Montag, 9. Februar 2026

X. Materialistische Geschichtsauffassung.

                                                                  aus Marx und Fichte

III. ‚historischer Materialismus‘ oder: die „Metakritik“ der politischen Ökonomie
 
Die spezifische Arbeit der Kritik ist es, „eine Wissenschaft erst auf den Punkt zu bringen, um sie dialektisch darstellen zu können“ — das bedeutet: die Aufdeckung des „dialekti-schen Scheins“(Kant), wonach die kategorialen (‚Sinn‘-) Bestimmungen an oder in dem Faktischen (‘Sein’, ‘Material’) selbst gegeben seien; Darstellung, daß — und  w i e  — sie ‘in Wirklichkeit’ in den Stellungnahmen des (interessierten) Subjekts, also praktisch, begründet sind.

Die dialektische Darstellung selbst, nämlich „das  R a t i o n e l l e  an [dieser] Methode“, ist gerade Darstellung  d e r   K r i t i k:  das Material jener Wissenschaft aus seiner Gebunden-heit in die gegebenen Formbestimmtheiten zu lösen, um den  P r o z e ß  der  Form  b e -    s t i m m u n g  als solchen zu rekonstruieren, ‘vor unseren Augen erstehen zu lassen’ — als „Wechselwirkung“ der Kategorien. Aber da das Material sich ja eben  n i c h t  ‚als solches‘, ‚unabhängig‘ von jeder Form darstellen läßt, ist dies nur zu bewerkstelligen, indem die — ‘immer schon’ vorauszusetzenden — Formbestimmungen  a l s   v e r s c h w i n d e n d dargestellt; indem also „die Grenzen“ der dialektischen Begriffsbewegung nicht „gekannt“, sondern selber als solche zur Darstellung gebracht werden.

Dieser Punkt ist erreicht, wo die Begriffsdialektik sich ad absurdum führt, weil sie sich „in einem fehlerhaften Kreislauf herumdreht“, im  L e e r e n  sich dreht: beim Übergang vom „Geld als Geld“ zum „Geld als Kapital“ bzw. von der einfachen Zirkulation zur Verwer-tung; denn da zeigt sich, daß „die dialektische Form der Darstellung“ des kapitalistischen Reproduktionsprozesses das Wertgesetz immer schon voraussetzen muß, und es eben nicht  e r k l ä r e n, geschweige denn begründen kann.

Darum ist „die sogenannte ursprüngliche Akkumulation“ der logische Dreh- und Angel-punkt der Marx’schen Darstellung: der tatsächliche Vorgang der Trennung der Arbeiter von ihrem Arbeits-, d.h. Lebensmittel (dem  B o d e n ), der sich eben nicht ’aus Begriffen ent-wickeln’, sondern nur     e m p i r i s c h     b e s c h r e i b e n  läßt (vgl. „Formen“-Kapitel der Grundrisse).

Wie am ‘Anfang’ der Kapitalentwicklung, so an ihrem ‘Ende’: Der „reale Prozeß“ erweist sich als der logischen Entwicklung inkommensurabel; in dem Moment, wo die Gebrauchs-werte faktisch immer weniger durch „lebendige Arbeit“ erzeugt werden, sondern stattdes-sen von der aufgehäuften “toten Arbeit“, die als „Geschicklichkeit + Wissenschaft“ in der  M a s c h i n e  objektiviert ist, wird deren Wertbestimmung durch die („menschliche Ar-beits“-) Z e i t hinfällig (vgl. Abschnitt „Fixes Kapital“ in denGrundrissen). ( Dies die all-gemeinste Formulierung des  Z u s a m m e n b r u c h s g e s e t z e s)

Es ist dies die  B e h a u p t u n g   der  G e b r a u c h s wertseite des (f i x e n) Kapitals — „tote Arbeit“ – gegen die  F o r m bestimmtheit der lebendigen Arbeit ; es ist dies der  S t o f f, das Faktische, das sich gegen die gesellschaftlich-allgemeinen Geltungen  s e l b s t   zur  G e l t u n g   b r i n g t;  und der „Gebrauchswert“ ist ja nichts anderes als die gegenständ-liche Form des (selbsterzeugten)  B e d ü r f n i s s e s.

Von hier aus läßt sich nun des „Wertproblem“ rationell darstellen, nachdem das selbster-zeugte Bedürfnis als dessen reeller wie logischer  G r u n d  aufgefunden ist (‘reell’ und  z u - g l e i c h  ‘logisch’, weil  p r a k t i s c h...):  Der ”Wert“ ist die Form, in der sich unter his-torisch-bestimmten,  t a t s ä c h l i c h e n  Bedingungen die Frage der gesellschaftlichen     G e l t u n g  wirklich stellt: als die Verteilung der gesellschaftlichen  Z e i t  auf die zu re-alisierenden Bedürfnisse:

1) Im ‘Anfang’ ist die Zeit reichlich, weil die Bedürfnisse  a r m:  das praktische Problem, die individuellen Bedürfnisse gegen einander zu  w ä g e n,  zu „schätzen“, zu  w e r t e n  als solche, die ‘gelten’ sollen oder nicht, ist gar nicht gestellt; denn die Bedürfnisse sind ‘natur-gegeben’ und als solche einander gleich-gültig, weil sie zugleich auch a priori befriedigt sind: von der ‘Natur’; ‘Ökonomie’ findet nicht statt, sondern ökologische Homöostase: Naturbe-dürfnis und Aneignung vorgefundener Lebensmittel gleichen sich gegeneinander aus durch das Naturgesetz von Anpassung und Selektion.

