Donnerstag, 30. April 2026

Zwei Arten zu denken.

  daniel stricker                       zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Es gibt zwei sehr verschiedene Standpunkte des Denkens; den des natürlichen und ge-meinen, da man unmittelbar Objekte denkt, und den des vorzugsweise so zu nennenden künstlichen, da man, mit Absicht und Bewußtsein, sein Denken selbst denkt. Auf dem ersten steht das gemeine Leben, und die Wissenschaft; auf dem zweiten die Transzenden-talphilosophie, die ich eben deshalb Wissenschaftslehre genannt habe, Theorie und Wis-senschaft alles Wissens, keineswegs aber selber ein reelles und objektives Wissen.
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J. G. Fichte, Rückerinnerungen, Antworten, Fragen [S. 111] 

 

Nota. -  Vernünftigsein heißt Reflektieren dort, wo es angebracht ist. Das ist der gemeine oder auch gesunde Menschenverstand. Den bürgerlichen Alltag bewältigen kann man nicht ohne, und mehr ist dazu auch nicht vonnöten. Transzendentalphilosopie tut mehr, sie re-flektiert auf die Reflexion. Sie gehört nicht selbst zum positiven Wissen, sondern ist, wenn sie den kritischen Punkt trifft, deren Korrektiv: Dem bürgerlichen Alltag sind seine Zwecke gegeben. Die Transzendentalphilosophie will sie fraglich machen.
JE 

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