katihuber zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
Den Zusammenhang
zwischen idealem und reellem Denken weiß nur die Philosophie, dem
gemeinen Menschenverstand ist beides eins. So verhält es sich überall,
wo sie die Duplizität des Denkens erkennt. So hier: Niemand fragt nach
dem Zusammenhange des Willens mit dem Körper. Darüber hat sich bislang
auch kein Philosoph gewundert, beides ist ihm ganz eins: Leib und Seele;
z. B. ich habe mich geschnitten. So mit dem vernünftigen Wesen außer
uns: Es ist da immer eine doppelte Ansicht von ihnen, ohne dass wir es
inne werden.
Ein gewisser Leib und
der Begriff eines vernünftigen Wesens sind in mir unzertrennlich
ver-einigt. Letzter ist doch nur ein Ideal, etwas Gedachtes; er denkt die
Vernunft in das Phäno-men hinein. Beides ist unzertrennlich vereinigt;
die erstere denke ich nur, mithin auch nur das letztere. Sie ist auch
etwas in mir, und letzteres ist auch das erstere, nur von der anderen
Seite. Dies stellt die transzendentale Philosophie deutlich dar.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 234
Nota. - So einfach ist "in Wahrheit" das sogenannte Leib-Seele-Problem. Der eine ist eine Abstraktion so wie die andere. Der Wissenschaftler hat sie beide hergestellt. Wieso stellt er - der, von dem er jeweils abstrahiert hat - sich mal auf den Standpunkt des einen, dann auf den Standpunkt des andern? Er ist das reelle Individuum und nur auf diesen Standpunkt ge-hört er hin.
JE, 17. 6. 21
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