Zeit ist eo ipso  f r e i e  Zeit (also gar keine!)

2) ‘Beginn’ der  G e s c h i c h t e  durch Erzeugung neuer,  k u l t u r e l l e r  Bedürfnisse; empirisch: Erzeugung von  Ü b e r s c h u ß  über den „Konsumtionsfonds“ der “natur-wüchsigen Gemeinwesen“ hinaus; und das Bedürfnis  d a n a c h.  Die Zeit wird jetzt  k n a p p,  indem die Bedürfnisse  r e i c h e r  werden. Die (gemeinsame) Zeit muß auf die (ind-ividuellen) Bedürfnisse  v e r t e i l t  werden; die Bedürfnisse müssen  g e s e l l s c h a f t l i c h   g e w e r t e t  werden.

Die Scheidung der ‘höheren’ Bedürfnisse von den ‘niederen’ stellt sich dar in der Ausbil-dung ‘höherer‘ K l a s s e n,  die, indem ihre Existenz die beständige Erzeugung von Über-schuß als gesellschaftliche   N o t w e n d i g k e i t  setzt, Motor der  A k k u m u l a t i o n  werden: Akkumulation der Bedürfnisse, Anhäufung und Monopolisierung der Produktiv-kräfte  (H e r r s c h a f t  über das Arbeitsvermögen).

Die Verknappung der Zeit erzwingt  Ö k o n o m i e  (= Zeitersparnis): Arbeitsteilung und Kooperation. Objektivierung der akkumulierten Bedürfnisse in der Qualifizierung der Pro-duktivkräfte: Arbeitsmittel und Arbeitsvermögen.

Die Zeit erscheint eo ipso gesetzt als  A r b e i t s zeit.

Der Austausch (nb. zunächst Austausch der Überschüsse!) vermittelt die naturwüchsigen Gemeinwesen zur geschichtlichen  G e s e l l s c h a f t;  die Menschen werden zu (privaten)  I n d i v i d u e n,  die durch den  M a r k t  in allgemeinen Verkehr miteinander gebracht werden: Verallgemeinerung von Arbeitsteilung und Kooperation. Der Arbeitsprozeß wird selbst gesellschaftlicher, reell allgemeiner Prozeß.

Verallgemeinerung des Austauschs, Verallgemeinerung der Bedürfnisse: das ‘höhere’ Be-dürfnis wird zum  g e m e i n e n  Bedürfnis (die privilegierten Bedürfnisse der monopoli-sierenden Klassen hören auf, Triebfeder  (und also notwendig für die Akkumulation [Kul-turation] zu sein.)

Akkumulation bedeutet: fortschreitende Verschiebung der Produktivkraft von der „leben-digen“ Arbeit (der Menschen) auf die angehäufte „tote“: das Arbeitsmittel; als  M a s c h i n e  =  f i x e s   K a p i t a l ; Verlagerung der Produktivkraft aus dem lebendigen Subjekt ins unbelebte Objekt – und das  heißt  j e n s e i t s  der  Z e i t!

3) Nun können die Bedürfnisse (soweit sie auf Gegenstände [!] gerichtet sind) als durch das selbsttätige Arbeitsmittel virtuell   i m m e r   s c h o n   r e a l i s i e r t  gelten; indem die Zeit aufhört, a priori als  A r b e i t s zeit  bestimmt zu sein, hört sie auch auf, mögliches Maß der Werte zu sein: die Notwendigkeit des Wertens selbst entfällt! Die Wertproduktion ‘entfällt’, das Kapitalverhältnis bricht zusammen. —

Derart arbeitet die kapitalistische Weise der Verteilung der disponiblen Zeit auf die sich geltend machenden Bedürfnisse auf ihren eigenen Zusammenbruch hin. Aber das Unter-gehn der  F o r m bestimmung   a k t u a l i s i e r t   eben die Frage nach ihrem  G r u n d:  ’Soll’ der Zusammenbruch stattfinden als  D e s a k k u m u l a t i o n  (letzten Endes: der Bedürfnisse selbst!) = ‘Untergang in der Barbarei’? Oder als  f r e i – Setzung der Bedürf-nisses  ’a l s’  sich selbst erzeugendes; ‘schlechthin’-Setzung des Bedürfnisses als „freie Tätigkeit“ — d.h. „Leben“ nicht mehr als  A r b e i t,  sondern als "S p i e l" ?

