Mittwoch, 8. April 2026

Fichtes kategorischer Imperativ.

                                                         zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkrit  

Das reine Wollen ist der kategorische Imperativ der Wissenschaftslehre. Während bei Kant der kategorische Imperativ erst in der praktischen Philosophie vorkommt zur Erklärung des Bewusstseins der Pflicht, liegt er in der neuen Darstellung der Wissenschaftslehre dem gan-zen System zu Grunde. Das reine Wollen ist diejenige prädikative Qualität, aus deren abso-luter Unbestimmtheit sich ein Ich heraus und einem Nichtich entgegen setzen soll.

Es wird nicht behauptet, dass es so ist. Es wird gesagt, dass man es sich so vorstellen muss, wenn man (zum Schluss) die Wirklichkeit des vernünftigen Bewusstsein verstehen will. Auf letzteres kommt es an; es muss also nicht nur gezeigt werden, wie es möglich ist, dass aus dem reinen Wollen sich durch reelles Wollen in der sinnlichen Welt etwas zu etwas bestimmt, sondern es muss vor allem gezeigt werden, wie es davon ein Bewusstsein erlangt. Im Akt selber geschieht das nicht. Wenn die Tätigkeit nicht an einem Punkt beschränkt wird, läuft sie ins Unendliche fort und ist nicht zu halten. Sie muss an einer Grenze zum Stehen kom-men, um bestimmt werden zu können, und die kann nur von einem Gefühl gesetzt werden.

Das Gefühl wiederum kann angeschaut werden. Nicht aber die Tätigkeit, wodurch es mög-lich wurde! Entstanden als ein Bestimmtes ist dagegen das Tätige. Als ein solches kann es gedacht werden - nämlich als gegeben. Als eines, das schon da war, bevor es erschien. Es schaut das Ich sich an als sich selbst vorausgesetzt: wie ein als sich-selbst-Bestimmendes bestimmt. Hinter dem empirischen Wollen von diesem oder jenem scheint so das reine Wollen als ein Sollen auf.


Wann immer ein Ich wirklich etwas denkt, denkt es diesen Vorgang mit, indem es ihn sach-lich voraussetzt. Doch zu Bewusstsein kommt er ihm nicht von allein. Anschauen kann es ihn nur in der Vorstellung, aber das muss es wollen, in freier Reflexion.

Postskriptum zum Nicht-Dürfen: Die Beschränkung der realen Tätigkeit durch das Gefühl ist eine Schranke für das Wollen. Nichts anderes bedeutet Nicht-Dürfen hier. Von Moral ist noch gar nicht die Rede.

30. 9. 18 

 

Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE

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