Sonntag, 8. März 2026

V. Gibt es den Wert wirklich?

Popanz brennt                                                       aus Marxiana                                                              

1) Der  W e r t — ’Wesen’ oder ‘Form‘ ?

Tauschwert ist  F o r m bestimmung; ‘Form’ wovon? Form des gesellschaft1ichen Verkehrs  —  eben des T a u s c h s.  E t w a s  wird getauscht, dessen  F o r m  ’als’ Tauschwert be-stimmt wird: Die Bestimmung ‘Tauschwert’ ist also nicht eine Eigenschaft an dem Etwas — der Ware — selbst, sondern wird ihm (ihr) in dem  A k t  des Tauschs, durch den Akt, zum Zwecke des Akts… als seine G e l t u n g — in dem und für den Akt! — von den Austau-schenden   b e i g e l e g t.  Dies ‘Etwas’ hat  S t o f f , ist Stoff; jedoch  a l s  Stoff ist es ja nicht  b e s t i m m t:   Stoff ist als solcher  u n bestimmt, ‘gilt’ nichts für sich selbst, son-dern immer erst für ein Subjekt (d.h. für die Zwecke von dessen Handlung…)

Also nicht, wie in Hegels “Logik”: Die Materie selbst ‘drängt’ zur Form als ihrer eignen, immanenten Bestimmung  — das, wozu sie ‚an und für‘, d. h.  a u s  sich heraus ‘bestimmt’ ist; sondern die ‘Form’ wird dem ‘Stoff’ durch einen spontanen Akt eines Subjekts  h i n z u g e f ü g t.


Der Stoff, dessen Form ‘als Tauschwert gesetzt’  ist - der im Akt des Austauschs a l W e r g i l t - ist  G e b r a u c h s w e r t;  nicht dieser oder jener besondere, son-dern   i r g e n d e i n   Gebrauchswert — Gebrauchswert ‘überhaupt‘…

Das ist zunächst ein Widersinn, denn dem Gebrauchswert geht es wie jedem ‚Stoff’: er  i s t  eo ipso  i n d i v i d u e l l , und eben  n i c h t  ’überhaupt’ — denn der aktuelle  G e b r a u c h  (Verzehr, “Vernutzung”) des p.p. Gegenstands geschieht immer durch einen einzelnen Akt eines   I n d i v i d u u m s,  dieses oder jenes Individuums, nicht eines ’Individuums überhaupt’ (=’das’ Subjekt).

Und doch läßt sich die Paradoxie des ‘Gebrauchswerts überhaupt’ offensichtlich nur auf-lösen durch die Allgemein-Setzung des Individuums zum ’Individuum überhaupt’. — Aber wie ?

Offenbar nur, indem wir aus der Begriffsdialektik  heraustreten und uns dem empirischen Geschehen zuwenden, das der Begriff fassen sollte.

(Freilich liegt ‚der‘ Gebrauchswert allenthalben dem Tauschwert als gegeben zugrunde — indes nur formal bestimmt, im allgemeinen:  d a ß  er vorhanden ist, nicht,  w e l c h e r  er ist — als bloßes  M o t i v  des Austausches, sachliche  B e d i n g u n g;   n i c h t  als eine seiner  B e s t i m m u n g e n;  geht also weiterhin die ökonomische Betrachtung — als Analyse der Formbestimmungen — nichts mehr an; so in der klassischen politischen Öko-nomie, namentl. Ricardo.)

D a ß   die Individuen im Akt des Austauschs ihre Produkte - als ‘Vergegenständlichungen ihrer selbst’ - a l s  äquivalent  b e h a n d e l n,  zeigt, daß sie tatsächlich in einem so  a l l g e-m e i n e n   —  ”prozessierenden”  — Zusammenhang miteinander stehen, daß sie einan-der (jedenfalls auf dem Markt) als  G l e i c h e  gelten,  a l s ‘Individuum überhaupt’,  han-delndes Individuum   i m  a l l g e m e i n e n, eben: als  ‘ S u b j e k t ‘.

(NB : Das ist nicht einfach eine  l o g i s c h e,  sondern eine historisch - r e a l e  Voraus-setzung.)

 

Der Standpunkt ist inzwischen gegeben: Es ist der des sich-selbst-setzenden Subjekts. Doppelt gegeben ist der Gegenstand: Einmal als reales System der bürgerlichen Produktionsweise, ein andermal gegeben als theoretisches System der Politischen Ökonomie; eigentlich: das Verhältnis der beiden gegen einander. Die anzuwendende Methode ergibt sich daraus 'wie von selbst': Es ist das 'analytisch-synthetische' Verfahren der Kritik; nämlich die Zerstreuung der fetischisierten Begrifflichkeit und Freilegung der in ihr verborgenen realen Tätigkeiten.

