commons aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
Der Begriff entsteht mit der Anschauung
zugleich, in demselben Moment, und ist von ihr unzertrennlich. Es
scheint uns, als ob der erste eher hätte sein müssen, aber es scheint
nur so, weil wir den Begriff auf eine Anschauung [rück]beziehen.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 33
Nota. - Die Wissenschaftslehre hat zum Gegenstand das uns heute gegebene System des
Wissens. Dieses will sie verstehen: zurückführen auf seine immanenten
Prämissen. Sie be-schreibt nicht, wie dieses System in der historischen
Wirklichkeit entstanden ist. Entstehen konnte es nur, indem aus den
wirklich vorkommenden Vorstellungen progressiv alles für die
Systembildung Unbrauchbare ausgeschieden wurde. Es ist Material einer
historischen Darstellung. In einer Darstellung des fertigen Systems hat
es nicht zu suchen.
Der
gegenwärtige Teilhaber dieses Systems - einer 'Reihe vernünftiger
Wesen' - kann nicht anders, als seine Vorstellungen mit dem ihm als
Apriori gegebenen System ins Verhältnis zu setzen: Seine Vorstellungen drängen zum
Begriff. Dass sie von ihm "unzertrennlich" wären, trifft aber nur in
der einen Richtung zu: Die Begriffe sind von den in ihnen gefassten
Vor-stellungen unzertrennlich. Doch nicht gilt die Umkehrung. Nicht jede
Vorstellung bedarf ihrer Bestimmung; sondern nur diejenige, die mit den Andern (='vernünftigen Wesen') ge-teilt werden soll. Was ich ganz für mich behalten darf, mag unbestimmt und begrifflos bleiben.
In einer historischen Darstellung müsste gezeigt werden, dass und wie die Vorstellungen zu Begriffen erst wurden - durch progressives Ausscheiden des Unbrauchbaren im Verkehr.
9. 7. 16
Das war es, was Kant den dialektischen Schein genannt hat: die realistische Auffassung, dass das Wesen - der Begriff - 'eher' da wäre als die Erscheinung - sein Gegenstand.
JE
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