Samstag, 20. Januar 2024

Von der Anschauung zum Begriff.

peoplecheck                aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik  

Confer den § 1 der gedruckten Wissenschaftslehre,* wo dasselbe auf eine andere Weise gesagt ist, es wird nämlich dort vom Begriffe zur Anschauung übergegangen, hier ists aber umgekehrt.

*) Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre, Hamburg 1979, S. 11-21
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_J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 33 



Nota. - Das ist der große Erkenntnisfortschritt der Nova methodo und macht, dass ihr im Werdegang der Wissenschaftslehre ein Sonderplatz gebührt. Denn erst hier hat sie die Form gefunden, die ihr der Sache nach zukommt.

Sie will zeigen, wie und auf welchen Wegen das von der Transzendentalphilosophie vorge-fundene System der Vernunft entstanden ist, das sie ihrer Kritik, ihrer wertenden Prüfung unterzieht. Denn eben darin besteht die Kritik: Darstellung seiner Genesis.

Dabei kann sie sich offenbar der Instrumente dieses Systems, das sie allerst ergründen will, nicht schon bedienen. So aber ging die Grundlage an ihre Aufgabe: mit dem Begriff des 'Ich'. Der wurde zwar dialektisch hin und her gewendet und nach allen Seiten hin ab-geklopft. Doch wie er zu Stande kommt und warum er nicht umgangen werden kann, wird auf die Weise nicht ersichtlich.

Er ist auch nicht wirklich der Ausgangspunkt des transzendentalen Systems. Als ihm zu Grunde liegend muss gedacht werden die vorstellende Tätigkeit alias Einbildungskraft selbst. Nun ist Tätigkeit zwar anschaubar. Aber denken lässt sie sich nur als die Tätigkeit eines Subjekts. Darzustellen, wie die ganz unbestimmte Tätigkeit sich-selbst bestimmt zum wirklichen Wollen eines wirklichen Ich, erfordert einen tiefen Griff in die dialektische Trickkiste, doch ohne den steht die Transzendentalphilosophie eben nicht auf eigenen Füßen. 

17. 12. 18          

 


Donnerstag, 18. Januar 2024

Die Verbindung von meiner Welt mit unserer Welt ist der Begriff.

dreamstime                            aus Philosophierungen

Nach der rationalistischen Auffassung, die bei uns die landläufige ist, werden die Bedeu-tungen durch die Begriffe konstituiert. Nach Fichte entstehen die Bedeutungen dagegen in der Vorstellung; durch den Begriff werden sie lediglich fassbar und fungibel: können mit anderen verglichen und verknüpft und an Andere weitergegeben werden. Verständiger Verkehr ist nicht ohne Begriffe möglich.

Aber auch keine Kritik. Es sind die Begriffe, in denen meine Welt mit unserer Welt ver-knüpft ist. Genauer gesagt: Erst durch die Begriffe entsteht unsere Welt. Den Individuen, die zur Welt kommen, begegnet die Welt der Begriffe als Apriori, sie müssen sich darin einrichten. Die Privatwelt der Irren ist nur möglich, weil sie die Geltung der Begriffe ganz oder teilweise leugnen. Ihre Vorstellungen sind ungebunden und unverbindlich.
-

30. 6. 15


In specie: Die intelligible Welt entsteht uns erst durch die Begriffe; die wirklichen Begriffe, wie sie in unsern Sprachspielen vorkommen. Denn die Sprachspiele stiften die Reihe ver-nünftiger Wesen, und nichts anderes ist die intelligible Welt. Wie? Indem sie uns ermög-licht, aus Freiheit gemeinsame Zwecke auszubilden, und nichts anderes ist Vernunft. Aus dem Zweck
begriff jedoch ist der Begriff erst hervorgegangen - und zum andern ward durch ihn aus einem unbestimmt-'reinen' Willen erst ein wirkliches bestimmendes Wollen. Durch letzteres geht die intelligible Welt ein in die sinnliche - vermittels der Kraft.

In 'meine' Welt komme ich auf diesem Weg nicht zurück. Schon gar nicht dahin, wie sie ist. Doch dass sie ist?

Meine Welt als Gesamtheit meines vor-reflexiven Einbildens ist Teil meiner gesamten Per-son, sie ist mit meiner Gefühlswelt ebenso verbunden wie mein artikulierter Leib, empi-risch geht eins in das andere über, wir unterscheiden erst - durch den Begriff - in der Re-flexion. 

Am Ende läufts auf die Trivialität hinaus: Mit unserer Welt ist meine Welt verbunden durch den im Begriff gefassten Zweck in der selben Weise, wie mein gefühlter, gedachter, gemeinter Gesamtzustand mit der sinnlichen Welt verbunden ist durch die Kraft. Doch nicht jede Trivialität fällt jedem jederzeit ins Aug. Manche muss man schon mal ausspre-chen
.
16. 12. 18
 
 
Merke: Unsere Welt besteht aus sinnlichen und aus Gedankendingen. Sie sinnlichen Dinge sind dort immer auch Gedankendinge, denn nur so wurden sie zu unseren. 
 
In meiner Welt gehen sinnliche und Gedankendinge bunt durcheinander. Verbunden oder eben nicht sind sie durch Zufall, nämlich die Willkür meines So-Befindens. So wie sie un-tereinander nur zufällig verbunden sind, kann ich sie den Andern in unserer Welt auch nur zufällig mal mitteilen, denn dies geschieht regelmäßig nur durch regelmäßig verknüpfte Begriffe.
16. 3. 21
 
 
Nachtrag. - Noch einmal, ganz langsam: 'Ich' bin ich virtualiter durch meine Vor-Be-stimmtheit durch das 'reine Wollen'. Zum reellen Ich bestimme ich mich, indem ich mein 'reines' Wollen zu einem irdischen Zweck bestimme. Von weltlichem Belang ist mein Zweckbegriff, soweit er in der sinnlichen Welt auf Zweckbegriffe -, indem er sich in der sinnlichen Welt an den Zweckbegriffen der 'Reihe vernünftiger Wesen' stößt. Das Reich der möglichen Zweckbegriffe in der sinnlichen Welt ist eo ipso eine - ist die intelligible Welt. Sie ist die wirkliche Welt, soweit sie uns gemeinsam ist. 

Zweckbegriffe, die nicht in der sinnlichen Welt liegen, wo sie an die Zwecke anderer 'ver-nünftiger Wesen' stoßen könnten, bilden dagegen meine Welt: meine Privatangelegenheit. Wenn und wo ich ein anderes vernünftiges Wesen in meine Privatangelegenheit hereinzie-he und selber in die seine dringe, entsteht offenbar ein Problem. Ist die Privatangelegen-heit von Zweien keine Privatangelegenheit mehr? Na, sobald sie sie in die Öffentlichkeit tragen nicht länger. Ob die Öffentlichkeit sich ihrer dann annehmen muss oder darf, wird in zivilisierten Ländern von allgemeingültigen Gesetzen geregelt; man kann daran den Grad ihrer Zivilisiertheit merken.
JE,
20. 1. 23

 

Wo die Logik herkommt.

                                                             aus Philosophierungen

Es ist nicht wahr, dass die Vernunft an den Wörtern hängt. Die Mitteilung der Vernunft hängt an den Wörtern: die Verständigung, der Verstand.

Auch die Bilder können mitgeteilt werden, im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbar-keit zumal. Aber es gibt keine Gewissheit, ob sie so 'ankommen', wie sie 'abgesandt' wur-den: ob der Empfänger sie so 'versteht' wie der Absender. Das analogische Denken for-dert die Einbildungskraft heraus, und auf die ist nur sehr unterschiedlich Verlass: bei dem einen schafft sie viel, vielleicht zu viel, bei dem andern wenig... Und ob, das lässt sich vom Sender gar nicht kontrollieren.

In einem Lebensverbund ("Gesellschaft"), der auf Arbeitsteilung beruht, kann aber das Gelingen der Mitteilung nicht dem Zufall überlassen bleiben. Die ganzen Bilder müssen - durch Abstraktion/Reflexion - in viele einzelne Zeichen zerlegt und mit einer Gebrauchs-anleitung zu ihrer Rekomposition ausgestattet werden: lauter Bedeutungsatome ("Infor-mationen"), die nach allgemeinen, d. h. öffentlichen, nämlich zwingenden und kontrollier-baren Denkgesetzen zusammengesetzt sind: der Logik.

Die Begriffe und die Logik sind in der Tat pragmatische Produkte: Sie bewähren sich - täglich aufs Neue - als Medien der Verständigung.

