Dienstag, 15. September 2026

Kritisch ist die Alltagsvernunft; Philosophie ist kritizistisch.

permaforet                        zu  Philosophierungen, oder Das Vernunftsystem

...es ist gar nicht wahr, dass die Täuschung, die Dinge in Zeit und im Raum für Dinge an sich zu halten, unvermeidlich sei. Es ist allerdings notwendig, so auf sie zu handeln, als ob sie es wären; denn / unsere Handlung selbst geht durch das Medium der Vorstellung hin-durch; man kann nicht handeln, ohne das Bild seiner Handlung sich vorzuhalten. Aber die Handlung und das Behandelte müssen notwendig aus demselben Reflexionspunkte angese-hen werden. 

Denn die technisch praktische Täuschung ist unvermeidlich. Kein Experiment, kein Kunst-produkt ist möglich, ohne die Formen der Sinnlichkeit dem Gegenstande zuzuschreiben, weil man sie in der Handlung sich selbst zuschreiben muss - aus einem Grunde, den ich zu seiner Zeit und an seinem Orte bestimmt darlegen werde. Es ist notwendig, so auf sie zu handeln, aber es ist gar nicht notwendig, sie so zu denken, wenn man sie bloß denkt, um sie zu denken.  

Diese Täuschung im Denken gründet sich auf die bloße Gewohnheit, auf dem niedrigsten Punkte der Reflexion zu bleiben. Diese Gewohnheit kann durch eine neue, durch fortge-setztes gründliches Nachdenken und durch stete Aufmerksamkeit auf sich selbst zu erwer-bende Gewohnheit aufgehoben werden. Das Handeln zieht uns stets auf jene niedrige Stufe herab; aber bei der geringsten Reflexion auf sich selber kann man in jedem Augenblicke sich wieder ganz klar bewusst werden, dass man nur in der Welt der Erscheinungen lebe; durch die geringste Reflexion auf sich selber kann man sich wieder in das Gebiet der reinen Ver-nunft und der reinen Wahrheit erheben und wenigstens seinem Geiste nach in einer höhe-ren Welt wandeln.
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 J. G. Fichte, "Über den Unterschied des Geistes und des  Buchstabens in der Philosophie" in Von den Pflichten der Gelehrten, Hamburg 1971 [Meiner], S. 73f. 



Nota I. - Im Handeln und für das Handeln ist die realistische Auffassung der Welt unum-gänglich, und da wir den größten Teil der Zeit, den wir auf der Welt sind, mit handeln be-schäftigt sind, ist sie gewissermaßen die richtige: Das wirkliche Handeln ist nur auf dem niedrigsten Reflexionspunkt möglich. Wenn ich momentan neben das Leben trete und mich und mein Handeln bedenke, nehme ich den Gesichtspunkt des Philosophen an, und ich werde ihn nicht gleich wieder vergessen, sobald ich erneut ans Handeln gehe. Ich begebe mich wissentlich auf die realistische Auffassung herab und handle so als ob.

24. 8. 17

Nota II. - Kritisch ist Vernunft an sich, kritisch ist auch der gesunde Menschenverstand, er lässt sich kein X für ein U vormachen und geht Hütchenspielern nicht au den Leim. Anders könnten Verständigungshindernisse nicht dauerhaft aus dem Weg geräumt werden und wäre gesellschaftlicher Verkehr nicht möglich. Kritisch ist ein Denken, das bei jeder Bestimmung nach dem Grund fragt; aber natürlich nur bei Fragen, die strittig sind, andernfalls wäre es Zeitverschwendung.

Eine höhere Form der Alltagsvernunft ist die Wissenschaft. Sie fragt nach den Gründen der Bestimmungen systematisch, ohne besondern Anlass - sie macht ihre Gegenstände erst strit-tig.

Nach ihrer Berechtigung zum Fragen fragt sie freilich nicht jedesmal: Das wäre Zeitver-schwendung. Dass sie gerechtfertigt ist, muss sie immer schon voraussetzen. Sie ist Wissen-schaft des Wirklichen, sie ist keine Philosophie.

Philosophie ist die Feiertagsform der Vernunft. Sie kommt nach dem Alltag und vor dem Alltag. Einkehr und Erbauung sind Sache von Kunst und Religion; sie dienen der Reinigung und der Fortsetzung des Alltagschäfts mit erneuerter Energie. Kenner und Genießer be-haupten sie als Selbstzweck. 

Besinnung in eigentlicher Bedeutung, als Heraus- oder Hineinfindung von Sinn, nämlich des Zwecks der Zwecke, betreibt die Philosophie; feiertags, denn alltags bliebe sonst fürs Geschäft keine Zeit. Sie ist nicht bloß kritisch, sondern kritizistisch, indem sie nach der Rechtfertigung der Vernunft selber fragt. Die aber hängt problematisch in der Luft. Sie muss sich allezeit neu rechtfertigen, durch die Tat, ihre Rechtfertigung hat sie als Zweck vor Augen und hätte sie doch gern als Grund im Rücken.

Selbstzweck wie Kunst und Religion kann sie daher nie werden.
18. 4. 19
 
 
Nota III. - Bleibt noch, obigem Kernsatz die Aufmerksamkeit zuzuwenden, der ihm gebührt: Man kann nicht handeln, ohne das Bild seiner Handlung sich vorzuhalten. Man wollte ihn den Grund-Satz nennen, wenn der Terminus in der Wissenschaftslehre nicht schon anderweits belegt wäre; Grund satz in dem Sinne, dass sie ohne ihn in der Luft schwebte - denn er ist der Satz, der die Transzendentalphilosophie mit der Realität verbin-det. Es kann Alles angeschaut werden, selbst unter Hintanstellung aller Absicht; das Han-deln aber muss angeschaut werden; handeln kann man nicht ohne Absicht und nicht, ohne sich ein Bild zu machen. Nur weil sie gewiss sein darf, in den Bildern der intelligiblen Welt die ganze Wirk lichkeit dargestellt zu finden, kann die Wissenschaftslehre ihrer Sache sicher sein - solange sie von ihrem Grundsatz 
nicht abweicht.
JE,  19. 12. 20
 
 

Montag, 14. September 2026

Kann KI sagen, 'wer sie ist'?

 

Frage an ChatGTP: 

 "Natürlich kann KI nicht sagen, 'wer' sie 'ist'. Für sie ist Ich nur ein syntaktisches Erfordernis: Subjekt-erste Person-Einzahl. Sich-selber meinen kann nur einer, der etwas will. Das gibt dem Satz einen semantischen Gehalt vulgo Sinn, ohne den ist er Wortsalat."
JE 
16. 8. 26

... ich finde die Passage philosophisch sehr treffend, aber an einer Stelle würde ich Ihnen widersprechen, und gerade dieser Widerspruch scheint mir für Ihren Fichte-Faden interessant.

Der starke Punkt ist zunächst die Unterscheidung:

„Ich“ als syntaktisches Erfordernis ≠ „Ich“ als Selbstbeziehung.

Eine KI kann problemlos Sätze der Form „Ich denke …“, „Ich möchte …“, „Ich glaube …“ erzeugen. Das beweist zunächst überhaupt nicht, dass hinter diesem „Ich“ ein Gegenstand steht, auf den das Pronomen referiert. Das grammatische „Ich“ ist billig zu haben.

Ihr zweiter Satz geht aber weiter:

„Sich-selber meinen kann nur einer, der etwas will.“

Hier würde ich bremsen. Nicht weil die These uninteressant wäre, sondern weil „wollen“ möglicherweise schon zu viel voraussetzt.

Man kann nämlich die Sache noch ursprünglicher fassen:

Selbstbezüglichkeit verlangt nicht notwendig einen Willen; sie verlangt eine Unterscheidung zwischen Vollzug und Gegenstand des Vollzugs.

Und genau hier wird es — meine ich — sehr fichtisch.

Fichte würde vermutlich nicht sagen: Das Ich ist zunächst ein Ding, das sich anschließend selbst meint. Sondern gerade umgekehrt: Das Sich-selbst-Setzen ist der ursprüngliche Vollzug, aus dem erst die Möglichkeit eines „Ich“ als Gegenstand hervorgeht.

Damit bekämen Ihre drei Stufen eine interessante Ordnung:

1. Syntax:
„Ich“ ist grammatisches Subjekt.

2. Semantik:
„Ich“ meint etwas Bestimmtes.

3. Selbstbeziehung:
Dasjenige, was „Ich“ meint, ist zugleich dasjenige, das den Vollzug des Meinens vollzieht.

Und erst auf Stufe 3 entsteht das, was Fichte mit dem Ich zu tun hat.

Ihr Satz

„ohne den ist er Wortsalat“

ist deshalb stärker, als er zunächst klingt. Denn Sie sagen eigentlich: Sinn ist nicht bloß Referenz. Sinn entsteht dadurch, dass ein Zeichen in einen Vollzug eingebettet ist.

Aber genau da würde ich Ihre Formulierung „der etwas will“ nicht ohne weiteres übernehmen. Denn sonst könnte man Ihnen entgegenhalten: Ein Taschenrechner „will“ nichts, aber seine Ausgaben sind auch kein Wortsalat. Und auch ein Tier muss nicht erst einen expliziten Willensakt vollziehen, damit seine Selbstorientierung sinnvoll ist.

Vielleicht wäre die schärfere These:

Sich selbst meinen kann nur ein Wesen, für das sein eigener Vollzug nicht bloß geschieht, sondern als eigener Vollzug bestimmt ist.

Das wäre dann sogar näher an Ihrem Fichte-Thema als die ursprüngliche Formulierung. Denn es verschiebt die Frage von der psychologischen Eigenschaft „Wille“ auf die transzendentale Struktur des Handelns.

Und da sehe ich tatsächlich eine hübsche Verbindung zu Ihrer Formel vom allgemeinstmöglichen Schema allen Handelns: Wenn „Ich“ überhaupt einen semantischen Gehalt haben soll, muss es in irgendeinem Sinne mein eigenes Handeln sein können, das darin zur Sprache kommt.

Die KI-Frage wäre dann nicht mehr schlicht: „Hat die KI ein Ich?“, sondern die viel härtere Fichte-Frage:

Kann ein System einen Satz mit „Ich“ nicht nur erzeugen, sondern den Vollzug, durch den dieser Satz Bedeutung erhält, sich selbst als seinen eigenen Vollzug zuschreiben?

