Dienstag, 26. Mai 2026

Ein Trieb kann nur gefühlt werden, in wiefern er nicht befriedigt wird.

 L. Sauer                                                zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Ein Trieb kann nur gefühlt werden, in wiefern er nicht befriedigt wird. Aber der Reflexions-trieb wird allenthalben befriedigt. Man muss ihn sorgfältig unterscheiden von den Triebe nach reeller Tätigkeit, welcher oft nicht befriedigt wird.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, S. 79

 

Nota. - 'Trieb' hat bei Fichte keine biotische oder vegetative Konnotation, wie bei seinem verirrten Schüler Schopenhauer und dessen heimlichen Schüler Freud. Er ist die versinn-lichte Gestalt des reinen Willens, der als bloßes Noumenon nicht von meiner, sondern nur von der intelligiblen Welt ist. Als Trieb ist das Wollen nicht als 'rein', sondern schon immer als bestimmt und gerichtet vorgestellt. In der Grundlage... wird er auch als Streben beschrie-ben und hat mit dem reinen Wollen nur noch dies gemein, dass auch es als stetig und unend-lich aufgefasst wird  - nämlich auch, wenn es, als Reflexionstrieb, allenthalben Befriedigung findet; aber nur momentane, denn der irdische Trieb nach reeller Tätigkeit erneuert ihn je-derzeit, ob er nun Erfüllung findet oder nicht. Der spezifische Unterschied ist nämlich: dass der Trieb nach reeller Tätigkeit gefühlt und also angeschaut werden kann - sofern er nämlich nicht befriedigt wurde.
JE 


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