Freitag, 4. April 2025

Wirklich ist, was...

                                                              aus Philosophierungen

...in Raum und Zeit vorkommt. Das hat auch Kant nicht anders gesehen. Und das Denken bringt es erst zu was, wenn es einsieht, dass Begriffe ohne Anschauung leer sind. Unter An-schauung verstand er alles, was sinnlich ist, und sinnlich ist, was... in Raum und Zeit vor-kommt.

Radikalisiert wurde Kant von J. G. Fichte. Der nennt, was sinnlich ist, geradewegs Gefühl. Anschauung sei dagegen schon eine intellektuelle Leistung, durch die nämlich ein Gefühl erstens als dieses und zweitens als meins bestimmt wird. Doch was es ist und was Ich hei-ßen kann, bestimme ich erst durch meine Arbeit des Begreifens (und die geschieht durch Setzen und Entgegensetzen). Denn ohne Begriff bliebe meine Anschauung blind.

aus einem Kommentar, 11. 1. 17
 
 
 
Ich selber bin in Raum und Zeit; woanders denken kann ich nicht. Doch was ich denke, ist nicht in Raum und Zeit. Wirklich würde es erst, wenn ich daraus absichtlich etwas machte.
8. 5. 21
 
 


Nota. - Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog

Donnerstag, 3. April 2025

Kant, Begriff und Anschauung.

 Heise                   zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik.

Bei Kant heißt die Philosophie eine Vernunfterkenntnis aus Begriffen, dies kann aber bei ihm selbst nicht so sein, denn nach ihm ist jeder Begriff ohne Anschauung leer; auch spricht er von transzendentaler Einbildungskraft, diese lässt sich nur anschauen.
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J. G. Fichte,Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 33 

 

Nota. - Transzendentalphilosophie heißt Vernunftkritik. Das ist eine problematische Sache, denn das Vordringen zum Ursprung der Vernunft kann die Vernunft selber nur mit ihren eigenen Instrumenten bewerkstelligen: Das, was sie erklären will, muss sie in toto vorausset-zen. 

Dass Kant mit seiner Kritik nur bis zum sogenannten Apriori gelangt ist, hat, außer dass er nicht weiterkommen
wollte, auch diesen methodologischen Grund, dass er sich der Parado-xie seines Verfahrens nicht bewusst wurde. Fichte spricht sie in seiner Wissenschaftslehre immer wieder mal an, aber nur so nebenher wie ein technisches Verfahrensproblem. Dabei tut er aber viel mehr. Er verfolgt die Genesis der Vernunft hinter das Stadium zurück, wo sie noch diskursiv darstellbar ist. Mit andern Worten, er entledigt sich der Begriffe und der Schlussregeln.

Das diskursive Verfahren besteht darin, festgestellte Begriffe anhand der Definitionen, aus denen sie gemacht sind, mit andern festgestellten Begriffen und deren Definitionen logisch zu verknüpfen. Das diskursive Verfahren ist eine Kette von lauter Gleichungen. Mit andern Worten, mehr als was in die Begriffe zuvor hineingesteckt wurde, kann nicht herauskom-men. Es werden Merkmale zueinander in immer neue
Verhältnisse gesetzt, aber material kommt nichts hinzu. Das soll es aber: Es soll sichtbar werden, wie dort, wo zuvor keine Vernunft war, Vernunft entsteht.

Fichte musste das Schaffen der Einbildungskraft selber anschaulich machen, aus dessen Reflexion Begriffe überhaupt erst entstehen können. Er musste das Vorstellen darstellen.

All das steckt in dem obigen kleinen Satz.
JE, 19. 6. 18
 

Mittwoch, 2. April 2025

Agilität überhaupt und der Raum als ihr Schema.

artiodiebaerin                 zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik.

Die Aufgabe ist: nicht einem bestimmten Tun, z. B. Denken, Anschauen pp., sondern einem Tun überhaupt zuzusehen. Die Aufforderung ist: eine Agilität zu beschreiben. Diese kann man nur beschreiben als eine Linie, die ich ziehe. Also innere Agilität ist eine Linie ziehen; nun aber ist hier nicht die Rede von einer Agilität, die geschieht, sondern von einer Agilität überhaupt, von einem bestimmbaren, aber nicht bestimmten Vermögen der inneren Tätigkeit und Agilität.

So eine Linie aber ist bestimmt der Direktion nach. In dem Vermögen müssen aber alle Li-nien liegen, das Schema des Tuns muss nach allen möglichen Direktionen mögliches Lini-enziehen sein; dies ist der Raum, und zwar leerer Raum, aber als leerer Raum kommt er nie vor, es wird immer etwas hineingesetz; warum, wird sich zeigen. 

Hier ist nuun vom Tun die Rede; auch das bloße reine Tun ist nichts Erscheinendes.
_______________________________________________________________________J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo,
Hamburg 1982, S. 110

 

Nota I. - Tun-überhaupt 'gibt es' nicht, es ist nicht Etwas und lässt sich nicht anschauen; an-schauen lässt sich lediglich die Vorstellung seines Schemas: ein Punkt, von dem aus in alle möglichen Richtungen Linien gezogen werden. Das impliziert, nein: schafft eine Vorstel-lung vom Raum.
 

Kants Kritik der reinen Vernunft hatte beim Apriori Halt gemacht; bei den zwölf Katego-rien und den beiden transzendentalen Anschauungsformen. Woher die kommen, lässt er - wie um Platz für den Glauben zu schaffen - im Ungewissen. Fichte radikalisiert Kant: Auch dessen Apriori ist Bestimmung durch das Ich.

31. 10. 16

 

Nota II. - Das darf man nicht wörtlich nehmen: der Raum sei 'Schema der Agilität'; denn nur mit den darin gezeichneten unendlichen Linien ist er das. Sie sind 'Figur', er ist 'Grund': ohne den können sie Agilität nicht 'bedeuten'.
 

Dies ist zugleich der Urtyp eines Schemas im transzendentalen Gebrauch.
JE
, 10. 6. 22

Dienstag, 1. April 2025

Dem diskursiven Denken ist der Hang zur Dogmatik immanent.

  Full Zodiac Set, China, AD 618 - 907                                         zu Philosophierungen

Vernünftig wäre eine Welt, wo letzten Endes das diskursive Denken den Ausschlag gibt.

Diskursives Denken verknüpft klar und deutlich bestimmte Begriffe nach überprüften und anerkannten Regeln. Nur so ist ein Meinen und Dafürhalten für einen jeden überprüfbar, der sich seiner bedient.

Man mag annehmen, die logischen Regeln seien nur im Ergebnis formal, denn material kä-men sie zustande, indem ein so und nicht anders bestimmter Begriff mit einem anderen, an-ders und nicht so bestimmten Begriff sich wirklich operativ verknüpfen lässt, ohne dass ihre jeweilige Bestimmtheit dadurch beeinträchigt würde. 

Dann wäre dem metaphysischen Anspruch genüge getan, denn nun hinge alles nur noch an den Begriffen und ihrer Bestimmung. 

Allerdings muss vorausgesetzt werden, dass diese logische* Harmonie unter den Begriffen tatsächlich präetabliert ist. Das kann man aber nur glauben und nicht wissen: denn dazu müsste es von einer endlichen Intelligenz so überprüft worden sein, dass jede andere end-liche Intelligenz es nach vollziehen könnte. Das ist schlechterdings nicht möglich, denn dazu müsste der Umkreis der bestimmten Begriffe endgültig festgestellt sein. 

Etwaige Zweifel überspielt der Begriffsfetischist daher mit seiner Überlegenheit.

