Montag, 3. Februar 2025

Kausalität ist Bedingung aller Erfahrung.

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... geht es aber noch darum, den Begriff der Erfahrung unter den Begriff der Denknotwen-digkeit zu bringen. Einem, der nicht weiß, was gemeint ist, kann man 'Erfahrung' nicht er-klären: nicht aus Begriffen zusammen- setzen. Es ist wie mit der Kausalität: Begreifen kann man vorher/nachher, aber wegen muss man allbereits im Auge haben, um es anschauen zu können.

Und tatsächlich beruht alles, was wir unter Erfahrung verstehen - die Ableitung von Denk-bestimmungen aus physischen Reizen -, auf der Vorstellung von Kausalität. Und zuvor schon galt uns als Prüfstein der Vernünftigkeit, als Grundstein der Vernunft, das Gesetz von Ursache und Wirkung. Das Zeitalter der Vernunft ist dasjenige, in dem ein Jeder da-nach beurteilt wird, ob und wie weit er in der Welt nach dem Verhältnis von Ursache und Wirkung fragt.


Im wirklichen Bewusstsein des Alltagsmenschen ist Kausalität dasjenige in der Welt, das ihren Sinn ausmacht - nämlich einem gerechtfertigten Zweck dient, der seinerseits als Na-turzweck alias Weltgesetz vorgestellt wird.

10. 1. 19

 
Nachtrag. - David Hume hatte gegen den Sensualismus seiner Zeitgenossen geltend ge-macht, dass das Verhältnis von Ursache und Wirkung in keiner Weise sinnlich zu erfahren sei. In Raum und Zeit gibt es nur vorher und nachher, nicht aber wegen: Das müsse man sich hinzu denken.
 
Das war genial und verführte Kant zur Vernunftkritik.
 
Nur - irgendwie falsch ist es doch. Irgendwie erfahren wird Ursächlichkeit wohl schon. Nämlich so: Wenn ich dieses oder jenes bewirken will, muss ich dieses oder jenes tun. Das ist die Mutter aller Erfahruungen, die ein Mensch überhaupt machen kann.
 
Nur ist es in das Gattungsgedächtnis nicht in seiner ursprünglich-anschaulichen Gestalt eingegangen, sondern wurde wie jeder bestimmte Gedächtnisinhalt aus der Reflexion auf sie umgekehrt gemerkt: 'Alles, was geschieht, muss von einem (!) gemacht worden sein.' Sorum wurde es aber dogmatisch und falsch; handeln und der Handelnde fielen untern Tisch.
25. 4. 22




Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog<

Man muss sich Vernunft als emergent vorstellen.

horst ender                               zu

... Man kann das eigentliche Problem immer weiter vor sich herschieben, aber dabei wird nur immer durchsichtiger: Was wir - seit Newton und auch nach Kant - als unsere Vernunft auffassen, sträubt sich gegen den Gedanken, dass etwas ist und ist und lediglich ist: Es ist ein Ungedanke. Sofern wir denken, müssen wir uns einen vorangegangenen andern Zu-stand denken - und einen Täter;  einen, der eingegriffen und aus dem vorangegangen den gegenwärtigen Zustand gemacht hat. Der abstrakt denkende Naturwissenschaftler wird ge-wohnheitsmäßig nicht mehr an einen Verursacher, sondern an eine Ursache denken; aber sie nicht denken kann auch er nicht. 

Es ist ein Zirkel. Die Vernunft erlaubt uns nicht, ohne Kausalität zu denken. Aber Vernunft ist ursprünglich nichts anderes als das Prinzip, sich alles Seiende als verursacht vorzustellen. Denn selbstverständlich kann man sich die Welt auch anders vorstellen - nur reden wir dann nicht von denken, sondern von phantasieren; nicht von Vernunft, sondern von Irrsinn.

Die Kritik des Naturgesetzbegriffs ist nichts anderes als Vernunftkritik - so die Tendenz seit Kant. Das Vexierstück ist, dass die Vernunft sich selbst voraussetzt. Will sagen, was Ver-nunft ist und ob und wie sie sich begründen lässt, kann wieder nur mit den Instrumentarien der Vernunft entschieden werden. Die Vernunft kann sich nicht von außen prüfen, sondern muss gewissermaßen in sich zurückkriechen und sich dabei zusehen, wie sie es anstellt, am Ende 'zu sich selbst' zu kommen.

Sie kann sich dabei ihrer stolzesten Leistungen - Begriff und Schlussregeln - nicht bedienen, sie muss im Gegenteil darauf achten, bei der Rekonstruktion ihres Werdegangs dieses Ziel nie aus dem Auge zu lassen: Begriff und Schlussregeln festzustellen! Sie kann nicht argu-mentieren, sondern muss zeigen, muss anschaulich vorführen, "wie man es sich vorstellen muss". 

Vernunftkritik ist diejenige Philosophie, in die ... die Frage nach den Naturgesetzen letzten Endes hineinführt. Kant hatte die Transzendentalphilosophie bis an die Pforten seines Apriori, der zwölf Kategorien und der beiden Anschauungsformen getrieben. Da blieb er stehen. Fichte führte die Untersuchung fort. Als allererste Voraussetzung auch des Kant-schen Apriori legt er das schlechthin agile Ich bloß, das 'sich setzt, indem es sich ein/em Nicht-Ich entgegensetzt'. Schon Raum und Zeit, schon die Kategorien sind Weisen des Vorstellens, ja 'das Ding' selbst wird real erst, wenn es ihm entgegensteht und als ein Dieses bestimmt und vorgestellt wird. (Wir wissen nichts als was in unserm Bewusstsein vor-kommt. In unserm Bewusstsein kommen nur Vorstelleungen vor.)

Kurz gesagt, in allem, was wir uns vorstellen, ist ein Macher immer schon mitgedacht, näm-lich Ich. Aber die Kritische alias Transzendentalphilosophie erlaubt uns, davon zu abstrahie-ren. Doch wenn wir vom Verursacher abstrahieren, sollten wir auch von der Ursache ab-strahieren. In ontologischer Hinsicht kommt die Vernunft nie weiter als bis zu: Was ist, ist.* So verfahren die statistischen Fächer wie die Thermodynamik; die haben auch mit der Emergenz kein theoretisches Problem.

*) Will sagen: Die Erscheinung erscheint, und sonst nichts. Alle Attribute sind Zutaten der Intelligenz.
aus "Was ist ein Naturgesetz?, 2. 3. 18

 

 

Sonntag, 2. Februar 2025

Vorstellbar und/oder denkbar.

focus                                        zuJochen Ebmeiers Realien   zu Philosophierungen

Der Rezensent verzichtet darauf, Kakus Darlegungen
sachlich zu resümieren. Da ist K. vermutlich schon an die Grenze gegangen,
die grad eben noch vertretbar ist, und so bleibt Ihnen und mir nur, das Buch selber zu lesen
.

Eine Bemerkung jedoch schon vorab: Dass wir uns unter einer theoretischen Formel etwas vorstellen können, mag darüber entscheiden, wie unbefangen wir mit ihr gedanklich operie-ren werden. Aber über ihre Richtigkeit sagt es nichts. Zehn Dimensionen können wir uns nicht vorstellen, und eine genausowenig. Aber recht betrachtet können wir uns auch zwei Dimensionen nicht vorstellen, sondern bloß denken.

Es ist sogar fast umgekehrt: Eine Formel, die so allgemein ist, dass sie für alle denkbaren Spezifikationen gleichermaßen gilt und zugleich auch vorstellbar ist, kann eigentlich nicht richtig sein. Die Vorstellbarkeit ist die Spur der Anschauung an den Erfahrungstatsachen, ohne die der Begriff leer wäre. Doch dies beanspruchen die Begriffe der Physik auch, wenn sie noch so abstrakt sind: dass sie bei aller begrifflichen Vermittlung doch letzten Endes auf Erfahrung beruhen, und sei es die künstliche Erfahrung der Labore. Solange in den Begrif-fen Erfahrungen dargestellt sein sollen, ist in ihnen ein Rest Anschauung bewahrt und kön-nen wir uns dabei etwas vorstellen. All unsere Vorstellungen stammen aus unseren An-schauungen in unserer kosmische Mesosphäre, die drei Dimensionen aufweist. An ihr und aus ihr ist unser Denkapparat erwachsen, er ist auf die drei Dimensionen und auf Ursachen und Wirkung ausgelegt. 

Dass wir mit unseren Vorstellungen auch mit Hilfe künstlicher Stimulanzien nicht darüber hinaus können, ist kein nach Erklärung drängendes Problem. Ein Problem ist vielmehr, dass wir mit unserem Denken über unsere Vorstellungen hinauskönnen.

Oder genauer gesagt ist es gar kein Problem, das zu lösen wäre, denn es ist ein Faktum und erklärt sich selber.
Kommentar zu Die Theorie von Allem? JE, 14. 5. 21

 

 

Samstag, 1. Februar 2025

Ästhetik des reinen Wollens.

                                                                                     zu Geschmackssachen

Fichtes reines Wollen ist bestimmt als zweckhaft ohne Zweck. So ist nach Kant das Schöne: zweckmäßig, ohne dass ein Zweck an ihm erkennbar ist.

Man könnte sagen: gewollt, ohne gewollt zu sein. Man sollte folgern: Das reine Wollen ist an sich ästhetisch - vor aller Bestimmung.*

*

Phänomenal ausgedrückt: Die ästhetische Betrachtung ist der vergebliche Versuch, zu be-stimmen, wo es nichts zu bestimmen gibt.

16. 10. 18 

*) Ist ästhetisch heißt in dieser Betrachtungsweise: wird als ästhetisch gedacht.

 

An sich sei das Ding nur ästhetisch, habe ich geschrieben. Nicht geschrieben habe ich, das Ding-an-sich sei ästhetisch. Was man dem Ding nur selber und keinem andern zuschreiben kann, ist seine Erscheinung. Die kann man anschauen, und das ist eine ästhetische Hand-lung. Es ist die erste Erscheinungsform des Wollens: indem sich darin die tätige Seite des fühlenden Individuums gegen seine leidende Seite verselbst ständigt. "Anschauen ist, im Gegensatz zum Gefühl, Tätigkeit." Es ist nicht 'reines Wollen', das "gibt es" gar nicht, son-dern ist bloßer Gedanke. Der erste Auftritt des Ichs in der sinnlichen Welt ist das anschauen-Wollen.





Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE

Anfang und Ende - ad quem und a quo.

                              zu  Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik   Eine Diskussion mit ChatGPT Lieber Leser, nehm...