Rainer Sturm, pixelio.de zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
Die Wissenschaftslehre
stellt zuerst auf ein Ich, dies will sie aber nicht analysieren; dies wür-de
eine leere Philosophie sein, sondern sie lässt dieses Ich nach seinen eigenen Gesetzen
handeln und dadurch eine Welt konstruieren, dies ist keine Analyse, sondern
eine immer fortschreitende Synthese. Übrigens ist es richtig, dass man in der
Philosophie von einem Postulate ausgehen müsse; auch die Wissenschaftslehre tut
dies und drückt es durch Tat-handlung aus.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre
nova methodo, Nachschrift K. Chr. Fr. Krause, Hamburg 1982, S. 28
Nota. - Ich ist nicht das als-es-selbst-bestimmte historische Individuum, sondern dasjenige an der empirischen Person, aus dem die Wissenschaftslehre die Genesis der Vernunft re-konstruieren will. Was zum Fortschritt der Vernunft nichts beiträgt, kann und muss die Wis-senschaftslehre unberücksichtigt links liegen lassen. Es ist "eine fortschreitende Synthese" all dessen, was sich zur Ausbildung der intelligiblen Welt als notwendig erweisen wird. Es musste alles aufgenommen und integriert werden - aber auch nichts als das.
Das sich-selbst-bestimmende Vernunftsubjekt hatte die Kritik historisch wie logisch als ihren Ausgangspunkt vorgefunden und hatte seine empirischen Bestimmungen in einem ersten Gang so weit davon abgezogen, bis schließlich der reine Wille als einzige Bestim-mung übrigblieb - die aber ihrerseits nicht begründbar ist, weil anders sie nicht selber Grund werden könnte.
Sie wurde analytisch aufgefunden.
In einem zweiten Gang, in dem sie die Genesis der intelligiblen Welt re konstruiert, muss sie daher das Ich als Zweck postulieren - was sie auch darf, denn von ihm war die Vernunftkri-tik ausgegangen. Was notwendig wurde, um diesen Zweck zu erreichen, darf und muss in den Neuaufbau aufgenommen werden. Es ist ein Cirkel: Der Zweck erweist sich a posteri-ori als Grund.
JE
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