Summa : ‘Kritik’ bedeutet, allgemein gesprochen, nichts anderes als die Zurückführung des theoretischen Wissens auf seinen praktischen Grund. Dieser  G r u n d  ist bei Marx das selbsterzeugte, sich selbst erzeugende Bedürfnis. Dessen Darstellung als ‘Stoff’, als das  M a t e r i a l e  der Geschichte, wird treffend ‘historischer  M a t e r i a l i s m u s‘  genannt. Und diese Handhabung der Dialektik als — wie Kant sie nennt — „Katharktikon des Verstan-des“ zur  D a r s t e l l u n g  jenes Grundes ist, ebenso wie Fichtes ‘Wissenschaftslehre’,     M e t a - Kritik.

Sonntag, 8. Februar 2026

XI. Aktualität der Revolution.

          aus Marx und Fichte

C

Primat des Praktischen: die Aktualität der Revolution
 
Nachdem ich also die Übereinstimmung zwischen der 'Kritik der politischen Ökonomie' und der 'Wissenschaftslehre' nach ihrem  P r i n z i p  ('Standpunkt') sowohl als nach ihrer   M e t h o d e dargelegt habe, bleiben zwei Fragen:

E r s t e n s, ist es ein reiner  Z u f a l l,  daß Marx 'zurück zu Fichte' gegangen ist – ohne es zu ahnen, ohne die 'Wissenschaftslehre' überhaupt zu kennen ((von letzterem bin ich über-zeugt))*?!

Z w e i t e n s, ist es ein noch größerer Zufall, daß  i c h,  nach einem Jahrhundert Marx-Philologie, diesen 'Zufall'  e n t d e c k t  habe, der doch so vielen klugen Köpfen verbor-gen geblieben war?!

Ein 'Zufall' ist es, solange man im Gebiet der theoretischen Philosophie bleibt; tritt man in die praktische Philosophie hinüber, die doch, nach Marx wie nach Fichte, die theoretische erst  b e g r ü n d e n  muß, dann bekommt der 'Zufall' Methode: Die theoretische Überein-stimmung beruht nämlich auf einer Übereinstimmung in der praktischen Stellungnahme Beider zu ihrer Zeit: der  p o l i t i s c h e n  Stellungnahme zur Aktualität der Revolution – und kann darum auch nur im Licht dieser Stellungnahme wahrgenommen werden; will sa-gen, man muß diese praktische Stellungnahme  s e l b e r  vollziehen in der bloßen The-orie stößt man nie drauf...

Mit 'Übereinstimmung der praktischen Stellungnahme' meine ich freilich nicht die rein bio-graphische Koinzidenz, daß beide zur ihrer Zeit Propagandisten der Revolution gewesen sind; es ist vielmehr eine Übereinstimmung in ihrer praktischen Philosophie par excellence, nämlich der  G e s c h i c h t s a u f f a s s u n g.

Und in der Tat liegt hier der Schlüssel zu M.'s Bruch mit dem Hegelschen Emanatismus: Die wirkliche Geschichte ist ihm nicht jenes Epiphänomen, durch welches die ewig-unvor-denkliche Heimkunft der 'Idee' zu sich selber in unsere verkehrte Endlichkeit hinüber wet-terleuchtet: nicht 'Fortschritt im  B e w u ß t s e i n  der Freiheit', sondern die Herstellung    e f f e k t i v e r  Freiheit durch die und für die  e m p i r i s c h e n   I n d i v i d u e n. Die Geschichte erscheint bei Marx wie bei Fichte nicht als eine zyklische Abfolge von  S t u f e n  (wo die letzte zugleich die erste ist, so daß sich eigentlich alles im Kreise dreht und der 'Fortschnitt' nur S c h e i n  ist), sondern das Zusammenfließen allen individuellen Gesche-hens in einen  P u n k t, den Knotenpunkt, die Alles entscheidende Krisis: es ist der Mo-ment, an dem die Menschen heraustreten aus ihrer Naturgesetztheit und deren Repräsen-tationen innerhalb der menschlichen Gesellschaft selbst, in die Selbstbestimmung; Freiheit ist nicht die  E i n s i c h t  in die Notwendigkeit, sondern deren E n d e.

Und die S c h w e l l e, die das Reich der Freiheit vom Reich der Notwendigkeit trennt oder wo sie aneinander stoßen... , das ist für Marx wie für Fichte die b ü r g e r l i c h  G e s e l l s c h a f t. Hier muß sich entscheiden, ob die empirischen Menschen in der Tat S u b j e k t e der Geschichte werden sollen oder nicht – und erst von hier aus läßt sich rück-blickend entscheiden, o b  sie sich 'immer schon' auf diesem Weg befunden haben: Die bürgerliche Gesellschaft ist die  K r i s i s, die erst das  U r t e i l  darüber fällt, ob die ganze Geschichte ein  F o r t s c h r i t t  war oder nicht.

Für Marx wie für Fichte ist die bürgerliche Gesellschaft die revolutionäre 'Situation' par ex-cellence, und nur als solche gibt sie der Vergangenheit Sinn. Die praktische Philosophie von Marx wie von Fichte steht unterm Postulat der  R e v o l u t i o n   i n   P e r m a n e n z   und in diesem praktischen Motiv ist ihrerseits die 'Tathandlung' als theoretisches Prinzip be-gründet...

*) Das kann ich mit kriminalistischer Akribie belegen; leider nur durch Indizien.
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Nachtrag 2010:

'Bedürfnis' ist bei Marx eine dynamische Kategorie. Es ist die Kraft, durch die das Subjekt sich selbst als Subjekt 'setzt':

1. Landläufig ist 'Bedürfnis' ein Mangel, der aufgefüllt, ein Loch, das noch gestopft werden muss. Je bedürftiger der Mensch, umso ärmer. Aber nicht bei Marx: "Der Reichtum besteht stofflich betrachtet nur in der Mannigfaltigkeit der Bedürfnisse." Grundrisse, S. 426. Be-dürfnis ist kein Mangel, sondern ein Vermögen.

2. Die Erzeugung des neuen Bedürfnisses "ist die erste geschichtliche Tat"Deutsche Ideo-logie, MEW 3, S. 28. Einige Zeilen zuvor hatten Marx/Engels schon einmal eine 'erste ge-schichtliche Tat' vermerkt, nämlich den Gebrauch von Werkzeugen. Zwar nicht logisch, aber doch historisch verstanden, läuft es freilich auf dasselbe hinaus. Es sind die Erfindung und der Gebrauch von Werkzeugen, die es dem Menschen erlauben, sein vor-gesetztes Na-turbedürfnis über-zu-erfüllen – und Raum zu schaffen für das Erfinden neuer Bedürfnisse. "Ihre Bedürfnisse, also ihre Natur", heißt es später in der Deutschen Ideologie, und von einer selbsterzeugten Natur ist ergo die Rede: generatio aequivoca.

'Bedürfnis' nimmt bei Marx systematisch denselben Platz ein wie bei Fichte Trieb bzw. Stre-ben, und entspricht der Husserl'schen Intentionalität.

*) Und nicht zu vergessen: Platos Eros, der ewig 'nach Schönheit strebt, weil er sie nicht hat'.  



Samstag, 7. Februar 2026

Zweck - ein Sein ganz eigner Art.

team-event
[§ 4]                                                                                                  zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Durch die absolute Freiheit, die eben beschrieben worden ist, bestimme ich mich zu etwas, ich setze, ich habe in der Bestimmtheit einen Begriff. Es wird nur nach einem Begriff ge-handelt, ich handle dann frei, wenn ich nur selbsttätig einen Begriff entwerfe. – Es ist uns hier aber um die klare Einsicht der Gründe zu tun.

/ Das bloße Selbstaffizieren wurde im vorigen Paragraphen als reale Tätigkeit aufgefasst, sie wurde nun angeschaut, in ihr lag der eigentliche Akt der realen Tätigkeit. Nun soll die reale Tätigkeit dem Ich in diesem Selbstaffizieren zusehen, aber das kann sie nicht, so wie wir sie bisher kennen. Nur als ein Übergehen von Bestimmbarkeit zur Bestimmtheit konnte diese Tätigkeit gesehen werden. Nicht Selbstaffektion, sondern Bestimmbarkeit und Bestimmt-heit, und beide zugleich. Das Bestimmte lässt sich nur so erkennen, dass es das Bestimm-bare nicht ist. –

Das Bestimmte muss anschaubar sein, denn nur unter der Bedingung seiner Anschaubar-keit ist Freiheit möglich, welche Bedingung des Bewusstseins ist.

Aber die ideale Tätigkeit ist ihrem Charakter nach gebunden und gehalten; nur einer realen nachgehend. Dieser idealen Tätigkeit muss etwas entgegengesetzt sein, von der sie gehalten werde, dies ist ein Reelles und insofern etwas Bestimmtes. (Wie das Bestimmte zu Etwas werde, gehört noch nicht hierher.) Dieses Etwas heiße x, es bedeutet ein Sein, welches die ideale Tätigkeit bloß nachmacht, etwas, was die eigentliche Tätigkeit vernichtet.

Es wird sich zeigen, dass dies Sein in einem anderen Sinne müsse genommen werden, als das, welches die reelle Tätigkeit aufhebt. Wir werden zwei Bedeutungen von Sein erhalten; das, wovon wir hier reden, wird sich zeigen als ein Begriff vom Zwecke.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 51f.