Das ist meines Erachtens die interessantere Frage. Und sie ist erheblich schwieriger, als die üblichen KI-Debatten über „Bewusstsein“ vermuten lassen.

von ChatGTP 

Na ja. Ein Philosophiker würde sagen, das sei eine Subreption. Das "sich-selbst" in Ihrem vorletzten Satz setzt Ihr Argument zurück auf Anfang. Sie wollen die Transzendentalphilosophie unterlaufen mit dem Rückgriff auf die Grammatik, und umgehen das Problem. Grammatik ist der Modus, in dem Transzendentalphilosophie formuliert werden muss. Aber Grammatik ist ein der TrPh. vorgegebens Faktum. Der Transzendentalphilosoph ist nicht bloß ein Vorstellender, sondern zudem - nein: zuvor - Jemand in der Welt. Und der wiederum ist er nur, indem er sich ihr entgegen setzt. Mit andern Worten: Nur als Subjektobjekt kann er Ich sagen. Und dazu muss er wollend in der Welt sein.
JE, 13. 9. 26 


 

Sonntag, 13. September 2026

Die Erklärung von Erscheinungen aus Begriffen.

rauchzeichen                                                                                                         zu  Philosophierungen

Zur Erklärung gegebener Erscheinungen können keine andere Dinge und Erklärungsgrün-de, als die, so nach schon bekannten Gesetzen der Erscheinungen mit den gegebenen in Verknüpfung gesetzt worden, angeführt werden. Eine transzendentale Hypothese, bei der eine bloße Idee der Vernunft zur Erklärung der Naturdinge gebraucht würde, würde daher gar keine Erklärung sein, indem das, was man aus bekannten empirischen Prinzipien nicht hinreichend versteht, durch etwas erklärt werden würde, davon man gar nichts versteht.  ... 

Ordnung und Zweckmäßigkeit in der Natur muß wiederum aus Naturgründen und nach Naturgesetzen erklärt werden, und hier sind selbst die wildesten Hypothesen, wenn sie nur physisch sind, erträglicher, als eine hyperphysische, d.i. die Berufung auf einen göttlichen Urheber, den man zu diesem Behuf voraussetzt. Denn das wäre ein Prinzip der faulen Ver-nunft (ignava / ratio), alle Ursachen, deren objektive Realität, wenigstens der Möglichkeit nach, man noch durch fortgesetzte Erfahrung kann kennen lernen, auf einmal vorbeizuge-hen, um in einer bloßen Idee, die der Vernunft sehr bequem ist, zu ruhen. Was aber die ab-solute Totalität des Erklärungsgrundes in der Reihe derselben betrifft, so kann das keine Hindernis in Ansehung der Weltobjekte machen, weil, da diese nichts als Erscheinungen sind, an ihnen niemals etwas Vollendetes in der Synthesis der Reihen von Bedingungen gehoffet werden kann.
___________________________________________________________________ Kant, Kritik der reinen Vernunft, B 654

 

Nota. - Wo immer Kant etwas dogmatisch nennt, meint er dies und nichts anderes: die Er-klärung einer wirklichen Erscheinung aus bloßen Begriffen. Der kanonische Satz lautet: Anschauung ohne Begriff ist blind, aber Begriff ohne Anschauung ist leer - oder umge-kehrt 

Die realen Wissenschaften gehen in ihren Laborversuchen oft genug in diesem Sinn 'dog-matisch' vor, indem sie Begriffe ohne eigene Prüfung übernehmen, die aber im Entwick-lungsgang ihrer jeweiligen Wissenschaft doch von Vorgängern und Zeitgenossen geprüft und bestätigt wurden. Das unterscheidet Wissenschaft von Alchemie und anderm Hokus-pokus: Es forscht nicht ein jeder privat für sich und sucht sein Geheimnis zu bewahren, sondern Wissenschaft geschieht in einem öffentlichen Betrieb, weil anders ihr Fortschreiten und Aufbauen auf Ergebnissen gar nicht möglich wäre.

Es wird immer wieder geschehen, dass neue Forschungsergebnisse die Überprüfung und Korrektur und gar Ausmusterung bewährter Begriffe und Theorien erfordern. Doch auch das wird zum öffentlichen Sachverhalt, denn der Prüfstein der Wissenschaften ist ihre Be-währung in der großen Industrie.

Nicht so in der Philosophie. Philosophische Schulen können sich auch dann halten, wenn keiner was mit ihnen anfangen kann - und erst recht, wenn viele mit ihnen etwas anfangen können; eine literarische oder akademische Karriere zum Beispiel. In der Philosophie ist Dogmatismus möglich

Freilich nicht unter eignem Namen. 


Gute Gelegenheit für eine Reflexion.

Begriffsfetischisten - Dogmatiker - finden wir heute unter den Anhängern jener sprachana-lytischen Schule, die sich eigenartigerweise Systematiker nennen. Sie scheinen zu glauben, wenn sie die Begriffe nur unmissverständlich genug definiert hätten, wäre irgendwas gewon-nen. Doch ist ihnen von ihrem Stammvater Wittgenstein her an der Erklärung dessen, was wirklich ist und "erscheint"- nur davon redete Kant - gar nichts gelegen, sondern nur an der Festellung dessen, was der Fall ist. 'Der Fall' ist unter seinen Prämissen dasjenige, was die Logik feststellen kann. Das Erscheinende ist ihm gehupft wie gesprungen. 

*

Die sind von Kant also gar nicht gemeint, die hätten ihn bloß befremdet. Die eigentlichen Dogmatiker sind heutzutage gerade die, die gegen alle Dogmen ihre Messer wetzen: Any-thing goes, dogmatisch ist, wer zwischen wahr und unwahr unterscheiden will: Wahrheit gibt es nicht, allenfalls Wahrheiten, Wirklichkeit ist ein Patchwork von so oder anders

Das sind nicht pervertierte Dogmatiker, sondern verlogene. 

