Mittwoch, 11. Juni 2025

Quantität bedeutet bei Fichte Teilbarkeit.

                          
Vergleich mit dem Compendio §§ 2 et 3.                   aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Hatten wir hier [Grundlage...] etwas postuliert, so wäre es das Erkenntnis überhaupt des Über-gehens vom Ich zum Vorgestellten. Dass diese Erkenntnis, dies Objektive bestimmt sein müsse, ist in der Anschauung nachgewiesen. Aus dieser notwendigen Bestimmtheit ist Be-stimmbarkeit und aus dieser das NichIch deduziert.  

In diesem Stücke nun [WL nova methodo] ist der beobachtete Gang völlig umgekehrt. Es wird das ausgegangen vom Entgegensetzen des NichtIch, und es wird postuliert als absolut (§2). Aus diesem Entgegensetzen wird das Bestimmen abgeleitet (§3). Beide Wege sind richtig; denn die notwendige Bestimmtheit des Ich und das notwendige Sein des NichtIch stehen im Wechsel. Man kann von einem zum andern übergehen. Beide Wege sind möglich.

Aber gegenwärtiger hat die Vorzüge: Die Bestimmtheit des Ich ist zugleich Verbindungs-mittel zwischen Ich und NichtIch. Was nach der gegenwärtigen Darstellung Verhältnis zwischen Bestimmtheit und Bestimmbarkeit genannt wurde, heißt im Buch Quantität, zu-weilen auch Quantibilität. Dies hat zu Missverständnissen Veranlassung gegeben. Quantität hat eigentlich nur das Setzende. Aber davon ist hier noch gar nicht die Rede. Der 3. Para-graph würde jetzt der 2. sein, und umgekehrt. Mit dem NichtIch ist abermal[s] ein anderer Weg eingeschlagen worden, das NichIch ist nicht unmittelbar, sondern mittelbar postuliert worden.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, S. 44   


Nota I. -  Die erste Darstellung der Wissenschaftslehre - Grundlage der gesamten Wissen-schaftslehre - war 1793/94 entstanden als Begleittext zu Fichtes Vorlesung an der Universi-tät Jena und wurde bogenweise an die Studenten ausgegeben. Dass mit dieser Verfahrens-weise keine geschlossene Darstellung zu erreichen ist, war zu erwarten. Fichte war sehr bald mit dieser ersten umfassenden Ausarbeitung unzufrieden. Erst 1798 lag mit der WL nova methodo eine neue vollständige Darstellung vor, jedenfalls so weit, dass Fichte sie als Vorle-sung vortragen konnte.

Eine schriftliche Ausarbeitung ist nicht mehr zustande gekommen, weil Fichte in Folge des Atheismusstreits zu der Überzeugung kam, dass seine Philosophie in der breiten Öffentlich-keit immer absichtlich oder unabsichtlich missverstanden werden würde, und sich seither auf den mündlichen Vortrag der WL beschränkte. Von der WL nova methodo liegt auch kein eigenhändiges Manuskript vor. Der hier veröffentlichte Text ist die Nachschrift eines Hörers. Es wird nicht jede Silbe authentisch sein. Doch wo immer die Grundlage von 1793 /94 Anlass zu Zweifeln gibt, kann dieser Text als ausschlaggebende Erläuterung gelten.
24. 4. 16

Nota II. - Quantität wird umgangssprachlich als Gegensatz zu Qualität gebraucht in der semantischen Hinsicht, dass bei Quantitäten von der Qualität abgesehen wird; aber sachlich kommt es eher darauf an, dass umgekehrt Qualitäten nicht quantifizierbar sind. Denn sach-lich ist der Gegensatz zur Qualität vielmehr die Relation, die Bedingtheit durch faktische Umstände, wozu sowohl Vielheit als auch Teilbarkeit gehören. Qualitäten stehen zu nichts in Relation, sind ohne Bedingung und unteilbar.
JE

 

Dienstag, 10. Juni 2025

Die praktische Tätigkeit des Subjekts ist objektiv.

