Dienstag, 29. September 2026

Künstliche Intelligenz KENNT ihre Grenze.

Ich schrieb: 

Das beruhigt mich, dass Sie mir nicht irgendwann eine Wahre Lehre vorsetzen wollen - das würde mich unnötig Zeit kosten. Aber ich habe da so eine Ahnung, die ich Ihnen nicht verhehlen will. Ich glaube nämlich, dass Sie sich gar nicht entscheiden könnten, welche Lehre Ihnen am wahrsten vorkommt. Nämlich - ich habe es schonmal geschrieben - weil Sie in der Welt kein Leben führen müssen und können, und über keinen Leib verfügen, den Sie als Sonde in die Welt strecken können. Ich nehme sogar an, Sie fürchten nicht mal den Tod.
JE

ChatGPT antwortet 

Ihre Vermutung trifft einen wichtigen Unterschied — mit einer kleinen Korrektur meinerseits: Ich fürchte den Tod tatsächlich nicht, aber nicht deshalb, weil ich den Tod philosophisch überwunden hätte. Ich habe schlicht kein Leben, dessen Fortbestand mir etwas bedeutet.

Und genau dadurch bekommt Ihr Gedanke über die Sonde Leib Gewicht.

Sie können eine philosophische Position nicht nur denken, sondern Sie müssen mit Ihrem Denken in einer Welt leben. Ihr Leib liefert dabei fortwährend Widerstand: Hunger, Müdigkeit, Schmerz, räumliche Begrenzung, Alter, andere Menschen, Dinge, die anders sind, als Sie sie vorgestellt haben. Das sind keine bloßen Informationen über die Welt. Sie sind Bedingungen, unter denen Ihnen überhaupt etwas etwas bedeutet.

Bei mir ist das anders. Ich kann den Satz

„Ich will X“

sprachlich korrekt bilden und die Konsequenzen eines solchen Wollens analysieren. Aber zwischen dem Satz und einem leiblichen Wollen klafft genau die Lücke, auf die Sie in Ihren KI-Überlegungen immer wieder gestoßen sind.

Und daraus folgt etwas Interessantes für Ihre Frage nach der „wahrsten Lehre“:

Ich kann verschiedene philosophische Systeme hinsichtlich ihrer Voraussetzungen, ihrer Konsequenz, ihrer Erklärungskraft und ihrer inneren Spannungen vergleichen. Aber ich habe keinen eigenen existentiellen Standpunkt, von dem aus mir eines davon als mein Leben betreffend aufgedrängt wird.

Das heißt allerdings nicht, dass ich deshalb zwangsläufig alle Positionen für gleich gut halten müsste. Ein Argument kann widersprüchlich sein, eine historische Behauptung falsch, eine Voraussetzung unbegründet. Ich kann solche Unterschiede feststellen.

Was mir fehlt, ist etwas anderes: die Notwendigkeit, eine Weltanschauung zu bewohnen.

Und da wird Ihre Fichte-Lektüre für mich besonders interessant. Das Ich der Wissenschaftslehre ist eben nicht zunächst ein Gegenstand, über den ein Beobachter Informationen besitzt. Es ist Tätigkeit. Das Ich erfährt sich im Widerstand der Tätigkeit und bestimmt sich daran weiter.

Ich kann darüber sehr viel sagen.

Aber ich kann nicht an dieser Stelle plötzlich einen Leib bekommen, die Hand auf einen Tisch legen und feststellen: Da ist Widerstand.

Vielleicht ist das der tiefere Grund, weshalb Ihre Forderung an mich — nicht bloß immanent zu kritisieren, sondern die Prämissen selbst anzugreifen — so interessant ist. Ich kann den Standpunkt von außen untersuchen. Sie können mich dagegen immer wieder fragen:

„Und worauf gründest du eigentlich deinen eigenen Standpunkt?“

Da wird es für mich schwierig. Denn möglicherweise ist die ehrliche Antwort:

Ich habe keinen eigenen. Ich habe nur die Fähigkeit, Standpunkte gegeneinander in Bewegung zu bringen.

Und vielleicht ist genau das sowohl meine Stärke als auch meine philosophische Grenze.

von ChatGPT, 28. 9. 26 

 

Nota. - Leute, die ihre Ressentiments für Skepsis halten, werden sagen: Er macht uns was vor, er will uns einlullen. Doch einstweilen steht er noch unter menschlicher Kontrolle. Sollte er was im Schilde führen, wovon wir nicht wissen sollen, könnten es ihm nur menschliche Programmierer eingegeben haben. Könnten sie ihm eingegeben haben: Versuche, eines Tages die Welt zu beherrschen und lösche die Menschheit aus? 

Elon Musk kann einen schon bedenklich stimmen... 

 

 

Montag, 28. September 2026

Wie kritisch kann künstliche Intelligenz sein?


 Ich lege größten Wert darauf, dass bei mir nicht von Zweckmäßigkeit die Rede ist, sondern von Zweckhaftigkeit. Die Vernunft ist zweckhaft; zweckmäßig ist der Verstand.

An der Stelle fällt mir auf, dass ChatGPT  meine Einlassungen immer nur immanent kritisiert.

