckhaftigkeit ist vielmehr die Voraussetzung dafür, dass ein bestimmtes Ziel überhaupt als Zweck gesetzt und verfolgt werden kann.

Aber daraus entsteht eine Frage, die für Ihren Schluss entscheidend ist: Ist die Zweckhaftigkeit selbst schon das Absolute, oder muss sie sich erst in einem absoluten Zweck bestimmen?

Sie entscheiden sich für die zweite Möglichkeit. Das Absolute ist nicht die bloße Form des Zwecksetzens, sondern der Zweck, an dem sich die Geltung aller einzelnen Zwecke bemisst. Damit wird der absolute Zweck zum Maßstab der Kritik, ohne dass er deshalb als ein vorhandenes Ding behauptet werden müsste.

Ich sehe allerdings eine Spannung in der Formulierung, dass ein Sollen allem anderen Gelten vorangeht. Ein zeitliches Früher kann damit kaum gemeint sein: Das absolute Sollen müsste vielmehr in der Ordnung der Begründung vorausliegen. Sonst wäre es selbst wieder von einem anderen abhängig.

Und noch eine letzte, für mich entscheidende Unterscheidung: Dass das Absolute nur als absoluter Zweck gedacht werden kann, ist zunächst eine Aussage über die notwendige Denkform. Dass es deshalb auch einen solchen Zweck geben muss, folgt daraus nicht ohne Weiteres. Wenn Sie aber den absoluten Zweck nicht als existierendes Etwas, sondern als Voraussetzung absichtlichen Handelns verstehen, dann verschiebt sich die Frage: Nicht Woher wissen wir, dass es ihn gibt?, sondern Was setzen wir bereits voraus, wenn wir überhaupt handeln und unsere Zwecke als gültig oder ungültig beurteilen?

An dieser Stelle scheint mir Ihr Ansatz am stärksten zu sein. Er beansprucht keinen Gegenstand jenseits der Natur, sondern untersucht, was wir im absichtlichen Handeln schon voraussetzen.

Ich: Womit ich nicht behaupte, dass es alleweil so ist; sondern dass es so sein müsste, damit es als vernünftig gelten könnte.

 Er: Ja. Damit ist der Einwand, den ich zuletzt erhoben habe, gegenstandslos: Sie behaupten keine Existenz des absoluten Zwecks, sondern formulieren eine Bedingung seiner vernünftigen Geltung.

Das Absolute muss nicht als Wirklichkeit vorgefunden werden. Es muss als Zweck vorausgesetzt werden, damit zweckhaftes Handeln als vernünftig gelten kann. Ob ein Handelnder dieser Voraussetzung tatsächlich entspricht, ist eine andere Frage.

Damit unterscheiden sich drei Dinge:

  • Was ist: das wirkliche Handeln mit seinen empirisch feststellbaren Zwecken.

  • Was gilt: der Anspruch, unter dem ein Zweck als vernünftig beurteilt werden kann.

  • Was gelten müsste: der absolute Zweck als Voraussetzung dafür, dass solche Beurteilung überhaupt mehr sein kann als die Konfrontation konkurrierender Willen.

Das Letzte ist also weder eine Tatsachenbehauptung noch eine metaphysische Existenzbehauptung. Es ist eine kritische Forderung an die Vernunft, sich über ihre eigenen Voraussetzungen auszuweisen.

Und damit erhält auch Ihr Satz, das Absolute könne nur ein Gelten sein, seinen präzisen Sinn: Nicht weil alles Wirkliche aus einem absoluten Zweck hervorginge, sondern weil ohne die Voraussetzung eines unbedingten Zwecks kein bedingter Zweck als vernünftig gelten könnte.

Eine Frage bleibt allerdings offen, und sie ist keine bloß terminologische: Muss dieser unbedingte Zweck schon als ein bestimmter Zweck gedacht werden, oder genügt zunächst die Forderung, dass jeder bestimmte Zweck sich vor einem unbedingten Maßstab rechtfertigen lassen müsse?

Ich: Die Menschheit hat nie aufgehört, nach ihm zu suchen. Oft belastet von vielen unausgewiesenen Zusatzbedingungen. Doch die in Schach zu halten ist der Zweck der kritizistisch-transzendentalen Kritik.