                                    zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkriti

Dies ist nun, worin alles Bewusstsein enthalten ist
[,] und woraus es deduziert wird, ist aufge-zeigt: das Subjektive, das sich selbst Setzende, und das Objektive, die praktische Tätigkeit, und das eigentlich Objektive, das NichtIch. 

_______________________________________________________________________J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 63



Nota I. - Dass das 'eigentlich Objektive' das NichtIch sei, versteht sich; dass aber auch die praktische Tätigkeit, nämlich keine andere als die des Ich, nicht zum Reich des Subjektiven, sondern, weil sie ja doch immer auf ein Nichtich geht, dem Reich des Objektiven zugerech-net wird, ist bemerkenswert genug, um hier hervorgehoben zu werden.

Es ist in der Wissenschaftslehre ja nicht die Rede von der Wirklichkeit selbst, sondern da-von, wie sie im Bewusstsein vorkommt. Denn dass realiter die Tätigkeit und nicht das 'Sein', schon gar nicht das Sein eines 'Ichs', das einzig Objektive ist – versteht sich wiederum von selbst.
3. 12. 15

Nota II. - Fichte hatte seine kantianischen Zeitgenossen mit der Frage verwirrt, ob etwas apriori sein können, das nicht zuvor aposteriori war, und umgekehrt. Die stellten sich arglos vor, es gäbe in der Welt ein Reich des Apriori und eines des Aposteriori, und was zu dem einen gehört, gehöre nicht zu dem andern.

Und ebenso meint der Dogmatiker, auch wenn er sich einen Kantianer nennt, es gebe ein Reich der Objektiven und eines des Subjektiven, und was zu dem einen... usw.

Fichte entgegnet, es käme ganz darauf an, von welche Seite her man auf die Frage gestoßen ist. Wer vom Großen Ganzen - dem vollendeten System - 'top down' hinabsteigt, dem be-gegnet das Apriori allerdings vor dem mannigfaltigen Aposteriori. Wer aber beim Mannig-faltigem 'bottom up' angefangen hat, der findet das Apriori, das Große Ganze, erst nach dem Aposteriori.

Wer transzendentalphilosophisch, nämlich vom Gesichtspunkt des sich-selbst-setzenden Ich in die Welt eintritt, dem scheint das Subjektive als das Primäre, das Objektive als das Hinzutretende. Wer sich - der Reflexion ist das so möglich wie erlaubt - auf den Standpunkt des unbeteiligten Dritten stellt und auf das Ich in der Welt schaut, dem erscheinen sie beide als objektiv; nur eben der eine als tätig, die andere als leidend. Das Tätige mag er, so objek-tiv es ihm erscheint, als das Subjektive in dieser Konstellation auffassen und die toten, un-beweglichen Dinge als das Objektive. Dann allerdings erscheint ihm die Tätigkeit des Ich als 'ein klein bisschen objektiver' als jenes - denn er betrachtet sie als eine Synthesis: als eine Ver-einigung zweier ursprünglich Getrennter. 

Vom 'apriorischen' Standpunkt des Gesamtsystems erscheint aber das lebendige Tun als das Ursprüngliche und eigentlich Wirkliche, während die Scheidung in Subjekt und Objekt eine nachträgliche Zutat der Reflexion ist. Es sind nicht die Ingredienzen, die 'ihre Stellung wech-seln' oder gar die Begriffe, die ineinander "umschlagen". Es ist lediglich die Intelligenz, die mal von dieser, mal von jener Seite aus auf ihren Gegenstand zugeht. Was auf den ersten Blick und unsortiert Schwindel erregen mag, erweist sich aus der Nähe und im Detail als recht prosaisch. - 

Und, das muss man zugeben, in der Darstellung sogar als pedantisch. In der sinnlichen Wirklichkeit, in der wir nun einmal leben, begegnet uns unmittebar immer nur Mannigfal-tiges, und da muss jedes Stück für Stück inventarisiert und unter Begriffe sortiert werden. Das ist kleinteilig und wenig unterhaltend. Es ist auf die Dauer aber sicherer, als über die Einzelnen hinwegzugleiten wie auf einer Bananenschale.

