Mittwoch, 20. Mai 2026

Fiktives Kapital, IV.

                                                                      aus Marxiana

Mit der Entwicklung des zinstragenden Kapitals und des Kreditsystems scheint sich alles Kapital zu verdoppeln und stellenweis zu verdreifachen durch die verschiedne Weise, worin dasselbe Kapital oder auch nur dieselbe Schuldforderung in verschiednen Händen unter verschiednen Formen erscheint. Der größte Theil dieses "Geldkapitals" ist rein fiktiv. Die sämmtlichen Depositen, mit Ausnahme des Reservefonds, sind nichts als Guthaben an den Bankier, die aber nie im Depositum existiren. Soweit sie zum Girogeschäft dienen, fungiren sie als Kapital für die Bankiers, nachdem diese sie ausgeliehen haben. Sie zahlen sich unter einander die wechselseitigen Anweisungen auf die nichtexistirenden Depositen durch Ab-rechnung dieser Guthaben gegen einander. 
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K. Marx, Das Kapital III, MEGA II.15; S. 469 [MEW 25, S. 488f.]

 

Nota. - Es wird Geld verliehen, das gar nicht mehr da ist - im Vertrauen darauf, dass sich im Großen und Ganzen Forderungen und Gegenforderungen schon die Waage halten werden: Es bleibt ja immer alles im Fluss. Wenn aber sehr viele Gläubiger ihre Forderungen gleich-zeitig präsentieren - weil sie mit oder ohne Grund das Vertrauen verloren haben -, tritt eine Stockung ein und man sieht auf einmal: Es war schon nichts mehr da.
JE

Dienstag, 19. Mai 2026

Die Politische Ökonomie fing beim Kaufmannskapital an.

                                                                               zu Marxiana

Die erste theoretische Behandlung der modernen Produktionsweise – das Merkantilsystem – ging nothwendig aus von den oberflächlichen Phänomenen des Cirkulationsprocesses, wie sie in der Bewegung des Handelskapitals verselbständigt sind, und griff daher nur den Schein auf. Theils weil das Handelskapital die erste freie Existenzweise des Kapitals über-haupt ist. Theils wegen des überwiegenden Einflusses, den es in der ersten Umwälzungs-periode der feudalen Produktion, der Entstehungsperiode der modernen Produktion aus-übt. 

Die wirkliche Wissenschaft der modernen Oekonomie beginnt erst, wo die theoretische Betrachtung vom Cirkulationsproceß zum Produktionsproceß übergeht. Das zinstragende Kapital ist zwar auch uralte Form des Kapitals. Warum aber der Merkantilismus nicht von ihm ausgeht, sondern sich vielmehr polemisch dazu verhält, werden wir später sehn.
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K. Marx, Das Kapital IIIMEGA II.15 S. 329 [MEW 25, S. 349]

 

Nota. - Zum ersten Mal kam der Ausdruck Politische Ökonomie in dem merkantilistischen Traité d'Économie Politique von Antoine de Montchrétien vor; allerdings nur auf dem Titelblatt.
JE

Montag, 18. Mai 2026

Historisches zum Kaufmannskapital.

 Hans Holbein d. J., Kaufmann G. Gisze                                        aus Marxiana

Im Mittelalter ist der Kaufmann bloß "Verleger", wie Poppe richtig sagt, der sei es von den Zünftlern, sei es von den Bauern producirten Waaren. Der Kaufmann wird Industrieller, oder vielmehr läßt die handwerksmäßige, besonders die ländliche kleine Industrie für sich arbeiten. Andrerseits wird der Producent Kaufmann. Statt daß z. B. der Tuchwebermeister seine Wolle nach und nach in kleinen Portionen vom Kaufmann erhält und mit seinen Ges-ellen für diesen arbeitet, kauft er selbst Wolle oder Garn und verkauft sein Tuch an den Kaufmann. Die Produktionselemente gehn als von ihm selbst gekaufte Waaren in den Pro-duktionsproceß ein. Und statt für den einzelnen Kaufmann zu produciren, oder für be-stimmte Kunden, producirt der Tuchweber jetzt für die Handelswelt. Der Producent ist selbst Kaufmann. Das Handelskapital verrichtet nur noch den Cirkulationsproceß. 

