Freitag, 10. Juli 2026

Die Schranke der kapitalistischen Produktionsweise.

                                                                                           aus Marxiana

Es wird nicht zu viel Reichthum producirt. Aber es wird periodisch zu viel Reichtum in seinen kapitalistischen, gegensätzlichen Formen producirt. /

Die Schranke der kapitalistischen Produktionsweise tritt hervor: 


1) Darin, daß die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit im Fall der Profitrate ein Gesetz erzeugt, das ihrer eignen Entwicklung auf eine
[m] gewissen Punkt feindlichst ge-genübertritt, und daher beständig durch Krisen überwunden werden muß.

2) Darin, daß die Aneignung unbezahlter Arbeit, und das Verhältniß dieser unbezahlten Arbeit zur vergegen-ständlichten Arbeit überhaupt, oder, kapitalistisch ausgedrückt, daß der Profit, und das Verhältniß dieses Profits zum angewandten Kapital, also eine gewisse Höhe der Profitrate
[,] über Ausdehnung oder Beschränkung der Produktion entscheidet, statt des Verhältnisses der Produktion zu den gesellschaftlichen Bedürfnissen, zu den Bedürfnissen gesellschaftlich entwickelter Menschen. Es treten daher Schranken für sie ein schon auf einem Ausdehnungsgrad der Produktion, der umgekehrt unter der andren Voraussetzung weitaus ungenügend erschiene. Sie kommt zum Stillstand, nicht wo die Befriedigung der Bedürfnisse, sondern wo die Produktion und Realisirung von Profit diesen Stillstand ge-bietet.

Die Profitrate, d. h. der verhältnißmäßige Kapitalzuwachs ist vor allem wichtig für alle neuen, sich selbständig gruppirenden Kapitalableger. Und sobald die Kapitalbildung aus-schließlich in die Hände einiger wenigen, fertigen Großkapitale fiele, für die die Masse des Profits die Rate aufwiegt, wäre überhaupt das belebende Feuer der Produktion erloschen. Sie würde einschlummern. Die Profitrate ist die treibende Macht in der kapitalistischen Pro-duktion, und es wird nur producirt, was und soweit es mit Profit producirt werden kann. ... Die Entwicklung der Produk/tivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit ist die historische Auf-gabe und Berechtigung des Kapitals. Eben damit schafft es unbewußt die materiellen Bedin-gungen einer höhern Produktionsform. 

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K. Marx, Das Kapital III, MEGA II.15; S. 254ff. [MEW 25, S. 268f.]  



Nota. - Wenn überhaupt mit irgendeinem Recht gesagt werden kann, dass Marx in der Geschichte ein "Gesetz" entdeckt habe, so wäre es dieses: 'Man kann' die Geschichte so auffassen, als ob sie eine Gesellschaftsform bezweckt hätte, in der der Reichtum ohne Schranken wachsen kann, weil sich die Bedürfnisse ohne Schranke fortentwickeln; und als ob sie – was das Dialektische daran wäre – zu diesem Behuf zuerst eine Produktionsweise finden musste, deren Wachstumsdynamik den Rahmen der Klassengesellschaft sprengt. Zu diesem Zweck wiederum sei die Klassenspaltung der Gesellschaft zuvor überhaupt erst not-wendig gewesen, weil anders das Akkumulieren nie begonnen und die Bedürfnisse stagniert hätten. So könnte man die Geschichte auffassen. Dazu müsste man sie aber zuvor als ein mit eigenem Willen begabtes und zur Planung befähigtes Subjekt auffassen. Nur gibt es keinen vernünftig vertretbaren Grund dafür. Die Geschichte selber ist bête comme un fait, blöd wie eine Tatsache.
JE

 

 

Nota - Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE

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