Popanz brennt aus Marxiana
1) Der W e r t — ’Wesen’ oder ‘Form‘ ?
Tauschwert
ist F o r m bestimmung; ‘Form’ wovon? Form des gesellschaft1ichen
Verkehrs — eben des T a u s c h s. E t w a s wird getauscht, dessen
F o r m ’als’ Tauschwert be-stimmt wird: Die Bestimmung ‘Tauschwert’
ist also nicht eine Eigenschaft an dem Etwas — der Ware — selbst,
sondern wird ihm (ihr) in dem A k t des Tauschs, durch den Akt, zum
Zwecke des Akts… als seine G e l t u n g — in dem und für den Akt! — von
den Austau-schenden b e i g e l e g t. Dies ‘Etwas’ hat S t o f f ,
ist Stoff; jedoch a l s Stoff ist es ja nicht b e s t i m m t:
Stoff ist als solcher u n bestimmt, ‘gilt’ nichts für sich selbst,
son-dern immer erst für ein Subjekt (d.h. für die Zwecke von dessen
Handlung…)
Also nicht, wie in Hegels “Logik”: Die
Materie selbst ‘drängt’ zur Form als ihrer eignen, immanenten
Bestimmung — das, wozu sie ‚an und für‘, d. h. a u s sich heraus
‘bestimmt’ ist; sondern die ‘Form’ wird dem ‘Stoff’ durch einen
spontanen Akt eines Subjekts h i n z u g e f ü g t.
Der
Stoff, dessen Form ‘als Tauschwert gesetzt’ ist - der im Akt des
Austauschs a l s W e r t g i l t - ist G e b r a u c h s w e r
t; nicht dieser oder jener besondere, son-dern i r g e n d e i n
Gebrauchswert — Gebrauchswert ‘überhaupt‘…
Das
ist zunächst ein Widersinn, denn dem Gebrauchswert geht es wie jedem
‚Stoff’: er i s t eo ipso i n d i v i d u e l l , und eben n i c
h t ’überhaupt’ — denn der aktuelle G e b r a u c h (Verzehr,
“Vernutzung”) des p.p. Gegenstands geschieht immer durch einen einzelnen
Akt eines I n d i v i d u u m s, dieses oder jenes Individuums,
nicht eines ’Individuums überhaupt’ (=’das’ Subjekt).
Und
doch läßt sich die Paradoxie des ‘Gebrauchswerts überhaupt’
offensichtlich nur auf-lösen durch die Allgemein-Setzung des Individuums
zum ’Individuum überhaupt’. — Aber wie ?
Offenbar
nur, indem wir aus der Begriffsdialektik heraustreten und uns dem
empirischen Geschehen zuwenden, das der Begriff fassen sollte.
(Freilich
liegt ‚der‘ Gebrauchswert allenthalben dem Tauschwert als gegeben
zugrunde — indes nur formal bestimmt, im allgemeinen: d a ß er
vorhanden ist, nicht, w e l c h e r er ist — als bloßes M o t i v
des Austausches, sachliche B e d i n g u n g; n i c h t als eine
seiner B e s t i m m u n g e n; geht also weiterhin die ökonomische
Betrachtung — als Analyse der Formbestimmungen — nichts mehr an; so in
der klassischen politischen Öko-nomie, namentl. Ricardo.)
D
a ß die Individuen im Akt des Austauschs ihre Produkte - als
‘Vergegenständlichungen ihrer selbst’ - a l s äquivalent b e h a n d e l
n, zeigt, daß sie tatsächlich in einem so a l l g e-m e i n e n —
”prozessierenden” — Zusammenhang miteinander stehen, daß sie einan-der
(jedenfalls auf dem Markt) als G l e i c h e gelten, a l s
‘Individuum überhaupt’, han-delndes Individuum i m a l l g e m e i n e
n, eben: als ‘ S u b j e k t ‘.
(NB : Das ist nicht einfach eine l o g i s c h e, sondern eine historisch - r e a l e Voraus-setzung.)
Der Standpunkt ist inzwischen gegeben: Es ist der des sich-selbst-setzenden Subjekts. Doppelt gegeben ist der Gegenstand:
Einmal als reales System der bürgerlichen Produktionsweise, ein
andermal gegeben als theoretisches System der Politischen Ökonomie;
eigentlich: das Verhältnis der beiden gegen einander. Die anzuwendende Methode ergibt sich daraus 'wie von selbst': Es ist das 'analytisch-synthetische' Verfahren der Kritik; nämlich die Zerstreuung der fetischisierten Begrifflichkeit und Freilegung der in ihr verborgenen realen Tätigkeiten.
2 ) „Realabstraktion“
Das
‘Subjekt des Austauschs’ (=‘Individuum‘ im allgemeinen) ist eine A b
s t r a k t i o n, die durch die Z i r k u l a t i o n, in einer auf
verallgemeinertem Austausch beruhenden Form des gesellschaftlichen
Verkehrs, tatsächlich hervorgebracht wird (sie ist 'w i r k lich', weil sie im Handeln der empirischen Individuen als dessen
Bestimmungsgrund w i r k t.)
Und
dieser reellen Abstraktion “Subjekt des Austauschs” auf der Formseite
entspricht die Abstraktion ‘Gebrauchswert überhaupt’ auf der Stoffseite.
Es ist die Abstraktion von allem b e s t i m m t e n Gebrauch, allem
bestimmten Verzehr durch ein bestimmtes Individuum: g e s e l l s c h
a f t l i c h e r Gebrauchswert, sofern er nämlich für den reellen
allgemeinen Zusammenhang der Individuen, i n ihrem wirklichen, d. h.
tätigen Zusammen w i r k e n, a l l g e m e i n als Gebrauchswert g i
l t — nämlich als N a c h f r a g e auf dem M a r k t.
‚Allgemeiner’ Gebrauchswert, Gebrauchswert für ‚d e n‘ Andern — das ist schlechthin Wert: das, was ‚den Andern’ “wert” ist…
Daß
sich der so bestimmte W e r t darstellt als Ä q u i v a l e n z —
noch ganz abgesehen von deren immanenter Bestimmung als “Arbeit
überhaupt” —, ist eine s p e z i f i s c h e Bestimmung einer auf dem
T a u s c h, dem Austausch von W a r e n beruhenden Ver-kehrsform:
der kapitalistischen Form des gesellschaftlichen Zusammenhangs als K o n
k u r r e n z; ist eine zusätzliche, a k z e s s o r i s c h e Bestimmung, die zur allgemeinen Be-stimmung der Wert s u b s t a n z
(=allgemeiner Gebrauchswert) h i n z u t r i t t.
(Also:
keineswegs ‘schlagen‘ die gegensätzlichen Bestimmungen’ — Gebrauchswert
und Tauschwert — ‘ineinander um’, keineswegs ’bestimmen’ sie einander
‘wechselseitig’; und keineswegs ist ‘der Wert’ das substante Prius
(‘Wesen’, ‘Idee’), das sich in der ‘Erscheinung’ in die ‘Antithesen’ Gbw./Tw. auseinanderlegte; also keineswegs die “Selbstbewegung des Begriffs”…)
…sondern
diese Formen sind ebensoviele Handlungsweisen, Formen realer
Tätigkeiten em-pirischer Subjekte. Der ‘Wert’ ist das P r o d u k t
(also nicht ein ‘Prinzip’!) der A b s t r a k t i o n von der
Individualität der empirisch gegebenen mannigfaltigen
Gebrauchsgegen-stände; ist eine gesellschaftlich reale, historisch
gewordene Form über einem empirisch Ge-gebenen. (( Natürlich läßt sie
sich nachträglich als Kategorie auch von dieser ihren realen
gesellschaftlichen Voraussetzung — nämlich daß die Individuen wirklich
in allgemeinem Zusammenhang stehen — abstrahieren und dann rückwärts auf
Gesellschaftsformen app-lizieren, in denen diese empirische
Voraussetzung eben nicht gegeben war — wie es die klassische politische
Ökonomie ja auch reichlich getan hat; freilich muß man dabei dann im
Auge behalten, daß es sich allenfalls um ein regulatives Prinzip handeln
kann, Erkenntnis m i t t e l, nicht selber Inhalt der Erkenntnis:
andernfalls ist die Vorstellung einer in der End-lichkeit erscheinenden
’Idee’ schlechterdings nicht abzuhalten…))
Diese
Abstraktion, die hier im Begriff vollzogen wird, wird in der
kapitalistischen Gesell-schaft tatsächlich und real vollzogen in dem
Prozeß der Zirkulation, dem wirklichen allge-meinen Zusammenhang, der
allgemeinen Vermittlung (oder vermittelten Allgemeinheit)...; diese reale
Abstraktion i s t der Tauschwert; sie ‘erscheint‘ nicht ‚als‘…,
sondern i s t e s s e l b s t: ‘Wert‘ ist die l o g i s c h
vollzogene Abstraktion von der Individualität (beson-dern Nützlichkeit)
der Gebrauchsgegenstände; T a u s c h wert ist die täglich (reell, im
em-pirischen Handeln der austauschenden Produzenten auf dem Markt.
Also
der ‘Wert‘ i s t Tauschwert (nämlich unter kapitalistischen
Verhältnissen); und der Tauschwert i s t Gebrauchswert. Und so
handelt es sich allerdings um gegensätzliche Be-stimmungen derselben
identischen Sache. Aber nicht um Bestimmungen der Sache durch sie
selbst, sondern um Bestimmungen durch die handelnden Subjekte: drücken
aus die wechselnden, nämlich a b wechselnden Verhaltungsweisen des
Subjekts zur Sache. (Die Ware X ist Tauschwert für A nur, sofern sie
nicht Gebrauchswert für A ist, aber Gebrauchs-wert für B; und wenn
Gebrauchswert für B, dann nicht Tauschwert für B: das eine nicht, wenn
das andre; aber jedes nur, wenn abwechselnd — “prozessierend” — das eine
sowohl als das andre!); und ‘die Sache selbst’ ist dann nicht die K a t
e g o r i e, der ’Oberbegriff‘ Wert; sondern ‘die Sache’ ist das zwar
logisch unterste, aber empirisch erste: das Produkt als besonderer
nützlicher Gegenstand — der unter bürgerlichen Verhältnissen zur W a r e
wird…
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