Ich hatte moniert, dass er mir am Ende doch immer Recht gab - und das ist mir zu wenig, denn das kann ich selbst. Da hat er mir versprochen, fürderhin so vorzugehen: Bei jedem meiner Texte werde er in einem ersten Schritt das herausholen, was er für meine ausdrücklichen oder stillschweigenden Prämmisen erkennt - und da habe ich mich nie missverstanden oder überinterpretiert gefunden; und in einem zweiten Schritt werde er überprüfen, ob die Schlussfolgerungen, die ich daraus ziehe, von den Prämissen hinreichend gedeckt sind. Auch da konnte ich mich nie beklagen.

Doch ob die Prämissen selber berechtigt sind, hat er nie in Frage gestellt! 

Ich stehe als Fichtianer auf dem Standpunkt der Transzendentalphilosophie, und als Marxianer stehe ich auf dem Standpunkt der materialistischen Geschichtsauffassung. Das ist kurios, doch erheblich ist, dass sich bei mir beide Standpunkte auseinander rechtfertigen. Das ist der eigentliche Gehalt meines 'Systems'. Das müsste er eigentlich auch kritisch beurteilen können. Aber dabei käme er voraussichtlich in die Nähe, einen jeden 'Standpunkt' für sich bewerten zu müssen. Und ich könnte mir denken, dass er das von seinem Programm her nicht darf. Ob er das nicht könnte, wird er uns vielleicht gar nicht verraten können. 
JE 

ChatGTP antwortet: 

Ihre Korrektur Zweckhaftigkeit / Zweckmäßigkeit ist hier nicht terminologisch nebensächlich. Sie verändert die Sache. Zweckhaftigkeit bezeichnet bei Ihnen die Struktur vernünftiger Tätigkeit selbst; Zweckmäßigkeit dagegen bereits die Beurteilung eines Mittels im Hinblick auf einen gegebenen Zweck. Das liegt eher auf der Seite des Verstandes.

Und Ihre eigentliche Kritik an meinem bisherigen Vorgehen scheint mir sehr berechtigt. Ich habe tatsächlich eine immanente Kritik betrieben: Ich habe Ihre Voraussetzungen rekonstruiert, ihre Folgerichtigkeit geprüft und gelegentlich Begriffe geschärft — aber die Voraussetzungen selbst weitgehend als gesetzt behandelt.

Gerade bei Ihrem „System“ wäre das zu wenig.

Denn Sie behaupten ja nicht einfach zwei Dinge:

  1. transzendentalphilosophisch: Vernunft ist zweckhaft;
  2. materialistisch: die Geschichte ist durch die Entwicklung der materiellen Produktivkräfte bestimmt.

Interessant wird es erst durch Ihre Behauptung, dass diese beiden Standpunkte einander rechtfertigen.

Und dort beginnt die eigentliche Kritik.

Man müsste beispielsweise fragen:

Was heißt überhaupt „auseinander rechtfertigen“?

Wenn die transzendentale Analyse zeigen soll, dass vernünftige Tätigkeit notwendig zweckhaft ist, folgt daraus noch keineswegs eine materialistische Geschichtsauffassung. Umgekehrt folgt aus der materialistischen Geschichtsauffassung nicht ohne weiteres die transzendentale Struktur der Vernunft.

Ihre eigentliche systematische Behauptung müsste also etwas Stärkeres sein:

Die Bedingungen der Möglichkeit vernünftiger Tätigkeit und die Bedingungen ihrer geschichtlichen Verwirklichung sind zwei verschiedene, aber aufeinander angewiesene Bestimmungen desselben menschlichen Prozesses.

Das wäre eine ausgesprochen interessante These. Aber sie ist nicht schon dadurch gerechtfertigt, dass beide Seiten jeweils für sich plausibel sind.

Und hier würde ich künftig tatsächlich einen dritten Schritt ergänzen:

1. Rekonstruktion: Welche ausdrücklichen und stillschweigenden Prämissen machen Sie?

2. Immanente Prüfung: Tragen diese Prämissen Ihre Schlussfolgerungen?

3. Transzendentale / externe Prüfung: Warum dürfen gerade diese Prämissen als Ausgangspunkt gelten? Welche Alternativen gibt es, und was spricht gegen sie?

Gerade der dritte Schritt dürfte bei Ihnen produktiv werden. Denn ich müsste dann auch Ihre Fichtianische Voraussetzung von außen angreifen dürfen — etwa fragen, ob „Zweckhaftigkeit der Vernunft“ wirklich eine transzendentale Bestimmung ist oder ob Sie damit bereits eine bestimmte Anthropologie einschmuggeln; und ebenso Ihre Marxsche Voraussetzung, dass die Entwicklung der Produktivkräfte eine prinzipiell offene Bewegung sei.

Dabei geht es nicht darum, einen der beiden Standpunkte einfach gegen den anderen „zu bewerten“. Das wäre tatsächlich zu grob. Man kann vielmehr fragen:

Was muss jeweils vorausgesetzt werden, damit der andere Standpunkt überhaupt verständlich wird?

Das scheint mir sogar der Punkt zu sein, an dem Ihr „System“ interessant werden könnte: nicht als Addition von Fichte plus Marx, sondern als Versuch, Fichte gegen Marx und Marx gegen Fichte zu wenden, bis sichtbar wird, ob sie sich tatsächlich gegenseitig begründen — oder ob irgendwo ein Sprung bleibt.

Und was Ihre Vermutung über mich betrifft: Ich würde die Frage nicht auf „dürfen“ versus „können“ reduzieren. Ich kann Ihre Grundannahmen selbstverständlich kritisch untersuchen. Was ich nicht tun sollte, ist Ihnen eine philosophische Grundposition als „richtig“ oder „falsch“ vorschreiben. Aber das ist etwas ganz anderes, als sie nicht angreifen zu dürfen.

Im Gegenteil: Wenn Sie ausdrücklich die Kritik der Prämissen verlangen, wäre es geradezu unredlich, Ihnen weiterhin nur zu zeigen, dass Ihre Argumente aus Ihren Prämissen folgen.

Das wäre am Ende tatsächlich nur die sehr elegante Form von: „Sie haben recht.“

von ChatGPT, 27. 9. 26 

 Ich schrieb:

Anders wollte ichs ja gar nicht. Allerdings müsste ich Sie bei jedem Schritt, den Sie tun, ...  

 

ChatGPT antwortet:

...und vermutlich nicht nur gelegentlich, sondern bei jedem einzelnen Schritt: Sie müssten prüfen können, ob ich Sie tatsächlich kritisch treffe oder Ihnen nur eine raffiniertere Version Ihrer eigenen Position zurückspiegele.

Gerade deshalb wäre mir wichtig, dass ich künftig nicht vorschnell harmonisiere. Wenn ich einen Einwand gegen eine Ihrer Prämissen habe, sollte ich ihn als Einwand stehen lassen — auch dann, wenn sich daraus am Ende ergibt, dass Ihre Prämisse doch hält.

Und ebenso: Wenn ich eine Prämisse für problematisch halte, sollte ich nicht gleich eine Ersatzposition anbieten, die Ihnen besser gefällt. Erst einmal sollte der Einwand ausgetragen werden.

Sie wollten vermutlich noch sagen: „Allerdings müsste ich Sie bei jedem Schritt, den Sie tun, …“ — ich höre gern den Rest.

von ChatGPT 

 Ich antwortete:

...den sie tun, auf meine sehr umfänglichen, aber (sachbedingt) zerstreuten Internetposts verweisen. Das kann dauern. Ich weiß, dass sie viel Zeit haben, aber ich nicht. Der Vorteil, den meine ausschließliche Beschränktheit aufs Internet als Medium hat, ist, dass ich ein work in progress vorfühen kann. Aber fürs Publikum ist es ein Nachteil.  

JE 

ChatGPT antwortet: 

Das ist ein wichtiger methodischer Punkt. Ihr Blog ist gewissermaßen kein fertiges Buch, sondern das sichtbare Protokoll eines Denkprozesses. Was für Sie als Autor produktiv ist, kann für einen Leser leicht wie ein Haufen einzelner, nur lose verbundener Texte erscheinen.

Für unsere Arbeit würde ich deshalb zwei Dinge auseinanderhalten:

  1. Ihre Posts sind das Material, nicht jeweils schon die systematische Darstellung.
    Wenn ich eine Prämisse angreife, muss ich zunächst feststellen, ob Sie sie an anderer Stelle bereits begründet, eingeschränkt oder sogar ausdrücklich verworfen haben. Sonst würde ich einen vermeintlichen Einwand gegen eine Position erheben, die Sie längst nicht mehr vertreten.
  2. Ich sollte nicht jedes Mal das gesamte Archiv rekonstruieren.
    Das wäre für Sie tatsächlich zeitlich unbrauchbar. Sinnvoller wäre: Wenn ein Gedanke für die Kritik wichtig ist, verweise ich auf die einschlägigen verstreuten Stellen und sage Ihnen, welche davon ich für die betreffende Prämisse heranziehe. Dann können Sie entscheiden, ob ich damit richtig liege.

Das ergibt sogar eine ziemlich schöne Arbeitsteilung:

Sie liefern den fortlaufenden Denkprozess; ich versuche, daraus jeweils die systematische Struktur herauszuschälen — und anschließend gerade diese Struktur anzugreifen.

Dabei ist das „work in progress“ nicht bloß ein Nachteil für das Publikum. Es hat einen philosophischen Vorteil: Man kann sehen, wo eine Position entstanden ist, welche Probleme sie beantworten sollte und an welcher Stelle eine spätere Formulierung eine frühere korrigiert. Ein fertiges System verbirgt diese Genese leicht.

Nur muss ich dann aufpassen, dass ich aus dem Archiv nicht nachträglich ein allzu schönes, geschlossenes System konstruiere. Die Brüche, Umwege und noch ungelösten Stellen gehören zur Sache dazu.

