Donnerstag, 13. August 2026

Arbeit und Arbeitskraft; Tausch- und Gebrauchswert.

                                            zu Marxiana

Das Arbeitsvermögen unterscheidet sich als Gebrauchswert spezifisch von den Gebrauchs-werten aller andren Waren. Erstens dadurch, daß es als bloße Anlage in der lebendigen Leiblichkeit des Verkäufers, des Arbeiters, existiert; zweitens, was ihm einen von allen and-ren Gebrauchswerten durchaus charakteristischen Unterschied aufprägt, daß sein Ge-brauchswert — seine wirkliche Verwertung als Gebrauchswert, d. h. seine Konsumtion — die Arbeit selbst ist, also die Substanz des Tauschwerts, daß es die schöpferische Substanz des Tauschwertes selbst ist. Seine wirkliche Vernutzung, Konsumtion, ist Setzen des Tauschwerts. Tauschwert zu schaffen ist sein spezifischer Gebrauchswert. /

Als Ware jedoch hat das Arbeitsvermögen selbst einen Tauschwert. Es fragt sich, wie diesen Wert bestimmen? Soweit eine Ware unter dem Gesichtspunkt des Tauschwerts betrachtet wird, wird sie immer betrachtet als Resultat der produktiven Tätigkeit, die zur Erzeugung ihres Gebrauchswertes erheischt ist. Ihr Tauschwert ist gleich dem Quantum in ihr aufgear-beiteter, vergegenständlichter Arbeit, deren Maß die Arbeitszeit selbst ist. Als Tauschwert ist jede Ware von der andren nur quantitativ unterschieden, der Substanz nach aber ein gewisses Quantum der gesellschaftlichen Durchschnittsarbeit; der notwendigen Arbeitszeit, die erheischt ist, um diesen bestimmten Gebrauchswert unter gegebnen Produktionsbe-dingungen zu produzieren, also auch zu reproduzieren. 

Der Wert des Arbeitsvermögens wie der jedes andren Gebrauchswerts ist also gleich dem Quantum in ihm aufgearbeiteter Arbeit, der Arbeitszeit, die erheischt ist, um das Arbeits-vermögen zu produzieren. (Unter gegebnen allgemeinen Produktionsbedingungen.) Das Arbeitsvermögen existiert nur als Anlage in der lebendigen Leiblichkeit des Arbeiters. Die Produktion des Arbeitsvermögens, sobald es einmal als gegeben vorausgesetzt ist, löst sich wie die Produktion alles Lebendigen in Reproduktion auf, in Erhaltung. Der Wert des Arbeitsvermögens löst sich also zunächst auf in den Wert der Lebensmittel, die nötig sind, um es zu erhalten, d. h., um den Arbeiter als Arbeiter am Leben zu erhalten, so daß, wenn er heute gearbeitet hat, er fähig ist, denselben Prozeß unter denselben Bedingungen am andren Morgen zu wiederholen.

Zweitens: Eh' der Arbeiter sein Arbeitsvermögen entwickelt hat, ehe er fähig ist zu arbeiten, muß er leben. Soll also, wie vorausgesetzt ist, damit sich das Geld zum Kapital entwickle, damit das Kapitalverhältnis stattfinde — soll also das Kapital beständig auf dem Markt, innerhalb der Zirkulation, Verkäufer ihres eignen Arbeitsvermögens vorfinden, so ist es nötig — da der Arbeiter sterblich ist —, daß er außer seinen eignen Lebensmitteln genug Lebensmittel erhält, um die Arbeiterrace fortzupflanzen, zu vermehren oder allermin-destens auf ihrer gegebnen Höhe zu erhalten, so daß die dem Markt durch Untauglichkeit oder Tod entzogenen Arbeitsvermögen durch frische ersetzt werden. Mit andren Worten: Er muß hinlänglich Lebensmittel erhalten, um Kinder solange zu ernähren, bis sie selbst als Arbeiter leben können. Der Arbeiter — um ein bestimmtes Arbeitsvermögen zu entwi-ckeln, um seine allgemeine Natur so zu modifizieren, daß sie zur Ausübung einer bestimm-ten Arbeit fähig wird — bedarf einer Übung oder eines Unterrichts — einer Erziehung, die je nach der besondren Art produktiver Arbeit, die er erlernt, mehr oder minder selbst be-zahlt werden muß, also auch in die Produktionskosten des Arbeitsvermögens eingeht. 
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K. Marx, Ökonomisches Manuskript von 1861-63, in Marx-Engels-Werke Band 43, Berlin 1990
, S. 38f

 

Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

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