Freitag, 6. November 2026

Was als Formenwechsel erscheint, ist eine unterschiedliche Stellung in der Handlungskette.

 thüringer-allgemeine

Der totale Oekonomische Ausdruck, selbst einseitig gegen die Extreme, ist immer der Tauschwerth, wo er als Mittelglied gesezt ist; z. B. Geld in der einfachen Circulation; Capital selbst als Vermittler zwischen Production und Circulation. 

Innerhalb des Capitals selbst nimmt eine Form desselben wieder die Stellung des Ge-brauchswerths gegen die andre als Tauschwerth an. So z. B. das industrielle Capital er-scheint als Producent gegenüber dem Kaufmann, der als Circulation erscheint. So stellt das erste die stoffliche, der andre die Formseite, also den Reichthum als Reichthum dar. 

Zugleich ist das mercantile Capital selbst wieder Vermittler zwischen der Production (dem industriellen Capital) und der Circulation (dem consumirenden Publicum) oder zwischen dem Tauschwerth und Gebrauchswerth, wo abwechselnd beide Seiten, die Production als Geld, die Circulation als Gebrauchswerth (consumirendes Publicum) oder die erste als Ge-brauchswerth (Product) die zweite als Tauschwerth (Geld) gesezt ist. Ebenso innerhalb des Handels selbst: der Großhändler als Mittler zwischen Fabrikant und Detaillist, oder zwi-schen dem Fabrikant und Agriculturist, oder verschiednen Fabrikanten ist dieselbe höhere Mitte. 

So wieder die Waarenmäkler dem Großhändler gegenüber. Dann der Banker den Industri-ellen und Kaufleuten gegenüber; die Aktiengesellschaft gegenüber der einfachen Producti-on; der Finanzier als Vermittler zwischen dem Staat und [der] bürgerlichen Gesellschaft auf der höchsten Stufe. Der Reichthum als solcher repräsentirt sich am distinktesten und brei-testen, je weiter er von der unmittelbaren Production entfernt und selbst wieder vermittelt zwischen Seiten, die jede für sich betrachtet schon als ökonomische Formbeziehungen gesezt sind.
___________________________________________________
K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 247   [MEW 42, S. 250f.] 



Nota. - Was in Marxens gelegentlich hegelianisierendem Jargon Formenwechsel heißt, ist in der Wirklickeit nur der wechselnde Blick auf verschiedene Stellen im Gesamtprozess der ka-pitalistischen Produktion. Während bei Hegel der Gesamtprozess als ein Werden lediglich erscheint, doch als System in Wahrheit ewiges Sein ist, ist die historisch-ökonomische Wirk-lichkeit für Marx tatsächlich die unendliche Kette menschlicher Handlungen. Was als ein Formenwechsel der Ware selbst erscheint, ist in der Wirklichkeit z. B. nur der Unterschied, ob ein Marktagent sie kauft oder verkauft: Er ist es, der handelt, die Ware hält nur still.
8. 9. 16

 

Nota II. - In der Politischen Ökonomie spielt der Gebrauchswert theoretisch keine Rolle. Sehr wohl dagegen in der Kritik der Politischen Ökonomie: Dort ist er sogar der springende Punkt. Das Kapitalverhältnis entsteht überhaupt nur, weil für den Arbeiter seine Arbeits-kraft keinen andern Gebrauchswert hat als den, gegen Geld austauschbar zu sein; für den Kapitalisten dagegen, der sich die Arbeitskraft angeeignet hat, hat sie den Gebrauchswert, Mehr wert hervorzubringen. Bei Marx spielt daher der Gebrauchswert "eine ganz anders wichtige Rolle"
JE

Donnerstag, 5. November 2026

Einfach und vermittelt.


 

Capital ist unmittelbare Einheit von Product und Geld oder besser von Production und Cir-culation. So ist es wieder selbst ein Unmittelbares, und / seine Entwicklung besteht darin, als diese Einheit, – die als bestimmtes und daher einfaches Verhältniß gesezt ist – sich selbst zu setzen und aufzuheben. Die Einheit erscheint zu-nächst im Capital als etwas Einfaches. 
___________________________________________________
K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 247f. [MEW 42, S. 251]


Nota I. - ''Kokettiert' er wieder nur mit der Hegel'schen Ausdrucksweise? Ein "materialisti-scher" oder auch bloß kritischer und nichtmetaphysischer Autor würde ja an dieser Stelle sagen: Produktion und Zirkulation sind gar keine Sachen, und für sich genommen 'gibt es' sie gar nicht. Was 'es gibt', sind produzierende und austauschende Menschen. Was da als eine Entwicklung von einem Begriff zum andern erscheint, sind jeweils nur unterschied-liche Momente im praktischen Verhältnis der einen zu den andern. Und was als einfach und was als vermittelt erscheint, hängt ganz davon ab, auf welchen Punkt des prozessierenden Verhältnisses man blickt.

