Samstag, 13. Juni 2026

Bestimmen ist sich selbst beschränken.

                                            zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Bei dem, was im vorigen Paragraphen postuliert wurde, soll noch etwas bemerkt werden. Es war dort aufgegeben ein bestimmtes Handeln, [ein] einem anderen auch wohl denkbaren [Handeln] entgegengesetztes Handeln. Es wurde auf das Zustandekommen des Begriffs vom Ich achtgegeben und auf nichts anderes. Diese Einschränkung wurde bemerkt, und nur in dieser Bemerkung wurde man sich der Tätigkeit bewusst. Dieses Abziehen von jedem möglichen anderen Gegenstande und Hinrichtung auf ein Bestimmtes war eben diese Tätigkeit. So lässt sich alles Handeln denken als ein Einschränken in eine gewisse Sphäre. Alles Bewusstsein der Selbsttätigkeit ist ein Bewusstsein unseres Einschränkens unserer Tätigkeit. Nun kann ich mich nicht anschauen als beschränkend, ohne ein Übergehen von der Unbestimmtheit zur Bestimmtheit mit zu setzen, also ohne die Unestimmtheit zu setzen und dem Bestimmten entgegenzusetzen. Auf diesen Punkt kommt viel an.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo,
 
S. 35 

 

Nota. - Die WL gründet (sic) in der Vorstellung vom reinen Wollen als Ursprung und Voraussetzung der Selbstsetzung des Ich. Diese Vorstellung ist selber wohlbemerkt nicht begründet, sondern aufgefunden, aber aufgefunden nicht 'positiv', wie man über einen Gegenstand stolpert, sondern negativ, weil die kritische Analyse schließlich an einen Punk gelangte, wo vernünftiger Weise nichts anderes noch anzunehmen war, wenn die Vernunft letzten Endes in sich selbst begründet sein soll. Eine Petitio principii? Ja. Es ist zugegebener Maßen ein Postulat. Es muss sich durch seine Durchführbarkeit bewähren. Wenn von dieser - allein von dieser, ohne Zuhilfenahme irgend einer andern - das gegenwärtig von uns als gültig aufgefasste Vernunftsystem lückenlos rekonstruiert werden kann, dann... ist es hin-reichend begründet.

Die Wissenschaftslehre will sein diese vollständige Rekonstruktion.

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Das ist erst der Vorspruch zum eigentliche Eintrag, der nun aber kurz gehalten werden kann: Wenn das Ich im Grunde reines Wollen war - Wollen an sich -, dann konnte es in Raum und Zeit nur durch 'Tätigkeit an sich' erscheinen - was ein reiner Unfug wäre. In Raum und Zeit gibt es Tätgkeiten nicht an sich, sondern immer nur diese oder jene; nur eine je bestimmte Tätigkeit.Was zuerst als reine Tätigkeit vorgestellt werden sollte, muss nun als eine eingeschränkte, nämliche spezifische Tätigkeit vorgestellt werden. Wer oder was sollte sie aber eingeschränkt haben? Der Vorausetzung nach haben wir es immer noch nur mit der Agilität des Ich zu tun, etwas anderes kommt voraussetzungsgemäß noch nicht in Frage. 

Bestimmen der Tätigkeit kann nur gedacht werden als Selbstaffizierung, als Selbstbeschrän-kung des reinen Wollens.
JE


Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE

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