
Die Aufgabe ist: nicht
einem bestimmten Tun, z. B. Denken, Anschauen pp., sondern einem Tun
überhaupt zuzusehen. Die Aufforderung ist: eine Agilität zu
beschreiben. Diese kann man nur beschreiben als eine Linie, die ich
ziehe. Also innere Agilität ist eine Linie ziehen; nun aber ist hier
nicht die Rede von einer Agilität, die geschieht, sondern von einer
Agilität überhaupt, von einem bestimmbaren, aber nicht bestimmten
Vermögen der inneren Tätigkeit und Agilität.
So eine Linie aber ist
bestimmt der Direktion nach. In dem Vermögen müssen aber alle Li-nien
liegen, das Schema des Tuns muss nach allen möglichen Direktionen
mögliches Lini-enziehen sein; dies ist der Raum, und zwar leerer Raum,
aber als leerer Raum kommt er nie vor, es wird immer etwas hineingesetz;
warum, wird sich zeigen.
Hier ist nuun vom Tun die Rede; auch das bloße reine Tun ist nichts Erscheinendes.
_______________________________________________________________________J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 110
Nota I. - Tun-überhaupt 'gibt es' nicht, es ist nicht Etwas und lässt sich nicht anschauen; an-schauen lässt sich lediglich die Vorstellung seines Schemas: ein Punkt, von dem aus in alle möglichen Richtungen Linien gezogen werden. Das impliziert, nein: schafft eine Vorstel-lung vom Raum.
Kants
Kritik der reinen Vernunft hatte beim Apriori Halt gemacht; bei den
zwölf Katego-rien und den beiden transzendentalen Anschauungsformen.
Woher die kommen, lässt er - wie um Platz für den Glauben zu schaffen -
im Ungewissen. Fichte radikalisiert Kant: Auch dessen Apriori ist Bestimmung durch das Ich.
31. 10. 16
Nota II. - Das
darf man nicht wörtlich nehmen: der Raum sei 'Schema der Agilität';
denn nur mit den darin gezeichneten unendlichen Linien ist er das. Sie
sind 'Figur', er ist 'Grund': ohne den können sie Agilität nicht
'bedeuten'.
Dies ist zugleich der Urtyp eines Schemas im transzendentalen Gebrauch.
JE, 10. 6. 22
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