Dienstag, 20. Oktober 2026

Ich hat kein Substrat.

Maria Reinfeld                      aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik 

Der Charakter der Vernünftigkeit besteht darin, dass das Handelnde und das Behandelte Eins sei und ebendasselbe; und durch diese Beschreibung ist der Umkreis der Vernunft als solcher erschöpft. -

Der Sprachgebrauch hat diesen erhabenen Begriff für diejenigen, die desselben fähig sind, d. h. für diejenigen, die der Abstraktion von ihrem eigenen Ich fähig sind, in dem Worte: Ich, niedergelegt. Darum ist die Vernunft überhaupt durch die Ichheit charakterisiert wor-den.

Was für ein vernünftiges Wesen da ist, ist in ihm da; aber es ist nichts in ihm, außer zufolge eines Handelns auf sich selbst. Was es anschaut, schaut es in sich selbst an; aber es ist in ihm nichts anzuschauen, als ein Handeln, und das Ich selbst ist nichts anderes, als ein Handeln auf sich selbst.*


*) Ich möchte nicht einmal sagen: ein Handelndes, um nicht der Vorstellung eines Substrats, in welchem die Kraft eingewickelt liege, zu veranlassen. - Man hat unter anderem gegen die Wissenschaftslehre so argumentiert, als ob sie ein Ich als ohne Zutun des Ich vorhandenes Substrat (ein Ich als Ding an sich) der Philosophie zum Grunde legte. Wie konnte man doch das, da die Ableitung alles Substrats aus der notwendigen Handelsweise des Ich etwas derselben Eigentümliches und ihr vorzüglich Angele/genes ist? 

Doch ich kann wohl sagen, wie man es konnte und musste. Diese Leute können ohne ein Substrat nunmal nichts anfangen, weil es ihnen unmöglich ist, sich vom Gesichtspunkte der gemeinen Erfahrung auf den Gesichtspunkt der Philosophie zu erheben. Sie beschenkten sonach mit dem Substrate, das sie selbr aus ihrem eigenen Vorrate mit hinzubrachten, die Wissenschaftslehre und züchtigten nun, nicht als ob sie die Irrigkeit der Sache selbst einge-sehen hätten, sondern weil Kant ein solches Substrat des Ich abweist, diese Wissenschaft für ihre eigene Unfähigkeit.

Sie haben ihr Substrat woanders - in dem alten Ding an sich, außer dem Ich. Dafür finden sie in dem Buchstaben Kants von einem Mannigfaltigen für die mögliche Erfahrung eine Berechtigung. Was dieses Mannigfaltige bei Kant sei und woher es komme, haben sie nie begriffen. Wann werden doch diese Leute aufhören, über Dinge mitzusprechrn, für die sich ihnen ihre Natur versagt?
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J. G. Fichte, Grundlage des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW Bd. III, S. 1f.    



Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.

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