sofadesign zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
Fichtes Ding an sich ist "die Vernunft". Sie allein ist nicht genetisch darstellbar: "Wo nichts ist, kann nichts werden." Sie ist Substanz. Sie wird nicht.
"Die Vernunft" ist "das Wesen des Menschen". Sie ist, indem sie wird. Anders "ist" sie nicht.
aus e. Notizbuch, 15. 12. 08
Das war ein kritischer Eintrag;
denn Fichte selbst war sich darüber durchaus nicht im Kla-ren, er macht
die Vernunft selbst nie zum Thema. Spätestens dann hätte ihm
nämlich auf-fallen müssen, dass es sich um den einzigen philosophischen
Begriff handelt, den er ver-wendet, ohne ihn genetisch hergeleitet
zu haben. Es ist aber nichteinmal so, dass er sie als an-sich-seiende
Substanz selbstverständlich voraussetzt, denn "wenn überhaupt" kommt als
An-sich, wie er sagt, allerhöchstens das Wollen in Betracht, das ausdrücklich nicht abgelei-tet, sondern bête comme un fait als "aufgefunden" an den Anfang gesetzt wird.
Dass die Vernunft bei Fichte
dennoch immer erst 'wird', indem sie 'sich selbst bestimmt', ist der
andere, transzendentalistische Pol, dem er mal mehr, mal weniger
zuneigt. Er pendelt unentwegt zwischen beiden. Kaum vorstellbar, dass
ein so scharfer Denker, dem vor dem winzigsten Mikrologismus nicht Bange
war, diese Unentschiedenheit nicht aufgefallen ist! So "muss es aber
gewesen sein".
10. 1. 15
An dieser Stelle war mir also ein Licht aufgegangen: Neben der kritizistischen, 'transzenden-talen' Idee von Vernunft hatte ihm - vielleicht von Spinoza her? - ein romantisch-mystisches Bild von der Vernunft vorgeschwebt. Dass er den Gegensatz nicht bemerkt hätte, kann man kaum anders verstehen, als dass er nicht wählen wollte - bis ihm Jacobi einen Anstoß gab.
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