Ursprünglich war der Handel Voraussetzung für die Verwandlung des zünftigen und länd-lich-häuslichen Gewerbes und des feudalen Ackerbaus in kapitalistische Betriebe. Er ent-wickelt das Produkt zur Waare, theils indem er ihm einen Markt schafft, theils indem er neue Waarenäquivalente, und der Produktion neue Roh- und Hülfsstoffe zuführt und damit Produktionszweige eröffnet, die von vornherein auf den Handel gegründet sind, sowohl auf Produktion für den Markt und Weltmarkt, wie auf Produktionsbedingungen, die aus dem Weltmarkt herstammen. 

Sobald die Manufaktur einigermaßen erstarkt, und noch mehr die große Industrie schafft sie sich ihrerseits den Markt, erobert ihn durch ihre Waaren. Jetzt wird der Handel Diener der industriellen Produktion, für die be-ständige Erweiterung des Markts Lebensbedingung ist. Eine stets ausgedehntere Massenproduktion über-schwemmt den vorhandnen Markt und arbeitet daher stets an Ausdehnung dieses Markts, an Durchbrechung seiner Schranken. Was diese Massenproduktion beschränkt, ist nicht der Handel (soweit dieser nur existirende Nachfrage ausdrückt), sondern die Größe des funktionirenden Kapitals und die entwickelte Produktivkraft der Arbeit. 

Der industrielle Kapitalist hat beständig den Weltmarkt vor sich, vergleicht, und muß be-ständig vergleichen, seine eignen Kostpreise mit den Marktpreisen nicht nur der Heimath, sondern der ganzen Welt. Diese Vergleichung fällt in der frühern Periode fast ausschließlich den Kaufleuten zu, und sichert so dem Handelskapital die Herrschaft über das industrielle.

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K. Marx, Das Kapital III, MEGA II.15 S. 328f. [MEW 25, S. 348f.]

 

Nota. - Aus seinem ersten Aufkommen in Handwerk und Handel musste sich das Kapital zur kapitalistischen Gesellschaft erst mühsam entwickeln; nämlich Schritt für Schritt in alle andern gesellschaftlichen Bereiche eindringen und sich zu ihrem gemeinsamen Nenner ausbilden. Das Medium seines Vordringen war der Handel, der nach und nach alle Beson-derheiten in den Geldverkehr hineinzog und zu einander in Beziehung brachte. 

Zu einem System musste der Kapitalismus erst werden. 
JE

Sonntag, 17. Mai 2026

Der Kapitalist - die produktive Klasse par excellence.

  cheng                                                             aus Marxiana

Der Capitalist als Repräsentant des in seinem Verwerthungsproceß begriffnen – des productiven Capitals – verrichtet eine productive Function, die grade darin besteht, productive Arbeit zu dirigiren und zu exploitiren. Im Gegensatz gegen Mitzehrer der Surplusvalue, die in keinem solchen unmittelbaren und thätigen Verhältniß zu ihrer Production stehn, ist seine Klasse die productive Klasse par excellence. 

(Als Lenker des Arbeitsprocesses kann der Capitalist productive Arbeit verrichten im Sinne, daß seine Arbeit in den Gesammtarbeitsproceß einbegriffen, der sich im Product / verkör-pert.) Wir kennen hier nur noch
[=erst] das Capital innerhalb des unmittelbaren Productions-processes. 