Nota. - Was die reale Tätigkeit aufhebt und vernichtet, ist das NichtIch, ein totes Sein, eine negative Größe. Hier wurde aber gesucht: das, was der idealen Tätigkeit entgegengesetzt wird, um sie als diese zu bestimmen; was sie nicht aufhebt und vernichtet, sondern im Ge-genteil hält: das Was der Bestimmung. Dieses ist nun selber kein Reales, keine Tätigkeit, sondern ein bloß Gedachtes, Noumenon, nämlich der Begriff von diesem Zweck. Der ist völlig 'in Ruhe', ist ein Sein ganz neuer, ganz eigener Art.
5. 8. 16
 
Nota II. - 'Das Bestimmte lässt sich nur so erkennen, dass es das Bestimmbare nicht ist':  Das Bestimmte ist dasjenige am Objekt, was bestimmt ist. Bleibt übrig etwas Bestimmbares. Ist ein Objekt denkbar, das vollständig bestimmt ist? Wohl kaum, denn mögliche Zwecke gibt es unerschöpflich viele.
 
- 'Das Bestimmte muss anschaubar sein':  Anschaubar ist, was in Raum und Zeit vor-kommt. Wirkliche Freiheit findet in Raum und Zeit statt. Noumena, die außerhalb von Raum und Zeit schweben, sind kein mögliches Material der Freiheit; auch nicht der Spe-kulation - sondern bloßes Gespinst

- Die Tätigkeit selbst kann zum Begriff nicht werden, sondern muss, um wahrnehmbar zu sein, angeschaut werden. Als Übergehen von Bestimmbarkeit zu Bestimmtheit ist sie idea-liter schon bestimmt und realiter noch unbestimmt; ist nicht festgestellt, nicht ruhend, nicht tot; kein Begriff.

Nota III. - Und nie vergessen: Die Transzendentalphilosophie konstruiert nicht aus wahren Begriffen noch wahrere Begriffe, um  sie der Wirklichkeit vorzuschreiben, sondern fasst, was sie in der tatsächlichen Vorstellung des bürgerlichen Menschen vorfindet, in Begriffe, um es durchsichtig zu machen. Das nennt man Kritik (auch 'Phänomenologie').
11. 11. 23
 
Nota IV. - Zweck "ist" nur virtuell - sofern er beabsichtigt wird. Aber sonst ist nichts vir-tuell.
Zweck ist 'erst noch' in der Vorstellung; um in Raum und Zeit realisiert zu werden
JE  
 
 
 

Freitag, 6. Februar 2026

Sein ist eine negative Größe.

Philipp Colla, El Capitán                                 aus Wissenschftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Das Ich in C wurde gefunden als sich selbst setzend; wurde in C nicht in Tätigkeit, sondern in Ruhe gefunden, als ein sich selbst setzendes Gesetztes. Seine Tätigkeit als solche ist auf-gehoben, sie ist eine ruhende Tätigkeit, die aber doch eine Anschauung ist und bleibt. Wie nun allenthalben die Anschauung einem Begriffe entgegensteht und sie selbst nur durch diesen Begriff möglich ist, so ists auch hier. Dies [dem] C Entgegengesetzte ist nun das, was wir oben D nannten. Der Charakter des Begriffs überhaupt ist Ruhe, nun ist C als Anschau-ung betrachtet schon Ruhe, da nun D in Rücksicht auf C Ruhe ist, so ist es Ruhe der Ruhe; was ist nun D?

Indem C dem D entgegengesetzt wird, ist es allerdings Tätigkeit, die durch freie Selbstbe-stimmung zur wirklichen Tätigkeit hervorgerufen werden kann. Es ist Tätigkeit dem Wesen nach (C ist Tätigkeit des Ich als Substanz betrachtet, wovon weiter unten, denn hier bleibt es bloße Redensart.) Das Gegenteil dieser Tätigkeit - D - wäre nun eine reelle Negation von Tätigkeit, nicht bloß Privation, die Tätigkeit Aufhebendes, Vernichtendes, nicht Zero, son-dern negative Größe. 

Dies ist der wahre Charakter des eigentlichen Seins, dessen Begriff man mit Unrecht für einen ersten, unmittelbaren gehalten hatte, - denn der einzige unmittelbare Begriff ist der der Tätigkeit. Sein negiert in Beziehung auf ein außer dem Sein gesetztes Tätiges; durch Sein wird Machen aufgehoben. Was ist, kann nicht gemacht werden. Sein negiert Zweck in Beziehung auf das Setzende; was ich bin, kann ich nicht werden. /

So hat der gemeine Menschenverstand, ohne es zu wissen, die Sache immer genommen. Mit der Existenz der Welt wollte er sich nicht begnügen, er stieg zu einem Schöpfer auf.

Sein ist Charakter des NichtIch, der Charakter des Ich ist Tätigkeit; der Dogmatismus geht vom Sein aus und erklärt dies fürs Erste, Unmittelbare.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 41f.