*

Diskursives Denken setzt die Gültigkeit der Logik voraus. Das sei ihm in Hinblick auf obi-ge Erwägung geschenkt, und es mag sie unbefangen anwenden. Doch wo immer es materi-aliter zu argumentieren beginnt, muss es einen Begriff verwenden und ihn als vor bestimmt behaupten. Ein anderer Anfang ist ihm nicht möglich. Es kann aber in keiner Weise begrün-den, weshalb es seinen Anfang an diesem Begriff wählt und nicht an einem andern. Und je-dem Zweifel an der Bestimmheit seines Eingangsbegriffs muss es stattgeben. 

Auf diesem Weg gibt es kein Halten und man stürzt ins Bodenlose. Übereinkommen ist so nicht möglich. Entweder sie vertragen sich an einem Punkt, wo sie zufällig übereinstimmen - und jeder Skeptiker darf sie der Augenwischerei zeihen.** Oder ein jeder verharrt auf dem Punkt, an dem er gerade steht, und sie müssen ergebnislos auseinander gehen, sofern sie die Sache nicht handgreiflich klären wollen.

Diskursives Denken ist, wenn man ihm auf den Grund geht, entweder ein Eiern durch die Kompromisse, oder es führt in den Schlagabtausch. Und merke: So wäre es, wenn es denn wirklich allüberall das letzte Wort hätte. Aber davon kann ja nicht die Rede sein: Die mei-sten wirklichen Konflikte in der Welt entstehen nicht aus unterschiedlichen Begriffen, son-dern aus unterschiedlichen Interessen. Das Rühren und Destillieren in Begriffen dreht sich bestenfalls im Kreis und findet einen Halt nur immer in gläubigem Behaupten und gewalt-samem Erzwingen.

*

Die Wissenschaftslehre ist die radikalisierte Fortführung der Kant'schen Kritik. Sie kann selber nicht mit Begriffen und Schlussregeln zu Werke gehen, deren Begründung sie ja erst prüfen will. Sie kann nur an dem Material beginnen, das den Begriffen zu Grunde liegt; an dem, was in ihnen vorgestellt wird. Und einen ersten Schritt muss sie nicht suchen, er bietet sich von selber an: Vor eine Ersten Vorstellung muss sie einen ersten Vorsteller setzen, dem keine andere Bestimmung zukommt als eben die, dass er vorstellen kann, weil er es will. Von dieser einen und einzigen Voraussetzung aus muss nun Schritt für Schritt das System*** der Vernunft rekonstruiert werden, das uns heute tatsächlich einen weltweiten wissenschaftli-chen und technischen Zusammenhang ermöglicht - wenn schon nicht immer de facto, so doch in faciendo.

*) Das Logische ist ursprünglich alles Bedeutsame im Unterschied zum Gegenständlichen: Es war material ge-meint, nicht formal. 

**) Faktisch werden sie zu Beginn der Verhandlungen nach diesem zufälligen Konsens suchen, aber alles weitere bleibt eine Diskussion 'ex concessis' und gilt immer nur für die Beteiligten: 'ad hominem'. Niemand ist gehalten, ihnen zu folgen.

***) Das System -  nicht aber, was im einzelnen als vernünftig gelten soll: Das bleibt Sache des Meinungsstreits.
9. 6. 22 

Montag, 31. März 2025

Das gesellschaftliche Bedürfnis und die notwendige Arbeit.

berlinonline                                                                                    aus Marxiana

Damit eine Waare zu ihrem Marktwerth verkauft wird, d. h. im Verhältniß zu der in ihr enthaltnen gesellschaftlich nothwendigen Arbeit, muß das Gesammtquantum gesellschaft-licher Arbeit, welches auf die Gesammtmasse dieser Waarenart verwandt wird, dem Quan-tum des gesellschaftlichen Bedürfnisses für sie entsprechen, d. h. des zahlungsfähigen ge-sellschaftlichen Bedürfnisses. Die Konkurrenz, die Schwankungen der Marktpreise, die den Schwankungen des Verhältnisses von Nachfrage und Zufuhr entsprechen, suchen beständig das Gesammtquantum der auf jede Waarenart verwandten Arbeit auf dieses Maß zu redu-ciren. .../

Producirt ferner einer wohlfeiler und kann er mehr losschlagen, sich größren Raums vom Markt bemächtigen, indem er unter dem laufenden Marktpreis oder Marktwerth verkauft, so thut er es, und so beginnt die Aktion, die nach und nach die andren zwingt, die wohlfei-lere Produktionsart einzuführen, und die die gesellschaftlich nothwendige Arbeit auf ein neues geringres Maß reducirt. Hat eine Seite die Oberhand, so gewinnt jeder, der ihr ange-hört; es ist als hätten sie ein gemeinschaftliches Monopol geltend zu machen.
_________________________________________________________
Das Kapital III, MEGA II.15; S. 192, 194 [MEW 25, S. 202, 204] 

 

  

Samstag, 29. März 2025

Es gibt kein Kapital.

                                                                     zu Marxiana 

"Es gibt" gar kein Kapital. Was 'es gibt', sind Werte in Form von Tausch- oder Produk-tionsmitteln, über die Personen unter gegebenen Umständen dieses oder jenes verfügen. Auf das, was sie tun, kommt es an - und auf die Umstände.

Es gibt Gegenstände und es gibt Menschen, die mit ihnen etwas anfangen. Zu Kapital werden die Gegenstände durch das, was sie mit ihnen anfangen - und durch das, was sie, vermittelt durch die Gegenstände, mit einander anfangen.

Im Begriff ist eine Tätigkeit als Ruhe dargestellt.
14. 11. 19 

  
Kapital ist keine Sache, sondern ein Verhältnis zwischen tätigen Menschen.
Ein Verhältnis ist keine Sache, sondern tätige Menschen verhalten sich - so oder anders.

Oder, mit Marx zu reden, Kapital "ist", was immer als solches fungiert; solange es als solches fungiert. 


 

Nicht Wille, sondern Einbildungskraft...

                                                             zu  Philosophierungen

[Der Wille ist nicht das oberste Princip der Bestimmung des Subjects zu Vorstellungen sondern diese haben ihr Spiel der Einbildungskraft für sich im Traume]
...
Nothwendigkeit der Träume 
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Kant, Opus postumum, 1. Konvolut, S. 065; 060



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Freitag, 28. März 2025

Das Ich ist zuerst unendlich, aber die Welt wird aus endlichen Einzelnen zusammengesetzt.

                                          zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftktitik

Durch dieses reine Denken wird das NichtIch Substanz, aber anders, als es oben das Ich wurde. Da wurde nur die Begrenztheit herbeigeführt, das Materielle war schon, und dies wurde durch das materielle Denken begrenzt, das schon vorhandene Mannigfaltige. Aber hier ist schon die Begrenztheit, und es wird nur das durch sich selbst Bestehende herbeige-führt.

In der Deduktion hebt das Bewusstsein von mir selbst an als dem Bewusstsein eines Un-endlichen, und nur dadurch, dass / ich das Unendliche nicht fassen kann, dadurch, dass sich mit der unendlichen Anschauung die Endlichkeit des empirischen Denkens verknüpft, wer-de ich mir zum Endlichen.

Umgekehrt, das Bewusstsein der Welt geht ja nicht aus von der Unendlichkeit, sondern von der Endlichkeit; meiner werde ich mir ganz bewusst, der Welt aber nicht als einer ganzen Welt, sondern einzelner Objekte. Ich fasse meine Begrenztheit auf, das die Absolutheit in sich Tragende kommt erst durch die Idee hinzu. Der Mensch des gemeinen Bewusstseins wohl findet sich ganz, die Welt aber nicht ganz, der Begriff des Universums wird erst all-mählich zusammengesetzt.
___________________________________________________________
J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 222f.