Wie es sich mit andren Functionen des Capitals verhält – und den Agenten, deren es sich innerhalb dieser Functionen bedient – kann erst später entwickelt werden. Die Bestim-mung der productiven Arbeit (und daher auch der unproductiven, als ihres Gegentheils) beruht also darauf, daß die Production des Capitals Production von Mehrwerth und die von ihr angewandte Arbeit Mehrwerth producirende Arbeit ist.
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K. Marx, Ökonomisches Manuskript 1863-1865,  MEGA II/4.1, S. 116f.



Nota I. -  Der Kapitalist ist ein produktiver Arbeiter, sofern er arbeitet. Der Rentier oder Aktionär, der seine Dividende verzehrt, arbeitet nicht. In der modernen Industrie tun die Arbeit des Kapitalisten die Manager, und die tun sie produktiv, wenn's auch oft nicht so aussieht
.
23. 9. 18

Nota II. - Der Kapitalist arbeitet nicht, indem er seine individuelle Arbeitskraft in Waren vergegenständlicht. Er arbeitet, indem er Geld gegen Arbeitskraft austauscht. Durch den Austausch wird im Produktionsprozess Arbeitsskraft zu realer Arbeit. So macht er sein Geld zu Kapital: Wert, der Mehrwert erzeugt. Seine Arbeit ist der Austausch; sie aktuali-siert virtuelle Arbeit zu leibhaftiger. Wieviel Kalorien er dabei verbraucht, oder einer seiner Agenten, spielt für den Wert der Waren keine Rolle.

Nota III. - Zur Vervollständigung noch dies: Der Kapitalist ist produktiv als Angehöriger einer Gesellschaftsklasse - als Repräsentant eines Quantums von Kapital. Der individuelle Arbeiter ist produktiv nur in dem Maß, wie ein Quantum von Kapital bereit ist, sich gegen sein persönliches Arbeitsvermögen auszutauschen; anders nicht. Dass er zu denen gehört, die außer ihrer Arbeitskraft nichts auszutauschen haben, spielt dabei keine Rolle.
JE,  28. 11. 23

Samstag, 16. Mai 2026

Das Vermögen und seine Aktualisierung.

                                                        zu Marxiana 

Wir stehn hier auf der Grundlage der Warenzirkulation, wonach durchaus keine Abhän-gigkeitsverhältnisse, außer den durch den Zirkulationsprozeß selbst gegebenen, voraus-gesetzt sind unter den Austauschenden, sie sich nur als Käufer und Verkäufer unterschei-den. Geld kann hiernach nur Arbeitsvermögen kaufen, soweit letztres als Ware selbst feilgeboten wird, verkauft wird von seinem Inhaber, dem lebendigen Besitzer des Arbeits-vermögens. Die Bedingung ist, daß der Besitzer des Arbeitsvermögens erstens über sein eignes Arbeitsvermögen disponiert, als Ware darüber verfügen kann. Dazu muß er ferner Eigentümer desselben sein. Sonst könnte er es nicht als Ware verkaufen.

Die zweite, in der ersten schon enthaltne Bedingung aber ist, daß er sein Arbeitsvermögen selbst als Ware auf den Markt bringen, verkaufen muß, weil er seine Arbeit nicht mehr in der Form einer andren Ware, in einem sonstigen Gebrauchswert, vergegenständlichter (außer seiner Subjektivität existierender) Arbeit auszutauschen hat, sondern die einzige Ware, die er anzubieten hat, zu verkaufen hat, eben sein lebendiges, in seiner lebendigen Leiblichkeit vorhandnes Arbeitsvermögen ist. (Vermögen ist hier durchaus nicht als for-tuna, fortune, sondern als Potenz, dynamis, aufzufassen.) Damit er gezwungen ist sein Arbeitsvermögen statt einer Ware, worin sich seine Arbeit vergegen/ständlicht, zu ver-kaufen - diese von allen andren Waren, ob sie in der Form der Ware oder des Gelds exi-stieren - spezifisch verschiedne Ware, dazu ist vorausgesetzt, daß die gegenständlichen Bedingungen zur Verwirklichung seines Arbeitsvermögens, die Bedingungen zur Verge-genständlichung seiner Arbeit fehlen, abhanden gekommen sind, und vielmehr als Welt des Reichtums, des gegenständlichen Reichtums, einem fremden Willen untertan, ihm als Eigentum Warenbesitzer in der Zirkulation fremd gegenüberstehn, als fremdes Eigentum. Welches die Bedingungen zur Verwirklichung seines Arbeitsvermögens, oder welches die gegenständlichen Bedingungen der Arbeit, der Arbeit in processu, als sich in einem Ge-brauchswert verwirklichender Tätigkeit sind, wird sich später näher ergeben.
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K.  Marx, Ökonomisches Manuskript 1861-63, MEW 43, S. 33f. 



Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

Freitag, 15. Mai 2026

Ein Ansich ist eine logische Hybride.

                                                                     zu Philosophierungen

Es setzt voraus ein anderes Sein, für das es nicht ist - und ein Sein, das für es nicht ist.

Ohne es sich einzugestehen, setzt es ein schlechthin agiles Sein voraus, für das es in einer Hinsicht ist, aber in anderer Hinsicht nicht.

Etwas, das nicht wirkt, ist nicht. Etwas, auf das nichts und niemand wirkt, ist genausowenig. Nicht für sich noch für ein Anderes. Die Redewendung 'an und für sich' ist ein Widersinn.

Ein Satz hat Subjekt, Prädikat und Objekt. Entweder prädiziert er ein ( Akk.) Objekt für ein (Akk.) Subjekt, oder er prädiziert in der Umkehrung ein (Akk.) Subjekt für ein (Akk.) Ob-jekt. 

Was in einem Satz nicht vorkommen kann, über das (Akk.) ist nichts aussagbar. Wäre es eventuell an sich? Dann wäre es kein Objekt für ein Subjekt und kein Subjekt für ein Ob-jekt. Worüber ich nichts sagen kann, davon muss ich schweigen - oder dichten und schwär-men. 

Doch letzteres gehört nicht in einen logischen Diskurs - das mindestens gilt definitiv. Ihm mag das gleichgültig sein. Aber mir nicht; jedenfalls nicht, solange ich mit vernünftigen Menschen zu tun habe (und das habe ich nicht zu aller Zeit; aber das gehört nicht zur Phi-losophie, sondern zu andern Redeweisen).

 

Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE

Donnerstag, 14. Mai 2026

Modell und Wirklichkeit, oder Vom I. zum III. Band.

my-baltic                                                aus Marxiana 

Im ersten Buch wurden die Erscheinungen untersucht, die der kapitalistische Produkti-onsproceß, für sich genommen, darbietet, als unmittelbarer Produktionsproceß, bei dem noch von allen sekundären Einwirkungen ihm fremder Umstände abgesehn wurde. Aber dieser unmittelbare Produktionsproceß erschöpft nicht den Lebenslauf des Kapitals. Er wird in der wirklichen Welt ergänzt durch den Cirkulationsproceß, und dieser bildete den Gegenstand der Untersuchungen des zweiten Buchs. 

Hier zeigte sich, namentlich im dritten Abschnitt, bei Betrachtung des Cirkulationsprocesses als der Vermittlung des gesellschaftlichen Reproduktionsprocesses, daß der kapitalistische Produktionsproceß, im Ganzen betrachtet, Einheit von Produktions- und Cirkulationspro-ceß ist. Worum es sich in diesem dritten Buch handelt, kann nicht sein, allge/meine Refle-xionen über diese Einheit anzustellen. Es gilt vielmehr, die konkreten Formen aufzufinden und darzustellen, welche aus dem Bewegungsproceß des Kapitals, als Ganzes betrachtet, hervorwachsen. 

