Dienstag, 10. Februar 2026

IX. Dialektische Wechselbestimmung und realer Gegensatz

                                                                                       aus Marx und Fichte

7) Kein Realsubjekt, keine Realdialektik

— Zwischen dem Arbeitsvermögen als transzendentalem Begriff und seinem Gegensatz: dem ‘Arbeitsmittel‘,  (bzw. ’Kapital’) waltet allerdings eine ’Dialektik’: nämlich Wechselbe-stimmung durch Entgegensetzung; aber eben nur zwischen den Begriffen, wo sie auch hingehört;

— zwischen den empirisch gegebnen Proletariern und den ebenso empirisch gegebnen Kapitalisten herrscht keine ‘Dialektik’, nicht einmal begrifflich: denn selbst begrifflich sind erstere lediglich  O b j e k t e  der letzteren, ‘Leiden’ ohne ‚Tätigkeit‘, Rezeptivität ohne Spontaneität;

— und schließlich zwischen der ‘Arbeiterklasse‘ als politischem Begriff, praktischem Postu-lat — nämlich immer unter der Voraussetzung, daß sie wirklich als solche handelt — und der Kapitalistenklasse (nicht: “dem Kapital”!) herrscht keine ‘Dialektik’ (=Wechselbestim-mung), sondern — ggf: — ein  r e a l e r   A n t a g o n i s m u s,  alias “Klassenkampf”: endend nicht in der ‘Synthese’, “Aufhebung” beider in eine “höhere Kategorie”, sondern…  S i e g  der einen über die andre…

Was sich in der Vorstellung nun wieder so ausdrücken läßt, daß ‘das Arbeitsvermögen’ mit ‚dem Arbeitsmittel‘ wieder ‘vereinigt’ wird (“Aufhebung der Teilung der Arbeit durch ihre Vollendung“), wobei man allerdings die (“idealistische”) Vorstellung fernzuhalten hat, als ob das, was durch die Wechselbestimmung der  B e g r i f f e  als logische Notwendigkeit er-scheint, in der wirklichen Geschichte der empirischen Individuen eine real wirkende  K r a f t (“Entwicklungsgesetz”) wäre.

Denn in dem wissenschaftlichen Modell, das die ‘Kritik der politischen Ökonomie’ vom Ge-samtprozeß der kapitalistischen Reproduktion entwirft, nämlich wo die ‘Kritik’ selber  T h e- o r i e  ist, die das tatsächliche Geschehen ‘erkennen’ will; also in der ökonomischen Theorie geht die kapitalistisch Produktionsweise  n i c h t  an der Aktion der Verkäufer von Arbeits-kraft zugrunde, sondern... am Fall der Profitrate! Und dies allerdings ‘notwendig‘, d.h. mit realer Kausalität;  aber der kapitalistische  Z u s a m m e n b r u c h, den die Theorie als em-pirisch unausweichlich darstellt,* ist ganz und gar nicht das “Aufgehen in die höhere Kate-gorie” (=”Kommunismus”); sondern kann, als rein negativ bestimmt, sehr wohl als “Unter-gang in der Barbarei” stattfinden.

Das ‘Aufheben’ der durch den Kapitalismus herbeigeführten Verallgemeinerung der Bedürf-nisse und Universalisierung des Verkehrs in eine ‘höhere‘  Form muß ein besonderer empi-rischer  A k t  sein (der weder faktisch noch logisch durch den “automatischen Zusammen-bruch” bedingt ist, jedenfalls nicht notwendig), nämlich die “proletarische Revolution”, eine  p r a k t i s c h e  Kategorie: eine ‘Idee’ insofern, als sie als Vorstellung konstitutiv ist bei der Bildung der Proletarier zur Klasse ‘für  sich für sich‘…; und die ‘Arbeiterklasse muß nach dieser ‘Idee’  h a n d e l n,  um zu  ’s e i n’.
 
*) Zugleich zählt Marx aber alle Faktoren auf, die im tatsächliche Verlauf der kapitalistischen Reproduktion dem Fall der Profitrate tagtäglich entgegenwirken – Kapitalvernichtung durch Krisen und Kriege, Kapitalentwertung durch technische Revolution… Sie alle können die Tendenz zum Sinken der Profitrate nicht aufheben; aber sie können das Sinken der Profitrate im gegebenen Moment verhindern. So dass das Sinken der Profitrate einmal eintreten muss; man kann nur nicht wissen, wann, und vielleicht… werden wir es nie erleben. [Nachtrag]
 

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