Aber das, worüber Verständigung geschieht; das, was mitgeteilt wird, das sind 1.) An-schauungen und 2.) Vorstellungen, die "zuerst" als Bilder "da sind". Mit den Zeichen und ihren Verbindungsregeln werden sie nur "beschrieben".

Und selbstredend kann es gelingen - nämlich diesem oder jenem -, dass aus dem freien Gebrauch der Zeichen und Verbindungsregeln neue Bilder sichtbar werden. Aber sie schaffen die Bilder nicht, sondern sie führen, d. h. verführen... die Einbildungskraft.

Der Verstand kann den Blick frei machen - nämlich durch die im zu langen Gebrauch opak gewordenen Bilder hindurch; aber sehen muss jeder selbst.

Allerdings ist es wahr - und insofern haben die Lamentationen der Postman & Co. was für sich -, dass es kaum noch ein Bild gibt, das nicht schon tausendmal "da war" - und darum tausendmal bezeichnet wurde. Der vergesellschaftete Einbildner kann gar nicht anders als die im Verkehr bewährten Zeichen "immer schon" in die Bilder mit hineinzusehen - was deren 'Gehalt' aber nicht vermehrt, sondern im Gegenteil schmälert: indem auf diese Be-deutung besonders abgesehen wird, wird von jener andern eben auch abgesehen.

Kritisches Denken ist nur in einem flachen Verständnis dasjenige, das sich auf die Prüfung beschränkt, ob die Zeichen auch wirklich alle nach den Regeln der Kunst (dem Denkge-setz) zusammengesetzt sind. Im ausgezeichneten Sinn ist das kritische Denken dasjenige, das den Gebrauch der im Verkehr bewährten Zeichen immer wieder mit dem Anblick der Bilder vergleicht. Das ist kein diskursiver, sondern ein intuitiver Akt. Ob in den Bildern "mehr", das heißt was andres zu sehen ist, als die konventionellen Zeichen herausholen, ist ein ästhetisches Urteil, kein logisches.
1. 11. 94


Zusatz I. - Ich behaupte nicht die Konventionalität des Logischen. Wenn eine bestimmte Zahl von Parteien sich auf etwas verständigt, ist das Ergebnis eine Partikularität - und als solche zufällig. Hier ist aber die Rede von einem endlosen Prozeß stetiger Ausmittelung - und dessen Resultat ist allgemein und notwendig. Die logischen Formen wurden nicht er-sonnen und nicht vereinbart, sondern haben sich notwendig* ergeben. Dass sie sich im täglichen Gebrauch als zwingend bewähren, ist kein Mysterium: denn so sind sie entstan-den.

Zusatz II. -
für Kenner und Liebhaber: Es handelt sich um denselben Prozess der 'Realab-straktion' wie bei der Ausbildung des Tauschwerts im Zirkulationsprozess auf dem Markt. 
JE
13. 10. 13 

*) Notwendig nicht im Sinne von weil/darum, sondern im Sinne von um/zu: um eindeutige Mitteilung mög-lich zu machen. Jan. 24

 

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Mittwoch, 17. Januar 2024

Gewagt und bewährt: Begreifen heißt zusammenfassen und begrenzen.

semer-gazon                             zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Zuvörderst - wass heißt denn verstehen oder begreifen? Es heißt festsetzen, bestimmen, begrenzen. Ich habe eine Erscheinung begriffen, wenn ich ein vollständiges Ganzes der Erkenntnis dadurch erhalten habe, das allen seinen Teilen nach in sich begründet ist; wenn jedes durch alles und alles durch jedes Einzelne begründet oder erklärt wird. Da-durch erst ist es vollendet oder begrenzt. -

Ich habe nicht begriffen, wenn ich noch im Erklären bin, wenn mein Dafürhalten noch im Schweben und also noch nicht befestigt ist; wenn ich noch von Teilen meiner Erkennt-nis zu anderen Teilen fortgetrieben werde. (Ich habe A, welches ein Zufälliges sein soll, noch nicht begriffen, wenn ich nicht eine Ursache dafür, und, da dem A eine bestimmte Art der Zufälligkeit zukommrn muss, eine bestimmte Ursache dazu gedacht habe.)

Ich kann eine Erscheinung nicht verstehen, außer auf eine gewisse Art, heißt daher: Ich wer-de von den einzelnen Teilen der Erscheinung immer fortgetrieben bis auf einen ge-wisssen Punkt, und erst bei diesem kann ich mein Aufsammeln ordnen und das Aufge-sammelte in ein Ganzes der Erkenntnis zusammenfassen.
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J. G. Fichte, Grundlage des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW Bd. III, S. 77    



Nota I. - Es ist ein Zirkel: Ich muss die Erscheinung vorab bereits als diese eine gemeint ha-ben, bevor ich sie in Teile zerlegen und sie aus ihnen wieder zusammensetzen kann. Aber es ist ein pragmatischer Zirkel. Denn ob er gelingt, muss sich bei jeder Begriffsbil-dung erst noch erweisen. Erweisen woran? An der Absicht, in der ich auf die Erscheinung gemerkt habe. Der Zweck
begriff ist immer erst ein gewagter; als Begriff muss er sich noch bewähren. Das Wollen ist die Triebkraft des Erkennens.
27. 12. 18

Nota II. - Das Ganze, von dem oben geredet wird, ist nicht zu verstehen als isomorpher Monolith, sondern als Gestalt: ein Bild, das in sich unterschieden ist; mindestens in Figur und Grund. Ob unter Erscheinung ein Ding, eine Situation oder eine Handlung zu verste-hen ist, bleibt vorab unbestimmt.
JE,
22. 3. 21

Dienstag, 16. Januar 2024

Erst die Reflexion unterscheidet das Objekt vom Handeln.

                            aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Wenn das Objekt seinen Grund lediglich im Handeln des Ich hat und durch dieses voll-ständig bestimmt ist, so kann, wenn es eine Verschiedenheit unter den Objekten geben sollte, diese Verschiedenheit lediglich durch verschiedene / Handelsweisen des Ich ent-stehen. Jedes Objekt ist dem Ich so geworden, wie es ihm ist, weil das Ich bestimmt so gehandelt hat, wie es handelte; aber dass es so handelte, war notwendig; denn gerade eine solche Handlung gehörte unter die Bedingungen des Selbstbewusstseins. - 

Indem man auf das Objekt reflektiert und die Handelsweise, durch welche es entsteht, davon unterscheidet, wird dieses Handeln, da aus dem angeführten Grunde das Objekt nicht als durch dasselbe, sondern ohne alles Zutun des (freien) Ich vorhanden erscheint, zu einem bloßen Begreifen, Auffassen und Umfassen eines Gegebenen. Man nennt so-nach diese Handelsweise, wenn sie in der beschriebenen Abstraktion vorkommt, mit Recht einen Begriff.
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J. G. Fichte, Grundlage des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW Bd. III, S. 3f. 



Nota. - Das Handeln selber kann ich anschauen. Die Reflexion erst unterscheidet den Ge-genstand des Handelns von dem, der handelt. - Nur das Handeln kann ich anschauen - und nur, während es geschieht. Hinterher muss ich denken.
JE, 28. 12. 18      

 

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Montag, 15. Januar 2024

Das Vernunftwesen hat Realität nur als Leib.

smash-images                          zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
 
d. Mein Leib muss der Person außer mir sichtbar sein, ihr durch das Medium des Lichts erscheinen und erschienen sein, so gewiss sie auf mich wirkt: wodurch der erste und min-deste Teil unserer Frage beantwortet wäre. Nun soll, nach der notwendigen Vorausset-zung, diese Erscheinung so sein, dass sie schlechterdings nicht zu verstehen und zu be-greifen ist, außer durch die Voraussetzung, ich sei ein vernünftiges Wesen; dass sonach dem anderen angemutet werden könne: So wie du diese Gestalt erblicktest, musstest du/ sie notwendig für die Repräsentation eines vernünftigen Wesens in der Sinnenwelt halten, wenn du selbst ein vernünftiges Wesen bist. -

... Ich kann die Erscheinung eines menschlichen Leibes nicht begreifen außer durch die Annahme, dass er der Leib eines vernünftigen Wesens sei, heißt daher: Ich kann bei Auf-sammlung der Teile seiner Erscheinung nicht eher stille stehen, bis ich auf den Punkt ge-kommen bin, dass ich ihn als den Leib eines vernünftigen Wesens denken muss.

Ich will diesen genetischen Beweis strenge führen, d. i. ich will die Hauptmomente dessel-ben angeben. Ausführlich kann er hier nicht dargestellt werden. Er allein bildet eine eigne Wissenschaft, die Anthropologie.
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J. G. Fichte, Grundlage des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW Bd. III, S. 76f.
 



