daniel stricker zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
Es gibt zwei sehr verschiedene Standpunkte des Denkens; den des
natürlichen und ge-meinen, da man unmittelbar Objekte denkt, und den des
vorzugsweise so zu nennenden künstlichen, da man, mit Absicht und
Bewußtsein, sein Denken selbst denkt. Auf dem ersten steht das gemeine
Leben, und die Wissenschaft; auf dem zweiten die
Transzenden-talphilosophie, die ich eben deshalb Wissenschaftslehre
genannt habe, Theorie und Wis-senschaft alles Wissens, keineswegs aber
selber ein reelles und objektives Wissen.
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J. G. Fichte, Rückerinnerungen, Antworten, Fragen [S. 111]
Nota. - Vernünftigsein heißt Reflektieren dort, wo es angebracht ist. Das ist der gemeine oder auch gesunde Menschenverstand. Den bürgerlichen Alltag bewältigen kann man nicht ohne, und mehr ist dazu auch nicht vonnöten. Transzendentalphilosopie tut mehr, sie re-flektiert auf die Reflexion. Sie gehört nicht selbst zum positiven Wissen, sondern ist, wenn sie den kritischen Punkt trifft, deren Korrektiv: Dem bürgerlichen Alltag sind seine Zwecke gegeben. Die Transzendentalphilosophie will sie fraglich machen.
JE
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