In ihrer wirklichen Bewegung treten sich die Kapitale in solchen konkreten Formen ge-genüber, für die die Gestalt des Kapitals im unmittelbaren Productionsproceß, wie seine Gestalt im Cirkulationsproceß, nur als besondere Momente erscheinen. Die Gestaltungen des Kapitals, wie wir sie in diesem Buch entwickeln, nähern sich also schrittweis der Form, worin sie auf der Oberfläche der Gesellschaft, in der Aktion der verschiedenen Kapitale auf einander, der Konkurrenz, und im gewöhnlichen Bewußtsein der Produktionsagenten selbst auftreten.
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K. Marx, Das Kapital III, MEGA II/15,  S. 29f. [MEW 25, S. 33]   


Nota. - Große Verwirrung hat nicht nur zu Zeiten der Zweiten Internationale, sondern auch wieder (von der Tragödie zur Farce) in den studentischen PollÖck-Schulungen der siebziger Jahre die Auffassung angerichtet, im 1. Band des Kapital stünde alles Wesentliche, in den beiden andern Bänden würden nur mehr oder weniger zufällige Oberflächener-scheinungen beschrieben, die für das theoretische Verständnis nebensächlich sind. Man meinte, der individuelle Kapitalist beute die von ihm beschäftigten Arbeiter individuell aus, einem jeden presse er ein Stück Mehrwert ab, das er als Profit in die eigene Tasche stecke. Man glaubte, die kapitalistische Ausbeutung sei erfahrbar, man müsse nur "in die Betriebe gehen" und sie den Arbeitern dort recht anschaulich vor Augen führen. 

Im großen weltmarktlichen Ganzen ist der Profit 'nichts anderes' als der Mehrwert, aber was der Kapitalist wirklich einsteckt, ist der Profit, den Mehrwert kriegt weder er noch irgendwer sonst je zu Gesicht. Es 'gibt ihn' gar nicht so, wie es etwa den Vogel auf dem Zweig gibt. Im theoretischen Modell, nämlich so, wie es im 1. Band entworfen wird, erscheint er als das, was dem Profit, der die einzige Realität ist, "in Wahrheit zu Grunde liegt". Der Mehrwert ist eine Abstraktion so, wie das ganze Modell eine Abstraktion ist - und "der Wert" schon mal erst recht. Eine Abstraktion nämlich von der Konkurrenz der vielen Kapitale untereinander, und die ist keine Oberflächenerscheinung, sondern der Motor der bürgerlichen Gesellschaft; aber eben Konkurrenz der Kapitale, und deren Begriff musste erst einmal bestimmt werden.

Wer sich vom Konkreten zum Abstrakten, von der Anschauung zum Begriff durcharbeiten wollte, müsste sein Studium eigentlich beim 3. Band beginnen, nur würde er leider nichts verstehen, denn eingeführt werden die Begriffe am theoretischen Modell und nicht in der Anschauung - die bliebe blind, wenn die Begriffe ihr nicht die Augen öffneten. 
JE
9. 1. 17

Mittwoch, 13. Mai 2026

Konkurrenz ist reale Entwicklung des Reichtums.

Sta. Maria in Trastevere                                            aus Marxiana 

Aber die Concurrenz ist weit entfernt blos diese historische Bedeutung zu haben oder blos dieß Negative zu sein. Die freie Concurrenz ist die Beziehung des Capitals auf sich selbst als ein andres Capital, d. h. das reelle Verhalten des Capitals als Capitals. 

Die innern Gesetze des Capitals – die nur als Tendenzen in den historischen Vorstufen sei-ner Entwicklung erscheinen – werden erst als Gesetze gesezt; die auf das Capital gegründe-te Production sezt sich nur in ihren adaequaten Formen, sofern und so weit sich die freie Concurrenz entwickelt, denn sie ist die freie Entwicklung der auf das Capital gegründeten Productionsweise; die freie Entwicklung seiner Bedingungen und seines als diese Bedingun-gen beständig reproducirenden Processes. 

