Lothar Sauer
zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
Ich setze mich als Individuum im Gegensatz mit einem anderen bestimmten Individuum, indem ich mir eine Sphäre für meine Freiheit zuschreibe, von den anderen, und dem ander-en
eine zuschreiben, von der ich mich ausschließe – es versteht sich,
lediglich im Denken eines Faktums und zufolge dieses Faktums. Ich habe
mich als frei gesetzt, neben ihm und unbeschadet der Möglichkeit seiner Freiheit. Durch dieses Setzen meiner Freiheit habe ich mich bestimmt. Das Freisein macht meinen wesentlichen Charakter aus.
____________________________________________________________________
J. G. Fichte, Grundlage des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW Bd. III, S. 51
Nota I. – Auch das Individuum
ist in der Wissenschaftslehre nicht das, was in Biologie oder
Psychologie so heißt. Es ist vielmehr das bestimmte einzelne vernünftige
Wesen in seinem Verhältnis – und Gegensatz – zu den anderen
vernünftigen Wesen. Was nicht zu seiner Ver-nünftigkeit gehört –
Sinnlichkeit, Leidenschaft, Irr tum – , kommt noch nicht in Betracht.
Individuum
im Sinne der Wissenschaftslehre ist derjenige, der auf dem Weg der
Bestim-mung seines Wollens in der Reihe all der andern vernünftigen
Individuen schon ein gewis-ses Stück zurückgelegt hat.*
Und genau besehen ist vernünftig überhaupt erst seine Wechselwirkung mit jenen.
20. 2. 16
*Nota II. - Auch Individuum ist das Ich nur, sofern es vernünftig ist. Aber es unterscheidet sich von den anderen vernünftigen Wesen dadurch, dass es sein Wollen zu diesem bestimmt hat. Denn wenn dem anders wäre, geriete es nicht in die Pflicht, seine Freiheit selber an der Freiheit der Andern beschränken zu sollen. (Das hätte ich oben schon deutlicher sagen kön-nen.)
JE, 12. 6. 18
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen