Dienstag, 10. März 2026

III. Objektives Subjekt, objektive Dialektik?

                                         aus Marxiana       

A

 Objektives Subjekt, objektive Dialektik…

Bei der Begründung meines Themas kann  ich anknüpfen an M e r l e a u -P o n t y s "Abenteuer der Dialektik": Sein Argument, daß die Marx‘sche Dialektik unverm "Ge-schichte und Klassenbewußtsein", das er als die authentische Repräsentation der Marx-schen  T h e o r i e darstellt (während die ‘Praxis‘  authentisch repräsentiert sei in Leo Trotzki …) Diese Kritik geht so:

Daß Lukács die ‚Dialektik‘ aus der  N a t u r   entfernt und ausschließlich im ‘Subjekt’ be-gründet habe, sei  p r a k t i s c h  ohne Belang, solange nämlich jenes Subjekt als objektiv  s e i e n d aufgefaßt werde: Denn wenn das Subjekt (=”Proletariat“) real  g e g e b e n  sei, dann sei es auch die in ihm gründende Dialektik: ein objektives  G e s e t z — nicht der Natur, aber, was viel schlimmer ist, der  Geschichte;  f r e i  ist dieses 'Subjekt' dann aller-dings nur noch nach Maßgabe seiner “Einsicht in die Notwendigkeit”;  und da ja diese ‘Notwendig-keit‘  ihrerseits   o b j e k t i v  ist, nämlich in einem  S e i n  begründet, dann läßt sie sich auch 'objektiv' “erkennen” —  l o s g e l ö s t  vom ‘Subjekt‘,  s t e l l v e r t r e- t e n d,  durch den 'kollektiven' Theoretiker: DIE PARTEI …

Theoretisch ausgedrückt: Der Fehler sei, daß Marx seine Dialektik auf den Standpunkt der  'emanatistischen' Logik  H e g e l s  gegründet habe (statt auf den transzendentalen Stand-punkt der kritischen Philosophie), indem  er das logisch zugrunde gelegte Subjekt als ein     S e i n  auffasse, und nicht als  G e l t u n g.

Dieser Vorwurf trifft nun zwar zu auf G. Lukács, aber nicht, wie ich darlegen will, auf Marx: Dessen 'vom-Kopf-auf-die-Füße-Stellen' der Hegelschen Dialektik bedeutet nämlich die Wiederherstellung, bzw. richtiger: die Neubegründung der    k r i t i s c h e n   Dialektik der F i c h t e’ schen 'Wissenschaftslehre' – zunächst als Neubegründung der 'ontologischen'   G r u n d l a g e,  dann als Wiederherstellung ihrer logischen  M e t h o d e.

B

Zunächst fasse ich die herkömmliche Unterteilung des Marxschen Gesamtwerks in  'Früh-schriften' und  'Spätwerk' als eine Scheidung in einen ‘kritischen’ und einen ’vorkritischen’ Teil auf.

Im  e r s t e n  Teil geht es um die Gewinnung des (‘metaphysischen’)  S t a n d p u n k t s,  der der reellen Wissenschaft zugrunde zu legen sei; es wird sich finden, daß dieser 'Stand-punkt' — vulgo ”materialistische Geschichtsauffassung” — der des ‘sich selbst setzenden Subjekts‘ ist; eine aktualistische Fundamentalontologie als transzendentale Voraussetzung  positiver (historischer) Wissenschaft.


Im  z w e i t e n  Teil — der gesamten ‘Kritik der politischen Ökonomie’ — geht es,  a l s  Kritik, um die Durchführung der (onto)logischen Voraussetzung — nach der die (ökono-mischen) Kategorien nichts seien als Handlungsweisen des Subjekts — am empirischen Material. Diese Durchführung ist 1) Kritik einer vorliegenden historischen Wissenschaft, der klassischen Nationalökonomie;  2) positive Darstellung des empirischen Stoffs selbst: des Gesamtprozesses der kapitalistischen Form der gesellschaftlichen Reproduktion nach dem Prinzip des vorangestellten ’Standpunkts‘;  3) durch die Darstellung des Stoffs,  Dar-stellung des ‘Standpunkts’ selbst: Reflexion über den ‘Standpunkt’ als Reflexion auf das tatsächlich angewendete/anzuwendende Verfahren, und insofern auf dessen Vorausset-zungen: genauere Bestimmung derselben — des sich selbst setzenden Subjekts — nicht als “seiend“, sondern als  g e l t e n d .

 

 

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