zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
In wiefern das Ich in dieser Funktion des
Begriffs ideal ist, ist es doch gebunden. Die Entwerfung des Begriffs x
lässt sich nur so begreifen: Es ist der idealen Tätigkeit ein
Man-nigfaltiges gegeben, aus diesem setzt sie einen Begriff zusammen, sie
lässt liegen, was sie will, und fasst auf, was sie will, darin besteht
ihre Freiheit. Aber das Gegebene muss sie als gegeben anschauen, und
darin liegt ihre Gebundenheit.
Kurz, es ist hier ein
Übergehen von Bestimmtheit zum sich Bestimmen oder zur Bestimm-barkeit.
Die ideale Tätigkeit ist teils gebunden (bestimmt), teils frei. Die
Freiheit ist das Be-dingte und die Gebundenheit das Bedingende; ist
nichts gegeben, so kann nicht gewählt werden. So allein kann die
Entwerfung des Begriffs vom Zweck gedacht werden.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, S. 64
Nota. - Was dem Ich durch seine reale Tätigkeit gegeben erscheint, ist mannigfaltig. Aus dem Mannigfaltigen greift es Merkmale ('Definitionen') heraus, aus denen es sich einen Be-griff bildet. Welche das sind, steht ihm frei, doch den Begriff bestimmt es ipso facto als diesen. Insofern ist es frei. Aber aus dem mannigfaltig Gegebenen muss es wählen - inso-fern ist es gebunden. Sofern der Begriff 'gegeben' wird, muss es so wählen: Das ist der Denkzwang.
Merke: Die 'Merkmale' werden qualitativ, d. h. als irreduzibel, gefühlt. Dass sie zu Ein-em synthetisiert werden, ist der bestimmende Akt eines Urteils, und Sache der Einbildungs-kraft. Das ist das Freie an der idealen Tätigkeit, die auf die Anschauung des Gefühlten zu-rück geht. Das Gefühlte ist das Gesetzte und Zubestimmende, der Begriff ist das Bestimm-te.
JE
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