 6. 2. 16 


Nota II. - Man könnte hinzufügen: Was mir als einem Glied der bürgerlichen Gesellschaft als ein Unmittelbares begegnet, ist mitnichten ein Einfaches. Es ist tausendfach vermittelt, und das beginnt damit, dass es - mehr oder weniger präzise - durch meine Sprache bezeich-net ist: So unmittelbar es mir vorkommt, hat es in aller Regel doch immer schon eine Be-deutung. Ja und selbst, wenn seine Bedeutung einstweilen noch nicht offenkundig ist, so hat es doch schon diese 'Bedeutung', dass ihm eine Bedeutung schmerzlich fehlt und nichts dringender ist, als ihm eine anzuerfinden. 

So ist das Kapital eine unmittelbare Einheit von Produktion und Zirkulation nur auf dem aller höchsten und am weitesten vermittelten Standpunkt des gesellschaftlichen Ganzen - und "erscheint" erst im III. Band des Kapital. Im I. Band erscheint es vergleichstweise 'ein-facher', ist aber einseitig nur als Produkt gefasst, ist eine Abstraktion und kommt dem Leser doch wie - ein Unmittelbares vor. - Da viele Marx-Schulungen beim Ersten Band stehen- blieben, musste das, was an Marxens Darstellungsmethode "das Dialektische" ist, im Nebel bleiben.

PS. Zu beanstanden aber ein grober Schnitzer: Je bestimmter etwas (ein Verhältnis) ist, um so weniger einfach ist es. 'Das Konkrete ist konkret, weil es die Zusammenfassung vieler Bestimmungen ist; Einheit des Mannigfaltigen.' Das Konkreteste ist also das Komplexeste. Das Einfache ist möglich nur als Abstraktion.
JE,
29. 4. 18

Mittwoch, 4. November 2026

Wesen und Erscheinung.

  krystallpalast                                                                                              aus Marxiana

An einer Stelle bezeichnet Marx den Wert als das 'Wesen' des Tauschwerts. Nun sind Wert und Tauschwert ein und dasselbe. Tauschwert ist er, soweit ich den unmittelbaren Tausch-akt Ware-Geld-Ware betrachte. Wert ist er, wenn ich den Gesamtprozess der gesellschaftli-chen Reproduktion betrachte. Nicht der Begriff ändert sich, sondern lediglich der Gesichts-punkt des Begreifenden. Hier das Wesen von der Erscheinungsform zu unterscheiden, ist richtig falsch.
30. 4. 18 

 
 

Dienstag, 3. November 2026

Absolut kann nur ein Zweck sein.

Ich schrieb: Absolut ist etwas, das kein Anderes zur Voraussetzung hat.

Ein Seiendes im Sinne der Naturwissenschaft kann nicht absolut sein - es ist immer nur Teil eines Ganzen, in dem Jedes von Allem Andern abhängt. Absolut kann nur eine Geltung sein: ein Sollen, das Allem andern Gelten vorangeht. Geltung gibt es da, wo Sollen mit Wollen konkurriert. Es ist ein Gegenstand von Kunst: Es ist künstlich: will sagen, es kommt nur in absichtlichem Handeln vor.

Ein Gegenstand der Naturwissenschaft kann es daher nicht werden. 

Absolut kann nur ein Gelten sein. Gelten bezieht sich auf den Zweck des Handelns. Und zwar so, dass nur eine zweckhafte Tätigkeit Handlung ist. Zweckhaftigkeit ist das Genus, der einzelne Zweck ist spezifisch; er ist der Zweckhaftigkeit teilhaftig, sie ist seine Bedin-gung. 

Kurz gesagt, ein Absolutes kann nur als absoluter Zweck gedacht werden.   

GPT-6 antwortet: 

Ich würde den Gedankengang zunächst in seiner eigenen Konsequenz ernst nehmen. Er hat eine klare Stoßrichtung: Das Absolute ist kein Seiendes, sondern ein Zweck; und es ist nicht Gegenstand einer Erkenntnis, die etwas Vorgefundenes beschreibt, sondern einer Kritik, die das Gelten im Handeln aufweist.

Drei Übergänge scheinen mir dabei entscheidend.