JE, 13. 12. 21

 

Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.
JE

Montag, 9. Juni 2025

Ist die Absolutheit der Lichtgeschwindigkeit theoretisch verbürgt?

  Hackmesser                                                                                zu

Albert Einstein erkannte, dass durch diese Grenzgeschwindigkeit Raum und Zeit untrennbar zur Raumzeit verknüpft sind und dass dadurch c die maximale Geschwindigkeit für kausale Zusammenhänge (Ursache-Wirkung-Beziehungen) ist. Kein Signal, keine Information kann schneller übertragen werden. Dies ist die Grundlage seiner speziellen Relativitätstheorie.
wikipedia 

Ein Relatives gibt es nur, wenn es ein Absolutes gibt, an dem ich es messen kann. Das Ab-solute bestimmt das Relative, das Relative ist durch das Absolute bedingt. Ist das eine unver-änderlich und das andere veränderlich, gibt dieses den Maßstab für jenes. Die Maßeinheit wird willkürlich gesetzt.

Ist es eine bloße Erfahrungstatsache, dass nichts schneller ist als das Licht? Ohne sie könnte man sie nicht als konstant setzen und andere Geschwindigkeit zu ihr und ipso facto zuein-ander in ein Verhältnis bringen. 'Relativistisch' wäre dies dann auch in dem Sinne, dass es bedingt ist durch ein empirisches Datum, das als solches zufällig ist und theoretisch in je-dem Moment widerlegt werden könnte.

Pragmatisch kann man sagen: Solange das nicht geschehen ist, sind wir berechtigt, die Licht-geschwindigkeit als absolut aufzufassen - einstweilen. Alle physikalischen Modelle, die dar-auf beruhen, wären insofern nur hypothetisch. Alles könnte sich als ganz anders entpuppen.

Wie dem auch immer sei: Die Lichtgeschwindigkeit ist nur dann und nur darum Maßstab der Zeit, wenn und weil die einer messen will. Die Zeit kann einer nur messen wollen, der altert und sterben wird. Das ist kein Absolutum, sondern ein Relativum. Die ontologische Frage nach einem wahren Sein hat sich damit erledigt. Was übrigbliebe von der Absolutheit der Lichtgeschwindigkeit, wäre ein wissenslogisches Postulat jusqu' à nouvel ordre: Das ganze relativistische Weltbild hängt davon ab. 

Ich kann nicht erkennen, was für sie anderes gelten sollte als für andere sog. Naturkon-stanten. 

Seit er entdeckt wurde, schien es, als verginge während des Quantensprungs keine Zeit. Nämlich wenn die Mes-sung genau sein sollte. Eine Zeit konnte nur bei ungenauer Messung beobachtet werden. Das erinnerte an die Vorstellung, dass es das Messen selber sei, dass die Unschärfe unvermeidlich mache. Inzwischen hat sich das My-sterium auf die schlichtest mögliche Weise gelichtet; die Messinstrumente waren zu grob. Inzwischen sind sie fei-ner.

Angenommen aber, es ließe sich nie und nimmer messen.

Messen lässt sich nur, was sich quantifizieren lässt - das ist eine Tautologie. Doch nichts an-deres bedeutet die Aussage, Lichtgeschwindigkeit sei zugleich Signalgeschwindigkeit. Wenn sie ein und dieselbe Größe sind, lassen sie sich nicht durch einander messen. 

Ein Signal ist ein solches nur für den, der es empfängt und versteht. Menschen suchen gera-dezu danach, und das Werk des Entzifferns macht die Hälfte der Arbeit des Naturwissen-schaftlers aus. Doch die Natur ist nicht zum Zweck der Wissen-schaft zur Welt gekommen. 

