Myron zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
Wollen ist zuförderst ein
selbsttätig Bestimmen, alles Bestimmen ist durch die Einbil-dungskraft
vermittelt, es ist ein tätiges Bestimmen zu einem Zweckbegriffe. Sonach
ist der ganze Begriff des Wollens sinnlich, alles Wollen ist
Erscheinung, das reine Wollen wird bloß als Erklärungsgrund
vorausgesetzt, es ist in unserer Vorstellung und Sprache nicht zu
fas-sen. -
Absolute Selbstheit, Autonomie,
Freiheit, alles ist gleich unbegreiflich. Die Freiheit lässt sich nur
negativ beschreiben, durch nicht-Bestimmtwerden.
_________________________________________________________
J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 213
Nota. - Wenn man überhaupt von einem An-sich reden könne, dann wäre es das reine Wollen,
hatte es zuvor geheißen. Nicht freilich als ein metaphysisches Subjekt
vor aller Erscheinung, sondern als bloßes Gedankending: Noumenon.
Wozu ein solches Gedankending? Als Erklärungsgrund. Wenn aber ein Realgrund im Sinne von Ursache und Wirkung nicht gemeint wäre - was dann? Es kann nur eine nachträgliche Sinn-Bestimmung
sein. Der Zielpunkt, auf den die Rekonstruktion des Vorstellungsgangs
hinauslaufen soll, ist gegeben - ein Zustand, in der Vernunft gilt (gelten soll: das ist dassel-be). Was Vernunft aber ist - woher sie kommt, woraus sie besteht, worin ihr Zweck liegt - sollte die Kritik erst herausfinden: Es ist Selbstbestimmen des Wollens zu einer Überein-stimmung der Vernunftwesen. Ad quem - Übereinstimmung, a quo - Wollen; das sind die beiden Pole derselben Sache.
Doch was im Nachhinein aussieht wie das Ergebnis einer Analyse, war im Anfang eine Synthesis par excellence:* ein Postulat.
14. 6. 18
*Nota II. - Was ist / was sein soll / was zu tun ist.
JE
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen