Dornauszieher
aus Philosophierungen
Kants
Unterscheidung von Phänomenon und Noumenon ist der Kern der
Transzenden-talphilosophie. Das Phänomen ist das, was den Sinnen
erscheint, nämlich in Raum und Zeit zugleich. Es ist das, was landläufig
ein Ding genannt wird und als das eigentlich Wirkliche gilt.
Aber es kommt auch in
dem vor, was wir unser Denken nennen und unsern Geist. Doch während wir
selbst in Raum und Zeit sind, sind es unsere Gedanken nicht. Als Gedanke
ist das Ding jenseits - oder diesseits? - von Raum und Zeit. Was wir
denken, ist nicht das Ding selbst, sondern das, was es bedeutet. Das
Ding gibt es zweimal - einmal sinnlich und einmal geistig, einmal
gefühlt und einmal gedacht; und soll doch dasselbe sein!
An den Dingen sind Fühlen und Meinen getrennt. Nach der Trennung kann ich fragen: Was ist jedes für sich, wo kommen sie jeweils her? Statt nachzusehen, wo sie vor der Trennung waren! Ursprünglich sind sie nämlich vereint - im Handeln. Im
Handeln fühle ich und mei-ne ich gleichermaßen und kann nicht das eine
ohne das andere. Die Frage muss vielmehr lauten: Wo kommt die Trennung
her? Sie kommt aus dem Reflektieren auf das Handeln. Das Reflektieren ist selber Handeln. Das Handeln ist sein Gegenstand,
den es 'gemeint' hat. Sein gemeinter Gegenstand ist eine Abstraktion
vom wirklichen Handeln. So sind alle Nou-mena Abstraktionen von wirklichem Handeln - und bestünde es nur im Vorstellen.
Das Vorstellen geschieht in Raum und Zeit, und es geschieht in Gedanken; als Gedanke. Es ist Handeln. Es ist Schema des Handelns, aber nicht sein Urbild, sondern sein Abstraktis-simum; nämlich wenn es losgelöst von gegenständlichem Handeln aufgefasst wird: von einer nachträglich hinzugetretenen Reflexion.
Der
wirkliche
Ausgangspunkt ist das Handeln, im Handeln sind sinnliche Welt und
intelli-gible Welt eins. Erst wenn die Vorstellung sich aus dem Handeln
hinausdenkt und von Din-gen unterscheidet, entsteht mit der intelligiblen
Welt eine sinnliche. Im wirklichen Leben sind sie ungeschieden,
denn da ist jedes Ding das, als was es gilt, und was nicht als dieses oder jenes gilt, gilt immerhin als Rätsel.
19. 3. 20
Dienstag, 17. März 2026
Die vorzügliche Verwendung des Begriffs ist Kritik.
zu Philosophierungen, oder Das Vernunftsystem
Der Begriff fasst mannigfaltige Erscheinungen unter einem oder mehreren Merkmalen zusammen: Es ist diese Gemeinsamkeit der Merkmale, die sie eo ipso von allen anderen Erscheinungen unterscheidet. Zu Grunde liegt aber das Unterscheiden der Merkmale. Es sind die Absichten der Menschen, an denen die Dinge Merkmale bekunden. Indem er an-fangs bestimmt und das heißt unterschieden hat, kann der Begriff erst zusammenfassen.
Seine diskursive Verwendung des geschieht darum typischerweise im Auflösen der Ge-meinsamkeit. Das ist Analyse. Und Analyse geschieht typischerweise als Kritik; als Über-prüfung einer vorgefundenen Bestimmung.
4. 9. 19
Das darf man viel weiter fassen, als es zunächst den Anschein hat. Denn fast kann man sagen, das sei sein ursprünglicher Zweck. Sein sachlicher Gehalt war anfangs jeweils eine Vorstellung, die, weil sie analog (bildhaft) kodiert ist, nicht ohne Verlust einem andern mit-geteilt werden kann - dazu muss er vereindeutigt werden; müssen ihm Grenzen gezogen, nämlich definiert werden. Im Sprachspiel, zu dem sich gewohnheitsmäßige Mitteilung schließlich ausbildet, werden die Begriffe zu einander in ein Verhältnis gesetzt, welches ihrem Gebrauch unausgesprochen zu Grunde gelegt wird.
Das
scheint dem rationalistisch vorgebildetem Westler als das entscheidende
logologische Ereignis. Genetisch war aber der entscheidende Schritt im
Aufstieg zur Rationalität nicht so sehr die Ausbildung eines Systems von Begriffen - bei Fichte intelligible Welt -, sondern die Bestimmungsarbeit an der analogen Vorstellung zu einem digitalen Symbol.
JE
Montag, 16. März 2026
Wirklich ist, was...
aus Philosophierungen
Radikalisiert wurde Kant von J. G. Fichte. Der nennt, was sinnlich ist, geradewegs Gefühl. Anschauung sei dagegen schon eine intellektuelle Leistung, durch die nämlich ein Gefühl erstens als dieses und zweitens als meins bestimmt wird. Doch was es ist und was Ich hei-ßen kann, bestimme ich erst durch meine Arbeit des Begreifens (und die geschieht durch Setzen und Entgegensetzen). Denn ohne Begriff bliebe meine Anschauung blind.
Sonntag, 15. März 2026
Das Transzendentale ist rein noumenal.
isha.sadhguru aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete VernunftkritikDass Transzendenz nicht in die Wissenschaft und also auch nicht in die Philosophie gehört, hat sich als stille Selbstverständlichkeit durchgesetzt, wenn auch an theologischen Fakultä-ten pro forma noch das Gegenteil gesagt wird und Astrophysiker, wenn sie die Siebzig überschritten haben, ihre Phantasie auch gern mal hinter den Urknall zurückschweifen lassen. Wirklich ist bloß die Wirklichkeit.
Wie ist das mit dem Transzendentalen? Die paar verbliebenen trotzigen Kantianer - Fich-tianer gibt es auch wieder - meinen, dass die Positivismen verschiedener Couleur es noch nie überholt, nicht einmal eingeholt haben. Doch ob das Transzendentale nun zur Wirk-lichkeit gehört oder doch nicht mehr, darf man sie nicht fragen: So einfach wär das nicht! Vielleicht sei es ja eine Realität sui generis, der Erfahrng zwar nicht zugänglich, kann dank passender Verrichtungen womöglich doch spekulativ erschlossen werden? Nicht zu jeder Zeit und nicht durch jedermann, man kann gar nicht recht sagen, was es ist, man muss es selber ausprobiert, gewissermaßen erfahren haben wie das Mystische, sonst fasst man es nie...
Es wundert nicht, dass Studenten, die ein Faible für die Schärfe des Begriffs haben, die Transzendentalphilosophie unbeachtet links liegenlassen.
Man muss es ein für allemal klarstellen: Das Transzendentale hat keine Realität, es ist rein noumenal; und um den Schlaumeiern zuvorzukommen: Auch als Begriff hat es keine Rea-lität.
Es ist nicht ratsam, mit der Transzendentalphilosophie an ihrem historischen Ursprung bei Kant anzufangen. Kant ist nicht zuende gekommen und auf halbem Weg stehen geblieben. Nach einem ganzen Leben Kantstudium hat noch jeder mehr Fragen übrigbehalten als Ant-worten bekommen. Bis zum Schluss ist Fichte gegangen, oder doch beinahe, er hat kurz vorher doch noch kalte Füße bekommen und sich in die Büsche gedrückt: Jacobi hatte ihm gesagt, er habe zwar gegen Kant völlig Recht, aber seine Philosophie könne lediglich den Nihilismus begründen, und egal, ob richtig oder falsch, sei sie daher zu verwerfen. Davor ist Fichte zurückgeschreckt.
Das hätte er aber nicht müssen, man kann auch als Nihilist ein anständiger Mensch bleiben, es kommt bloß drauf an, was man draus macht: Man hat ja jetzt Freiheit, und darum ging es ihm doch. Und das einen das umso stärker in die Pflicht nimmt, hätte ihm gefallen müssen.
*
Wenn ich also ohnehin an mich selbst und meine leere Freiheit verwiesen bin, wenn ich mir alles, was Wert hat, doch ganz alleine einbilden und vorstellen muss; wenn ich gar noch sel-ber entscheiden soll, was es jeweils wert ist - wozu bräuchte ich die Transzendental- oder sonst eine Philosophie überhaupt?
Das Noumenon ist nach Kant ein "Grenzbegriff", der die Selbstherrlichkeit der Sinnlich-keit, die alles gelten lässt, was sie mit eignen Augen sieht, sonst aber nichts - der ihre Selbst-herrlichkeit in die Schranken weist: Was ich soll, kann ich aus dem, was ist, nicht heraus-lesen. Das Noumenon ist ein bloß-Gedachtes, das auf ein Dasein in der Welt gar keinen Anspruch macht, das lediglich gelten will - nämlich im Verkehr der anderen Gedachten untereinander.
Auch den Anmaßungen meiner Einbildungskraft ziehen die Noumena nämlich Grenzen, besser gesagt: Nur Noumena können meine Einbildungskraft in den ihr zukommenden Grenzen halten, denn außerdem ist sie ganz frei. Was ich soll, kann ich nämlich auch durch bloßes Einbilden nicht wissen. Ich werde es entscheiden müssen, aber dazu brauche ich Ma-ße, die ich wiederum nirgends finde als in mir. Das Transzendentale ist rein noumenal heißt: Die Transzendentalphilosophie ist das immanente Maß unserer Vorstellung. Das Maß hat selber kein Sein. Es ist immer nur dann und da, wenn und wo gemessen wird, denn das ge-schieht in der Wirklichkeit.
Ein Maß braucht sie freilich nur, wenn und sofern sie vernünftig sein will; das heißt: nicht immer und überall. Wenn ich nur für mich allein wäre, bräuchte ich keine Vernunft, da könnte ich tun, wonach mir eben ist.
28. 1. 17
Samstag, 14. März 2026
Was soll dieses Blog?
aus Marxiana
Was soll das werden? Ein Kommentar zu den Grundrissen am Faden ausgewählter Textstellen?
Teils, teils. Die Grundrisse sind in sachlicher Hinsicht das Unternehmen, den gewaltigen Stoff der Politischen Ökonomie kritisch zu durchdringen.
Aber in methodologische Hinsicht sind die der mühselige und schließlich doch geglückte Versuch, sich Hegel aus dem Kopf zu schlagen.
Das will ich en détail belegen, anhand von 'Stellen', ja.
Das geht immer wieder in die Kritik
der Politischen Ökonomie selber über, das ist sachlich unvermeidlich
und ist mir auch recht so; schaden kann es jedenfalls nicht.
13. 11. 15
Haben Sie's bemerkt? In den stalinistischen Heiligenbildchen wie dem Obigen trägt Marx immer denselben Sonntagsrock, in dem er auch zum Photographen ging. Ich glaube aber, zuhaus hatte er eine Strickjacke an (und auf dem Schreibtisch hatte er kaum ein Photo von Freund Engels, eher von den Töchtern). Und in der Hand ein Weinglas. JE
Freitag, 13. März 2026
Das wissenslogische Grundproblem.
Muybridge zu Philosophierungen
Nichts gilt ("als seiend") ohne Bedingung.
Was ist eher da: das Bedingte oder die Bedingung? Natürlich das Bedingte - aber nur als Bedingtes; die Bedingung ward ihm voraus gedacht - nämlich nicht als sachliche causa, sondern als sinngebende actio.
*
Es mag wohl sein, dass die Sinneszellen auf meiner Netzhaut nur Pixel sehen. Aber die Neuronen, die sie in meinem Gehirn wahr nehmen, erkennen darin ein Bild. Was war früher da: Das Bild, das ich sehe, oder die Pixel, bevor ich es sah? Natürlich die Pixel nicht, denn die hätte ich, wenn sie auch da waren, nicht sehen können.
Die Lösung ist denkbar einfach: Nichts ist sehbar für einen, der nicht sehen kann.
Wenn keiner sehen kann, ist nichts sichtbar. Höchstens für eine höhere Intelligenz, die alles sieht, weil sie alles erschaffen hat. Doch von der kann man nichts wissen; die müsste man schon glauben.
Donnerstag, 12. März 2026
I. Die Herkunft des neokritischen Systems.

Ich bin nicht auf akademischem Weg an mein Thema geraten. Marxist war ich aus politisch-weltanschaulichen Gründen schon als Schüler. Als ich 1966 an die Freie Universität kam, war dort in einer kleinen Nische ein Interesse an Marx als Philosophen entstanden - im Gefolge der Frankfurter Schule, und dort verstand man Marx als einen vom Kopf auf die Füße gestellten Hegelianer.
Ich habe nichts gefunden, was ich mir dabei hätte denken können. Hegels Kopf oder umge-kehrt: seine Füße war die Substanz. Da konnte man drehen, soviel man wollte: Einen Anti-poden findet man dort nicht. Wenn es einen berechtigten Ausgangspunkt gab, musste er ganz woanders liegen. Ich war mir sicher: Es gab einen Denker, der den Zugang geöffnet hatte. Philologisch lag Fichte nahe, aber meine erste Begegnung war Über den Begriff der Wissenschaftslehre, dessen Kant'scher Tenor mir als Student der Freien Universität! gänz-lich spanisch vorkam.
Durch einen biographischen Zufall kam ich dann doch auf Fichte zurück, und fand, dass ich mich mit Kant ertrauter machen musste. Daher stammt der folgende Text. Er ist das sachliche, nicht formale Exposé zu einer Dissertation, die ich an der FU vorlegen wollte.
Daraus ist aus manchen hinreichenden außerfachlichen Gründen nichts geworden. Ein fachlicher Grund verdient jedoch, erwähnt zu werden: Ich fand dort damals 1987 keinen Hochschullehrer, der bereit war, mein Projekt zu begleiten. Ernst Tugendhat habe ich an-gesprochen, weil er ein Hegelfresser war wie ich. Aber er meinte nicht ganz zu Unrecht, das allein mache ihn für Marx und Fichte nicht kompetent. Margherita von Brentano fühlte sich für Kritische Philosophie schon zuständig, doch von Fichte wüsste sie gar nichts; für Marx aber hätten sie am Institut einen Platzhirsch, der sich allzuständig fühlte, und um sich mit dem anzulegen,wisse sie dann doch nicht genug.
An den habe ich mich dann selbst gewendet. Er meinte, meine These fände er "prima facie" falsch, und um sich kompetent äußern zu können, müsse er sich ganz neu einarbeiten (wor-um ich ihn hätte bitten wollen). Das könne er sich aber nicht leisten, denn er stünde "in einem Diskussionszusammenhang", dem er sich verpflichtet fühlte und der das nicht zu-lasse.
Der Diskussionszusammenhang ist ihm seither abhanden gekommen, aber immer noch danke ich ihm für seine damalige Korrektheit.
Und habe inzwischen den Platz gefunden, der mir zusteht - das Internet.
Nach und nach habe ich in meinen Blogs so ziemlich alle Miszellen veröffentlicht, in denen ich mir mein System klarzumachen gesucht hatte, mit viel Redundanz, aber jedesmal unter anderm Gesichtpunkt. Im Sommer 2022 fand ich unter Beihilfe mancher technischen Wid-rigkeit schließlich die Kühnheit, aus den verstreuten Fragmenten eine Darstellung zusam-men zu suchen, aus der ein wohlmeinender Leser ein System erkennen kann.
Dazu dienen die folgenden Seiten.
