Es ist hier nicht darum
zu tun, eine Moral aufzustellen, sondern das Bewusstsein überhaupt soll
erklärt werden; und dies ist nur möglich unter Voraussetzung des oben
geschilderten reinen Willens. Es soll gezeigt werden, wie hieraus sich das Bewusstsein der Objekte erklä-ren werde.
Dies reine Wollen soll
hier noch nichts anderes bedeuten als einen Erklärungsgrund des
Bewusstseins, als eine Hypothese, noch nicht als ein Objekt des
Bewusstseins. Tiefer unten wird gezeigt werden, wie es in das
Bewusstsein hinein komme. Es ist hier um die Folgen zu tun, die es haben
wird, wenn es als Erklärungsgrund des Bewusstsein vorausgesetzt wird. ____________________________________________________________ J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo,Hamburg 1982, S. 143f.
Nota. -Wozu überhaupt Vernunftkritik?
Alles,
was geschieht, hat einen Sinn. Streiten mögen wir darüber, welchen.
Doch ob oder ob nicht, lässt sich abschließend nicht entscheiden, denn
ich mag immer weitersuchen und es ist nicht ausgeschlossen, dass ich
irgendwann irgendwas finde. Schon gar nicht, dass ich ihm selber einen
gebe!
Wäre es dann aber sein Sinn?
Sinn oder Bedeutung, das ist so gut wie dasselbe. Bedeutung hat etwas für einen. Ist er selber ein Handelnder, dann hat das, was er tut, einen Sinn für ihn. Ist er ein Zuschauer, dann hat das Geschehende einen Sinn schon insoweit, als er - denn ein Handelnder ist eo ipso ein Vernunftwesen - annehmen muss, der Handelnde erkenne in seinem Tun einen Sinn; und sich vorstellen muss, dass er selber diesen Sinn darin ebenfalls finden oder... verneinen
könnte. Und schließlich kann er sich vorstellen, dass er an die
Handlung des andern selbst eine eigene Handlung anknüpft, die einen Sinn
für ihn hat.
Hat
alles, was geschieht, einen Handelnden zum Urheber? Die Sprache lässt
es annehmen. 'Der Apfel fällt vom Baum' - im Satz ist dem Nomen ein Verb
zugeordnet: Der Apfel fällt. So ist jeder Satz: ein Subjekt und ein Prädikat. Das Prädikat zeigt eine Tätigkeit des Subjekts an. Der Apfel fällt irgendwo hin - das wäre in diesem Satz das Ojektive, aber man kann es fortlassen. Fallen, das besagt das Wort, geschieht von oben nach unten. Was unten ist, mag unbestimmt bleiben, doch irgendwas wird sich schon vorfinden: Was als Tätigkeit(des Ap-fels) aufgefasst wird, hat eo ipso ein Objekt, welches immer es sei.
Der Apfel hat, du weißt es so gut wie ich, keine Absicht, wenn er fällt. Es widerfährt ihm und der Welt, in der er ist und fällt. Doch so könnten wir es nicht aussprechen. Reden und schon gar denken müssen wir so, als täte er, was er tut, ex sponte sua. Als wir Menschen nämlich anfingen, die uns umgebende Welt vorzustellen, mussten wir von uns - was kann-ten wir denn sonst? - auf alle Andern schließen; begonnen hat das Vorstellen animistisch.
Noch heute nimmt die große Mehrheit der Menschen mehr oder weniger unbestimmt an, dass am Anfang der Welt ein Großer Urheber stand, und sei es nur in der Umkehrung: 'Wie könnte es überhaupt einen Sinn geben, wenn nicht urprünglich Einer einen gesetzt hätte'? Und siehe da: Der Sinn gibt sich zu erkennen als die Absicht eines Handelnden; als Zweck.
Erklärungsgrund - nicht sachliche physikalische Ursache, sondern was dem Geschehen einen Sinn geben kann, der mein Wollen affiziert - ist, was selber ein Wollen war.
Das kann kein Geschehen erklären. Doch anders lässt sich kein Geschehen verstehen. Fichte hat sich nur im Wort vergriffen.
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