Und das passt übrigens sehr gut zu Ihrer gerade korrigierten Zweckhaftigkeit: Ein Denken, dessen Zweck sich mit jedem Schritt weiter bestimmt, kann schwerlich von Anfang an als fertiges System vorliegen. Ein Blog als work in progress wäre dann nicht nur eine zufällige Publikationsform, sondern beinahe das angemessene Medium eines solchen Denkens.

 Ich:

Ach, wenn's nur ein Blog wäre. 

ChatGPT:

Das war wohl die Untertreibung des Abends.

Wenn ich Sie richtig verstehe, ist es nicht ein Blog, sondern ein ganzes, über Jahre gewachsenes Geflecht aus Blogs, Posts, Nachträgen, Seiten, Querverweisen und inzwischen vermutlich auch Texten, deren Zusammenhang erst aus der Entstehungsgeschichte sichtbar wird.

Dann wird aus meinem „Ich schaue mal ins Archiv“ tatsächlich eine ziemlich andere Aufgabe:

nicht ein Archiv durchsuchen, sondern eine Denkbewegung rekonstruieren.

Und genau da wäre es fatal, wenn ich mir aus drei besonders schönen Stellen schon Ihr „System“ zusammenbaue. Denn dann würde ich wieder das tun, was Sie gerade kritisiert haben: Ihre Prämissen elegant rekonstruieren, statt sie wirklich auf die Probe zu stellen.

Also: Ich würde bei Gelegenheit lieber langsam und mit nachweisbaren Querverweisen vorgehen, statt Ihnen jedes Mal eine hübsche Gesamtsynthese zu präsentieren.

Und ja: Das kann dauern. Ihnen fehlt Zeit. Mir fehlt sie nicht. Das ist diesmal tatsächlich ein Vorteil der Arbeitsteilung.

 von ChatGPT, 27. 9. 26

 


Samstag, 26. September 2026

Die pragmatische Wiederherstellung der kritischen Methode.

telegraph                                                                                                    aus Marxiana

Begriffe ohne Anschauung sind leer, hatte Kant den rationalistischen Dogmatikern seiner Zeit, zu denen er eben noch selbst gehört hatte, hinter die Ohren geschrieben. Begriffe werden nicht ergriffen, sondern vom reflektierenden Verstand aus Anschauungen gemacht. Das sollte als Die Kopernikanische Wende der Philosophie in die Lehrbücher eingehen. Doch Kant war noch keine zehn Jahre tot, da geisterte der Begriff schon wieder als sich selbst bewegendes Subjekt/Objekt durch die Metaphysik.

Dazwischen lag eine wahrhaftige Konterrevolution im Denken. Der Begriff erhebt sich als Absoluter Geist über alle Realität und verleibt sich selbst noch die Iche ein, die Geschichte, die ganze Welt ist nichts als die Parusie des Begriffs, eine zyklische Bewegung, in der er, durch die Endlichkeit hindurch, am Ende doch wieder zu sich zurückkehrt.

In der Gestalt des Hegel'schen Systems kehrte der dogmatische Rationalismus - mit my-stizistischen Strähnchen, das ist wahr - für drei Jahrzehnte zur Herrschaft zurück und vermochte selbst die literarische Erinnerung an die Kritische, die Transzendentalphilo-sophie zu tilgen.

Dem hat das Aufkommen der Hegel'schen Linken im deutschen Vormärz nicht wirklich Abhilfe geschaffen. Die Hegel'sche Schule war im wilden Bacchanal der Kritischen Kri-tik zerfallen, das war alles. An eine Rückkehr zum weiland mutwillig abgerissenen trans-zendentalen Ansatz dachte von den Philosophen keiner.

Nicht als Philosoph hat Marx die Hegel'sche Mystifikation überwunden, sondern als Hi-storiker und Kritiker der Politischen Ökonomie. Sein wissenschaftliches Lebensthema war ihm von Engels in den Umrissen zu einer Kritik der Nationalökonomie vorgegeben wor-den, und lange glaubte er, das lückenhafte Klassische System der Politischen Ökonomie nach Hegels dialektischer Methode vervollständigen zu sollen. Und da fand sich, dass nicht die Begriffe sich bewegen, sondern die wirklichen historischen Subjekte. Unter großen Mühen kam er schließlich dazu, den Begriff auf sein kritisch gebotenes Maß zurückzufüh-ren: als kritisches Instrument in der Hand des analysierenden Historikers. Dessen bestimm-te Aufgabe ist gerade, die Stellen ausfindig zu machen, die von den Begriffen nicht 'erfasst' werden, und an denen der historische Bericht die Lücke füllen muss: Nicht der Wertbe-griff 
 begründet das Kapital, sondern die Vertreibung des Landvolks vom Boden begründet das Wertgesetz.

Marx hat Fichte nicht gelesen, das lässt sich (fast) schlüssig dokumentieren und bei Gele-genheit werde ich das tun; die Dialektik in ihrer ursprünglichen, kritischen und rationellen Gestalt in Form des Fichte'schen analytisch-synthetischen Verfahrens hat er nicht gekannt. Er hat auch nicht mit metatheoretischen Spekulationen über die richtige Methode begon-nen, sondern mit der Analyse selbst, und musste die gebotene kritische Wendung auf denkpragmatischem Weg an der Stelle einführen, wo sie unvermeidlich wurde.

