Mittwoch, 20. Mai 2026

Fiktives Kapital, IV.

                                                                      aus Marxiana

Mit der Entwicklung des zinstragenden Kapitals und des Kreditsystems scheint sich alles Kapital zu verdoppeln und stellenweis zu verdreifachen durch die verschiedne Weise, worin dasselbe Kapital oder auch nur dieselbe Schuldforderung in verschiednen Händen unter verschiednen Formen erscheint. Der größte Theil dieses "Geldkapitals" ist rein fiktiv. Die sämmtlichen Depositen, mit Ausnahme des Reservefonds, sind nichts als Guthaben an den Bankier, die aber nie im Depositum existiren. Soweit sie zum Girogeschäft dienen, fungiren sie als Kapital für die Bankiers, nachdem diese sie ausgeliehen haben. Sie zahlen sich unter einander die wechselseitigen Anweisungen auf die nichtexistirenden Depositen durch Ab-rechnung dieser Guthaben gegen einander. 
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K. Marx, Das Kapital III, MEGA II.15; S. 469 [MEW 25, S. 488f.]

 

Nota. - Es wird Geld verliehen, das gar nicht mehr da ist - im Vertrauen darauf, dass sich im Großen und Ganzen Forderungen und Gegenforderungen schon die Waage halten werden: Es bleibt ja immer alles im Fluss. Wenn aber sehr viele Gläubiger ihre Forderungen gleich-zeitig präsentieren - weil sie mit oder ohne Grund das Vertrauen verloren haben -, tritt eine Stockung ein und man sieht auf einmal: Es war schon nichts mehr da.
JE

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