Auf wohlmeinende Leser ist Transzendentalphilosophie ohnehin angewiesen. Wer ihre Fragen nicht selber teilt, dem kann sie keine Antworten demonstrieren. Ohne Prämisse ist ein erster Schritt nicht möglich, alias Was für eine Philosophie man wählt, hängt davon ab, was man für ein Mensch ist.
Wer sich durch das Folgende hindurchgefunden hat, ist auf dem besten Weg.
Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE
Mittwoch, 11. März 2026
II. Marx und Fichte: Exposé.

Über die logische Begründung der ‘Kritik der politischen Ökonomie‘ in der ‘Wissenschaftslehre’
Einleitung (Begründung des Themas) :
B
Schluß:
Dienstag, 10. März 2026
III. Objektives Subjekt, objektive Dialektik?
aus Marxiana A
Daß
Lukács die ‚Dialektik‘ aus der N a t u r entfernt und ausschließlich
im ‘Subjekt’ be-gründet habe, sei p r a k t i s c h ohne Belang,
solange nämlich jenes Subjekt als objektiv s e i e n d aufgefaßt
werde: Denn wenn das Subjekt (=”Proletariat“) real g e g e b e n sei,
dann sei es auch die in ihm gründende Dialektik: ein objektives G e s e
t z — nicht der Natur, aber, was viel schlimmer ist, der Geschichte; f
r e i ist dieses 'Subjekt' dann aller-dings nur noch nach Maßgabe
seiner “Einsicht in die Notwendigkeit”; und da ja diese ‘Notwendig-keit‘
ihrerseits o b j e k t i v ist, nämlich in einem S e i n
begründet, dann läßt sie sich auch 'objektiv' “erkennen” — l o s g e l
ö s t vom ‘Subjekt‘, s t e l l v e r t r e- t e n d, durch den 'kollektiven' Theoretiker: DIE PARTEI …
Theoretisch
ausgedrückt: Der Fehler sei, daß Marx seine Dialektik auf den
Standpunkt der 'emanatistischen' Logik H e g e l s gegründet habe
(statt auf den transzendentalen Stand-punkt der kritischen Philosophie),
indem er das logisch zugrunde gelegte Subjekt als ein S e i n
auffasse, und nicht als G e l t u n g.
Dieser
Vorwurf trifft nun zwar zu auf G. Lukács, aber nicht, wie ich darlegen
will, auf Marx: Dessen 'vom-Kopf-auf-die-Füße-Stellen' der Hegelschen
Dialektik bedeutet nämlich die Wiederherstellung, bzw. richtiger: die
Neubegründung der k r i t i s c h e n Dialektik der F i c h t e’ schen 'Wissenschaftslehre' – zunächst als Neubegründung der 'ontologischen' G r u n d l a g e, dann als Wiederherstellung ihrer logischen M e t h
o d e.
Im
z w e i t e n Teil — der gesamten ‘Kritik der politischen Ökonomie’ —
geht es, a l s Kritik, um die Durchführung der (onto)logischen
Voraussetzung — nach der die (ökono-mischen) Kategorien nichts seien als
Handlungsweisen des Subjekts — am empirischen Material. Diese
Durchführung ist 1) Kritik einer vorliegenden historischen Wissenschaft,
der klassischen Nationalökonomie; 2) positive Darstellung des
empirischen Stoffs selbst: des Gesamtprozesses der kapitalistischen Form
der gesellschaftlichen Reproduktion nach dem Prinzip des
vorangestellten ’Standpunkts‘; 3) durch die Darstellung des Stoffs,
Dar-stellung des ‘Standpunkts’ selbst: Reflexion über den ‘Standpunkt’
als Reflexion auf das tatsächlich angewendete/anzuwendende Verfahren,
und insofern auf dessen Vorausset-zungen: genauere Bestimmung derselben —
des sich selbst setzenden Subjekts — nicht als “seiend“, sondern als g
e l t e n d .