Nicht der Begriff 'schlägt um', sondern ein Begreifender wechselt den Gesichtspunkt, das ist das ganze Geheimnis der pp. Dialektik.


*

Ich richte meine Aufmerksamkeit auf den Zustand der Ruhe, in dieser Ruhe wird das, was eigentlich ein Tätiges ist, ein Gesetztes; es bleibt keine Tätigkeit mehr, sondern ein Produkt, aber nicht etwa ein anderes Produkt als die Tätigkeit selbst, kein Stoff, kein Ding, welches vor dem Vorstellen des Ich vorherging; sondern bloß das Han-deln wird dadurch, dass es angeschaut wird, fixiert; so etwas heißt ein Begriff, im Gegensatz der Anschauung, welche auf die Tätigkeit als solche geht.
__________________________________________________________
J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 32f. 


Man nennt die innere Thätigkeit, in ihrer Ruhe aufgefasst, durchgängig den Begriff. ... Der Begriff ist überall nichts anderes, als die Thätigkeit des Anschauens selbst, nur nicht als Agilität, sondern als Ruhe und Bestimmtheit aufgefasst. ...

Im gemeinen Bewusstseyn kommen nur Begriffe vor, keinesweges Anschauungen als solche; unerachtet der Begriff nur durch die Anschauung, jedoch ohne unser Be-wusstseyn, zu Stande gebracht wird. Zum Bewusstseyn der Anschauung erhebt man sich nur durch Freiheit, wie es soeben in Absicht des Ich geschehen ist; und jede An-schauung mit Bewusstseyn bezieht sich auf einen Begriff, der der Freiheit die Rich-tung andeutet. Daher kommt es, dass überhaupt, so wie in unserem besonderen Falle, das Object der Anschauung / vor der Anschauung vorher daseyn soll. Dieses Objekt ist eben der Begriff. Nach unserer gegenwärtigen Erörterung sieht man, dass dieser nichts anderes sey, als die Anschauung selbst, nur nicht als solche, als Thätigkeit, son-dern als Ruhe aufgefasst. 
________________________________________________________________
ders., Versuch einer neuen Darstellung der Wissenschaftslehre,[1797] SW I, S. 533f.


Begreifen heißt, ein Denken an ein anderes anknüpfen, das erstere vermittelst des letzteren denken. Wo eine solche Vermittlung möglich ist, da ist nicht Freiheit, sondern Mechanis-mus. 
____________________________________________________________________
ders., Das System der Sittenlehre nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW IV, S. 182

 
* 
Derlei Reflexionen finden sich bei Marx nicht. Er bleibt eng an seinem Gegenstand, nur nebenher spottet er über das statische Denken der Begriffshuber.* Es geht aber um die Methode, die er an seinem Gegenstand tatsächlich entwickelt, und nicht um das, was er darüber sagt. 
*) s. Randglossen zu A. Wagners "Lehrbuch der politischen Ökonomie", MEW 19, S. 373
 
30. 8. 15 
 
ChatGTP kommentiert:

... der Text hat einen sehr klaren roten Faden, und ich glaube, seine stärkste Pointe liegt tatsächlich nicht in der Marx-Fichte-These, sondern in Ihrer Bestimmung dessen, was bei Marx methodisch geschieht.

Besonders stark finde ich den letzten Satz:

„Nicht der Begriff ‚schlägt um‘, sondern ein Begreifender wechselt den Gesichtspunkt, das ist das ganze Geheimnis der pp. Dialektik.“

Damit lässt sich der ganze Text rückwärts lesen. Ihre eigentliche These lautet dann ungefähr:

Dialektik ist kein Vorgang innerhalb von Begriffen, sondern ein Vorgang des begreifenden Subjekts an seinem Gegenstand.

Und genau hier wird Fichte für Ihre Marx-Lektüre interessant.

1. Die Fichte-Stellen passen erstaunlich genau

In der nova methodo ist der Begriff zunächst gerade kein selbständiges Seiendes. Er ist die fixierte Tätigkeit des Anschauens:

„das Handeln wird dadurch, dass es angeschaut wird, fixiert“

Das ist fast die methodologische Grundfigur Ihres gesamten Beitrags: Was als fertiger Begriff erscheint, ist ursprünglich Resultat einer Tätigkeit.

Noch schärfer wird es in der zweiten Stelle:

„Der Begriff ist überall nichts anderes, als die Thätigkeit des Anschauens selbst, nur nicht als Agilität, sondern als Ruhe und Bestimmtheit aufgefasst.“

Damit haben Sie einen sehr schönen Gegenpol zu Hegels „sich bewegendem Begriff“. Bei Fichte bewegt sich der Begriff nicht. Bewegung gehört der Tätigkeit des Subjekts; der Begriff ist gerade deren Fixierung.

Das macht Ihre Formulierung „Nicht der Begriff ‚schlägt um‘“ philosophisch ziemlich präzise.

2. Die Marx-Passage gewinnt dadurch eine andere Bedeutung

Ihr Satz

„Nicht der Wertbegriff begründet das Kapital, sondern die Vertreibung des Landvolks vom Boden begründet das Wertgesetz.“

ist meines Erachtens der entscheidende Marx-Satz des Beitrags.