 

Nota. - Die Dialektik von A, B, C und D ist schwindelererregend. Ob das wirklich nötig war? Aber ich denke, er wollte nunmal auf seine Schlussfolgerung hinaus: Der 'erste, un-mittelbare' Begriff ist nicht Sein, sondern Tätigkeit. Sein ist nicht nur ein Mangel an Tätig-keit, sondern Anti-Tätigkeit, Wider (Gegen)stand der Tätigkeit.

So entpuppt sich die radikale Transzendentalphilosophie, "echter durchgeführter Kritizis-mus", nicht bloß als eine implizite Anthropologie, sondern als eine Metaphysik sui generis, im allerstärksten Sinn: eine aktualistische Fundamentalontologie; als solche aber keine theo-retische Voraussetzung, sondern praktisches Postulat
JE 18. 7. 16

Donnerstag, 5. Februar 2026

Wie kommt das Ich dazu, aus sich heraus zu gehen?

nach Dalí                           zu Wissenschftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik 

Im Begriff oder in der Anschauung muss außer einander liegen, was im Gefühl eins ist. Un-sere Aufgabe ist nun: Wie mag das, was Sache des Gefühls ist, Objekt einer Anschauung oder des Begreifens werden können? /

(Diese Frage ist sehr wichtig, wir kommen dadurch zum eigentlichen Objekt, zum NichtIch und zur Beschreibung der Art und Weise, wie das NichtIch entworfen wird.
 
Unsere Frage könnte auch so heißen: Wie kommt das Ich dazu, aus sich heraus zu gehen? Diese Frage macht eigentlich den Charakter der Wissenschaftslehre aus. Die Lehre von der produktiven Einbildungskraft wird hier eine neue Klarheit und Festigkeit erlangen. Die ge-samte Sinnenwelt wird durch sie hervorgebracht nach ihren bestimmten Gesetzen.)
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S
. 77f.  


Nota. - 'Aus sich herauszugehen': Das könnte man missverstehen - wenn man das Ich für ein Reales und nicht für ein Noumen hielte. Es ist hier aber von der Vorstellung vom Ich die Rede und nicht von einem in einer Schale latent schon vorhandenen wirklichen Kern. Es geht darum, wie das Ich 'sich setzt', indem es sich ein(em) NichtIch entgegen setzt.
 
Die ganze Wissenschaftslehre ist eigentlich Variation über dieses Thema. In der Wirklich-keit ist es das Gefühl von einem Andern, die die Reflexion aufs Selbst veranlasst.
JE 
 
 

Mittwoch, 4. Februar 2026

Das, was ist, und das Nicht-Etwas.

                                                       aus Philosophierungen, oder Das Vernunftsystem
 
Die Grundmystifikation des Hegel'schen Systems war ein fauler Trick. Nämlich die dialek-tische Gleichsetzung von Sein und Nichts ganz am Anfang der Logik. Die Negation des Seins ist offenbar das Nichtsein. Das Nichts wäre dann die Totalität von Allem, was nicht ist. Das ist offenkundiger Blödsinn. 

Es geht um das metaphysische Prinzip: die Gleichsetzung von Logischem und Realem. Position und Negation bilden nur logisch ein Paar. Realiter ist zuerst einmal das Positive; das Negative kommt danach – nicht als negatives Sein, sondern als aktive Verneinung; als Tat eines Subjekts; als Tat-Sache.


Nachtrag I. - Diese Pointe will ich erklären. Was ist, ist Etwas in Raum und Zeit. Was nicht in Raum und Zeit ist, ist nicht; nicht einmal Nichts. Logisches ist jenseits von Raum und Zeit. Es ist nicht, sondern gilt; für logisch in Raum und Zeit Urteilende. Was nicht gilt, ist nicht nichts, sondern ist ungültig für logisch Urteilende; Unfug heißt es umgangssprachlich.
2. 9. 15 

Nachtrag II. -
Und Nicht-Etwas ist nicht das Nichts und nicht einmal nichts. Es ist der Mangel an Etwas. Nichts ist er nur in Raum und Zeit, doch in der Vorstellung ist der Mangel immerhin eine Dynamis; und unbestimmt ist er auch nicht, sondern bestimmt durch seinen Bezug auf Etwas.
9. 12. 19 




Dienstag, 3. Februar 2026

Das bildende Vermögen und der formlose Stoff.

                                                                                aus Marxiana

Das Capital ist Geld (für sich gesezter Tauschwerth) aber nicht mehr Geld als in einer be-sondren Substanz und daher ausgeschlossen von den andren Substanzen der Tauschwerthe neben ihnen existirend, sondern in allen Substanzen, den Tauschwerthen jeder Form und Daseinsweise der vergegenständlichten Arbeit seine ideale Bestimmung erhaltend. 

Insofern das Capital, als in allen besondren Formen der vergegenständlichten Arbeit existi-rendes Geld nun in Prozeß tritt mit der nicht vergegenständlichten, sondern lebendigen, als Prozeß und Akt existirenden Arbeit, ist es zunächst dieser qualitative Unterschied der Sub-stanz in der es besteht von der Form, worin es nun auch als Arbeit besteht. Es ist der Pro-zeß dieser Unterscheidung und der Aufhebung derselben, worin das Capital selbst Prozeß wird. Die Arbeit ist das Ferment, das in es geworfen wird, es nun zur Gährung bringt. 

Einerseits muß die Gegenständlichkeit, worin es besteht verarbeitet, d. h. von der Arbeit aufgezehrt, andrerseits die blose Subjektivität der Arbeit als bloser Form aufgehoben, und sie in dem Material des Capitals vergegen-ständlicht werden. Die Beziehung des Capitals seinem Inhalt nach auf die Arbeit, der vergegenständlichten Arbeit auf die lebendige Arbeit – in dieser Beziehung, wo das Capital passiv gegen die Arbeit erscheint, ist es sein passives Dasein, als besondre Substanz, das in Bezug auf die Arbeit als formende Thätigkeit tritt – kann überhaupt nur die Beziehung der Arbeit auf ihre Gegenständlichkeit, ihren Stoff sein – (was schon im ersten Capitel aus/einanderzusetzen, das dem [vom] Tauschwerth vorher-gehn und von der Production im Allgemeinen handeln muß) – und in Bezug auf die Arbeit als Thätigkeit hat der Stoff, die vergegenständlichte Arbeit, nur 2 Beziehungen, die des Roh-stoffs, d. h. des formlosen Stoffs, des blosen Materials für die Formsetzende, zweckmässige Thätigkeit der Arbeit und die des Arbeitsinstruments, des selbst gegenständlichen Mittels, wodurch die subjektive Thätigkeit zwischen sich und den Gegenstand, selbst einen Gegen-stand als ihren Leiter schiebt.
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K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 218f. [MEW 42, S. 219f.]  


Nota. - M. 'kokettiert' hier wieder mit Hegels 'eigentümlicher Ausdrucksweise', er skizziert eine Ontologie der Arbeit, die eher in die Metaphysik gehört als in die Politische Ökonomie; aber vielleicht doch in die Kritik an ihr?

Solange der Standpunkt, von dem aus kritisiert wird, zumindest auch ein philosophischer bleibt, ist Dialektik die angezeigte Methode der Darstellung. Aber schon in ihrer enthegel-ten Form: Nicht substantiierte Begriffe 'entfalten sich', sondern überall tritt die Arbeit, näm-lich reelle physische Tätigkeit, als das Subjekt auf, dem der tote Stoff lediglich entgegen steht, und der geformte Stoff  das selbst als Arbeitsprodukt entzifferte Kapital –  als Mittel dient; während es aber umgekehrt erscheint. 

Der chaotisch nachlässige Satzbau verweist aber darauf, dass M. sich bewusst ist, an dieser Stelle mehr mit seiner Vergangenheit als Philosoph abzurechnen, als dass er positiv an der Vivisektion der bürgerlichen Produktionsweise voranschreitet.
JE 
9. 10. 15

Montag, 2. Februar 2026

Das reine Wollen: das eigentlich wahre Ich.

 attisch                                  zu Wissenschftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Das Herausgehen über jene durch den reinen Willen bestimmte Sphäre ist selbst etwas Sinnliches, weil es dem reinen Wollen, dem eigentlich wahren Ich, entgegegesetzt ist.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 143 


Nota. - Das 'wahre Ich' hat mit Feuerbach, Schopenhauer, Nietzsche, Freud und C. G. Jung einen emphatischen Klang bekommen, der ihm transzendentalphilosophisch-kritisch noch völlig abging. Nicht ein irreduzibel-ursprünglicher Kern der wirklichen Menschen ist ge-meint, sondern das, was an einer lebenden Person als vernunft- und zurechnungsfähiger Anteil aufgefasst werden kann und Ort seiner Freiheit ist; nämlich sein Wollen. Es ist das, was den Menschen nicht biologisch und genetisch, sondern logisch und historisch von den Tieren unterscheidet. Vorgestellt werden kann es nur als bloßes Vermögen, das erst durch reelle Willensakte in Raum und Zeit zu tat sächlichem Willen bestimmt werden kann. Als bloße Möglichkeit ist es noch rein und völlig unbestimmt. Und möglich ist auch, dass Die-ser oder Jener von ihm keinen Gebrauch macht.
 JE 

Sonntag, 1. Februar 2026

Anschauung und Vorstellung.

                                      zu Philosophierungen, oder Das Vernunftsystem

Das Bild unterscheidet sich vom bloßen Anblick dadurch, dass es die Mannigfaltigen in einer sinnhaften 'Gestalt' zu einander ordnet. Der erste Schritt der Reflexion ist ein Übergehen vom Sehen zum Auffassen. 

Das Vorstellen des Bildes, sein Ein bilden in die vom Gefühl vermerkten Sinnesdaten, ist das Vorgehen, das bei Kant als transzendentale Apperzeption vorkommt. Es ist zu bemer-ken, dass Kant aber zwischen Sinnlichkeit und Anschauung nicht unterscheidet.