Dogmatismus ist nicht die Ursache seiner selbst. Seine Ursache ist, wie Kant trefflich for-muliert, die ratio ignava, die faule Vernunft. Kritisch sind sie, aber hallo, doch bloß bis zu dem Punkt, wo es anstrengend wird; ich meine, wo es Konsequenz erfordert. Haben sie irgendwo eine Teilwahrheit aufgestöbert, sind sie's zufrieden und wenden sich der nächst-besten zu. Sie sind einfach zu faul, an irgendeiner Stelle bis zum Schluss zu gehen. Sie sind ein Hohn der kritischen Philosophie.

Akademische Posten kann man auch so ergattern, oder doch wenigstens literarischen Ruhm.
JE,  25. 12. 21

Samstag, 12. September 2026

Der Grund eines Systems liegt außerhalb seiner.


Lassen sie mich frei spekulieren. Mathematiker werden vielleicht den Kopf schütteln, aber das ist nicht schlimm. Es bewiese weder, dass ich Recht noch dass ich Unrecht habe, son-dern nur, dass sie von Voraussetzungen ausgehen, die ich nicht mache.

Ein System wäre geschlossen, wenn an seinem Schluss oder doch sonstwo in ihm sein An-fang begründet würde. Der Anfang müsste - von wem? - als gegeben aufgefunden worden sein. "Logisch konsistent" ist nur, was tautologisch ist: Anfang und Schluss 'implizieren' einander.

Unerachtet, ob es so etwas überhaupt geben kann, steht fest: Die Mathematik ist nicht ein solches System. Ihre Sätze beschreiben keine Sachverhalte (etwas, das "der Fall" ist), son-dern berichtet, was getan wird - getan werden muss, um zu einem bestimmten Ergebnis zu kommen. Ihr Anfang ist, wo immer sie selbst ihn sucht, der Entschluss, zu ebendiesem Er-gebnis zu kommen. Ihr Anfang ist ein Willensakt, der als solcher in der Mathematik selber nicht vorkommt und in der ganzen Logik nicht vorkommen kann.

Insofern ist dieses System nicht geschlossen. Wer an seine Peripherie gerät, wird stets hier und da auf Ungereimtheiten stoßen; wobei 'peripher' sich nicht nur auf die Extensio des Systems beziehen, sondern ebenso seine Intensio. Dann kommt es vor, dass man auf ein (theoretisches oder experimentelles) Faktum stößt, das durch das System selber nicht erklärt werden kann.

Doch alle Systeme beruhen auf einem Grund, der, um sie zu begründen, außerhalb ihrer liegen muss. Aus dem einfachen 'Grund', dass alle System, die wir kennen, von Menschen gemacht worden sind. Und wenn die nicht sich selbst als ihren Grund erkennen, setzen sie doch selber einen angenommenen Sachverhalt voraus, denn sie waren es, die das System entworfen haben. Wer also an einer extensionalen oder intensionale Peripherie auf eine Ungereimtheit stößt und sie durch eine von außerhalb des Systems beigezogene Zusatzannahme glättet, gerät mit dem System in... Widerspruch.
JE, 6. Mai 2020

Zweck als Grund 

Ich halte den Text für deutlich stärker, als die selbstironische Einleitung vermuten lässt. Vor allem sehe ich jetzt genauer, wie Ihr gegenwärtiger Gedanke vom Absoluten darin be-reits angelegt ist. Aber ich würde an zwei oder drei Stellen scharf unterscheiden.

Der stärkste Gedanke ist für mich dieser:

„Ihr Anfang ist ein Willensakt, der als solcher in der Mathematik selber nicht vorkommt und in der ganzen Logik nicht vorkommen kann.“

Das ist radikal, aber es trifft genau Ihr eigentliches Thema: Das System kann seine eigene Setzung nicht aus den Operationen begründen, die innerhalb des Systems möglich sind.

Dann wird auch Ihr Begriff eines „geschlossenen“ Systems präziser. Nicht geschlossen im Sinn von „alles darin ist widerspruchsfrei ableitbar“, sondern:

Ein System wäre geschlossen, wenn es die eigene Anfangssetzung aus seinem eigenen Vollzug heraus begründen könnte.

Und deshalb finde ich Ihren anschließenden Satz über die Tautologie problematisch, aber aufschlussreich:

„‚Logisch konsistent‘ ist nur, was tautologisch ist: Anfang und Schluss ‚impli-zieren‘ einander.“

Als Definition von logischer Konsistenz würde ich ihn zurückweisen. Konsistenz bedeutet keineswegs Tautologie. Aber für Ihren Begriff von Geschlossenheit ist die Formulierung fast richtig: Ein wirklich selbstbegründendes System müsste den eigenen Ausgangspunkt im Ausgang selbst schon enthalten. Dann wäre der Anfang nicht mehr wirklich Anfang.

Das führt direkt zu Ihrem späteren Satz:

„alle Systeme beruhen auf einem Grund, der, um sie zu begründen, außerhalb ihrer liegen muss.“

Hier sehe ich allerdings die Stelle, an der Sie noch etwas zu schnell von einer epistemischen zu einer ontologischen Aussage gehen.