Nota. - Im Gefühl - in den Meldungen, die mir meine Sinneszellen machen - sammle ich ohnehin immer nur Mannigfaltiges; 'Teile' - von was? Von einem mutmaßlichen Ganzen, aber ob sie das sind, liegt nicht an ihnen selbst, sondern an der Vorstellung, die ich mir von diesem 'Ganzen' selbst gemacht habe, landläufig: vom Begriff. Ein Ganzes ist ein solches nicht an sich, sondern im Hinblick auf das, was ich mit ihm anzufangen können denke; nicht einmal 'will'; denn ob ich es will, muss ich erst noch entscheiden. Die Ganz-heit liegt im Zweckbegriff.

So weit, so gut. Das haben wir uns denken können, bevor wir aus der Transzendentalphi-losophie zur Rechtsphilosophie übergegangen sind. Die Frage ist nicht, ob wir aus den Bildern einzelner Körperteile - Arme, Beine, Rumpf und Kopf - die Gestalt eines ver-nünftigen Wesens zusammensetzen können; sondern - ob wir den Begriff eines vernünf-tigen Wesens haben. Und den haben wir spätestens, seit er uns bis zum Rechtsbegriff ge-führt hat.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Der springende Punkt ist, ab welchem 'Punkt' - logisch? historisch? - wir die Reihe vernünftiger Wesen nicht mehr nur als trans-zendentale Bedingung, sondern als faktisch gegeben annehmen können. Dann ist das Ver-nunftwesen apriori deduziert - und muss nicht von jedem Einzelnen aposteriori rekon-struiert werden. Aber ich fürchte, ich wiederhole mich. F. hat sich davor nicht gefürchtet.
JE, 24. 3. 21           

Sonntag, 14. Januar 2024

Das Übersinnliche ist Schema des Handelns.

                                                  aus Philosophierungen

Das Schema fürs Übersinnliche ist das Handeln. _______________________________________________________________________J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 113

 

Nota I. -  Im Übersinnlichen sind keine Dinge abgebildet, sondern das, was man mit ihnen tun kann. Die Begriffe der Dinge bezeichnen ihre möglichen Zwecke.
27. 7. 17

Nota II. - Bei Fichte stünde es umgekehrt? Ach!
JE, 1. 4. 21





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Samstag, 13. Januar 2024

Das intellektuelle Gefühl - eine bedingte Notwendigkeit.

                                                                  zu Philosophierungen

Es ist klar, daß dieses Gefühl nur mein Denken begleitet und nicht eintritt ohne dieses. – Daß das Gefühl eine Wahrheit geben solle, ist unmöglich und würde keinen Sinn haben. Es, dieses Gefühl der Gewißheit und Wahrheit, begleitet nur ein gewisses Denken.

Es ist klar, daß, wenn ein solches Denken die Bedingung der Vernünftigkeit selbst ist und das Gefühl der Gewißheit unabtrennlich einfaßt, alle Menschen über dieses Gefühl über-einkommen müssen und es jedem anzumuten ist, wenn es ihm auch nicht anzudemon-strieren wäre, welches in Absicht des Unmittelbaren überhaupt nirgends stattfindet. 

Es ist dieses Gefühl ein intellektuelles Gefühl.

Es ist dies der Grund aller Gewißheit, aller Realität, aller Objektivität.

Das Objekt ist ja nicht durch die sinnlichen Gefühle: denn auch diese sind nur Prädikate desselben, die schon ein Objekt, schon eine Erfassung dessen, was eigentlich nur subjec-tive
[sic] ist, voraussetzen. Es ist durch das Denken. – Drum ist dieses nicht ein bloßes Denken. Woher das in ihm entsprechende [sic]? Aus dem intellektuellen Gefühle. .../

Es begleitet das Denken, daß zu der Realisation des durch unsere moralische Natur uns gesetzten Zweck
[es] der absoluten Selbstständigkeit der Vernunft Annäherung möglich sei, und daß die pflichtmäßige Erfüllung unsrer Schuldigkeit in unsrer Lage, lediglich um der Pflicht willen, Bedingung der Annäherung sei.
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J. G. Fichte, Rückerinnerungen, Antworten, Fragen [S. 147/149]



Nota. - Unsere moralische Natur ist selbst nichts anderes als der Zweck der absoluten Selbstständigkeit der Vernunft, und 'gesetzt' hat ihn sich das Ich, indem es sich selbst gesetzt hat. Der Denkzwang ist nichts anderes als die Einsicht: Wenn es [bei der absoluten Selbstständigkeit bleiben] soll, dann muss ich [den folgenden Schritt tun...]. Die Notwendigkeit dieses Denkens ist durch mein absolutes Anfangen bedingt. Nicht formallogisch ist es notwen-dig (weil), sondern sachlogisch (um-zu).
JE, 20. 6. 18  

 

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Freitag, 12. Januar 2024

Bedingung der Möglichkeit. (II)

                                                            zu Philosophierungen

Gegenstand der Transzendentalphilosophie sind keine Sachverhalte, sondern allein Vor-stellungen. Sie sucht daher nicht nach wirkenden Ursachen, sondern nur nach Bedingun-gen von Möglichkeiten. Bedingung der Möglichkeit von Vorstellungen sind ihrerseits Vor-stellungen. Am unteren Ende der Bedingungsreihe findet sie das vorstellende Vermögen selbst. 

Ihr unabdingbares Apriori ist die Freiheit des Wollens. Sie muss angenommen werden, wenn Vorstellen möglich sein soll. Dass vorstellen geschieht, ist nicht notwendig. Wenn es aber geschah, dann aus freiem Wollen.

Das einzige, was Transzendentalphilosophie zu erweisen hat, ist dies: ob diese eine Vor-aussetzung genügt, um eine intelligible Welt vollständig zu erklären. Wenn ja, dann ist ihr System geschlossen.
31. 8. 22


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Donnerstag, 11. Januar 2024

Die Welt ist doch vernünftig.

                                                                   aus Philosophierungen

Eine Welt ist keine Gegend, sondern ein Horizont. Mit andern Worten, es gibt sie nur als Vorstellung. Nämlich als die Vorstellung von einer Gesamtheit aller möglichen Vorstellun-gen. Ob den Vorstellungen, die sie umfasst, jeweils etwas Objektives, unabhängig von meinem Vorstellen Daseiendes entspricht, ist damit noch nicht entschieden; sondern nur, dass sie in der Welt lediglich vorgestellt werden.

Nun gibt es Vorstellungen, die ich mit andern teile, und Vorstellungen, die ich nur für mich habe. Das sind pragmatische Bestimmungen: Es kommt jedesmal auf den Versuch an. 'Die Welt' ist die vorgestellte Gesamtheit aller Vorstellungen, von denen ich annehme, dass ein jeder Andere sie vernünftiger Weise teilen muss. Das ist eine Wechselbestim-mung: Sie mit allen andern teilen nenne ich vernünftig, und vernünftig ist das, was ich mit allen andern teile. 

Das wäre eine Tautologie, wenn ich es als vorgegeben annehmen wollte. Es ist aber im Gegenteil ein Problem, das in jedem Zweifelsfall immer wieder neu zu lösen ist: Man muss es drauf ankommen lassen. Manche Vorstellung hat sich als mit niemandem teilbar erwiesen. Ich kann sie ausmustern, aber ich kann sie auch für mich behalten. Und vieles, was ich mir vorstelle, geht einen andern sowieso nichts an, wozu also sollte ich es teilen? ;

'Die Welt' ist unsere Welt: die Welt der Vernunft. In dieser Welt lebe ich, und weil sie ein Horizont ist, sind ihre Grenzen mal enger, mal weiter - je nach dem, wie hoch ich meinen Standpunkt wähle. Doch in der Welt, in der ich lebe, gilt nicht überall, und nicht überall in gleichem Maße, Vernunft. In meiner Welt gelten auch Leidenschaften, Begierden und In-teressen; und wohl auch interesseloses Gefallen. Will mir da einer reinreden, muss er schon sehr gute Gründe nennen. Der Vernunft muss ich immer wieder - öfter, als mir manchmal lieb ist - nachgeben, denn immer wieder nehme ich sie selbst in Anspruch. Und manchmal kommt der Moment, wo ihre Ansprüche versagen; da muss man dann schauen, wer sich durchsetzt: Das heißt politisch.
1. 8. 16



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Natur- und Kunstprodukt.

                            aus   Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik Was ein organisiertes Naturprodukt sei und warum ...