zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
Zunächst
fasse ich die herkömmliche Unterteilung des Marxschen Gesamtwerks in
‘Früh-schriften’ und ‘Spätwerk’ als eine Scheidung in einen ‘kritischen’
und einen ‘vorkritischen’ Teil auf.
Im z w e i t e n Teil — der gesamten ‘Kritik der politischen Ökonomie’ — geht es, a l s Kritik, um die Durchführung der (onto)logischen Voraussetzung — nach der die (ökono-mischen) Kategorien nichts seien als Handlungsweisen des Subjekts — am empirischen Material. Diese Durchführung ist 1) Kritik einer vorliegenden historischen Wissenschaft, der klassischen Nationalökonomie; 2) positive Darstellung des empirischen Stoffs selbst: des Gesamtprozesses der kapitalistischen Form der gesellschaftlichen Reproduktion nach dem Prinzip des vorangestellten ‘Standpunkts’; 3) durch die Darstellung des Stoffs, Dar-stellung des ‘Standpunkts’ selbst: Reflexion über den ‘Standpunkt’ als Reflexion auf das tatsächlich angewendete/anzuwendende Verfahren, und insofern auf dessen Vorausset-zungen: genauere Bestimmung derselben — des sich selbst setzenden Subjekts — nicht als “seiend”, sondern als g e l t e n d.
Zunächst
(in der Doktor-Diss.) nimmt M. ohne weiteres den Standpunkt der
Junghegelianer ein; eine pseudofichtisierende Hegel-Auffassung, die in
Wahrheit eine Umdeutung Hegels auf den Standpunkt des jungen S c h e l l
i n g ist: Nicht d i e Su b s t a n z wird ‘als
Sub-jekt gesetzt’, sondern d a s S u b j e k t
wird ‘als Substanz’ gefaßt (was immer auch dabei zu denken
sei).
Im
Ms. Kritik des hegelschen Staatsrechts stößt M. dann allerdings schon
auf Hegels Me-thode a l s s o l c h e r: die
Ahnung, daß die affirmative, anti-kritische Tendenz von Hegels politischer
Philosophie vorgegeben sei in dem affirmativen Prinzip der “Logik” — bzw. daß
der affirmativen Methode die restaurative politische Tendenz zugrunde liegt;
aber er verfolgt diesen Faden zunächst nicht weiter.
S o
n d e r n :
Unterm
Einfluß von F e u e r b a c h (und von Moses H e s s)
Hinwendung zum “wahren Sozialismus”; Bestimmung des substanten Subjekts als
“Gattungswesen” und Fassung der bürgerlichen Gesellschaft unter die Alles
bestimmende Kategorie “Entfremdung”: Kritik der Hegelschen
Rechtsphilosophie, Einleitung und die Pariser Manuskripte…
‘Dialektik’ kommt in diesen beiden Texten lediglich als rhetorische Figur vor,
es werden keineswegs ‘Begriffe’ “durch einander bestimmt”, sondern: “ein
Wort gibt das andre…” Die hegelsche Triade tritt nur auf als
geschichtsmetaphysische Schablone: die “Entfrem-dung” (Antithesis) des bürgerlichen
Menschen von seinem “Gattungswesen” (Thesis) — ‘Entfremdung’ heißt hier:
K o n k u r r e n z — m u ß “umschlagen” in den
Kommunis-mus: Versöhnung, Heimkehr, Synthesis… — die alte
Geschichte von Sündenfall und Erlösung.
In
der Heiligen Familie schließlich — immernoch auf dem Standpunkt von
Feuerbachs “Gattungswesen” — Bruch mit den “Ideologen”(die durch das Verknüpfen
bloßer Begriffe zu faktischen Einsichten kommen wollen) und resolute Wendung zu
Empirie und Nomina-limus (=“Materialismus”).
Schließlich
– in der Auseinandersetzung mit S t i r n e r s “Einzigem” – nach
dem prakti-schen Anschluß an die revolutionäre Arbeiterbewegung und (darum)
erneutem Studium der klassischen Nationalökonomie — wird in den Feuerbachthesen
und der Deutschen Ideolo-gie das ‘Gattungswesen’ als bloß säkularisierte
Version des lieben Gottes abgeschafft; an die Stelle des s u b s t a n t
e n Subjekts tritt ein... nun ja, ein transzendentales: ein aus dem
Begründeten als dessen Grund logisch erschlossenes, das sich — in einer selber
nicht abzu-leitenden ‘Tathandlung’ (bei Marx “generatio aequivoca”) ‘als’ Subjekt‚ ‘gesetzt’ haben ‘m u ß’: der “ersten geschichtlichen Tat”…
Mit
der Ersetzung des ‘ideologischen’ Standpunkts durch den transzendentalen wird
nun aber die “absolute Methode” auch ihrer Form nach unhaltbar (vgl. Elend
der Philosophie). Entsprechend verzichtet schließlich das Kommunistische
Manifest konsequent auf alle be-grifflichen Verallgemeinerungen und begnügt
sich damit, ‘Tatsachen’ aussprechen zu wollen (z.B. daß “die herrschenden
Gedanken stets die Gedanken der herrschenden Klasse” gewe-sen seien, wird nicht
als materialistisches ‘Gesetz’ formuliert, sondern als empirische
Fest-stellung).
—
Die nunmehr, nach der Bestimmung des kritischen ‘Standpunkts’, möglich
gewordene umfassende, d.h. systematisch v o n e i n e m
P r i n z i p a u s gehende Kritik der poli-tischen Ökonomie
erfordert nicht allein eine erneute Sichtung des gesamten wissenschaft-lichen Schrifttums, sondern ermöglicht (erstmals!) auch die
Sammlung und Ordnung des gegebenen ökonomischen Materials: der “realen
Bewegung” der kapitalistischen Produk-tion.
aus Marx und Fichte
Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE
