zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
Aber anders verhält es
sich, wenn ich einer Veränderung in der Welt der Objekte zusehe, z. B.
dem Wachstum der Pflanzen. Dies ist auch eine Veränderung, die aber
nicht von mir ab-hängt; ich finde mich dann nur als dem Übergehen
zusehend.
Wie verhält sich nun das Übergehen meines reinen Wollens von seinem
Bestimmbaren zum Bestimmten? Es ist ohne unser Zutun;
denn wir selbst werden erst durch unser Übergehen. (Ich erscheine mir
als bestimmt, mich so oder so zu bestimmen.) Hier liegt die Idee unseres
Entstehens in der Zeit. Das Ich erscheint sich hier als bestimmt, sich
so zu bestimmen, wie es sich bestimmt, und das Übergehen wird hier nicht
als frei, sondern als notwendig ge-dacht. Es ist etwas Gefundenes. Diese
Bestimmtheit, die mein Hauptcharakter ist, besteht darin, dass ich
bestimmt bin, mich auf eine gewisse Weise zu bestimmen; sie besteht
ledig-lich in einer Aufgabe zu einem Handeln, zu meinem Sollen. Die
Bestimmung des Menschen ist nicht etwas, das der Mensch sich gibt,
sondern das, wodurch der Mensch Mensch ist.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 148
Nota. - Diese Bestimmtheit hat der Mensch sich als die Reihe vernünftiger Wesen aber längst selbst gegeben. Sonst wäre es ja nicht möglich, dass er sie auch verfehlen kann. Er mag sagen, er habe nicht anders gekonnt. Aber er wird es nicht gewollt haben.
JE, 29. 12. 16
Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE
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