2 ) „Realabstraktion“

Das ‘Subjekt des Austauschs’ (=‘Individuum‘  im allgemeinen)  ist eine  A b s t r a k t i o n,  die durch die Z i r k u l a t i o n, in einer auf verallgemeinertem Austausch beruhenden Form des gesellschaftlichen Verkehrs, tatsächlich hervorgebracht wird (sie ist 'w i r k lich', weil sie im Handeln der empirischen Individuen als dessen Bestimmungsgrund  w i r k t.)                                                                                   
Und dieser reellen Abstraktion “Subjekt des Austauschs” auf der Formseite entspricht die Abstraktion ‘Gebrauchswert überhaupt’ auf der Stoffseite. Es ist die Abstraktion von allem b e s t i m m t e n Gebrauch, allem bestimmten Verzehr durch ein bestimmtes Individuum: g e s e l l s c h a f t l i c h e r Gebrauchswert, sofern er nämlich für den reellen allgemeinen Zusammenhang der Individuen,  i n  ihrem wirklichen, d. h. tätigen  Zusammen w i r k e n,  a l l g e m e i n als Gebrauchswert g i l t — nämlich als  N a c h f r a g e  auf dem M a r k t.

‚Allgemeiner’ Gebrauchswert, Gebrauchswert für ‚d e n‘ Andern — das ist schlechthin Wert: das, was ‚den Andern’ “wert” ist…

Daß sich der so bestimmte W e r t  darstellt als  Ä q u i v a l e n z  —  noch ganz abgesehen von deren immanenter Bestimmung als “Arbeit überhaupt” —, ist eine s p e z i f i s c h e Bestimmung einer auf dem  T a u s c h,  dem Austausch von  W a r e n  beruhenden Ver-kehrsform: der kapitalistischen Form des gesellschaftlichen Zusammenhangs als  K o n k u r r e n z;  ist eine zusätzliche,  a k z e s s o r i s c h e   Bestimmung, die zur allgemeinen Be-stimmung der  Wert s u b s t a n z  (=allgemeiner Gebrauchswert)  h i n z u t r i t t.

(Also: keineswegs ‘schlagen‘ die gegensätzlichen Bestimmungen’ — Gebrauchswert und Tauschwert — ‘ineinander um’, keineswegs ’bestimmen’ sie einander ‘wechselseitig’; und keineswegs ist ‘der Wert’ das substante Prius (‘Wesen’, ‘Idee’), das sich in der ‘Erscheinung’ in die ‘Antithesen’ Gbw./Tw. auseinanderlegte; also keineswegs die “Selbstbewegung des Begriffs”…)

…sondern diese Formen sind ebensoviele Handlungsweisen, Formen realer Tätigkeiten em-pirischer Subjekte. Der ‘Wert’ ist das  P r o d u k t  (also nicht ein ‘Prinzip’!) der  A b s t r a k t i o n  von der Individualität der empirisch gegebenen mannigfaltigen Gebrauchsgegen-stände;  ist eine gesellschaftlich reale, historisch gewordene Form über einem empirisch Ge-gebenen. (( Natürlich läßt sie sich nachträglich als Kategorie auch von dieser ihren realen gesellschaftlichen Voraussetzung — nämlich daß die Individuen wirklich in allgemeinem Zusammenhang stehen — abstrahieren und dann rückwärts auf Gesellschaftsformen app-lizieren, in denen diese empirische Voraussetzung eben nicht gegeben war —  wie es die klassische politische Ökonomie ja auch reichlich getan hat; freilich muß man dabei dann im Auge behalten, daß es sich allenfalls um ein regulatives Prinzip handeln kann, Erkenntnis m i t t e l, nicht selber Inhalt der Erkenntnis: andernfalls ist die Vorstellung einer in der End-lichkeit erscheinenden ’Idee’ schlechterdings nicht abzuhalten…))

Diese Abstraktion, die hier im Begriff vollzogen wird, wird in der kapitalistischen Gesell-schaft tatsächlich und real vollzogen in dem Prozeß der Zirkulation, dem wirklichen allge-meinen Zusammenhang, der allgemeinen Vermittlung (oder vermittelten Allgemeinheit)...; diese reale Abstraktion  i s t  der Tauschwert; sie ‘erscheint‘ nicht ‚als‘…, sondern  i s t   e s   s e l b s t: ‘Wert‘ ist die  l o g i s c h  vollzogene Abstraktion von der Individualität (beson-dern Nützlichkeit) der Gebrauchsgegenstände;  T a u s c h wert ist die täglich (reell, im em-pirischen Handeln der austauschenden Produzenten auf dem Markt.

Also der ‘Wert‘  i s t  Tauschwert (nämlich unter  kapitalistischen Verhältnissen); und der Tauschwert    i s t  Gebrauchswert. Und so handelt es sich allerdings um gegensätzliche Be-stimmungen derselben identischen Sache. Aber nicht um Bestimmungen der Sache durch sie selbst, sondern um Bestimmungen durch die handelnden Subjekte: drücken aus die wechselnden, nämlich   a b wechselnden Verhaltungsweisen des Subjekts zur Sache. (Die Ware X ist Tauschwert für A nur, sofern sie nicht Gebrauchswert für A ist, aber Gebrauchs-wert für B; und wenn Gebrauchswert für B, dann nicht Tauschwert für B: das eine nicht, wenn das andre; aber jedes nur, wenn abwechselnd — “prozessierend” — das eine sowohl als das andre!); und ‘die Sache selbst’ ist dann nicht die  K a t e g o r i e, der ’Oberbegriff‘ Wert; sondern ‘die Sache’ ist das zwar logisch unterste, aber empirisch erste: das Produkt als besonderer nützlicher Gegenstand — der unter bürgerlichen Verhältnissen zur W a r e wird…


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