Montag, 27. April 2026

Einen Akt der Freiheit begreifen wollen.

 Erhard Ruhland                  zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Es würde aber unrichtig sein, wenn man hierbei mit seinem Urteile stehen bleiben und be-haupten wollte, er könne auch keinen anderen Charakter haben, als er habe. Er soll schlecht-hin sich einen anderen bilden, wenn sein gegenwärtiger nichts taugt, und er kann es; denn dies hängt schlechthin ab von seiner Freiheit. Hier ist etwas Unbegreifliches; und es kann nicht anders sein, weil wir an der Grenze aller Begreiflichkeit, bei der Lehre von der Freiheit in Anwendung auf das empirische Subjekt, stehen. ... Begreifen heißt, ein Denken an ein an-deres anknüpfen, das erstere vermittelst des letzteren denken. Wo eine solche Vermittlung möglich ist, da ist nicht Freiheit, sondern Mechanismus. Einen Akt der Freiheit begreifen wollen, ist absolut widersprechend. Eben wenn sie es begreifen könnten, wäre es nicht Freiheit.

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J. G. Fichte, Das System der Sittenlehre nach den Principien der Wissenschaftslehre, SW Bd. IV, S. 181f. 
 
 
Nota. - Freiheit ist nicht zuletzt auch die Freiheit, das als falsch Erkannte zu wählen. Dies sei nach Kant "das radikal Böse" im Menschen. Man kann die Eine nicht ohne das Andere haben.
JE 
 


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