Nicht die Individuen sind frei gesezt in der freien Concurrenz; sondern das Capital ist frei gesezt. So lange die auf dem Capital ruhnde Production die nothwendige, daher die ange-messenste Form für die Entwicklung der gesellschaftlichen Productivkraft, / wird durch beständige Reflection auf die von der freien Concurrenz niedergerißnen Schranken.
[sic]

Die freie Concurrenz ist die reelle Entwicklung des Capitals. Durch sie wird als äusserliche Nothwendigkeit für das einzelne Capital gesezt, was der Natur des Capitals entspricht
[, der] auf das Capital gegründeten Productionsweise, was dem Begriff des Capitals entspricht. Der wechselseitige Zwang, den in ihr die Capitalien auf einander, auf die Arbeit etc ausüben (die Concurrenz der Arbeiter unter sich ist nur eine andre Form der Concurrenz der Capitalien) ist die freie, zugleich reale Entwicklung des Reichthums als Capital. 
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K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.2  S. 533f. [MEW 42, S. 550]  



Nota. - Erst mit der Entfaltung der Konkurrenz entwickelt sich der Tauschwert. Vorher gab es kein Wertgesetz: Es ist nur als Vektorensumme der allgemeinen Konkurrenz, und erst als Anhäufung von Werten hat der Reichtum sein Maß gefunden.
JE

Dienstag, 12. Mai 2026

Konkurrenz ist die innere Tendenz des Kapitals.

 runnersworld                                                 aus Marxiana 

In der Concurrenz erscheint diese innre Tendenz des Capitals als ein Zwang der ihm von fremdem Capital angethan wird und der es vorantreibt über die richtige Proportion mit beständigem Marche, marche! Die freie Concurrenz, wie Herr Wakefield in seinem Com-mentar zu Smith richtig herauswittert, ist noch nie entwickelt worden von den Oekono-men, so viel von ihr geschwazt wird und so sehr sie die Grundlage der ganzen bürgerlichen, auf dem Capital beruhenden Produc-tion.

Sie ist nur negativ verstanden worden: d. h. als Negation von Monopolen, Corporation, gesezlichen Regulationen etc. Als Negation der feudalen Production. Sie muß aber doch auch etwas für sich sein, da blos 0 leere Negation ist, Abstrahiren von einer Schranke, die z. B. in der Form von Monopol, natürlichen Monopolen etc sofort wieder aufersteht.

Begrifflich ist die Concurrenz nichts als die innre Natur des Capitals, seine wesentliche Be-stimmung, erscheinend und realisirt als Wechselwirkung der vielen Capitalien auf einander, die innre Tendenz als äusserliche Nothwendigkeit.) (Capital existirt und kann nur existiren als viele Capitalien und seine Selbstbestimmung erscheint daher als Wechselwirkung dersel-ben auf einander.)
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K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.2  S. 325f. [MEW 42, S. 327]
 


Nota I. - Staats kapitalismus kann allenfalls heißen, dass sich der Staat auf dem Markt selber als Kapitalist unter Kapitalisten betätigt - und sich dabei womöglich aller gesetzlichen Zwangsmittel bedient, um sich die Konkurrenten weit vom Halse zu halten. Wenn aber der Staat als einziger Unternehmer auftritt, gibt es weder einen Markt noch Konkurrenz. Unter diesen Voraussetzungen ist Kapital nicht möglich.
3. 11. 15