Nota I. - Darum kann das empirische Denken nur diskursiv sein, weil es eines an das andere knüpfen muss; was es wiederum nur darum kann, weil es sich selbst als ein unendlich Be-wegtes vorkommt.

20. 8. 15

Nota II. - In der Deduktion, d. h. dem 'zweiten Gang' der Wissenschaftslehre, komme ich zunächst als ein Unendliches vor; nämlich dem Philosophen. Der Mensch des gemeinen Be-wusstseins - also auch der Philosoph, sofern er nicht auf dem Katheder steht - dagegen fin-det sich vor als ein Ganzes, nämlich ein Begrenztes. Das Ich als Substanz, als das die Abso-lutheit in sich Tragende, kommt erst durch die Idee hinein.

Ist es so gemeint, oder bin ich zu banal?
JE,
23. 4. 17.

 

 

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Donnerstag, 27. März 2025

Meiner werde ich mir ganz bewusst, der Welt aber nicht.

planetarium-hamburg;       aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Durch dieses reine Denken wird das NichtIch Substanz, aber anders, als es oben das Ich wurde. Da wurde nur die Begrenztheit herbeigeführt, das Materielle war schon, und dies wurde durch das materielle Denken begrenzt, das schon vorhandene Mannigfaltige. Aber hier ist schon die Begrenztheit, und es wird nur das durch sich selbst Bestehende herbei-geführt.

In der Deduktion hebt das Bewusstsein von mir selbst an als dem
[sic] Bewusstsein eines Unendlichen, und nur dadurch, dass / ich die Unendlichkeit nicht fassen kann, dadurch, dass sich mit der unendlichen Anschauung die Endlichkeit des empirischen Denkens ver-knüpft, werde ich mir zum Endlichen. 

Umgekehrt, das Bewusstsein der Welt geht ja nicht aus von der Unendlichkeit, sondern von der Endlichkeit. Meiner werde ich mir ganz bewusst, der Welt aber nicht als einer ganzen Welt, sondern einzelner Objekte. Ich fasse meine Begrenztheit auf, das die Absolutheit in sich Tragende kommt erst durch die Idee hinein.  

Der Mensch des gemeinen Bewusstseins wohl findet sich ganz, die Welt aber nicht ganz, der Begriff des Universums wird erst allmählich zusammengesetzt. Das Ich als Substanz kommt dadurch zu Stande, dass das ideale Denken begrenzt wird, und das Wesen des Ich besteht daher bloß in Tätigkeit, das NichtIch aber dadurch, dass das reelle Denken vergei-stert wird, dann ist es Sein, dessen Wesen nur in Ruhe besteht.
_______________________________________________________________________J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 222f. 


Nota I. - In der Deduktion, d. h. dem 'zweiten Gang' der Wissenschaftslehre, komme ich zunächst als ein Unendliches vor; nämlich dem Philosophen. Der Mensch des gemeinen Bewusstseins - also auch der Philosoph, sofern er nicht auf dem Katheder steht - dagegen findet sich vor als ein Ganzes, nämlich ein Begrenztes. Das Ich als Substanz, als das die Absolutheit in sich Tragende, kommt erst durch die Idee hinein. - Ist es so gemeint, oder bin ich zum banal?

23. 4. 17

Nota II. - Nein, nicht zu banal, sondern unaufmerksam: 'Der Mensch überhaupt', nämlich der des gemeinen Bewusstseins, kommt sich anfangs als ein Unbegrenztes vor. 'Das aber kann er nicht fassen': Wieso will, wieso muss er es fassen?  - Da hat er ja Recht: 'die Welt' kommt einem nicht als ein unendliches Ganzes vor, denn das wäre völlig unanschaulich, sondern als ein (zwar) unendlicher Raum voller mannigfaltiger, aber endlicher Objekte. Die verschaffen ihm das Gefühl seiner Begrenztheit, hab ich Recht?
JE, 21. 1. 22

Mittwoch, 26. März 2025

Das Ich ist unaufhörlich im Werden.