Messen ist aber eine menschliche Tätigkeit. Dass die Möglichkeit, vom Menschen affiziert zu werden, Bestimmungsgrund von Sein wäre (esse est percipi), ist der pp. ontologische Elementarsatz der Transzendentalphilosophie. Darüber hat eine Naturwissenschaft aber keine Aussage zu machen; was nicht auf einer Erfahrung be-ruht, ist kein reelles Wissen, sondern Spekulation und bedarf anderer Kredentialien, als das Labor bietet.


Nachtrag. Wenn sich unterhalb der Lichtgeschwindigkeit nichts messen lässt, hat die Frage, "ob die Zeit gequantelt ist", keinen Sinn. Denn dass sie verläuft, ist ihre elementare Eigen-schaft. Messen lässt sie sich, weil sie zwischen Punkten verläuft. Doch wären - würden - keine Punkte gesetzt - hörte sie dann auf, zu verlaufen?  Sie ist substans, ein Punkt ist ein acci-dens. Dass die Lichtgeschwindigkeit gequantelt ist, beweist für die Zeit nichts. Diese ist es 'an sich', die Zeit ist es auch als Erscheinung nur, wenn ich sie quantle.

Leben hat einen Anfang und ein Ende - das ist die erste - oberste, unterste? - Bestimmung der Zeit. Nur ihretwegen wollen wir irgendetwas messen. Und alles, was erscheint, trifft auf mich als den, der es misst.

Henri Bergson hatte ganz Recht. Le temps vécu ist der Urheber der objektiven Zeit; wie alles andern Objektiven auch. 
JE

 

 

Sonntag, 8. Juni 2025

Abstrakt vorstellen.

 fotocommunity  

Logisch ist Reflexion die Umkehrung von Abstraktion. Die Welt der Logik besteht in Schichten, man steigt durch sie genausogut von unten nach oben wie von oben nach unten. Es kommt darauf an, wo man anfängt: Bottom up oder top down?

Denn das Material, dem Logik seine - ihre! - Form gibt, besteht aus Begriffen. Nicht nur die Richtungen von oben nach unten und von unten nach oben sind gleich-gültig; sondern auch von Rechts nach Links und von Links nach Rechts; weitere Dimensionen haben sie nicht, sie liegen reglos über- und nebeneinander, wie in einem Regal.

Das logische Weltbild wurde siegreich in der Welt, weil es klar und bestimmt ist. Es ist über-sichtlich und wohlgeordnet, Alles lässt sich untrüglich an seiner ihm bestimmten Stelle auf-finden. 

Das kann man von der Welt, wie ein unbefangener Erdenbürger sie sich vorstellen würde - würde: denn unbefangene Erdenbürger gibt es nicht -, nicht sagen. Vorstellungen sind nicht definiert - eingegrenzt - wie Begriffe, sondern gehen wie Bilder verschwimmend in einander über: Wo genau einer eine Grenze zieht, ist ihm nicht vorbestimmt, wo was an welcher Stel-le steht, muss man suchen - und kann darüber streiten.

Die Welt der Vorstellungen ist ein auf der Spitze stehender Kegel. Nach unten in die Spitze - sie steht auf einem Punkt - wird's immer dichter, nach oben geht's in die Breite. Der Sinn hat eine Richtung; von unten einen Drang nach oben, von oben zieht ein Sog: der Sinn wird immer mannigfaltiger oder differenzierter, und zugleich immer vager. Und der Kegel hat wohl in der Spitze eine Singularität als Anfang, aber nach oben kein Ende. Da wird es im-mer weiter und unbestimmter.  

So müssen wir sagen, weil unsere Wörter im logischen System großgeworden sind: Ein jedes will mehr oder weniger einen Begriff vorstellen. In Bildern reden darf die Kunst, das Positive gibt es nur in Begriffen. 

Doch dem Begreifen ging historisch und genetisch das Vorstellen voraus. Es konnte nicht ausbleiben, dass sich die Vernunftkritik zu den Gründen des Verstehens zurückwendete. Und sich das, was im logischen System als Begriffspyramide erscheint, im Vorstellen zu einem Trichter umkehrte. Was beim Abstrahieren als ein sich weitender Aufstieg erscheint, verdichtet sich beim Vorstellen zu Bohren in die Tiefe. 

Doch anders als die Abstraktion lässt es sich nicht umkehren. Reflektieren wird erst durch Begriffe möglich. In der Vorstellung sprudelt der Reichtum; Begriffe trennen die Spreu vom Weizen.    

PS. Das obige Foto zeigt Ihnen auch, dass einer den Funken des Geists entzündet haben muss. Die Begriffe tun aber so, als wären sie von selber da.


 

 

Samstag, 7. Juni 2025

Vernunft ist die Überkompensation eines Verlustes .

                                                                         zu Philosophierungen

Die Bedeutungen der Urwaldnische waren an den Erhaltungswert gebunden.
Der Mangel an Bedeutungen in der offenen Welt ist nicht an den Erhaltungswert gebunden.

aus e. Notizbuch, Frühjahr 10

Das ist der Schlüssel zum Verständnis der Hominisation und der Schlüssel zum Mysterium der Vernunft. Nicht der Verstand ist das spezifisch Menschliche; tierische Intelligenzen rei-chen da nah heran. Hinzu kam die Fähigkeit, Zwecke zu setzen: wahrnehmen und wägen von Werten: Vernunft. 

Wertnehmen ist das Erfinden von etwas vorher-nie-Dagewesenem. In der Umwelt des Tie-res gibt es nur einen Wert - Erhaltung; also keinen: von Werten kann erst die Rede sein, so-bald ich wählen kann. Doch gegeben war nun auch der nicht mehr. Aber geführt werden musste das Leben, weil die 'Welt' in der Savanne offen war. Das war die Stunde der produk-tiven Einbildungskraft. Musste sie entstehen? Nein, aber sie konnte. Und dass die Familie Homo bis heute überlebt, bezeugt, dass sie entstanden ist.

31. 10. 14 

Dass der Mensch ein Mängelwesen ist, ist nichts Ursprüngliches: Es ist eine erworbene Eigenschaft. Andere Gattungen haben sich über Hunderte von Generationen in die Um-weltnische eingepasst, die sie bewohnen, und haben dabei nicht nur sich, sondern auch sie verändert. So auch die Vorfahren des Menschen im Urwald des Ostafrikanischen Grabens.

Doch dann haben unsere Vorfahren ihren Urwald verlassen und sind in eine offene Welt ausgebrochen, für die ihre überlieferten Anpassungen nicht mehr taugten. Die Plastizität des Menschen ist ein erworbener Mangel: ein Verlust. Die neu zu erfindenden Bedeutun-gen der Dinge in der Savanne waren nicht negativ vorbestimmt als die Gegenteile von Die-sem oder Jenem, sondern waren un bestimmt - oder bestimmt als ein Feld, indem alles erst noch zu bedeuten war. Was er vorfand, war allgemeiner Mangel an Bedeutung - oder allge-meine Fraglichkeit.
13. 4. 22 



Nota - Obige Bilder gehören mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE

Freitag, 6. Juni 2025

Das Sehen ist Schema der Idealität.

Joshua Reynolds          zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Man bestimmt ursprünglich den Ort eines Dinges im Raume nach Gutdünken, oder wie man sich ausdrückt: nach dem Augenmaße. Der Maßstab liegt unmittelbar im Auge, ich fasse einen größern und kleinern Raum auf und messe den ersteren durch den letzten, ich berechne, was für ein Quantum Sehens es bedürfte bis da oder dort hin. 

Aber hat das Sehen Quantität? Es ist doch wohl etwas Absolutes, wenn es als äußeres Sche-ma der inneren Idealität betrachtet wird! Aber beim Raumbestimmen ist auch nicht das blo-ße Sehen, sondern das Anschauen einer Linie, die ich ziehen müsste, um an den Ort zu kom-men. 

Diese Linie beschreibe ich nun so: Ich schätze mein Streben, wieviel Kraft/aufwand ich anwenden müsste, wie oft ich mich aus meiner Stelle bewegen müsste, um in dem Ort zu sein, in dem sich das Objekt befindet. (Der Maßstab ist ohnstreitig der Schritt, vorausge-setzt, dass ich mich mit jedem Schritt ganz von der Stelle bewege und in eine neue Stelle eintrete.) Hier bekommen wir den ersten merklichen Punkt, wo die notwendige Beziehung der Vorstellung auf unser praktisches Vermögen dargestellt ist.

5. Das Bestimmende und Bestimmte sind synthetisch vereinigt. Ich kann nichts in den Raum setzen, ohne mich drein zu setzen, und ich kann mich nicht drein setzen, ohne andre Dinge hinein zu setzen; indem ich mich nur setze, in wiefern ich Dinge setze.
_______________________________________________________________________J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 121f. 



Nota I. - Das Sehen ist das Schema der Idealität: gr. idein = sehen. Ebenso ist Tätigkeit das Schema des Vorstellens - und jeder anderen Leistung des praktischen Vermögens. Dass dieses Praktische ganz hand- bzw. fußgreiflich zu verstehen ist, beweist das Beispiel des Schritts. Als Schema ist es freilich ein Absolutes, nämlich Noumenon.  
19. 11. 16

Sehen ist bilden.

nach Rudolpho Duba, pixelio.de

In den späteren Darstellungen der WL erscheint das 'Sehen' als ein ursprüngliches Bilden [WL '13]. 

...aber das Bild ist immer ein Bild von Etwas: von dem, was im Bild dargestellt ist. Dies meint Fichte mit 'Sein', aber eben nicht, realistisch, eines, das dem Bilden als sein Vor-Bild zugrunde gelegen hätte; terminus a quo; sondern eines, das, nachdem es einmal gebildet ist, nicht anders angeschaut werden kann, denn als ob es schon immer hätte 'da sein' müssen: terminus ad quem. Es ist das, was schlechterdings sein sollte: "Die Wahrheit ist kein Fak-tum, keine Sache oder bloße Gegebenheit, sondern etwas, das schlechthin sein soll. Sie fordert ihre allseitige Verwirklichung; und nur, wo sie bejaht wird, verwirklicht sie sich." Reinhard Lauth, Die absolute Ungeschichtlichkeit der Wahrheit, Stgt. 1966, S. 39f. 
 
aus e. Notizbuch, in den 90ern
 
Nota II. - So müsste man Fichte vor 1800 auffassen; später nicht mehr. 
Juni 2014

Nota III. - Ob ein angeschautes Bild (da) sein soll, darüber entscheidet nicht die Einbil-dungskraft selber, sondern das Urteilsvermögen; der Teil der Einbildungskraft, der sich 'gegen sich selbst' wendet.

Aug. 2015

Nota IV. - Bestimmen ist das Einbilden von Qualitäten: So habe ich es vor langem zusam-mengefasst. 'Real' nennt Fichte das Bild, das die Anschauung entwirft: "setzt". 'Ideal' ist die Reflexion darauf: das Qualifizieren des Angeschauten. 
JE 27. 4. 22

 

Nota. - Lieber Leser, Sie mögen sich an den vielen sachlichen Wiederholungen der letzten Wochen gestört haben. Ich bin damit beschäftigt, verstreute Bemerkungen zu einem jewei-ligen Komplex zusammenzustellen: Derselbe Gedanke bekommt in unterschiedlichen For-mulierungen verschiedene Färbungen - und das ist ein Fortschritt im Bestimmen - nicht beim Umfang, aber in der Schärfe. JE

Das Ich auf frischer Tat ertappen.

fotocommunity                         zu   Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik Das Ich selbst macht durch sein Handel...