Nota II. - Einziger Kapitalist könnte ein Staat ja nur in seinem Land sein. Aber auf dem Weltmarkt kann er dann nicht Kapitalist sein - nämlich sich nach dem Wertgesetz, der international sich ausgleichenden Profitrate richten. Denn täte er es, könnte er einen Teil seines Angebots nur unter seinem Wert verkaufen, und den größeren Teil gar nicht. So hat die DDR nur ihre Unterhaltungs- und Haushaltselektronik über den Versandhändler Quelle nach Westen verkauft, der nicht der DIN entsprach und auf dem freien Markt chancenlos war. So musste sie Preise akzeptieren, die unter den (spekulativen) Herstellungskosten lagen. Musste - denn frei konvertierbare Währung brauchte sie lebensnotwendig, um an westliche Qualitätserzeugnisse zu kommen. Radeberger und Wernersgrüner wurden bei Aldi ver-ramscht - weil bei mindestens jeder vierten Flasche der Kronenkorken schadhaft war. Hätte sie sich nicht darauf eingelassen, wäre sie... wirtschaftlich zusammengebrochen.

- Merken Sie was? Der Stalinismus begann, als in Sowjetrussland das Projekt der Weltre-volution - erst schleichend de facto, aber dann urplötzlich auch offiziell - durch den "Sozia-lismus in einem Land " ersetzt wurde. Aber dann haben sie nicht einmal den Staatkapita-lismus in einem Land vorm Untergang bewahren können. Schließlich musste alles, was ir-gend brauchbar war, auf dem Schwarzmarkt gegen phantastische DM-Beträge getauscht werden. 

Ob Franz Josef Strauß' vier-Milliarden-Kredit den Untergang nur verzögert oder sogar noch beschleunigt hat, wird wohl nie mehr zu klären sein.
JE  

 

Montag, 11. Mai 2026

Vorstellung, Begriff und Bestimmtheit.

  vorstellung                                                   zu Philosophierungen  

aus Das Bestimmen hat eine vordere und eine hintere Grenze.

... Zu welchen Operationen eine Vorstellung taugt, kann ich nur prüfen, wenn ich sie be-stimme, nämlich zum Begriff vereindeutige. Ich stelle mir die Figur eines Quadrats vor. Um sie zu begreifen, nämlich so, dass ich sie in meiner Vorstellung willkürlich wieder hervorru-fen und sie womöglich einem Andern erklären kann, müsste ich sagen: eine geschlossene Figur aus vier gleichlangen Schenkeln. Dass sie [...] zwei Dimensionen [und] vier rechte Win-kel hat, muss ich nicht hinzufügen, es folgt aus der Prämisse. Mit dem so gefassten Begriff kann ich gedanklich operieren, dafür ist er hinreichend bestimmt. 

Um praktisch zu konstruieren - ein Haus etwa -, muss ich im Fortbestimmen den Begriff überschreiten und eine wirkliche Figur zeichnen, indem ich nämlich eine bestimmte Länge angebe, 23 mm zum Beispiel. Das ist nun kein Begriff mehr, sondern ein wirkliches Qua-drat; ein Bild. Als ein solches kann ich es mir aber nicht vorstellen; 23 mm, 53 mm, 87 mm? Das geht nur noch ungefähr, und auch nicht absolut, indem ich die Augen schließe, sondern nur relativ, indem ich auf ein vorhandenes Ding schaue und es zum Maßstab nehme. In der Wirklichkeit, als Bild, kann ich mir ein Quadrat nicht vorstellen, sondern muss es anschau-en. .
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8. 7. 17

Sonntag, 10. Mai 2026

Vorstellungen sind zuerst nur Rätsel.

 H. Wienecke, Gottheit                                                   zu Philosophierungen                 

Die Einbildungkraft schafft - beruhend auf Erlebtem -  gewagte Bilder auf gut Glück, als Rätsel, die sie zwischen das Erfahrene stellt: Halten sie einander stand oder erdrückt das eine das andre? 

Und das muss man, weil man nicht alles selber ausprobieren kann, erraten.

So ergeht es den Vorstellungen, sobald sie sich unter die Begriffe wagen.

 

 

Fiktives Kapital, IV.

                                                                       aus   Marxiana Mit der Entwicklung des zinstragenden Kapitals und de...