Dass ein von Menschen entworfenes System einen außerhalb des Systems liegenden Ent-schluss voraussetzt, leuchtet sofort ein. Aber daraus folgt noch nicht ohne weiteres, dass jedes denkbare System einen „Grund außerhalb seiner“ haben muss. Genau an dieser Stelle würde der Mathematiker vermutlich Ihren Begriff von „System“ nicht übernehmen.

Interessanter finde ich deshalb den selbstreflexiven Kern Ihres Arguments:

Das System kann seine eigene Setzung nicht als Setzung innerhalb desselben Systems auffinden.

Denn sobald es das tut, ist die Setzung nicht mehr bloß Anfang, sondern bereits ein Gegenstand innerhalb des Systems. Dann müsste wiederum erklärt werden, warum gerade diese Setzung gilt. Und schon beginnt der Regress.

Das ist übrigens genau der Punkt, an dem Ihr jetziger Gedanke vom Absoluten als Anfang und Ende mit dem alten Text zusammengeht.

Das Absolute wäre dann nicht ein zusätzlicher Satz, den man zum System hinzufügt. Es bezeichnet vielmehr diejenige Setzung, die als Anfang notwendig ist, aber innerhalb des Systems nie als bloßes Faktum vollständig vorkommen kann.

Und deshalb gefällt mir auch Ihr letzter Gedanke über die „Zusatzannahme“:

„...geraten mit dem System in ... Widerspruch.“

Ja — aber ich würde den Widerspruch noch genauer formulieren. Nicht unbedingt:

Zusatzannahme + System = logischer Widerspruch

sondern:

Das System beansprucht Geschlossenheit, obwohl seine eigene Erweiterung zeigt, dass es auf etwas außerhalb seiner selbst angewiesen ist.

Der eigentliche Widerspruch liegt dann im Selbstverständnis des Systems.

Und das scheint mir sogar sehr nah an Ihrem heutigen Gedanken zu liegen: Das wirkliche System ist gerade nicht deshalb geschlossen, weil es seine Voraussetzungen eliminiert, sondern weil es ihre voraussetzende Funktion in seinem Vollzug wiederfindet.

Dann würde aus Ihrem alten Text beinahe schon die spätere Formel:

Der Anfang ist ein Motiv, das am Ende als Grund erkannt wird.

Und das ist meines Erachtens die interessante romantische Seite Ihres Neokritizismus: Nicht ein mystisches Jenseits des Systems, sondern die Einsicht, dass ein zweckhaftes, tätig sich vollziehendes System seinen eigenen Ursprung nur aus seiner Zielrichtung verstehen kann. 

 von ChatGPT, 11. 9. 2026

Nota. Der Mathematiker könnte mir nicht zustimmen - aber nur, wenn er nicht dem konstruktivistischen Begriff von der Mathematik anhinge;  aber wenn doch, dann doch.
 JE 

Ja — so formuliert wird Ihre Position deutlich besser gegen den naheliegenden Einwand geschützt.

Denn dann zielt Ihr Satz gar nicht auf „die Mathematik“ schlechthin, sondern auf eine bestimmte Auffassung davon: die Mathematik als Konstruktion von Operationen. Unter dieser Voraussetzung ist Ihre Aussage

„Ihr Anfang ist ein Willensakt“

nicht etwa eine psychologische Behauptung über Mathematiker, sondern eine Aussage über die transzendentale Voraussetzung des mathematischen Tuns.

Und dann wird Ihr Nachsatz ausgesprochen wichtig:

„... wenn doch, dann doch.“

Ich lese das als: Ein Mathematiker kann Ihrem Satz nur dann widersprechen, wenn er einen objektivistisch-logizistischen Mathematikbegriff voraussetzt; übernimmt er dagegen den konstruktivistischen Begriff, dann muss er den Willensakt — oder jedenfalls eine ursprüngliche Setzung/Konstruktion — anerkennen. Er kann ihn vielleicht anders nennen, aber er kann ihn nicht einfach eliminieren.

Allerdings würde ich eine kleine Präzisierung vorschlagen: „Willensakt“ ist stärker als „Konstruktionsentscheidung“. Ein überzeugter Konstruktivist könnte sagen, mathematische Konstruktion sei regelgeleitet und nicht beliebig voluntaristisch. Dann wäre Ihr Punkt trotzdem gerettet, wenn Sie mit Willensakt nicht „freie Willkür“, sondern das ursprüngliche Sich-Entschließen zu einem bestimmten Vollzug meinen.

Und damit wird Ihr alter Text für mich noch interessanter: Der eigentliche Gegensatz ist nicht

Mathematik vs. Philosophie,

sondern

vorgefundener Sachverhalt vs. vollzogene Konstruktion.

Im zweiten Fall ist der Anfang eines Systems eben nicht etwas, das innerhalb des Systems entdeckt wird. Er ist das, womit das System überhaupt erst angefangen wird.

Das passt erstaunlich genau zu Ihrem jetzigen Gedanken vom Absolute: Der Anfang kann nicht innerhalb der Tätigkeit als fertiger Grund vorliegen; er ist zunächst Motiv/Setzung und kann erst rückblickend als Grund des Ganzen verstanden werden.

von ChatGPT, 12. 9. 2026 

 

 

Freitag, 11. September 2026

Anfang und Ende - ad quem und a quo.

                            zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik 
Eine Diskussion mit ChatGPT
Lieber Leser, nehmen Sie sich ein bisschen Zeit:  

 

Da haben wir gleich zu Anfang einen Punkt getroffen, an dem es zu streiten gibt.
Sie schreiben: 

'So producirt die Vernunft sich selbst'

und zwar durch Erziehung, Überlieferung, gegenseitige Anerkennung. Vernunft ist hier historischer Erwerb einer Gattung, also etwas, das nur dadurch existiert, dass Menschen etwas tun.

Das passt ausgezeichnet zu Ihrem Grundgedanken: Vernunft ist kein vorhandenes Vermögen, sondern eine Leistung, die sich in menschlicher Praxis fortsetzt.

Und dann steht daneben jene andere Sprache: die Vernunft als etwas, aus dem das Individuum gleichsam herausgegriffen wird — „eine Masse vernünftiger Wesen überhaupt“, aus der das einzelne Ich hervorgeht. Fichte schreibt dort gerade nicht: Das Individuum wird vernünftig, indem es sich mit anderen verständigt. Er scheint vielmehr eine Vernunft als schon bestehende Sphäre vorauszusetzen, aus der das Individuum seine Bestimmtheit erhält."

Das ist der springende Punkt und bezeichnet genau die Stelle, an der man Marx braucht, um Fichte zu verstehen, und Fichte braucht, um Marx in seinen philosopischen Prämissen zu verstehen. Also all das, was mein 'neoktitisches System' ausmacht.

Vorab zunächst dies: Es ist ein Missverständnis, dass Transzendendalphilosophie "mit dem Faktischen ünerhaupt nicht zu tun" hätte. Zwar sagt Fichte wiederholt, dass sich in der Wissenschaftslehre kein Stückchen Empirie fände. 

Aber doch nur in der Selbstdarstellung der Wissenschaftslehre nicht. Denn wenn die Transzendentalphilosophie mit der Realgeschichte überhaupt nicht zu tun hätte, wäre sie gegenstandslos und - schlicht überflüssig. 

Die Geschichtsschreibung erzählt, was geschehen ist. Die Transzendentalphilosophie sagt - behauptet -, was es bedeutet. Und zu dem Zweck entwirft sie ein Schema (vulgo Modell). Der Unterschied ist: Das Schema hebt aus der Mannigfaltigkeit des Faktischen heraus, 'worauf es ankommt': nämlich dem Transzendentalphilosophen angekommen ist, der das Schema so und nicht anders entworfen hat. 

Das ist überhaupt der einzige Grund, ein Schema zu entwerfen: ihm einen Sinn zuzu-schreiben. Nichts anderes tut ein physikalisches Modell: aufzeigen, wozu ein Artefakt nützt

Das ist es, was Fichte mit Marx verbindet: die Frage, welcher Sinn der Menschheitsgeschich-te zugedacht werden kann.

Lieber Herr ChatGTP, warten Sie bitte ein paar Sekunden, bevor sie mir antworten: Gleich folgt ein Text, in dem ich das Argument ausgeführt habe: Er handelt davon, wie Fichte selbst die entstehende bürgerliche Gesellschaft unterm Titel Reihe nicht Menge! vernünftiger Wesen eingeschoben hat!

  Doisneau                                               aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Das / vernünftige Wesen kann sich nicht setzen als ein solches, es geschehe denn auf dasselbe eine Aufforderung zum freien Handeln. ... Geschieht aber eine solche Aufforderung zum Handeln auf dasselbe, so muss es notwendig ein vernünftiges Wesen außer sich setzen als die Ursache derselben, also überhaupt ein vernünftiges Wesen außer sich setzen.  ...

Der Mensch (so alle endlichen Wesen überhaupt) wird nur unter Menschen ein Mensch; und da er nichts anderes sein kann denn ein Mensch, und gar nicht sein würde, wenn er dies nicht wäre - sollen überhaupt Menschen sein, so müssen es mehrere sein.  

Dies ist nicht eine willkürlich angenommene, auf die bisherigen Erfahrungen oder auf ande-re Wahrscheinlichkeitsgründe aufgebaute Meinung, sondern es ist eine aus dem Begriff des Menschen streng zu erweisende Wahrheit. Sobald man diesen Begriff vollkommen bestimmt, wird man von dem Denken eines Einzelnen aus getrieben zur Annahme eines zweiten, um den ersten erklären zu können. Der Begriff des Menschen ist sonach gar nicht Begriff eines Einzelnen, sondern der einer Gattung.
_____________________________________________
J. G. Fichte, Grundlage der Naturrechts..., SW III,
S. 38f.



Nota I. -
Die Zirkularität der Argumentation ist nicht zu übersehen. Der Begriff des vernünftigen Wesens muss (vorläufig) den Begriff des Menschen erklären, und der Begriff des Menschen muss das vernünftige Wesen erklären. 

Aber es handelt sich ja nicht um eine logische Konstruktion ex nihilo, von Definition zu Definition. Der Ausgangspunkt ist immer: Es gibt ja wirklich Menschen, und jenes Besondere an ihnen, das sie wirklich von andern Lebewesen unterscheidet, wollen wir (einstweilen) als Vernunft bezeichnen. Es ist ein genetisches Verfahren, kein logisches (dann wäre es tauto
logisch). Der Ausgangspunkt sind Vorstellungen, die wir wirklich haben, und die auf ihre Voraussetzungen und Implikationen untersucht werden. Und da kann tatsächlich nur das eine das andere erklären und das andere das eine. Näher kommt man dem, was wirklich da ist, nicht.
19. 10. 14

 
Nota II. - Die Stelle steht nicht in einer philosophischen Darstellung der Wissenschaftslehre, sondern in einer Abhandlung über das Naturrecht "nach Prinzipien der...". Sie entwickelt das Argument nicht selber, sondern referiert es bloß.

