
Das Gefühl ist Affektion unserer
selbst, es wird im Gefühle uns etwas angetan, es muss also etwas in uns
sein, dem es angetan wird, und dies ist unser Handeln, aber es ist für
uns nichts ohne Beschränktheit und Beschränktheit nicht ohne Handeln,
daraus besteht nun das Fühl-bare. Durch das Handeln ist es für uns;
dadurch, dass es beschränkt ist, ist es Gegenstand des Gefühls. Alles
unser Bewusstsein geht aus von einer Wechselwirkung des Handelns und
der Beschränktheit, beides ist beisammen, und dies ist das Objekt des
Gefühls.
_______________________________________________________________________J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 155
30. 10. 15
Nota II. - Die Wissenschaftslehre ist nicht das transzendentale Schema der Entstehung "der Bewusstseins", sondern das Schema der Entstehung des vernünftigen Bewusstseins; denn wäre es nicht vernünftig, wäre es für sie kein Bewusstsein. Der harte Kern der Vernünftig-keit ist der Glaube an die Wirklichkeit der Welt und an das Gesetz von Ursache und Wir-kung. Die Wissenschaftslehre will erklären, wie wir zu diesem Glauben kommen, da in unserm Wissen doch gar keine Dinge vorkommen, sondern lediglich Vorstellungen.
Wir unterscheiden Vostellungen, denen Etwas außerhalb unseres Bewusstsein entspricht, von solchen, denen außerhalb des Bewusstseins nichts entspricht (Noumena und Schnaps-ideen). Der Unterschied ist, dass wir von den einen Erfahrungen haben, von den andern nicht. Erfahrungen beruhen auf Gefühlen. Wir glauben in den Gefühlen die Wirkungen der Gegenstände auf uns wahrzunehmen. Sie sind aber - für einen 'außenstehenden Beobachter' - Wechsel wirkungen mit unserm Handeln, das gewissermaßen 'angefangen' hat: Sie sind der Widerstand, den das Nicht-Ich meiner primären Tätigkeit entgegensetzt und mich be-schränkt. Dies ist die erste Synthesis und der Anfang von allem Wirklichen.
10. 9. 18
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen