Freitag, 19. Juni 2026

Das Eine und Ganze.

                                                 zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Man muss die Vernunft als Ganzes auffassen, dann findet kein Widerstreit statt, dann ist die Natur ganz absolut durch sich selbst gesetzt als absolutes Sein, entgegengesetzt nur dem ab-soluten Ich. Diese Ansicht muss eine Naturwissenschaft nehmen.
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J. G. Fichte,Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 240 



Nota. -  Mit der Natur - nämlich allem, was in ihr wirklich vorkommt - beschäftigen sich die Wissenschaften. Sie ist, wie sie ist, und ohne Apriori, das ihr zugrunde läge. Die Vernunft nimmt sie so, wie sie ist, und das heißt: nicht anders, als sie erscheint. Die Vernunft ist reali-stisch. Auch gegenüber der selbstgemachten Geschichte der Menschen, die in ihr vorkom-men.

Ansonsten gibt es überhaupt nur die Sphäre des absoluten Ich, und das ist nichts anderes der Gang, den die Vorstellung genommen hat und nehmen musste, um Vernunft allererst hervorzubringen. Der Natur ist sie natürlich, als ihrem Gegenstand, entgegengesetzt und kommt in ihr nicht vor. Sie ist die Sphäre absoluter Tätigkeit.
14. 6. 19

 
 
Nota II. - Wie soll ich das anstellen: 'die Vernunft als Ganzes auffassen'? Vernunft ist überhaupt nur Tätigkeit. Als ein Ganzes kann ich sie mir nur als einen Ganzen vorstellen - nicht eine Tätigkeit, sondern einen Tätigen. Und der wäre, wie schon das Ich, ein Noume-non. Es mir real vorzustellen ist mir unbenommen. Aber es lässt sich daraus nichts folgern als... dass es eine Abstraktion ist, die keine Wirklicheit hat. 
 
Wie ist es aber mit 'der Natur'? Ist sie Eine, ist sie Ganz? Beides nur in der Vorstellung. Denn alle Natur kann ich nicht anschauen, will sagen: Wenn es auch Eins wäre, könnte ich es doch nicht anschauen - teils läge es an ihr, teils an mir. Ist sie durch sich selbst gesetzt? 'Gesetzt' ist sie für mich - aber durch wen oder was? 'Durch sich selbst' wäre ja wohl ein Willensakt, und den kann man ihr nicht zuschreiben. - Nein, mit der Natur ist es wie mit der Welt: Als Eine Ganze ist sie lediglich gesetzt in der und durch die Vorstellung.
 
Mit andern Worten, 'die Natur' alias die Materie ist schlechthin mannigfaltig, was immer ich mir auch vorstelle, denn sie ist unendlich und unbegrenzt, was philosophisch dasselbe ist, und das ist auch die Vernunft: Da sie von nichts umfangen wird, kann sie nichts Ganzes werden und zerfällt in Vielfalt - von Teilen oder von Akten
JE
 
 
Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE

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