Eberlein, Vom Skorpion gestochen aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
Wir haben als Grundzustand abgeleitet ein Gefühl, an welches alles übrige geknüpft wird. Das Gefühl ist das erste un/mittelbare
Objekt unsrer Reflexion. Das Ich fühlt sich, und zwar ganz. Aber das
Ich ist, wie wir wissen, praktisch und ideal, welches beides jetzt erst
geteilt wird vermittelst des Gefühls. Das Ich fühlt sich zuvörderst
praktisch, dies ist eigent-lich das unmittelbare Gefühl, in welchem
Gefühl der Beschränktheit und des Strebens ver-einigt ist.
Aber das Ich fühlt sich
ganz, also auch ideal und insofern anschauend, in welcher Anschau-ung
nun abermals Beschränktheit und Streben vereinigt sein muss. Sonach
finden sich da abermals vier Stücke: Gefühl der Beschränktheit, Gefühl
des Strebens, Anschauung des bestimmten Objekts, Anschauung des Ideals.
Diese vier Stück sind notwendig vereinigt, eins kann ohne das andere
nicht sein.
In der Zukunft werden wir sehen, dass noch mehr hinzu kommen muss.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 86f.
Nota. - Zuerst ist da ein Gefühl,
und weil das Ich strebend ist, ist es zugleich ein Gefühl der
Beschränktheit und eins der Freiheit. Erst durch das Gefühl teilt sich
das Ich in eine 'reale', praktische Tätigkeit und eine ideale Tätigkeit: Anschauung. Die Anschauung der praktischen Tätigkeit wird zur
Anschauung eines je bestimmten Objekts, die Anschauung der idealen
Tä-tigkeit (=der Anschauung) wird zur Anschauung der Idee, d. h. eines Suchens.
JE, 24. 9. 16
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