aus Marx und Fichte
7) Kein Realsubjekt, keine
Realdialektik
—
Zwischen dem Arbeitsvermögen als transzendentalem Begriff und seinem Gegensatz:
dem ‘Arbeitsmittel‘, (bzw. ’Kapital’) waltet allerdings eine
’Dialektik’: nämlich Wechselbe-stimmung durch Entgegensetzung; aber eben nur
zwischen den Begriffen, wo sie auch hingehört;
—
zwischen den empirisch gegebnen Proletariern und den ebenso empirisch gegebnen
Kapitalisten herrscht keine ‘Dialektik’, nicht einmal begrifflich: denn selbst begrifflich
sind erstere lediglich O b j e k t e der letzteren, ‘Leiden’ ohne
‚Tätigkeit‘, Rezeptivität ohne Spontaneität;
—
und schließlich zwischen der ‘Arbeiterklasse‘ als politischem Begriff,
praktischem Postu-lat — nämlich immer unter der Voraussetzung, daß sie wirklich
als solche handelt — und der Kapitalistenklasse (nicht: “dem Kapital”!)
herrscht keine ‘Dialektik’ (=Wechselbestim-mung), sondern — ggf: — ein r e
a l e r A n t a g o n i s m u s, alias “Klassenkampf”: endend
nicht in der ‘Synthese’, “Aufhebung” beider in eine “höhere Kategorie”,
sondern… S i e g der einen über die andre…
Was
sich in der Vorstellung nun wieder so ausdrücken läßt, daß ‘das
Arbeitsvermögen’ mit ‚dem Arbeitsmittel‘ wieder ‘vereinigt’ wird (“Aufhebung
der Teilung der Arbeit durch ihre Vollendung“), wobei man allerdings die
(“idealistische”) Vorstellung fernzuhalten hat, als ob das, was durch die
Wechselbestimmung der B e g r i f f e als logische Notwendigkeit
er-scheint, in der wirklichen Geschichte der empirischen Individuen eine real
wirkende K r a f t (“Entwicklungsgesetz”) wäre.
Denn
in dem wissenschaftlichen Modell, das die ‘Kritik der politischen Ökonomie’ vom
Ge-samtprozeß der kapitalistischen Reproduktion entwirft, nämlich wo die
‘Kritik’ selber T h e- o r i e ist, die das tatsächliche Geschehen
‘erkennen’ will; also in der ökonomischen Theorie geht die
kapitalistisch Produktionsweise n i c h t an der Aktion der
Verkäufer von Arbeits-kraft zugrunde, sondern... am Fall der Profitrate! Und dies
allerdings ‘notwendig‘, d.h. mit realer Kausalität; aber der
kapitalistische Z u s a m m e n b r u c h, den die Theorie als em-pirisch
unausweichlich darstellt,* ist ganz und gar nicht das “Aufgehen in die höhere
Kate-gorie” (=”Kommunismus”); sondern kann, als rein negativ bestimmt, sehr wohl
als “Unter-gang in der Barbarei” stattfinden.
Das
‘Aufheben’ der durch den Kapitalismus herbeigeführten Verallgemeinerung der
Bedürf-nisse und Universalisierung des Verkehrs in eine ‘höhere‘ Form muß
ein besonderer empi-rischer A k t sein (der weder faktisch noch
logisch durch den “automatischen Zusammen-bruch” bedingt ist, jedenfalls nicht
notwendig), nämlich die “proletarische Revolution”, eine p r a k t i s c
h e Kategorie: eine ‘Idee’ insofern, als sie als Vorstellung konstitutiv
ist bei der Bildung der Proletarier zur Klasse ‘für sich für sich‘…; und
die ‘Arbeiterklasse muß nach dieser ‘Idee’ h a n d e l n, um zu
’s e i n’.
*) Zugleich zählt Marx aber alle Faktoren auf, die im
tatsächliche Verlauf der kapitalistischen Reproduktion dem Fall der Profitrate
tagtäglich entgegenwirken – Kapitalvernichtung durch Krisen und Kriege,
Kapitalentwertung durch technische Revolution… Sie alle können die Tendenz
zum Sinken der Profitrate nicht aufheben; aber sie können das Sinken der
Profitrate im gegebenen Moment verhindern. So dass das Sinken der
Profitrate einmal eintreten muss; man kann nur nicht wissen, wann,
und vielleicht… werden wir es nie erleben. [Nachtrag]
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