Was tu ich, indem ich philosophiere? Ich denke über einen Grund
nach, dem Philosophie-ren liegt also ein Streben nach dem Denken eines
Grundes zu Grunde. Grund ist aber nicht Ursache im eigentlichen Sinne,
sondern innere Beschaffenheit – Zusammenhang mit dem Ganzen. Alles
Philosophieren muss also bei einem absoluten Grunde endigen. Wenn dieser nun nicht gegeben wäre, wenn dieser Begriff eine Unmöglichkeit
enthielte, so wäre der Trieb zu philosophieren eine unendliche
Tätigkeit und darum ohne Ende, weil ein ewiges Bedürfnis nach einem
absoluten Grunde vorhanden wäre, was doch nur relativ gestillt wer-den
könnte – und darum nie aufhören würde. Durch das freiwillige Entsagen
des Absoluten entsteht die unendliche freie Tätigkeit in uns – das einzig mögliche Absolute,
was uns gege-ben werden kann und das wir durch unsre Unvermögenheit, ein
Absolutes zu erreichen und zu erkennen, finden. Dies uns gegebene
Absolute lässt sich nur negativ erkennen, indem wir handeln und finden, dass durch kein Handeln das erreicht wird, was wir suchen.
Das ließe sich ein absolutes Postulat nennen.
________________________________________________________ Novalis, "Fichte-Studien", in Gesammelte Werke, Herrliberg-Zürich 1945, Bd. 2, S. 172
Nota. - Ein "absoluter Grund" wovon? Nicht sowohl meiner und der Dinge, unter denen ich mich befinde, sondern der Meinungen, die ich von mir und von ihnen habe -?
'Romantisch' ist daran, dass beides voneinander nicht unterschieden wird und willentlich in der Schwebe bleibt: dass er einer Klärung absichtsvoll aus dem Wege geht. Das ist eher poe-tisch als philosophisch. Vielleicht hat er gar nicht bemerkt, dass da was zu unterscheiden war. Aber vielleicht hat es ihm so nur besser gefallen - weil es so lediglich eine Geschmacks-frage bleibt und nichts, das kritisch zu klären wäre.
JE
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