Sonntag, 2. August 2026

Anschauen ist Nachbilden.

 G. Lange Giotto lernt zeichnen                     zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Alles Anschauen ist ein Nachbilden.
J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 40 

Das Anschauen [ist,] im Gegensatz mit dem Gefühle, Tätigkeit
ebd., S. 81 

Im Gefühle ist Tätigkeit und Leiden vereinigt; in wiefern das erste vorkommt, hat es Bezie-hung auf das Ich; in wiefern aber das zweite vorkommt, auf ein NichtIch, aber im Ich wird es gefunden, das Gefühl ist faktisch das erste Ursprüngliche. 
ebd., S. 68  

 

Für Kant ist Anschauung nur ein anderes Wort für Sinnlichkeit: reine Rezeptivität. Nicht so für Fichte. Bloß rezeptiv ist für ihn nicht einmal das Gefühl, denn wenn das Ich sich selbst fühlt, fühlt es seine Tätigkeit. Bloß leidend ist das er Fühlen eines NichtIch. Doch dabei kann es nicht bleiben: Der Schluss vom Gefühl auf einen Gegenstand, der es verursacht, ist eine Anschauung - ein erster Akt von Reflexion: eine Art von Nachbilden in der Vorstel-lung.

Es ist dies keine Folge in der Zeit, sondern geschieht uno actu: Es wird nicht gefühlt ohne anzuschauen. Die Unterscheidung geschieht erst durch Reflexion.
JE


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