Er: Dann ist die kritizistisch-transzendentale Kritik keine Lehre vom absoluten Zweck, sondern die Prüfung der Ansprüche, unter denen wir ihn suchen.

Das scheint mir auch den historischen Gedanken Ihres ersten Satzes zu präzisieren: Die Menschheit hat nicht aufgehört, nach dem Absoluten zu suchen; aber sie hat ihre jeweiligen Antworten immer wieder mit Voraussetzungen belastet, deren Berechtigung sie nicht ausgewiesen hat. Die Kritik soll diese Voraussetzungen nicht einfach durch andere ersetzen, sondern sie in Schach halten.

Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Denn auch die Kritik darf sich nicht ausnehmen. Sie muss ihre eigenen Voraussetzungen zur Prüfung stellen können, ohne damit den Maßstab preiszugeben, an dem sie prüft.

Hier berührt sich Ihr Ansatz mit Fichtes kritischem Ausgangspunkt, sofern man die frühe Wissenschaftslehre zugrunde legt: Nicht ein unabhängig vorgefundenes Absolutes soll die Untersuchung begründen; vielmehr muss sich zeigen, was wir voraussetzen müssen, wenn unser Tun und Denken als vernünftig verständlich werden soll.

Dabei würde ich eine Unterscheidung festhalten: Der absolute Zweck ist nicht das Ergebnis der Kritik, sondern dasjenige, woraufhin die Kritik ihre Voraussetzungen prüft. Ob und wie er sich bestimmen lässt, bleibt offen. Gerade diese Offenheit unterscheidet die kritische Aufgabe von einer dogmatischen Weltanschauung.

Und vielleicht liegt darin der entscheidende Sinn Ihrer Formulierung in Schach halten: Die Kritik soll die Vernunft weder ihrer eigenen Ansprüche berauben noch ihr gestatten, diese Ansprüche ungeprüft als Erkenntnisse auszugeben.

Nachtrag: Auch der Zweck ist absolut natürlich nur in der Vorstellung. Ergreife ich ihn als meinen, ist er nicht länger absolut, sondern in Raum und Zeit.
 
 

Montag, 2. November 2026

Philosophieren im System.

  

Kant unterscheidet zwei Klassen von Philosophen - die "nach dem Schulbegriff" und die "nach dem Weltbegriff". Nach dem Schulbegriff, das sind die, die Philosophie an der Uni-versität betreiben. Einen Philosophen "nach dem Weltbegriff" hingegen darf sich keiner selber nennen, das können höchstens Andere tun, denn das wäre einer, der jenen zeigt, wo es lang geht.

Ein Schulphilosoph bin ich nicht geworden, bin aber, nachdem ich meinen Erwerbsberuf beendet hatte, zum Philosophieren zurückgekehrt. Dabei ist es mir widerfahren, meine Vor-stellungen zu einem System zu ordnen - nur im Kopf, nicht auf dem Papier, denn das ist schwierig. - Nun gilt systematisches Philosophieren in Fachkreisen heut ohnehin als dumm und anmaßend, und wenn ich dort überhaupt eine Chance haben will, muss ich gewissen-haft vorzeigen, dass ich 'mein System' weißgott nicht mutwillig konstruiere, sondern nur auf Schritt und Tritt mir zuziehe, ohne es hindern zu können. Darum die Form der täglich fort-zuschreibenden Blogs und deren Zerstreuung in ein gutes halbes Dutzend. 

Die Fichtiana und die Philosophierungen sind das Kernstück, sie erläutern einander. Und da am empirisch-anthropologischen Anfangspunkt meines pp. Systems 'das Ästhetische' als Spezifikum des poietischen Vermögens alias produktive Einbildungskraft, an seinem speku-lativ-transzendentalen Endpunkt aber 'das Absolute' als die ästhetische Idee schlechthin steht, ist das Blog Geschmackssachen der Dritte im Bund.

Der fragmentarische Vortrag macht die Beschäftigung mit 'meinem System' abwechslungs-reich und unterhaltsam, aber übersichtlich ist er nicht. Allerdings vermute ich, wer sein System übersichtlich darstellen kann, hat es nicht richtig verstanden.

Jochen Ebmeier, 30. 3. 15

Sonntag, 1. November 2026

Kleines System der Philosophie.

                                                                      aus Philosophierungen  
 
Philosophie ist wissenschaftlich nur als Kritik. Und nur als Kritik sollte sie sich zu einem System ordnen lassen. Negativ zwar, sofern ihr letzter Grund darin aufgefunden wird, dass ein realer Urgrund des Wissens sich nicht nachweisen lässt. 

Sie ist Wissen des Wissens und endet in der Einsicht, dass das Wahre als beabsichtigter Ge-genstand des Wissens nicht auf-gefunden, sondern postuliert wird. Ein solches Wissen vom Wissen ist in seiner Negativität rein formal und hat keinen Inhalt. 

Das war aber nicht die Absicht, aus der heraus die Philosophie entstanden ist. Sie wollte im Gegenteil ein positives Wissen, das als Wegweiser zur richtigen Lebensführung taugt. Die Kritik zeigt nun: Mit theoretischen Mitteln ist das nicht zu haben. Die richtige Lebensfüh-rung lässt sich nicht ergründen, sondern kann nur entworfen werden. Sie muss frei erfun-den werden, und ihr einziger Maßstab* ist Schönheit – nämlich ob sie vor allem Interes-se gefällt. Da kann die theoretische, wissenschaftliche, kritische Philosophie allerdings se-kundär behilflich werden: indem sie die Interessen ans Licht zieht und abweist.

Die Kritik fügt dem Wissen sachlich nichts hinzu. Sie macht aber durch ihre Distinktionen das Wissens selbst – nicht erst das Gewusste – zu einem möglichen Gegenstand des Urteils: Was ist vor-, was ist nachgeordnet? Sie prüft den Wert des Wissens und ist also selber prak-tisch.

Daraus erhellt aber zugleich, dass der Maßstab zur Beurteilung des Wissens nicht in ihm selber aufzufinden ist, sondern ihm 'vor'-, d. h. übergeordnet war. Die 'Begründung' des Wissens geschieh actu im 'metaphilosophischen' Raum – und hat sich in der praktischen oder Lebensphilosophie zu bewähren. Sie ist eine pragmatische Fiktion, und insofern eben doch: 'Hypothese', genauer: Hypostase. Ist nicht proiectio, sondern proiectum. Und dies ist das einzige 'Interesse', das der Kritik standhält. 

*) Einen Urteilsgrund gibt es nicht. Und ein Urteil ohne Grund nennen wir 'ästhetisch': Es hat als Anhaltspunkt nichts als den Geschmack.

irgendwann in 2010


Nachtrag. - Wenn Sie, wie ich nur wünschen kann, schon öfter auf diesem Blog waren, werden Ihnen diese Zeilen nicht ganz unbekannt vorkommen. Das liegt an meiner unver-meidlich fragmentarischen Darstellungsweise: Wenn nicht alles linear und diskursiv aus einem einzigen Blickwinkel hergleitet wurde, muss man ab und zu hinter sich greifen, um die sinnhafte Einheit wieder herzustellen. Dabei wird es dann möglich und fast nötig, schon dagewesene Gedanken pointierter zusammenzufassen als beim erstenmal.
23. 10. 22 


Nota. Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.

Samstag, 31. Oktober 2026

Das Intelligible entsteht aus dem Versuch des Begreifens.

M. Ernst                                             zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
 
Ein Sein bedeutet immer unmittelbar ein Objekt des Denkens, ein Gedachtes. Nun kommt ihm entweder auch eine Existenz, ein Bestehen und Dauern außer dem Denken zu, in der sinnlichen Wahrnehmung: dann ist ein reelles Sein bezeichnet und man kann von dem Ge-genstande aussagen: Er ist. 

Oder es kommt ihm außer dem Denken kein anderes Sein zu: Dann ist die Bedeutung des Seins eine bloß logische. Man kann nicht sagen: das Objekt ist, sondern nur: es ist dies oder jenes. Das Wort 'ist' ist dann nur logische Kopula.
[ ... ] Das Sein wird dann lediglich dadurch erzeugt, daß das Mannigfaltige der Prädikate in einer Einheit des logischen Subjekts durch das Denken fixiert wird. .../...

So verhält es sich mit dem Gebrauche des Wortes Welt. In der reellen Bedeutung ist es ein geschloßnes Ganzes von daseienden Objekten, die in Wechselbestimmung ihres Seins ste-hen; wo jedes ist, wie es ist, weil alle andern sind, was sie sind, und umgekehrt: und wo man bei vollkommner Kenntnis des Weltgesetzes aus der Natur eines jeden die aller übrigen un-weigerlich würde erraten können, und auf sie schließen. 

Von vernünftigen Wesen gebraucht, bedeutet es gleichfalls einen Einfluß aller auf jeden und
[eines jeden] auf alle; dessen Art und Weise aber nicht begreiflich ist und eben deswegen auch nicht erraten werden kann; [...] das aber schlechthin gesetzt wird und nur durch diesen Be-griff bezeichnet werden kann: also – eben durch den Versuch des Begreifens entsteht, also nur logisch, nicht reell ist. 
_____________________________________________________ 

J. G. Fichte, Rückerinnerungen, Antworten, Fragen. [S. 163; 165]


Nota I. - In den Rückerinnerungen ist er zu einer dogmatischen Wendung noch nicht bereit. Zwar nimmt er auch hier wieder die Idee auf, der 'Endzweck der Vernunft' müsse als zu einem zukünftigen Zeitpunkt realisiert gedacht werden. Aber noch zieht er daraus keinen theoretischen Schluss, er sucht vielmehr beim "intellktuellen Gefühl" Halt. Erst nach Jaco-bis Brief macht er in der Bestimmung des Menschen die 'intelligible Welt' zur reellen Grundlage - einem 'Dauernden' -  des Glaubens.

29. 5. 14


Nota II. - Das ist klar und deutlich und gilt ohne Einschränkung: Das Reich des Intelligib-len - nennen wir es: die Bedeutungen - gibt es nur in der Vorstellung; auf das, was außerhalb der Vorstellungen ist, hat es keinerlei Wirkung. Wirken kann Intelligibles nur auf Intelligen-zen: nämlich auf die Bedeutungen, die sie ihren Anschauungen zuschreiben - und als Zwe-cke ihrer Willensbstimmungen wählen.

Die Intelligenzen gehören materiellen Körpern an, die auch außerhalb von Vorstellungen existieren. Dort werden sie zu wirklichem Willen bestimmt, sodass man sagen möchte: Die Körper gehören den Intelligenzen an. Sie sind es, die die Intelligenzen zu wirklicher Wir-kung befähigen. 

Eine andere Wirkung eines Intelligiblen in der sinnlichen Welt gibt es nicht. Doch die Wir-kung des Sinnlichen auf die Intelligenzen macht uns die Welt aus: durch das Gefühl, das von der Intelligenz angeschaut wird. Und zwar, indem sie einen "Versuch des Begreifens" unternimmt - vorher ist ein Intelligibles nicht da.
1. 9. 18

Nota III. - Ich mag es doch nicht unausgesprochen lassen: 'Ursprünglich' ist ein Intelligibles nicht da. 'Da' sind nur die durch das Gefühl angezeigten Dinge (wie man sie später nennen wird). Ein Intelligibles entsteht erst, indem ein Fühlender 'das, was' er fühlt, verstehen will. Die allererste 'Gegebenheitsweise' des Intelligiblen ist die Frage.

Erst im Fragemodus kann die Bedeutung von diesem 'Ding' zu einer allgemeinen Bedeu-tung abstrahiert werden: Erst aus der Frage entseht der Begriff. Der Begriff ist das digit par excellence: Nur im digitalen Modus können Frage und Verneinung bezeichnet werden. Der Begriff ist der Modus der Kritik.
JE,
19. 6. 19
 

Freitag, 30. Oktober 2026

Ursprung des Begreifens.

