Dienstag, 30. Juni 2026

Gesetz der relativen Überbevölkerung.

                                                                       aus Marxiana
 
Es zeigt sich hier das schon früher entwickelte Gesetz, daß mit der relativen Abnahme des variablen Kapitals, also der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit eine wachsend größre Masse Gesammtkapital nöthig ist, um dieselbe Menge Arbeitskraft in Bewegung zu setzen und dieselbe Masse Mehrarbeit einzusaugen. 

Im selben Verhältniß daher, wie sich die kapitalistische Produktion entwickelt, entwickelt sich die Möglichkeit einer relativ überzähligen Arbeiterbevölkerung, nicht weil die Produk-tivkraft der gesellschaftlichen Arbeit abnimmt, sondern weil sie zunimmt, also nicht aus einem absoluten Mißverhältniß zwischen Arbeit und Existenzmitteln oder Mitteln zur Produktion dieser Existenzmittel, sondern aus einem Mißverhältniß, entspringend aus der kapitalistischen Exploitation der Arbeit, dem Mißverhältniß zwischen dem steigenden Wachsthum des Kapitals und seinem relativ abnehmenden Bedürfniß nach wachsender Bevölkerung.
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K. Marx, Das Kapital III, MEGA II/15,  S
 
. 220f. [MEW 25, S. 232]   

 
 
Nota. - 'Überbevölkerung' entsteht, wenn die neu hinzugefügte lebendige Arbeit gegenüber der in der Maschinerie akkumulierten toten Arbeit eine nur noch verschwindende Größe darstellt - logisch gesprochen. Materiell ist das der Fall, wenn die hinzugefügte Arbeit, so produktiv sie auch sei, nicht mehr ausreicht, um eine Wertmasse zu schaffen, die mit dem am Markt bereits präsenten Kapital konkurrieren, nämlich selbst als neues Kapital fungieren könnte. Dann könnte nicht mehr akkumuliert werden und die Konkurrenz käme zum Erliegen; und damit die Wertproduktion selbst: Das wäre der Fall der Profitrate
 
Dieses  Gespenst hatte schon Adam Smith beunruhigt, der es gar nicht recht verstand. Marx hat es erklärt, aber wohlweislich lediglich als eine Tendenz der Kapitalproduktion ausgesprochen. Denn 'es gilt' vorerst nur logisch. In der historischen Wirklichkeit gibt es im 'Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion' tausend unvorhergesehene Fakten, die ihm immer wieder entgegenwirken - namentlich die unvermeidliche Entwertung des akkumulierten fixen Kapitals durch Krisen, Kriege und... den technischen Fortschritt, der letzthin jedes historische Maß überschritten hat.
 
Logisch stammt das Gespenst der Überbevölkerung aus einem Entwicklungsstadium der kapitalistischen Pruktionsweise, in der sie faktisch noch gar nicht möglich war.
 
Nota II. - Doch wenn es dieses Gesetz wirklich gäbe, müsste der reale Arbeitslohn unaufhörlich sinken, und aus dem Gesetz der relativen Überbevölkerung würde ein Gesetz der absoluten Verelendung des Proletariats. Wenn es also nach den Begriffen ginge...
JE 
 
 
Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE

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