Montag, 7. September 2026

Der Zweckbegriff ist ein Sein in ganz eigener Bedeutung.

 zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Aber die ideale Tätigkeit ist ihrem Charakter zufolge gebunden und gehalten, nur einer realen nachgehend. Dieser idealen Tätigkeit muss etwas entgegengesetzt sein, von dem sie gehalten werde, dies ist ein Reelles und insofern Etwas als das Bestimmte. (Wie das Be-stimmte zu einem Etwas werde, gehört noch nicht hieher.) Dieses  Etwas heiße x, es be-deutet ein Sein, welches die ideale Tätigkeit nur nachmacht, etwas, was die eigentliche Tä-tigkeit vernichtet.

Es wird sich zeigen, dass dieses Sein in einem anderen Sinne müsse genommen werden als das, welches die reelle Tätigkeit aufhebt. Wir werden zwei Bedeutungen von Sein erhalten, das, wovon wir hier reden, wird sich zeigen als ein Begriff vom Zwecke. 

Dieses x ist nun selber ein Postulat der absoluten Freiheit, d. h. teils, dass überhaupt etwas in dieser Verbindung des Bewusstseins da ist, teils, dass es gerade x und nicht etwa (-x) ist, davon soll der Grund in der Selbsttätigkeit liegen. ...

Die ideale Tätigkeit ist gebunden, teils, dass sie für ein x da sei, teils, dass es so bestimmt ist. Insofern ist die ideale Tätigkeit leidend. Es muss etwas hinzugedacht werden, was sie binde und gerade an x binde, das ist x nicht selbst, / sondern die Freiheit, diese hat x selber her-vorgebracht, dies heißt nun: die Freiheit enthält den Grund von x. Was ists nun, welches macht, dass in unserm Fall das Begründende gesetzt wird als Ich? Das Ideale ist es, welches setzt und welches das Praktische setzt als sich selbst. Das Ideale muss so verfahren, weil es nur kennt, was in ihm ist. 
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J. G. Fichte,Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982,  S. 52f.


Nota. – Für die ideale Tätigkeit – in Summa: für die Reflexion – ist der Begriff ein Sein; denn die Begriffe überhaupt sind allezeit Abkömmlinge (
=mannigfaltige Bestimmungen) des Zweckbegriffs.

(Das heißt aber nur: Die ideale Tätigkeit muss nicht jedesmals aufs Neue deliberieren, wel-che Richtung sie einschlagen soll: Die schwebt ihr als 'einmal gegeben' stets vor.
 
13. 12. 15

 

Nota II. - Es ist ein Stück materiale Logik: Das Wollen ist der Bestimmungs-, d.h. Geltungs-grund des Handelns; gehandelt wird um/zu... Charakter des Wirklichen ist Zweckhaftigkeit. Dem 'reinen' Wollen entspricht ein 'reiner' Zweck: Zweck an-sich, Zweck-überhaupt. Er 'ist' noumenon, es gibt ihn nur als empirischen, individuellen Zweck - so wie wollen in der Wirklichkeit nicht 'rein'  vorkommt, sondern immer bestimmt als dieses oder jenes. Einen Zweck der Zwecke 'gibt es' nur dann und für den, wenn und für wen es ihn geben soll: in der Vorstellung. Das klingt nur umständlich, ist aber trivial.
JE 




Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

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