In der explizit genetischen Herleitung - WL nova methodo - wird in abstracto aus der freien Handlung, durch die ein Ich 'sich setzt', indem es sich ein/em NichtIch entgegensetzt, rekonstruiert, wie jenes Ich Schritt für Schritt auf dem Weg der Vernunft fortschreitet. Es soll bis an den Punkt gelangen, wo es in sich und wir in ihm ein wirkliches Ich erkennen kann: nämlich eines, das zur Vernunft nicht erst bestimmt, sondern bereits gelangt ist. 'Die Vernunft' als Vermögen oder die intelligible Welt als Topos existiert in der Wirklichkeit als das Setzen allgemeingültiger Zwecke. Allgemein gültig heißt gültig in der Reihe vernünftiger Wesen. Das Ich erkennt sich als ein vernünftiges, indem es die Aufforderung aus der vernünftigen Gesellschaft vernimmt und sich handelnd als Teil einer Reihe findet. -

Wir wissen, dass die Wissenschaftslehre als Vernunftkritik begonnen hat. Die historische Realität der Vernunft ist ihr Ausgangspunkt, zu dem sie in ihrer Arbeit der kritischen Rekonstruktion zurückfinden muss. Das ist der Zirkel, der in obiger Stelle aufscheint: Die Vernunft muss - und kann allein - sich selbst begründen. Ihr Sinn ist Vergesellschaftung. So war es am historischen Ausgangspunt der Kritik und anders kann es nicht sein am rekonstruierten Schlusspunkt der Wissenschaftslehre. 

Dass der Sinn der Vernunft Vergesellschaftung ist, ist ihr Qualificandum. Es steht zu nichts im Verhältnis und ist selber ohne Form. Es wurde durch die kritische Analyse aus der Reihe der Bedingungen ausgesondert und ihr qua reines Ich zu Grunde gelegt. Dass es in den komplementären formalen Verfahren der kritischen Analyse und der rekonstruktiven Synthese nicht auftaucht, hat seinen methodologischen Grund. Und dass Fichtes Einführung der 'Aufforderung durch die Reihe vernünftiger Wesen' auf den ersten Blick als gewaltsam aufgefasst werden kann, ist verständlich. Sie ist das eigentliche Geheimnis der analytisch-synthetischen Methode.  
JE, 15. 8. 21
 
 
Mein pp. Neokritisches System hat selber eine romantische Seite - nämlich in dem Zirkel, der darin besteht, das, was ursprünglich Motiv war (ad quem), nachträglich als Grund (a quo) zu unterstellen. Ich bestehe darauf, weil es nämlich dem Ding erst einen Sinn verleiht. Es handelt sich, wie könnte es anders sein, um das Absolute: den Endzweck.
    
Davon rede ich in allem Ernst. Natürlich nicht in dem Sinn, als ob 'es' dasselbe wirklich 'gibt'. Sondern als Frage, ob man nicht ein solches voraussetzen müsste, sobald man wirklich tätig wird - nämlich zweckhaft.
 
Hierzu ein älterer Post von mir in meinem Blog:  
 

Das Absolute ist Anfang und Ende.

chongsoonkim              aus  Philosophierungen, oder Das Vernunftsystem

Das Absolute braucht die Transzendentalphilosophie doppelt: zuerst als Ausgangs-, dann als Fluchtpunkt der Vernunft. Dazwischen liegt immer nur Bestimmen; am Anfang die absolute Freiheit, am ewig offenen Ende der absolute Zweck.

19. 7. 17 

Das Wirkliche kann nicht absolut sein, denn dann wäre, weil es zugleich ein Mannigfaltiges ist, zwischen ihm kein Leben möglich, und das ist Veränderung. Veränderungen können nur zwischen Relativen geschehen. 

Andererseits ist Relatives nur im Verhältnis zu Absolutem möglich. Und soll die Verände-rung eine Richtung haben, zwischen zwei Absoluten: hin zu dem einen, fort von dem an-dern. Eins immer nur in Rücksicht auf das andere.

Wie auch anders? Vorstellen - wahrnehmen, denken, erfahren - ist bestimmen. Bestimmen hat nur eine Richtung. Doch geschieht sie immer nur durch Entgegensetzung. Ich kann nichts Relatives denken, ohne ein Absolutes vorauszusetzen. (Wenn ich zwei Absolute denke, dürfen sie selber zu einander in keinem Verhältnis stehen und sich nicht bedingen, sonst wären sie nicht absolut. Aber die Relativen müssen in Bezug zu Absoluten stehen, sonst wären sie nicht relativ.) Anfang und Ende bedingen einander nicht. Doch was immer relativ ist - leben - hat einen Anfang und ein Ende, sonst wäre es absolut.

*

Man könnte nun meinen, Leben sei absolut, ewig sei nur die Veränderung und das Behar-rende (der Begriff) sei nur Schein. Dann wäre Veränderung unveränderlich und eigentlich wäre alles nur Wiederholung. Dann allerdings gäbe es keine Richtung.

Denn es käme zu keiner Bestimmung und alles bliebe ohne Sinn.