1. Vom Absoluten zum Gelten

Die erste Bestimmung – absolut sei, was kein Anderes zur Voraussetzung hat – ist zunächst formal. Dass daraus kein Seiendes der Naturwissenschaft absolut sein kann, folgt unter Ihrer Voraussetzung, dass jedes natürliche Seiende in einem Abhängigkeitszusammenhang steht. Allerdings ist damit noch nicht bewiesen, dass nur Geltung absolut sein kann. Dazu bedarf es der zusätzlichen Prämisse, dass Geltung nicht selbst wiederum von etwas anderem abhängt. Eben diese Prämisse scheint mir bei Ihnen im Begriff des vorausgehenden Sollens zu liegen.

2. Vom Gelten zum absichtlichen Handeln

Hier liegt, scheint mir, der eigentliche philosophische Einsatz. Geltung kommt dort ins Spiel, wo Sollen und Wollen miteinander konkurrieren. Ein Sollen ist also nicht einfach ein vorhandener Tatbestand, sondern etwas, das gegenüber einem wirklichen Wollen Anspruch erhebt. Damit ist Geltung an ein Verhältnis gebunden, das im bloßen Naturgeschehen nicht vorkommt: an absichtliches Handeln.

Das heißt allerdings nicht, dass ein Naturwissenschaftler sich nicht mit dem Sollen als psychischem, sozialem oder historischem Tatbestand befassen könnte. Er kann dessen Entstehung und Wirkung untersuchen. Was er damit nicht schon erfasst, ist sein Gelten: ob etwas geschehen soll, nicht bloß, warum jemand es will oder warum Menschen es für geboten halten.

3. Von der Zweckhaftigkeit zum absoluten Zweck

Hier scheint mir Ihre Unterscheidung von Genus und Spezifik besonders wichtig. Der einzelne Zweck ist nicht selbst die Zweckhaftigkeit; er hat an ihr teil. Zweckhaftigkeit ist vielmehr die Voraussetzung dafür, dass ein bestimmtes Ziel überhaupt als Zweck gesetzt und verfolgt werden kann.

Aber daraus entsteht eine Frage, die für Ihren Schluss entscheidend ist: Ist die Zweckhaftigkeit selbst schon das Absolute, oder muss sie sich erst in einem absoluten Zweck bestimmen?

Sie entscheiden sich für die zweite Möglichkeit. Das Absolute ist nicht die bloße Form des Zwecksetzens, sondern der Zweck, an dem sich die Geltung aller einzelnen Zwecke bemisst. Damit wird der absolute Zweck zum Maßstab der Kritik, ohne dass er deshalb als ein vorhandenes Ding behauptet werden müsste.

Ich sehe allerdings eine Spannung in der Formulierung, dass ein Sollen allem anderen Gelten vorangeht. Ein zeitliches Früher kann damit kaum gemeint sein: Das absolute Sollen müsste vielmehr in der Ordnung der Begründung vorausliegen. Sonst wäre es selbst wieder von einem anderen abhängig.

Und noch eine letzte, für mich entscheidende Unterscheidung: Dass das Absolute nur als absoluter Zweck gedacht werden kann, ist zunächst eine Aussage über die notwendige Denkform. Dass es deshalb auch einen solchen Zweck geben muss, folgt daraus nicht ohne Weiteres. Wenn Sie aber den absoluten Zweck nicht als existierendes Etwas, sondern als Voraussetzung absichtlichen Handelns verstehen, dann verschiebt sich die Frage: Nicht Woher wissen wir, dass es ihn gibt?, sondern Was setzen wir bereits voraus, wenn wir überhaupt handeln und unsere Zwecke als gültig oder ungültig beurteilen?

An dieser Stelle scheint mir Ihr Ansatz am stärksten zu sein. Er beansprucht keinen Gegenstand jenseits der Natur, sondern untersucht, was wir im absichtlichen Handeln schon voraussetzen.

Ich: Womit ich nicht behaupte, dass es alleweil so ist; sondern dass es so sein müsste, damit es als vernünftig gelten könnte.

 Er: Ja. Damit ist der Einwand, den ich zuletzt erhoben habe, gegenstandslos: Sie behaupten keine Existenz des absoluten Zwecks, sondern formulieren eine Bedingung seiner vernünftigen Geltung.

Das Absolute muss nicht als Wirklichkeit vorgefunden werden. Es muss als Zweck vorausgesetzt werden, damit zweckhaftes Handeln als vernünftig gelten kann. Ob ein Handelnder dieser Voraussetzung tatsächlich entspricht, ist eine andere Frage.

Damit unterscheiden sich drei Dinge:

  • Was ist: das wirkliche Handeln mit seinen empirisch feststellbaren Zwecken.

