zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete VernunftkritikMan denkt nicht deutlich und kann nichts deutlich denken, ohne sein Gegenteil zugleich mitzudenken.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982 , S. 36
Nota. - Omnis positio est negatio? - Omnis negatio est positio.
Im spinozischen Original ist nicht von positio, sondern determinatio die Rede: 'Jede Be-stimmung ist Verneinung'. Das geht nur, wenn man die möglichen Bestimmtheiten als vorgegeben auffasst: als ob sie in einem Setzkasten vorrätig wären und die eine nicht das bedeuten kann, was alle anderen bedeuten. Will sagen: Der Umfang aller möglichen Be-stimmungen ist gegeben.
Es impliziert einen obersten Bestimmer, der für alles im Voraus gesorgt hat. Wenn ich den nicht voraussetze, ist der Satz so nicht möglich.
Ich müsste stattdessen vom Gegebenen - positum - reden: Ich kann nichts (Gegebenes) deutlich denken, ohne sein Gegenteil zugleich mitzudenken. Das Gegebene ist keine be-stimmte Menge, sondern Alles, dem ich in der Welt begegnen könnte - und das ist unend-lich viel. Wenn ich eines aus dieser unendlichen Menge als dieses und kein anderes be-stimmen will, geht es nur so, dass ich in dieser Menge ein schon in seiner Eigenheit be-stimmtes Partikel auswähle und sage: Genau das ist es nicht.
Mindestens ein Positum muss immer als dieses und kein anderes vorangestellt werden, wenn ich irgend ein anderes Gegebenes als dieses und kein anderes bestimmen will.
Das alles wäre ganz sinnlos, wenn alles bestimmt oder alles unbestimmt wäre. Es hilft nichts: Irgendwo muss man mit dem Bestimmen anfangen. Und irgendwer musste mit dem Bestimmen angefangen haben; ohne den gehts nicht.
Und auch dieses noch: Was nicht gesetzt war, kann nicht verneint werden, und was als dieses verneint wurde, ist ipso facto als dieses gesetzt.
JE
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