
Ich bin nicht auf akademischem Weg an mein Thema geraten. Marxist war ich aus politisch-weltanschaulichen Gründen schon als Schüler. Als ich 1966 an die Freie Universität kam, war dort in einer kleinen Nische ein Interesse an Marx als Philosophen entstanden - im Gefolge der Frankfurter Schule, und dort verstand man Marx als einen vom Kopf auf die Füße gestellten Hegelianer.
Ich habe nichts gefunden, was ich mir dabei hätte denken können. Hegels Kopf oder umge-kehrt: seine Füße war die Substanz. Da konnte man drehen, soviel man wollte: Einen Anti-poden findet man dort nicht. Wenn es einen berechtigten Ausgangspunkt gab, musste er ganz woanders liegen. Ich war mir sicher: Es gab einen Denker, der den Zugang geöffnet hatte. Philologisch lag Fichte nahe, aber meine erste Begegnung war Über den Begriff der Wissenschaftslehre, dessen Kant'scher Tenor mir als Student der Freien Universität! gänz-lich spanisch vorkam.
Durch einen biographischen Zufall kam ich dann doch auf Fichte zurück, und fand, dass ich mich mit Kant ertrauter machen musste. Daher stammt der folgende Text. Er ist das sachliche, nicht formale Exposé zu einer Dissertation, die ich an der FU vorlegen wollte.
Daraus ist aus manchen hinreichenden außerfachlichen Gründen nichts geworden. Ein fachlicher Grund verdient jedoch, erwähnt zu werden: Ich fand dort damals 1987 keinen Hochschullehrer, der bereit war, mein Projekt zu begleiten. Ernst Tugendhat habe ich an-gesprochen, weil er ein Hegelfresser war wie ich. Aber er meinte nicht ganz zu Unrecht, das allein mache ihn für Marx und Fichte nicht kompetent. Margherita von Brentano fühlte sich für Kritische Philosophie schon zuständig, doch von Fichte wüsste sie gar nichts; für Marx aber hätten sie am Institut einen Platzhirsch, der sich allzuständig fühlte, und um sich mit dem anzulegen,wisse sie dann doch nicht genug.
An den habe ich mich dann selbst gewendet. Er meinte, meine These fände er "prima facie" falsch, und um sich kompetent äußern zu können, müsse er sich ganz neu einarbeiten (wor-um ich ihn hätte bitten wollen). Das könne er sich aber nicht leisten, denn er stünde "in einem Diskussionszusammenhang", dem er sich verpflichtet fühlte und der das nicht zu-lasse.
Der Diskussionszusammenhang ist ihm seither abhanden gekommen, aber immer noch danke ich ihm für seine damalige Korrektheit.
Und habe inzwischen den Platz gefunden, der mir zusteht - das Internet.
Nach und nach habe ich in meinen Blogs so ziemlich alle Miszellen veröffentlicht, in denen ich mir mein System klarzumachen gesucht hatte, mit viel Redundanz, aber jedesmal unter anderm Gesichtpunkt. Im Sommer 2022 fand ich unter Beihilfe mancher technischen Wid-rigkeit schließlich die Kühnheit, aus den verstreuten Fragmenten eine Darstellung zusam-men zu suchen, aus der ein wohlmeinender Leser ein System erkennen kann.
Dazu dienen die folgenden Seiten.
Auf wohlmeinende Leser ist Transzendentalphilosophie ohnehin angewiesen. Wer ihre Fragen nicht selber teilt, dem kann sie keine Antworten demonstrieren. Ohne Prämisse ist ein erster Schritt nicht möglich, alias Was für eine Philosophie man wählt, hängt davon ab, was man für ein Mensch ist.
Wer sich durch das Folgende hindurchgefunden hat, ist auf dem besten Weg.
Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE
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