Auf dem Bild ein Mannigfaltiges erkennen, in dem Gegenstände zu iden tifizieren sind, ist schon Reflexion in specie. Hier entstehen die Begriffe.

Beachten Sie aber, dass es sich hier bloß um Erklärungen des Wortgebrauchs handelt, der seine spezifische Bedeutung durch den Satz erhält, in dem er vorkommt. Begriffsbestimungen sind es nicht.
12. 12. 19

 maisonapart 

Anschauen ist nicht schon das Vermerken von soundsoviel Sinnesdaten, sondern erst deren Synthetisierung zu einem Bild. 

 



Samstag, 31. Januar 2026

Der Stoff und seine Formen.

zoibrina                                                                                             aus Marxiana

Indem so die lebendige Arbeit durch ihre Verwirklichung im Material dieses selbst verän-dert, eine Veränderung, die durch den Zweck der Arbeit bestimmt, und die zweckmässige Thätigkeit derselben – (eine Veränderung die nicht wie im todten Gegenstand das Setzen der Form als äusserlich dem Stoff, bloser verschwindender Schein seines Bestehns) – wird das Material so in bestimmter Form erhalten, der Formwechsel des Stoffs dem Zweck der Arbeit unterworfen. Die Arbeit ist das lebendige, gestaltende Feuer; die Vergänglichkeit der Dinge, ihre Zeitlichkeit, als ihre Formung durch die lebendige Zeit. 

Im einfachen Productionsprozeß – abgesehn vom Verwerthungsprocess – wird die Ver-gänglichkeit der Form der Dinge benuzt um ihre Brauchbarkeit zu setzen. Indem aus der Baumwolle Garn wird, aus dem Garn Gewebe, aus dem Gewebe gedrucktes etc Gewebe, oder gefärbtes etc, und aus diesem sage ein Kleid hat sich 1) die Substanz der Baumwolle in allen diesen Formen erhalten. (Im chemischen Process haben sich im von der Arbeit gere-gelten Stoffwechsel überall Equivalente (natürliche) ausgetauscht etc); 2) in allen diesen sub-sequenten Processen hat der Stoff eine nützlichere Form erhalten, weil eine ihn mehr dem Consum aneignende; bis er zu-lezt die Form erhalten, worin er direkt Gegenstand desselben werden kann, wo also die Aufzehrung des Stoffs und die Aufhebung seiner Form menschli-cher Genuß wird, seine Veränderung sein Gebrauch selbst ist. 

Der Stoff der Baumwolle erhält sich in allen diesen Processen; in der einen Form des Ge-brauchswerths geht er unter um einer höhren Platz zu machen, bis der Gegenstand als Ge-genstand der unmittelbaren Consumtion da ist. Indem aber die Baumwolle als Twist gesezt ist, ist sie in einer bestimmten Beziehung auf eine fernere Art der Arbeit gesezt. Träte diese Arbeit nicht ein, so ist nicht nur die Form nutzlos an ihr gesezt worden, d. h. die frühere Arbeit wird nicht durch die neue bestätigt, sondern auch der Stoff ist verdorben, indem er in der Form als Twist nur Gebrauchswerth hat, insofern er wieder verarbeitet wird: nur noch Gebrauchswerth ist in Bezug auf den Gebrauch, den die fernere Arbeit davon macht; nur Gebrauchswerth ist, insofern seine Form als Twist aufgehoben / wird zu der von Ge-webe; während die Baumwolle in ihrem Dasein als Baumwolle unendlicher Nutzanwendun-gen fähig ist. So wäre ohne die fernere Arbeit der Gebrauchswerth von Baumwolle und Twist, Material und Form verhunzt; er wäre vernichtet, statt producirt worden.
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K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1 S. 272f. [MEW 42, S. 278] 


Nota. Sachlich gesehen, nämlich unterm Gesichtspunkt des Zwecks der Arbeit: dem be-absichtigten Gebrauchswert der Ware, handelt es sich eben nur um einen Arbeitsprozess; es ist die spezifische Form der industriellen Arbeitsteilung, der ihn in viele Einzelteile zerlegt, die nicht einmal mehr in derselben Fabrik erledigt werden; und die Einzelteile müssen jedes-mal erst zu Tauschwerten, zu Geld werden, müssen verkauft sein, damit der nächsthöhere Gebrauchswert daraus werden und das Stück Gebrauchswert überhaupt bleiben kann – denn sonst wäre auch der Tauschwert verloren.
9. 11. 15

Nota II. -  'Bestimmung' ist Bestimmung als, und Bestimmung 'als' ist Bestimmung auf einen Zweck hin: 'als' einem Zweck dienlich; und Medium der Bestimmung ist Arbeit.
JE

 

X. Materialistische Geschichtsauffassung.

                                                                  aus Marx und Fichte III.  ‚historischer Materialismus‘ oder: die „Metak...