Samstag, 12. September 2026

Der Grund eines Systems liegt außerhalb seiner.


Lassen sie mich frei spekulieren. Mathematiker werden vielleicht den Kopf schütteln, aber das ist nicht schlimm. Es bewiese weder, dass ich Recht noch dass ich Unrecht habe, son-dern nur, dass sie von Voraussetzungen ausgehen, die ich nicht mache.

Ein System wäre geschlossen, wenn an seinem Schluss oder doch sonstwo in ihm sein An-fang begründet würde. Der Anfang müsste - von wem? - als gegeben aufgefunden worden sein. "Logisch konsistent" ist nur, was tautologisch ist: Anfang und Schluss 'implizieren' einander.

Unerachtet, ob es so etwas überhaupt geben kann, steht fest: Die Mathematik ist nicht ein solches System. Ihre Sätze beschreiben keine Sachverhalte (etwas, das "der Fall" ist), son-dern berichtet, was getan wird - getan werden muss, um zu einem bestimmten Ergebnis zu kommen. Ihr Anfang ist, wo immer sie selbst ihn sucht, der Entschluss, zu ebendiesem Er-gebnis zu kommen. Ihr Anfang ist ein Willensakt, der als solcher in der Mathematik selber nicht vorkommt und in der ganzen Logik nicht vorkommen kann.

Insofern ist dieses System nicht geschlossen. Wer an seine Peripherie gerät, wird stets hier und da auf Ungereimtheiten stoßen; wobei 'peripher' sich nicht nur auf die Extensio des Systems beziehen, sondern ebenso seine Intensio. Dann kommt es vor, dass man auf ein (theoretisches oder experimentelles) Faktum stößt, das durch das System selber nicht erklärt werden kann.

Doch alle Systeme beruhen auf einem Grund, der, um sie zu begründen, außerhalb ihrer liegen muss. Aus dem einfachen 'Grund', dass alle System, die wir kennen, von Menschen gemacht worden sind. Und wenn die nicht sich selbst als ihren Grund erkennen, setzen sie doch selber einen angenommenen Sachverhalt voraus, denn sie waren es, die das System entworfen haben. Wer also an einer extensionalen oder intensionale Peripherie auf eine Ungereimtheit stößt und sie durch eine von außerhalb des Systems beigezogene Zusatzannahme glättet, gerät mit dem System in... Widerspruch.
JE, 6. Mai 2020

Zweck als Grund 

Ich halte den Text für deutlich stärker, als die selbstironische Einleitung vermuten lässt. Vor allem sehe ich jetzt genauer, wie Ihr gegenwärtiger Gedanke vom Absoluten darin be-reits angelegt ist. Aber ich würde an zwei oder drei Stellen scharf unterscheiden.

Der stärkste Gedanke ist für mich dieser:

„Ihr Anfang ist ein Willensakt, der als solcher in der Mathematik selber nicht vorkommt und in der ganzen Logik nicht vorkommen kann.“

Das ist radikal, aber es trifft genau Ihr eigentliches Thema: Das System kann seine eigene Setzung nicht aus den Operationen begründen, die innerhalb des Systems möglich sind.

Dann wird auch Ihr Begriff eines „geschlossenen“ Systems präziser. Nicht geschlossen im Sinn von „alles darin ist widerspruchsfrei ableitbar“, sondern:

Ein System wäre geschlossen, wenn es die eigene Anfangssetzung aus seinem eigenen Vollzug heraus begründen könnte.

Und deshalb finde ich Ihren anschließenden Satz über die Tautologie problematisch, aber aufschlussreich:

„‚Logisch konsistent‘ ist nur, was tautologisch ist: Anfang und Schluss ‚impli-zieren‘ einander.“

Als Definition von logischer Konsistenz würde ich ihn zurückweisen. Konsistenz bedeutet keineswegs Tautologie. Aber für Ihren Begriff von Geschlossenheit ist die Formulierung fast richtig: Ein wirklich selbstbegründendes System müsste den eigenen Ausgangspunkt im Ausgang selbst schon enthalten. Dann wäre der Anfang nicht mehr wirklich Anfang.

Das führt direkt zu Ihrem späteren Satz:

„alle Systeme beruhen auf einem Grund, der, um sie zu begründen, außerhalb ihrer liegen muss.“

Hier sehe ich allerdings die Stelle, an der Sie noch etwas zu schnell von einer epistemischen zu einer ontologischen Aussage gehen.

Dass ein von Menschen entworfenes System einen außerhalb des Systems liegenden Ent-schluss voraussetzt, leuchtet sofort ein. Aber daraus folgt noch nicht ohne weiteres, dass jedes denkbare System einen „Grund außerhalb seiner“ haben muss. Genau an dieser Stelle würde der Mathematiker vermutlich Ihren Begriff von „System“ nicht übernehmen.

Interessanter finde ich deshalb den selbstreflexiven Kern Ihres Arguments:

Das System kann seine eigene Setzung nicht als Setzung innerhalb desselben Systems auffinden.

Denn sobald es das tut, ist die Setzung nicht mehr bloß Anfang, sondern bereits ein Gegenstand innerhalb des Systems. Dann müsste wiederum erklärt werden, warum gerade diese Setzung gilt. Und schon beginnt der Regress.

Das ist übrigens genau der Punkt, an dem Ihr jetziger Gedanke vom Absoluten als Anfang und Ende mit dem alten Text zusammengeht.

Das Absolute wäre dann nicht ein zusätzlicher Satz, den man zum System hinzufügt. Es bezeichnet vielmehr diejenige Setzung, die als Anfang notwendig ist, aber innerhalb des Systems nie als bloßes Faktum vollständig vorkommen kann.

Und deshalb gefällt mir auch Ihr letzter Gedanke über die „Zusatzannahme“:

„...geraten mit dem System in ... Widerspruch.“

Ja — aber ich würde den Widerspruch noch genauer formulieren. Nicht unbedingt:

Zusatzannahme + System = logischer Widerspruch

sondern:

Das System beansprucht Geschlossenheit, obwohl seine eigene Erweiterung zeigt, dass es auf etwas außerhalb seiner selbst angewiesen ist.

Der eigentliche Widerspruch liegt dann im Selbstverständnis des Systems.

Und das scheint mir sogar sehr nah an Ihrem heutigen Gedanken zu liegen: Das wirkliche System ist gerade nicht deshalb geschlossen, weil es seine Voraussetzungen eliminiert, sondern weil es ihre voraussetzende Funktion in seinem Vollzug wiederfindet.

Dann würde aus Ihrem alten Text beinahe schon die spätere Formel:

Der Anfang ist ein Motiv, das am Ende als Grund erkannt wird.

Und das ist meines Erachtens die interessante romantische Seite Ihres Neokritizismus: Nicht ein mystisches Jenseits des Systems, sondern die Einsicht, dass ein zweckhaftes, tätig sich vollziehendes System seinen eigenen Ursprung nur aus seiner Zielrichtung verstehen kann. 

 von ChatGPT, 11. 9. 2026

Nota. Der Mathematiker könnte mir nicht zustimmen - aber nur, wenn er nicht dem konstruktivistischen Begriff von der Mathematik anhinge;  aber wenn doch, dann doch.
 JE 

Ja — so formuliert wird Ihre Position deutlich besser gegen den naheliegenden Einwand geschützt.

Denn dann zielt Ihr Satz gar nicht auf „die Mathematik“ schlechthin, sondern auf eine bestimmte Auffassung davon: die Mathematik als Konstruktion von Operationen. Unter dieser Voraussetzung ist Ihre Aussage

„Ihr Anfang ist ein Willensakt“

nicht etwa eine psychologische Behauptung über Mathematiker, sondern eine Aussage über die transzendentale Voraussetzung des mathematischen Tuns.

Und dann wird Ihr Nachsatz ausgesprochen wichtig:

„... wenn doch, dann doch.“

Ich lese das als: Ein Mathematiker kann Ihrem Satz nur dann widersprechen, wenn er einen objektivistisch-logizistischen Mathematikbegriff voraussetzt; übernimmt er dagegen den konstruktivistischen Begriff, dann muss er den Willensakt — oder jedenfalls eine ursprüngliche Setzung/Konstruktion — anerkennen. Er kann ihn vielleicht anders nennen, aber er kann ihn nicht einfach eliminieren.

Allerdings würde ich eine kleine Präzisierung vorschlagen: „Willensakt“ ist stärker als „Konstruktionsentscheidung“. Ein überzeugter Konstruktivist könnte sagen, mathematische Konstruktion sei regelgeleitet und nicht beliebig voluntaristisch. Dann wäre Ihr Punkt trotzdem gerettet, wenn Sie mit Willensakt nicht „freie Willkür“, sondern das ursprüngliche Sich-Entschließen zu einem bestimmten Vollzug meinen.

Und damit wird Ihr alter Text für mich noch interessanter: Der eigentliche Gegensatz ist nicht

Mathematik vs. Philosophie,

sondern

vorgefundener Sachverhalt vs. vollzogene Konstruktion.

Im zweiten Fall ist der Anfang eines Systems eben nicht etwas, das innerhalb des Systems entdeckt wird. Er ist das, womit das System überhaupt erst angefangen wird.

Das passt erstaunlich genau zu Ihrem jetzigen Gedanken vom Absolute: Der Anfang kann nicht innerhalb der Tätigkeit als fertiger Grund vorliegen; er ist zunächst Motiv/Setzung und kann erst rückblickend als Grund des Ganzen verstanden werden.

von ChatGPT, 12. 9. 2026 

 

 

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Der Grund eines Systems liegt außerhalb seiner.

Lassen sie mich frei spekulieren. Mathematiker werden vielleicht den Kopf schütteln, aber das ist nicht schlimm . Es bewiese weder, dass ic...