  • Was gilt: der Anspruch, unter dem ein Zweck als vernünftig beurteilt werden kann.

  • Was gelten müsste: der absolute Zweck als Voraussetzung dafür, dass solche Beurteilung überhaupt mehr sein kann als die Konfrontation konkurrierender Willen.

Das Letzte ist also weder eine Tatsachenbehauptung noch eine metaphysische Existenzbehauptung. Es ist eine kritische Forderung an die Vernunft, sich über ihre eigenen Voraussetzungen auszuweisen.

Und damit erhält auch Ihr Satz, das Absolute könne nur ein Gelten sein, seinen präzisen Sinn: Nicht weil alles Wirkliche aus einem absoluten Zweck hervorginge, sondern weil ohne die Voraussetzung eines unbedingten Zwecks kein bedingter Zweck als vernünftig gelten könnte.

Eine Frage bleibt allerdings offen, und sie ist keine bloß terminologische: Muss dieser unbedingte Zweck schon als ein bestimmter Zweck gedacht werden, oder genügt zunächst die Forderung, dass jeder bestimmte Zweck sich vor einem unbedingten Maßstab rechtfertigen lassen müsse?

Ich: Die Menschheit hat nie aufgehört, nach ihm zu suchen. Oft belastet von vielen unausgewiesenen Zusatzbedingungen. Doch die in Schach zu halten ist der Zweck der kritizistisch-transzendentalen Kritik.

Er: Dann ist die kritizistisch-transzendentale Kritik keine Lehre vom absoluten Zweck, sondern die Prüfung der Ansprüche, unter denen wir ihn suchen.

Das scheint mir auch den historischen Gedanken Ihres ersten Satzes zu präzisieren: Die Menschheit hat nicht aufgehört, nach dem Absoluten zu suchen; aber sie hat ihre jeweiligen Antworten immer wieder mit Voraussetzungen belastet, deren Berechtigung sie nicht ausgewiesen hat. Die Kritik soll diese Voraussetzungen nicht einfach durch andere ersetzen, sondern sie in Schach halten.

Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Denn auch die Kritik darf sich nicht ausnehmen. Sie muss ihre eigenen Voraussetzungen zur Prüfung stellen können, ohne damit den Maßstab preiszugeben, an dem sie prüft.

Hier berührt sich Ihr Ansatz mit Fichtes kritischem Ausgangspunkt, sofern man die frühe Wissenschaftslehre zugrunde legt: Nicht ein unabhängig vorgefundenes Absolutes soll die Untersuchung begründen; vielmehr muss sich zeigen, was wir voraussetzen müssen, wenn unser Tun und Denken als vernünftig verständlich werden soll.

Dabei würde ich eine Unterscheidung festhalten: Der absolute Zweck ist nicht das Ergebnis der Kritik, sondern dasjenige, woraufhin die Kritik ihre Voraussetzungen prüft. Ob und wie er sich bestimmen lässt, bleibt offen. Gerade diese Offenheit unterscheidet die kritische Aufgabe von einer dogmatischen Weltanschauung.

Und vielleicht liegt darin der entscheidende Sinn Ihrer Formulierung in Schach halten: Die Kritik soll die Vernunft weder ihrer eigenen Ansprüche berauben noch ihr gestatten, diese Ansprüche ungeprüft als Erkenntnisse auszugeben.

Nachtrag: Auch der Zweck ist absolut natürlich nur in der Vorstellung. Ergreife ich ihn als meinen, ist er nicht länger absolut, sondern in Raum und Zeit.
 
 

Montag, 2. November 2026

Philosophieren im System.

  

Kant unterscheidet zwei Klassen von Philosophen - die "nach dem Schulbegriff" und die "nach dem Weltbegriff". Nach dem Schulbegriff, das sind die, die Philosophie an der Uni-versität betreiben. Einen Philosophen "nach dem Weltbegriff" hingegen darf sich keiner selber nennen, das können höchstens Andere tun, denn das wäre einer, der jenen zeigt, wo es lang geht.

Ein Schulphilosoph bin ich nicht geworden, bin aber, nachdem ich meinen Erwerbsberuf beendet hatte, zum Philosophieren zurückgekehrt. Dabei ist es mir widerfahren, meine Vor-stellungen zu einem System zu ordnen - nur im Kopf, nicht auf dem Papier, denn das ist schwierig. - Nun gilt systematisches Philosophieren in Fachkreisen heut ohnehin als dumm und anmaßend, und wenn ich dort überhaupt eine Chance haben will, muss ich gewissen-haft vorzeigen, dass ich 'mein System' weißgott nicht mutwillig konstruiere, sondern nur auf Schritt und Tritt mir zuziehe, ohne es hindern zu können. Darum die Form der täglich fort-zuschreibenden Blogs und deren Zerstreuung in ein gutes halbes Dutzend. 

Die Fichtiana und die Philosophierungen sind das Kernstück, sie erläutern einander. Und da am empirisch-anthropologischen Anfangspunkt meines pp. Systems 'das Ästhetische' als Spezifikum des poietischen Vermögens alias produktive Einbildungskraft, an seinem speku-lativ-transzendentalen Endpunkt aber 'das Absolute' als die ästhetische Idee schlechthin steht, ist das Blog Geschmackssachen der Dritte im Bund.

Der fragmentarische Vortrag macht die Beschäftigung mit 'meinem System' abwechslungs-reich und unterhaltsam, aber übersichtlich ist er nicht. Allerdings vermute ich, wer sein System übersichtlich darstellen kann, hat es nicht richtig verstanden.

Jochen Ebmeier, 30. 3. 15

Sonntag, 1. November 2026

Kleines System der Philosophie.

                                                                      aus Philosophierungen  
 
Philosophie ist wissenschaftlich nur als Kritik. Und nur als Kritik sollte sie sich zu einem System ordnen lassen. Negativ zwar, sofern ihr letzter Grund darin aufgefunden wird, dass ein realer Urgrund des Wissens sich nicht nachweisen lässt. 

Sie ist Wissen des Wissens und endet in der Einsicht, dass das Wahre als beabsichtigter Ge-genstand des Wissens nicht auf-gefunden, sondern postuliert wird. Ein solches Wissen vom Wissen ist in seiner Negativität rein formal und hat keinen Inhalt. 

Das war aber nicht die Absicht, aus der heraus die Philosophie entstanden ist. Sie wollte im Gegenteil ein positives Wissen, das als Wegweiser zur richtigen Lebensführung taugt. Die Kritik zeigt nun: Mit theoretischen Mitteln ist das nicht zu haben. Die richtige Lebensfüh-rung lässt sich nicht ergründen, sondern kann nur entworfen werden. Sie muss frei erfun-den werden, und ihr einziger Maßstab* ist Schönheit – nämlich ob sie vor allem Interes-se gefällt. Da kann die theoretische, wissenschaftliche, kritische Philosophie allerdings se-kundär behilflich werden: indem sie die Interessen ans Licht zieht und abweist.

Die Kritik fügt dem Wissen sachlich nichts hinzu. Sie macht aber durch ihre Distinktionen das Wissens selbst – nicht erst das Gewusste – zu einem möglichen Gegenstand des Urteils: Was ist vor-, was ist nachgeordnet? Sie prüft den Wert des Wissens und ist also selber prak-tisch.

Daraus erhellt aber zugleich, dass der Maßstab zur Beurteilung des Wissens nicht in ihm selber aufzufinden ist, sondern ihm 'vor'-, d. h. übergeordnet war. Die 'Begründung' des Wissens geschieh actu im 'metaphilosophischen' Raum – und hat sich in der praktischen oder Lebensphilosophie zu bewähren. Sie ist eine pragmatische Fiktion, und insofern eben doch: 'Hypothese', genauer: Hypostase. Ist nicht proiectio, sondern proiectum. Und dies ist das einzige 'Interesse', das der Kritik standhält. 

*) Einen Urteilsgrund gibt es nicht. Und ein Urteil ohne Grund nennen wir 'ästhetisch': Es hat als Anhaltspunkt nichts als den Geschmack.

irgendwann in 2010


Nachtrag. - Wenn Sie, wie ich nur wünschen kann, schon öfter auf diesem Blog waren, werden Ihnen diese Zeilen nicht ganz unbekannt vorkommen. Das liegt an meiner unver-meidlich fragmentarischen Darstellungsweise: Wenn nicht alles linear und diskursiv aus einem einzigen Blickwinkel hergleitet wurde, muss man ab und zu hinter sich greifen, um die sinnhafte Einheit wieder herzustellen. Dabei wird es dann möglich und fast nötig, schon dagewesene Gedanken pointierter zusammenzufassen als beim erstenmal.
23. 10. 22 


Nota. Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.

Was als Formenwechsel erscheint, ist eine unterschiedliche Stellung in der Handlungskette.

 thüringer-allgemeine Der totale Oekonomische Ausdruck, selbst einseitig gegen die Extreme, ist immer der Tauschwerth, wo er als Mittelglied...