Samstag, 7. März 2026

VI. Stoff und Bedürfnis.

                                                                         aus Marxiana

 3) der 'Stoff'

Gegenstand der nationalökonomischen Wissenschaft ist das Kapital als die spezifisch  bür-gerliche Form des  "R e i c h t u m s"; und da sie es eben mit den Formen des Reichtums zu tun hat, geht sie, wie gesagt, der 'Stoff', aus dem der Reichtum 'gemacht' ist, an und für sich nichts an. Jedoch, um  w i s s e n s c h a f t l i c h  zu sein   und als  K r i t i k  zumal , muß sie sich ihrer logischen Voraussetzungen vergewissern: als dem theoretischen  P r i n-z i p, von dem aus das empirische Material zu  o r d n e n  und zu  d e u t e n  ist. Aber dies Prinzip ist nicht 'gewiß', sondern erst noch problematisch, solange ein caput mortuum von 'Stoff' übrigbleibt, das nicht in die Tätigkeit des Subjekts aufgelöst wurde...

(Aber der naheliegende Rückgriff auf die  A r b e i t  als Substanz des stofflichen Reichtums führt in die Irre: Ein Gegenstand muß keineswegs Arbeitsprodukt sein, um nützlich sein zu können; und außerdem ergäbe sich eine abgeschmackte Tautologie: die Nützlichkeit des be-stimmten Gegenstandes ergäbe sich aus der bestimmtem Nützlichkeit der ihn produzieren-den Arbeit; und was machte die bestimmte Nützlichkeit jener Arbeit aus? Nichts als die Nützlichkeit ihres Produkts...)

Also wie ist der Stoff des Reichtums 'an sich' bestimmt? "Stofflich betrachtet, ist der Reich-tum nichts anders als der Reichtum der Bedürfnisse", und so ist der 'Stoff' allerdings   i m   S u b j e k t  gesetzt; denn sein 'Bedürfnis' hat das Subjekt  s e l b s  e r z e u g t: das war jene "erste geschichtliche Tat" ('Tathandlung', "generatio aequivoca"), mit der 'der Mensch' aus seiner Naturbestimmtheit heraus-, und in die Geschichte    als dem Selbsterzeugungs-akt seiner 'Gattung'  —  eingetreten ist. Mit der Produktion seines Bedürfnisses setzt 'das Sub-jekt' sich als solches    und  b e w ä h r t  sich als solches nicht in der Befriedigung, son-dern in der unablässigen ('unendlicher Progreß')  N e u s c h ö p f u n g  der Bedürf-nisse.

Die "erste geschichtliche Tat" ist dabei n.b. nicht als der Bericht von einer tatsächlichen Be-gebenheit, sondern als  S i n n behauptung aufzufassen: das historische Geschehen  s o l l  so aufgefaßt werden,  a l s   o b  in ihm 'das Subjekt sich selbst setzt';  das ist die transzen-dentale Voraussetzung, der 'Standpunkt', die ('fundamental'-) ontologische  S t e l l u n -   n a h m e,  über (hinter) die kein Begriff hinaus-(zurück-)führt, sondern der im Gegenteil allem Begreifen zu  G r u n d e  liegt    als theoretisches 'Prinzip', d.h. aus der realen Wis-senschaft nicht  a b g e l e i t e t,  sondern ihr  v o r a u s g e s e t z t.

(Soviel über "Materialismus"; aber übrig bleibt immerhin als unbegriffner Rest der Gegen-stand des Bedürfnisses  a l s   s o l c h e r,  sein 'dingliches Substrat'. Indes, was ist "das Ge-genständliche am Gegenstand"?!  Es ist seine   "G l e i c h g ü l t i g k e i t   g e g e   d i e    Z w e c k e   d e r   A r b e i t"    und wird im Akt der Produktion (= A n e i g n u n g  an diese Zwecke) "als  v e r s c h w i n d e n d  gesetzt"; also: er  i s t  begriffen, aber negativ, d.h. nicht als das, was er  i s t,  sondern als das, was er  n i c h t  ist; als  u n bestimmt,  d a s  h e i ß t  als bestimm b a r. Also selbst seine Gegenständ l i c h k e i t  'ist' nur, sofern sie dem Bedürfnis   g i l t:  als Bestimmbarkeit überhaupt.

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