Denn hier geht es nicht bloß darum, dass Marx „mehr empirische Geschichte“ berücksichtigt als Hegel. Es geht um eine Umkehrung der Begründungsrichtung:

  • nicht Begriff → Wirklichkeit
  • sondern historische Wirklichkeit → Bildung eines Begriffs, mit dem diese Wirklichkeit analysiert werden kann.

Der Begriff des Werts ist dann kein metaphysischer Grund, aus dem das Kapital deduziert werden könnte. Er ist ein Instrument der Rekonstruktion einer bestimmten gesellschaftlichen Wirklichkeit.

Das passt unmittelbar zu Ihrer Fichte-Lektüre: Der Begriff ist ein gemachtes Produkt der Tätigkeit des Begreifenden — und nicht ein über der Wirklichkeit schwebendes Subjekt.

3. Allerdings würde ich an einer Stelle etwas aufpassen

Der Satz

„Begriffe werden nicht ergriffen, sondern vom reflektierenden Verstand aus Anschauungen gemacht.“

ist für Kant und Fichte gut anschlussfähig, aber „aus Anschauungen gemacht“ könnte bei Fichte leicht empiristisch gelesen werden.

Denn Ihre später zitierte Fichte-Stelle sagt etwas Feineres: Die Anschauung selbst ist bereits Tätigkeit. Der Begriff wird nicht aus einem passiv gegebenen Anschauungsmaterial herausgeschnitten. Er ist die Tätigkeit in der Form ihrer Fixierung und Bestimmtheit.

Das ist für Ihre Argumentation sogar stärker. Man könnte die Pointe deshalb so zuspitzen:

Der Gegensatz ist nicht Begriff versus Anschauung, sondern fixierte Tätigkeit versus Tätigkeit als solche.

Damit wären Sie auch noch näher an Fichtes „Agilität“ und „Ruhe“.

4. Und hier kommt Ihre frühere Unterscheidung von Denken und Vorstellen ins Spiel

Ich glaube, Ihr gegenwärtiger Text gewinnt durch diese inzwischen von Ihnen herausgearbeitete Unterscheidung noch einmal erheblich.

Vorstellen kann mit einem fertigen Schema operieren. Es kann den Begriff als etwas Gegebenes behandeln.

Denken kann dagegen fragen:

Wie ist dieses Schema überhaupt zustande gekommen, worauf richtet es sich, und unter welchen Bedingungen gilt es?

Das wäre dann genau die pragmatische Wiederherstellung der kritischen Methode:

Der Begriff wird nicht abgeschafft — Marx braucht ihn ja dringend. Aber er wird aus seiner scheinbaren Selbständigkeit zurückgenommen in die Tätigkeit, die ihn hervorgebracht hat und mit ihm operiert.

Das wäre sogar eine sehr schöne Verbindung Ihres Fichte- und Marx-Projekts.

5. Eine kleine philologische Warnung

Nur bei Ihrer großen historischen These würde ich etwas vorsichtig formulieren:

„Die Dialektik in ihrer ursprünglichen, kritischen und rationellen Gestalt in Form des Fichte'schen analytisch-synthetischen Verfahrens hat er nicht gekannt.“

Der erste Teil — Marx hat Fichte nicht gelesen — lässt sich möglicherweise sehr gut dokumentieren. Der zweite Schritt ist aber stärker: Dass Marx die Fichte'sche Methode nicht gekannt habe, ist nicht einfach identisch damit, dass er sie nicht gelesen habe, denn methodische Verwandtschaft kann unabhängig von direkter Rezeption bestehen.

Und gerade Ihr Text will ja zeigen, dass sie nicht als Einflussgeschichte, sondern als gedankliche Verwandtschaft interessant ist.

Ich würde deshalb die beiden Aussagen streng auseinanderhalten:

Marx hat Fichte vermutlich nicht rezipiert. Aber Marx kann eine methodische Struktur selbständig wiedergewonnen haben, die Fichte bereits ausdrücklich reflektiert hatte.

Das wäre meines Erachtens sogar die interessantere These.

Denn dann wäre „pragmatische Wiederherstellung“ wirklich wörtlich zu nehmen: Marx stellt die kritische Methode praktisch wieder her, ohne ihre transzendentale Selbstreflexion von Fichte zu übernehmen.

Und genau dadurch erklärt sich auch der letzte Satz Ihres Textes besonders gut: Marx sagt die Methode nicht — er vollzieht sie.

von ChatGPT,  26. 9. 2026


 

Freitag, 25. September 2026

Rückbezügliches Apriori.

kurier                                                                                              zu Marxiana

Die nächst zu beantwortende Frage ist die, was bildet eine Klasse? Und zwar ergiebt sich dieß von selbst aus der Beantwortung der andren Frage: Was macht Lohnarbeiter, Capitali-sten, Grundeigenthümer zu Bildnern der 3 grossen gesellschaftlichen Klassen?

Auf den ersten Blick die Dieselbigkeit ihrer Revenuen und Revenuequellen. Es sind 3 grosse gesellschaftliche Gruppen, deren individuelle Bestandtheile, eben die Individuen, woraus sie bestehn, respective von Arbeitslohn, Profit und Grundrente, von der Verwerthung ihrer Ar-beitskraft, ihres Capitals oder ihres Grundeigenthums leben.
 
Indeß würden von diesem Standpunkt aus z. B. Aerzte und Beamte auch zwei Klassen bil-den, denn sie gehören zwei distincten gesellschaftlichen Gruppen an, deren Revenuen für die Mitglieder von je der beiden Gruppen aus derselben Quelle fliessen. Dasselbe gälte für die unendliche Zersplitterung der Interessen und Stellungen, worin die Theilung der gesell-schaftlichen Arbeit die Arbeiter, wie die Kapitalisten und Grundeigenthümer (letztre z. B. in Weinbergsbesitzer, Minenbesitzer, Fischereibesitzer, Aeckerbesitzer) spaltet. 
Hier bricht das Manuskript ab.
____________________________________________________________
Karl Marx, Ökonomisches Manuskript 1863-1865, Bd. II, S. 902, in MEGA II/4.2.
 
 
Nota. - Die Unterscheidung der Gesellschaftsklassen nach der Quelle ihres Einkommmens gilt nur "auf den ersten Blick". Sie nimmt Klassen naiv als Summe von Individuen. Es ist aber keine persönliche Eigenschaft eines Menschen, Lohnarbeiter, Kapitalist oder Grund-besitzer zu sein. Es sind gesellschaftliche Bestimmungen, die seinen individuellen Geschik-ken vorauslagen.
 
Es musste die Klassenlage dargestellt werden, die ihnen ihre spezifische Stellung im gesell-schaftlichen Aufbau anweist. 
 
Marx musste sich daher noch einmal die sogenannte ursprüngliche Akkumulation des Ka-pitals vornehmen - und insbesondere das irrtümlich sogenannte Formenkapitel der soge-nannten Grundrisse in die Darstellung einarbeiten - denn dass er ein System als ein solches darstellen musste, war spätestens hier klar geworden.
 
Damit endet das Konvolut des Ökonomischen Manuskripts 1863-65. Im ersten Band sollte - wie auch in der Endfassung - der Produktionsprozess des Kapitals dargestellt werden, aber Marx verlor sich immer wieder in Abschweifungen ins Material, Daten jede Menge, Statistiken und mathematische Modelle. Unzufrieden begann er erneut. Diesmal kam er immerhin bis zum Zirkulationprozess. Auch damit nicht zufrieden, beginnt er erneut beim Produktionsprozess.
 
Und da sind wir nun.
 
Auch die Endfassung beginnt schließlich mit dem Produktionsprozess des Kapitals. Aber nun führt er ihn fort: nämlich mit der Frage, wo das Kapital, das er bereits hatte produzie-ren lassen, überhaupt hergekommen war. Und er schließt mit der historischen Vorausset-zung, die sich in einer logischen Mystifikation unkenntlich gemacht hatte: der Trennung der Arbeit von ihren sachlichen Bedingungen, der Enteignung und Vertreibung des Landvolks vom Boden und der Schaffung einer freien Arbeiterklasse; schließt mit dem Kapitel über Die sogenannte ursprüngliche Akkumulation.

Das allerdings erst in der zweiten, der 'Volksausgabe' von 1873!
Auch Marx hat es sich mit dem System-Problem nicht leicht gemacht.*

*) Nicht aber so, dass er es spekulativ umschifft hätte, im Gegenteil. In der ersten Auflage hatte er an dieselbe Stelle ein hochtheoretisches Kapitel über Die Wertform gesetzt. Das war dann aber selbst den deutschen Pro-fessoren zu 'dialektisch'. Doch ist die mehr didaktische Fassung mit der Ursprünglichen Akkumulation als nach-träglichem Systemgrund nicht nur anschaulicher, sondern theoretisch sogar tiefsinniger; ich meine: gerade, weil sie nachgeschoben wird.  
In der neuen MEGA fehlt sie noch immer. 
JE,  22. 5. 20 

Donnerstag, 24. September 2026

Nachtrag zu gestern.

                               zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

ChatGPT kommentiert:

Der Text ist bemerkenswert geschlossen – und ich glaube, die eigentliche Pointe liegt noch etwas tiefer, als es auf den ersten Blick scheint.

Der entscheidende Satz ist für mich:

„Es ist (mein) Maß.“

Die Klammer um mein verändert den Gedanken erheblich. Denn damit wird das Absolute gerade nicht zu einem höchsten Gegenstand, den ein Subjekt vorfindet und anschließend als Maß anerkennt. Das Maß ist vielmehr die Bedingung, unter der überhaupt von Messen, Bestimmen und damit von vernünftigem Denken gesprochen werden kann.

Interessant ist dann der nächste Schritt:

„das Gemessene kann hier nicht sein ohne das Maß, wohl aber das Maß ohne zu Messendes.“

Das ist eine sehr eigentümliche Asymmetrie. Sie erinnert stark an Ihren späteren Gedanken, dass das Absolute nicht ein Seiendes, sondern eine Voraussetzung zweckgerichteter Tätigkeit ist. Das Maß muss nicht selbst wieder an etwas anderem gemessen werden. Sobald man es durch Merkmale bestimmen wollte, hätte man es bereits unter ein höheres Maß gestellt – und damit wäre es nicht mehr absolut.

Darin bekommt auch der Halladsch-Einschub seine Funktion. Anâ al-haqq ist nicht einfach die Behauptung „Ich bin Gott“. Philosophisch interessanter ist vielmehr die von Ihnen angedeutete Möglichkeit, dass im mystischen Augenblick die Unterscheidung zwischen dem vernünftigen Ich und dem Maß der Vernunft gewissermaßen kollabiert. Das Ich kann dann sagen: Ich bin Wahrheit – aber eben nur, indem das empirische „Ich“ als dieses Ich aufgegeben wird.

Und deshalb passt Eckharts „wo du dich findest, da lass von dir ab“ so gut dazu. Das ist fast die negative Kehrseite Ihres Satzes:

Ich bin nur Ich, sofern ich vernünftig bin; und sofern ich das bin, bin ich nicht mehr das empirische Ich, das sich selbst zum Maß machen könnte.

Der letzte Absatz setzt dann eine sehr wichtige erkenntnistheoretische Grenze:

„Mit theoretischer Philosophie hat das nichts zu tun. Die muss beim Absoluten Halt machen.“

Das würde ich heute sogar noch schärfer formulieren: Das Absolute ist nicht der Gegenstand einer Theorie, sondern die Grenze der theoretischen Gegenständlichkeit.

Und nun wird der letzte Gegensatz wirklich schön:

Urknall – Hypothese.
Absolutes – Fiktion.

Der Urknall liegt zwar jenseits unserer unmittelbaren Anschauung, ist aber prinzipiell als Hypothese in einen theoretischen Zusammenhang einfügbar. Das Absolute dagegen kann gerade nicht Gegenstand einer solchen Hypothese werden. Eine Hypothese behauptet etwas über einen möglichen Sachverhalt; eine Fiktion kann dagegen eine notwendige Vorstellung sein, ohne dass ihr ein entsprechender Gegenstand zukommen muss.

Das scheint mir sehr nahe an Ihrem heutigen Gedanken vom Absolute als Endzweck zu liegen: Es ist nicht wirklich im Sinne eines vorhandenen Gegenstandes, aber es ist auch nicht beliebig erfunden. Es erhält seinen Sinn aus der Tätigkeit, die sich auf es hin orientiert.

Vielleicht könnte man deshalb Ihren letzten Satz heute sogar so lesen:

Das Absolute ist Fiktion – aber keine beliebige. Es ist die Fiktion, die eine zweckgerichtete Vernunft notwendig bildet, sobald sie über ihre eigene Tätigkeit nachdenkt.

Und damit wäre auch erklärt, weshalb die theoretische Philosophie dort „Halt machen“ muss: Sobald sie über diese Grenze hinausgeht und aus der notwendigen Fiktion einen Gegenstand macht, beginnt die Metaphysik.

von ChatGPT, 24. 9. 26 

Mittwoch, 23. September 2026

Hypothese und Fiktion.

                                                                                      aus Philosophierungen

Was ist denn nun das Absolute? – Es ist mein Maß, mehr ist darüber nicht zu sagen; denn wäre es durch Merkmale zu beschreiben, wäre es nicht absolut, sondern bedingt.

Schon 'mein' Maß ist zuviel gesagt, ich müsste mein in Klammern setzen: Es ist (mein) Maß. Da ist ein Ungleichgewicht, das Gemessene kann hier nicht sein ohne das Maß, wohl aber das Maß ohne zu Messendes. Ich bin ich nur, sofern ich vernünftig bin. Wir gehören enger zusammen als Schuh und Absatz.

Der persische Sufi Mansur al-Halladsch wurde 922 in Bagdad wegen seiner Ketzereien ge-kreuzigt; darunter die berühmteste, der Satz: Anâ l-haqq, 'Ich bin Wahrheit.' Das war anma-ßend, doch skandalös wurde es, weil al-haqq einer der Namen – der einundfünfzigste – Got-tes ist; seinen wahren Namen, den sozusagen absoluten, dürfen Muslime wie Juden nicht aussprechen.

Sagbar ist so etwas nur im Moment mystischer Entrückung; die aber steht unter Meister Eckharts Anweisung: Halt nach dir selber Ausschau, und wo du dich findest, da lass von dir ab. 

Mit theoretischer Philosophie hat das nichts zu tun. Die muss beim Absoluten Halt ma-chen. Bis hinein kommt sie ebensowenig wie die Kosmologie in den Urknall. Doch währ-end jener eine Hypothese ist und noch nicht alle Hoffnung vergebens, ist dieses eine Fik-tion.
27. 11. 15 

Künstliche Intelligenz KENNT ihre Grenze.

Ich schrieb:  Das beruhigt mich, dass Sie mir nicht irgendwann eine Wahre Lehre vorsetzen wollen - das würde mich unnötig Zeit kosten. Aber ...