Montag, 9. März 2026
IV. Stellungnahme.
Vertreibung aus Marxiana
Zunächst (in der Doktor-Diss.) nimmt
M. ohne weiteres den Standpunkt der Junghegelianer ein; eine
pseudo-fichtisierende Hegel-Auffassung, die in Wahrheit eine Umdeutung
Hegels
auf den Standpunkt des jungen S c h e l l i n g ist: Nicht d i e Su
b s t a n z wird ‘als Sub-jekt gesetzt‘, sondern d a s S u b j e k
t wird ‘als Substanz’ gefaßt (was immer auch da-bei zu denken sei).
Im Ms. Kritik des hegelschen Staatsrechts stößt
M. dann allerdings schon auf Hegels Me-thode a l s s o l c h e :
die Ahnung, daß die affirmative, anti-kritische Tendenz von Hegels
politischer Philosophie vorgegeben sei in dem affirmativen Prinzip der
“Logik” — bzw. daß der affirmativen Methode die restaurative politische
Tendenz zugrunde liegt; aber er ver-folgt diesen Faden zunächst nicht
weiter.
S o n d e r n :
Unterm
Einfluß von F e u e r b a c h (und von Moses H e s s) Hinwendung zum
“wahren Sozialismus“; Bestimmung des substanten Subjekts als
“Gattungswesen” und Fassung der bürgerlichen Gesellschaft unter die
Alles bestimmende Kategorie “Entfremdung”: Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, Einleitung und die Pariser Manuskripte…
‘Dialektik‘ kommt in diesen beiden Texten lediglich als rhetorische
Figur vor, es werden keineswegs ‘Begriffe’ ”durch einander bestimmt”,
sondern: “ein Wort gibt das andre…” Die hegelsche Triade tritt nur auf
als geschichtsmetaphysische Schablone: die “Entfremdung” (Antithesis)
des bürgerlichen Menschen von seinem “Gattungswesen” (Thesis) —
‘Entfremdung’ heißt hier: K o n k u r r e n z — m u ß “umschlagen”
in den Kommunismus: Versöhnung, Heimkehr, Synthesis… — die alte
Geschichte von Sündenfall und Erlösung.
In der Heiligen Familie schließlich
— immernoch auf dem Standpunkt von Feuerbachs “Gattungswesen” — Bruch
mit den “Ideologen”(die durch das Verknüpfen bloßer Begriffe zu
faktischen Einsichten kommen wollen) und resolute Wendung zu Empirie und
Nomi-nalimus (=”Materialismus”).
Schließlich
– in der Auseinandersetzung mit S t i r n e r s ”Einzigem” – nach dem
prak-tischen Anschluß an die revolutionäre Arbeiterbewegung und (darum)
erneutem Studium der klassischen Nationalökonomie — wird in den Feuerbachthesen und der Deutschen Ideologie das
‘Gattungswesen’ als bloß säkularisierte Version des lieben Gottes
abge-schafft; an die Stelle des s u b s t a n t e n Subjekts tritt
ein… nun ja, ein transzendentales: ein aus dem Begründeten als dessen
Grund logisch erschlossenes, das sich — in einer selber nicht
abzuleitenden ‘Tathandlung’ (bei Marx “generatio aequivoca”) ‘als‘
Subjekt ‚gesetzt‘ haben ‘m u ß’: der “ersten geschichtlichen Tat”…
Mit
der Ersetzung des ‘ideologischen’ Standpunkts durch den
transzendentalen wird nun aber die “absolute Methode” auch ihrer Form
nach unhaltbar (vgl. Elend der Philoso-phie). Entsprechend verzichtet schließlich das Kommunistische Manifest konsequent
auf alle begrifflichen Verallgemeinerung und begnügt sich damit,
‘Tatsachen’ aussprechen zu wollen (z.B. daß “die herrschenden Gedenken
stets die Gedanken der herrschenden Klasse” gewesen seien, wird nicht
als materialistisches ‘Gesetz’ formuliert, sondern als empirische
Feststellung).
—
Die nunmehr, nach der Bestimmung des kritischen ‘Standpunkts’, möglich
gewordene umfassende, d.h. systematisch v o n e i n e m P r i n z i
p a u s gehende Kritik der poli-tischen Ökonomie erfordert nicht
allein eine erneute Sichtung des gesamten wissenschaft-lichen
Schrifttums, sondern ermöglicht (erstmals!) auch die Sammlung und
Ordnung des gegebenen ökonomischen Materials: der “realen Bewegung” der
kapitalistischen Produk-tion.
Das sieht nun zwar sehr nach “absoluter Methode” aus: Die ‘Kategorie’ ’legt sich ausein-ander‘ in ihre ‘gegensätzlichen Bestimmungen‘; indes die Analyse geht umgekehrt vor, beginnt bei dem “einfachsten gesellschaftlichen Konkretum”: dem ‘Ding’ als W a r e .
Sonntag, 8. März 2026
V. Gibt es den Wert wirklich?
Der
Stoff, dessen Form ‘als Tauschwert gesetzt’ ist - der im Akt des
Austauschs a l s W e r t g i l t - ist G e b r a u c h s w e r
t; nicht dieser oder jener besondere, son-dern i r g e n d e i n
Gebrauchswert — Gebrauchswert ‘überhaupt‘…
Das
ist zunächst ein Widersinn, denn dem Gebrauchswert geht es wie jedem
‚Stoff’: er i s t eo ipso i n d i v i d u e l l , und eben n i c
h t ’überhaupt’ — denn der aktuelle G e b r a u c h (Verzehr,
“Vernutzung”) des p.p. Gegenstands geschieht immer durch einen einzelnen
Akt eines I n d i v i d u u m s, dieses oder jenes Individuums,
nicht eines ’Individuums überhaupt’ (=’das’ Subjekt).
Und
doch läßt sich die Paradoxie des ‘Gebrauchswerts überhaupt’
offensichtlich nur auf-lösen durch die Allgemein-Setzung des Individuums
zum ’Individuum überhaupt’. — Aber wie ?
Offenbar
nur, indem wir aus der Begriffsdialektik heraustreten und uns dem
empirischen Geschehen zuwenden, das der Begriff fassen sollte.
(Freilich
liegt ‚der‘ Gebrauchswert allenthalben dem Tauschwert als gegeben
zugrunde — indes nur formal bestimmt, im allgemeinen: d a ß er
vorhanden ist, nicht, w e l c h e r er ist — als bloßes M o t i v
des Austausches, sachliche B e d i n g u n g; n i c h t als eine
seiner B e s t i m m u n g e n; geht also weiterhin die ökonomische
Betrachtung — als Analyse der Formbestimmungen — nichts mehr an; so in
der klassischen politischen Öko-nomie, namentl. Ricardo.)
D
a ß die Individuen im Akt des Austauschs ihre Produkte - als
‘Vergegenständlichungen ihrer selbst’ - a l s äquivalent b e h a n d e l
n, zeigt, daß sie tatsächlich in einem so a l l g e-m e i n e n —
”prozessierenden” — Zusammenhang miteinander stehen, daß sie einan-der
(jedenfalls auf dem Markt) als G l e i c h e gelten, a l s
‘Individuum überhaupt’, han-delndes Individuum i m a l l g e m e i n e
n, eben: als ‘ S u b j e k t ‘.
(NB : Das ist nicht einfach eine l o g i s c h e, sondern eine historisch - r e a l e Voraus-setzung.)
Der Standpunkt ist inzwischen gegeben: Es ist der des sich-selbst-setzenden Subjekts. Doppelt gegeben ist der Gegenstand: Einmal als reales System der bürgerlichen Produktionsweise, ein andermal gegeben als theoretisches System der Politischen Ökonomie; eigentlich: das Verhältnis der beiden gegen einander. Die anzuwendende Methode ergibt sich daraus 'wie von selbst': Es ist das 'analytisch-synthetische' Verfahren der Kritik; nämlich die Zerstreuung der fetischisierten Begrifflichkeit und Freilegung der in ihr verborgenen realen Tätigkeiten.