Sisyphus  F. X. Stöber                                 aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

II. Durch jenes Setzen einer freien Tätigkeit wird die Sinnenwelt zugleich bestimmt, d. i. sie wird mit gewissen unveränderlichen und allgemeinen Merkmalen gesetzt. 

Zuvörderst - der Begriff von der Wirksamkeit des Vernunftwesens ist durch absolute Frei-heit entworfen; das Objekt in der Sinnenwelt als das Gegenteil derselben ist also festgesetzt, fixiert, unabänderlich bestimmt. Das Ich ist ins unendliche bestimmbar; das Objekt, weil es ein solches ist, auf einmal für immer bestimmt. Das Ich ist, was es sei, im Handeln, das Ob-bjekt ist Sein. Das Ich ist unaufhörlich im Werden, es ist in ihm gar nichts Dauerndes; das Objekt ist, so wie es ist, für immer; ist, was es war und was es sein wird. Im Ich liegt der letzte Grund seines Handelns; im Objekt der seines Seins: denn es hat weiter nichts als Sein.
_____________________________________________________________________
J. G. Fichte, Grundlage des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW Bd. III, S. 28


Nota I. - Das Ich 'ist' wesentlich nichts als seine prädikative Qualität, und diese Qualität ist nicht, als wenn sie wirkt.
19. 12. 18  

Nota II. - Es hört auf, sobald sein Leib aufhört, denn dann kann es nicht mehr wirken.
JE 



Dienstag, 25. März 2025

Zum Verstehen zwingen.

F. X. Messerschmidt  zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Wissenschaft, schrieb ich gelegentlich, sei das schließlich gefundene Mittel, den Andern zum Einverständnis zu zwingen. Dem bleibt hinzuzufügen: das gilt in einer Welt, in der die Geltung von Vernunft verbindlich ist.

Zuerst bildete Vernunft sich aus als Völkerrecht, begründet in einem fiktionalen Natur-recht, dem das Individuum zugrundegedacht war.

So geschehen in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, als das Zeitalter der Aufklärung begann.

Was als wissenschaftliche Revolution der Neuzeit gilt, war erst auf dieser Grundlage mög-lich geworden: Im öffentlichen Verkehr - nur um den geht es - hat Vernunft zu herrschen. 

*

Versteh ich nicht. Erklär's mir!

Das setzt voraus, dass der Andre vernünftiger Einrede zugänglich ist. Wenn nicht, hätte er ebensogut sagen können: Will ich gar nicht wissen. Das wäre zwar sein gutes Recht. Das gute Recht aller andern wäre aber, ihn seither aus dem öffentlichen Verkehr auszuschließen.

Die Wissenschaftslehre, die den Anspruch auf uneingeschränkte Geltung doch im Namen führt, gibt unumwunden zu, niemanden überzeugen zu können, der es nicht will. Sie redet von der Begründung der Vernunft, und also kann sie den Fragesteller auf Vernunft nicht festlegen, da sie selber nach ihr fragt. Sie kann vernünftigerweise von niemandem verlangen, von der Vernunft, und sei es nur versuchsweise, Abstand zu nehmen: Er kann ihm nicht einmal versprechen, dass er am Schluss Gelegenheit findet, zu ihr zurückzufinden! 

Ihr Vortrag setzt voraus, dass der Andere bereit ist, sich mit ihr auf ein Abenteuer einzu-lassen. Kein Wunder, dass sie bis heute nicht viele Befürworter gefunden hat. Man riskiert ja, einsam zu werden.

 

 

Wirklich ist, was...

                                                              aus Philosophierungen . .. in Raum und Zeit vorkommt. Das hat auch Kant...