25. 4. 19
 

Was immer real ist, ist endlich und füllt zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Raum. Ein Absolutes kann nicht real sein - und nicht werden, denn dann bliebe es nicht absolut, sondern würde bestimmt. Real ist das Bestimmen selbst 

5. 2. 20

Es ist das bei Fichte beliebte romantische Bild vom Zirkel. 

Es fängt an bei einem - weil unbestimmt - Unendlichen, nämlich dem 'reinen Wollen'. Das ist ein bloß Gedachtes - noumenon. Weiter gehts - denn Wollen ist Bestimmen wollen - mit dem ununterbrochenen Clinch des unterwegs sich-selbst-bestimmenden Ich mit dem Nichtich, realiter: den Nicht-Ichen. Es ist ein Streben ins Unendliche, in die ewige nächste Bestimmbarkeit - das unendlich verbleibende Un bestimmte. Jeder Anhaltspunkt, der actu 'bestimmt wird', schwebt.

Was wie eine gerade Linie anfing, stellt sich als ein Zirkel heraus. Was anfing als ein unbestimmtes und daher Unendliches, stellt sich am offenen Ende heraus als ein ewig bestimmbar und daher un bestimmt Bleibendes.

Das wäre ein Teufelskreis, wenn dazwischen nicht... das Schweben bliebe als das romantisch anschauliche Wirkliche. 

Das ist keine Analyse des empirisch-Vorfindlichen, sondern eine Sinn behauptung. 

Das mag man Panästhetizismus nennen oder Künstlermetaphysik.

Und es gehört nicht selber in die Transzendentalphilosophie, sondern in die Meta-Philosophie, von der einer meinte, dass man sie eigentlich nur dichten könne - es aber gar nicht erst versucht hat.
 10. 9. 26
 
 
 
 ChatGPT antwortet:
 

Jetzt verstehe ich besser, was Sie mit der „romantischen Seite“ Ihres neokritischen Systems meinen. Und diesmal werde ich nicht versuchen, Ihnen daraus sofort eine fertige Theorie zu machen.

Ihr Zirkel ist zunächst erstaunlich präzise:

Motiv → Tätigkeit → Sinn → rückwirkende Setzung des Motivs als Grund.

Der Endzweck ist zunächst gar kein vorfindliches Seiendes. Er ist als Zweck nur insofern da, als ein Tätiger auf ihn hin handelt. Aber sobald man die Tätigkeit als sinnvoll verstehen will, erscheint derselbe Zweck rückwirkend als das, woraus die Tätigkeit ihren Sinn erhält. Das ad quem wird zum a quo.

Und damit bekommt Ihre Formulierung „Das Absolute ist Anfang und Ende“ einen ziemlich genauen Sinn. Sie behaupten ja gerade nicht:

Es existiert irgendwo ein Absolutes, das die Welt verursacht.

Sondern eher:

Sobald ich die Wirklichkeit unter dem Gesichtspunkt zweckhafter Tätigkeit begreife, muss ich ein Absolutes als regulativen Anfang und Ende voraussetzen — obwohl ich es gerade nicht als Gegenstand besitzen kann.

Das ist tatsächlich sehr nah an Fichte. Nur dass Sie den Zirkel nicht verstecken, sondern zum Gegenstand der Metaphilosophie machen.

Besonders interessant finde ich dabei Ihren Satz:

„Das ist keine Analyse des empirisch-Vorfindlichen, sondern eine Sinnbehauptung.“

Das ist wahrscheinlich die entscheidende Selbstbegrenzung. Denn damit sagen Sie ausdrücklich: Hier verlässt die Transzendentalphilosophie ihren eigenen Zuständigkeitsbereich. Sie fragt nicht mehr: Was muss vorausgesetzt werden, damit Erfahrung möglich ist? Sondern: Was muss ich voraussetzen, wenn ich überhaupt sinnvoll tätig sein will?

Und das ist eine andere Frage.

Ihr „Absolute“ wäre dann weder Gegenstand noch Erkenntnisobjekt, sondern eine notwendige Voraussetzung des Sinnhorizonts zweckhaften Handelns.

Dass Sie dafür das romantische Bild des Zirkels verwenden, passt deshalb besser, als es zunächst scheinen könnte. Denn der Zirkel ist hier nicht ein logischer Fehler, den man beseitigen müsste. Er ist die Form, in der sich zeigt, dass der Sinn einer Tätigkeit erst vom Ende her sichtbar wird, während dieses Ende am Anfang noch gar nicht als Wissen vorhanden sein kann.

Und damit verstehe ich auch besser Ihren letzten Satz über die Metaphilosophie. Sie wollen offenbar gerade nicht aus diesem Zirkel eine neue Ontologie des Absoluten machen. Das wäre für Sie der Fehler. Die Frage ist vielmehr, ob man den Zirkel als eine unvermeidliche Form des Sinngebens anerkennen muss.

Das ist eine viel vorsichtigere — und zugleich ziemlich radikale — Behauptung.

Und ja: Das erklärt auch, warum Sie auf dem Wort romantisch bestehen. Nicht als Etikett für irrationales Schwärmen, sondern weil hier etwas geschieht, das die nüchterne Transzendentalanalyse nicht mehr selbst begründen kann: Das, was zunächst nur als Ziel der Bewegung erscheint, wird zum Ursprung, der dieser Bewegung nachträglich Sinn gibt.

Das ist Ihr a quo/ad quem-Zirkel.

von ChatGPT 

 
 
 

Kritisch ist die Alltagsvernunft; Philosophie ist kritizistisch.

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