 Rodin                                                zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

...'Ursprünglich' ist ein Intelligibles nicht da. 'Da' sind nur die durch das Gefühl angezeigten Dinge (wie man sie später nennen wird). Ein Intelligibles entsteht erst, indem ein Fühlender 'das, was' er fühlt, verstehen will. Die allererste 'Gegebenheitsweise' des Intelligiblen ist die Frage.

Erst im Fragemodus kann die Bedeutung von diesem 'Ding' zu einer allgemeinen Bedeutung abstrahiert werden: Erst aus der Frage entseht der Begriff. Der Begriff ist das digit par excellence: Nur im digitalen Modus können Frage und Verneinung bezeichnet werden. Der Begriff ist der Modus der Kritik.
19. 6. 19

 

GPT antwortet:

Das ist eine bemerkenswert knappe genetische Bestimmung des Begriffs. Vor allem kehren Sie die gewöhnliche Reihenfolge um: Nicht ein schon vorhandener Begriff ermöglicht die Frage, sondern erst die Frage macht das Intelligible als solches möglich.

Ich lese die wenigen Sätze als eine Folge von Übergängen:

Das Gefühl zeigt etwas an, ohne dass das Angezeigte darum schon als etwas verstanden wäre. Erst wenn der Fühlende wissen will, was er fühlt, entsteht die Frage. Das zunächst nur in diesem Gefühl Gemeinte wird dadurch zum Gegenstand eines Verstehens. Und erst indem seine Bedeutung über diesen einzelnen Fall hinaus abstrahiert wird, entsteht der Begriff.

Damit ist der Begriff nicht einfach ein besonders abstraktes Vorstellungsbild. Er hat eine andere Funktion: Er macht es möglich, etwas als etwas zu bestimmen, die Bestimmung zu verneinen und sie in Frage zu stellen. Deshalb nennen Sie ihn den Modus der Kritik.

An einer Stelle möchte ich allerdings genau unterscheiden. Sie schreiben, die Bedeutung dieses Dings werde erst im Fragemodus zu einer allgemeinen Bedeutung abstrahiert. Das könnte so verstanden werden, als sei die Frage schon eine begrifflich formulierte Frage. Dann wäre der Begriff, dessen Entstehung Sie erklären wollen, bereits vorausgesetzt.

Ich vermute, dass Sie etwas anderes meinen: Die erste Frage muss noch nicht in sprachlicher oder begrifflicher Form vorliegen. Sie ist zunächst die praktische, noch unbestimmte Wendung des Fühlenden auf das, was ihn angeht: Was ist das, womit ich es hier zu tun habe? Erst die weitere Bestimmung macht daraus eine Frage, die sich sprachlich stellen und begrifflich beantworten lässt.

So verstanden, ist die Frage nicht schon ein fertiges Urteil, sondern der Übergang vom bloßen Betroffensein zur möglichen Bestimmung.

Und damit erhält auch Ihre Unterscheidung zwischen analogem und digitalem Modus ihren systematischen Ort. Das Gefühl ist noch kein Zeichen für einen Begriff. Der Begriff dagegen erlaubt es, Bestimmungen festzuhalten, zu wiederholen, zu unterscheiden und ausdrücklich zu verneinen. Er macht Kritik möglich, weil er nicht nur etwas bezeichnet, sondern auch die Frage eröffnet, ob es mit dieser Bestimmung seine Richtigkeit hat.

Eine Schwierigkeit bleibt freilich: Wenn das Intelligible ursprünglich nicht da ist, sondern erst im Fragen entsteht, dann darf das Fragen nicht seinerseits als ein bereits intelligibler Akt vorausgesetzt werden. Es muss aus dem Vollzug des Fühlens verständlich werden, ohne dass man dem Fühlenden schon ein Wissen davon zuschreibt, wonach er fragt.

Das wäre der entscheidende Punkt Ihrer Rekonstruktion: Der Begriff setzt nicht bloß eine Frage voraus; er setzt einen Übergang voraus, durch den überhaupt erst etwas fraglich wird.
29. 10. 26

 

Absolut kann nur ein Zweck sein.

Ich schrieb: Absolut ist etwas, das kein Anderes zur Voraussetzung hat. Ein Seiendes im Sinne der Naturwissenschaft kann nicht absolut sein...