
Aber dieß ist nicht alles: Das Individuum A dient dem
Bedürfnisse des Individuums B vermittelst der Waare a, nur insofern und
weil das Individuum B dem Bedürfniß des In-dividuums A vermittelst der
Waare b dient und vice versa. Jedes dient dem andren um sich selbst zu
dienen; jedes bedient sich des andren wechselseitig als seines Mittels.
Es ist
nun beides in dem Bewußtsein der beiden Individuen vorhanden: 1) daß
jedes nur seinen Zweck erreicht, soweit es dem andren als Mittel dient;
2) daß jedes nur Mittel für das andre (Sein für andres) wird als
Selbstzweck
(Sein für sich); 3) daß die Wechselseitigkeit, wo-nach jedes zugleich
Mittel
und Zweck, und zwar nur seinen Zweck erreicht, insofern es Mit-tel wird,
und nur Mittel wird, insofern es sich als Selbstzweck sezt, daß jeder
sich
also als Sein für andres sezt, insofern er Sein für sich, und der andre
als Sein
für ihn, insofern er Sein für sich – daß diese Wechselseitigkeit ein
nothwendiges fact ist, vorausgesezt als natür-liche Bedingung des
Aus-tauschs, daß
sie aber als solche jedem der beiden Subjekte des Austauschs
gleichgültig
ist, und ihm diese Wechselseitigkeit nur Interesse hat, so weit sie
sein
Interesse als das des andren ausschliessend, ohne Beziehung darauf
befriedigt.
D. h. das gemeinschaftliche Interesse, was als Motiv des Ge/sammtakts
erscheint, ist zwar als fact von beiden Seiten anerkannt, aber als
solches ist es nicht Motiv, sondern geht so zu sagen nur hinter dem
Rücken
der in sich selbst reflectirten Sonderinteressen, dem Einzelin-teresse im
Gegensatze zu dem des andren vor. Nach dieser lezten Seite kann das
Individu-um höchstens noch das tröstliche Bewußtsein haben, daß die
Befriedigung seines gegen-sätzlichen Einzelinteresses grade die
Verwirklichung des aufgehobnen Gegensatzes, des gesellschaftlichen
allgemeinen Interesses ist.
Aus dem Akt des Austauschs selbst
ist das Individuum, jedes derselben in sich reflectirt als
ausschließliches und
herrschendes (bestimmendes) Subject desselben. Damit ist also die
vollständige Freiheit des Individuums gesezt: Freiwillige Transaction;
Gewalt
von keiner Seite; Setzen seiner als Mittel, oder als dienend, nur als
Mittel
um sich als Selbstzweck, als das Herrschende und Uebergreifende zu
setzen;
endlich das selbstsüchtige Interesse, kein darüber stehendes
verwirklichend;
der andre ist auch als ebenso sein selbstsüchtiges Inter-esse
verwirklichend
anerkannt und gewußt, so daß beide wissen, daß das gemeinschaftliche
Interesse eben nur in der Doppelseitigkeit, Vielseitigkeit, und
Verselbstständigung nach den verschiednen Seiten der Austausch des
selbstsüchtigen Interesses ist. Das allgemeine Inter-esse ist eben die
Allgemeinheit
der selbstsüchtigen Interessen.
_____________________________________________________
K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 167f. [MEW 42, S. 169f.]
Nota. - Das bürgerliche Individuum ist a priori als vergesellschaftet gesetzt: So 'findet es sich vor'. Vergesellschaftet aber nicht naturwüchsig durch leibhaftige Angehörigkeit zu einer Lebensgemeinschaft, sondern vorab vermittelt durch
eine überpersönliche Instanz, den Markt; außerdem können die Andern ihm
fremd bleiben. Als Marktteilnehmer ist er eine öffentliche Person,
ansonsten wird er privat, was er in den naturwüchsigen Gemeinschaften niemals konnte.
Nota II. - Wenn
Sie übrigens meinen, Vermittlung, Fürsichsein und Anerkennung seien
Hegel'sche Schlüssel-wörter, liegen sie nur halb richtig. Zuvor waren
sie nämlich Fichte'sche Schlüsselwörter, bei dem hat sie der andere abgeschrieben.
JE, 22. 3. 18
Das neokritische System.
Freitag, 9. Oktober 2026
Vermittlung, Für-sich-sein und gegenseitige Anerkennung.
Donnerstag, 8. Oktober 2026
Der universelle Vermittler.
apotheken-umschau aus Marxiana
Die Exakte Entwicklung des
Capitalbegriffs nöthig, da er der Grundbegriff
der modernen Oekonomie, wie das Capital selbst, dessen abstraktes
Gegenbild sein Begriff, die Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft. Aus
der
scharfen Auffassung der Grundvoraussetzung des Verhältnisses müssen
sich alle Widersprüche der bürgerlichen Production ergeben, wie die
Grenze,
an der es über sich selbst hinaus treibt.
Es ist wichtig zu bemerken, daß der Reichthum als solcher, i. e. der
bürgerliche Reichthum immer in der höchsten Potenz ausgedrückt ist in dem
Tauschwerth, wo er als Vermittler gesezt, als die Vermittlung der Extreme
von Tauschwerth und Gebrauchswerth selbst. Die-se Mitte erscheint immer
als das vollendete ökonomische Verhältniß, weil es die Gegensät-ze zusammenfaßt, und erscheint schließlich immer als eine Einseitig Höhere Potenz
gegen-über den Extremen selbst; weil die Bewegung oder das Verhältniß, das /
als vermittelnd zwischen den Extremen ursprünglich erscheint, dialektisch
dazu nothwendig fortführt, daß es als Vermittlung mit sich selbst erscheint,
als das Subject, dessen Momente nur die Extre-me sind, deren selbstständige
Voraussetzung es aufhebt, um sich durch ihre Aufhebung selbst als das allein
Selbstständige zu setzen.
So in der religiösen Sphäre Christus der Mittler
zwischen Gott und dem Menschen – bloses Circulationsinstrument zwischen
beiden – wird ihre Einheit, Gottmensch, und wird als sol-cher wichtiger denn
Gott; die Heiligen wichtiger als Christus; die Pfaffen wichtiger als die
Heiligen.
_____________________________________________________
K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 246f. [MEW 42, S. 250f.]
Nota. – Wert ist – nach seiner Erscheinung, sagt Marx, was immer das heißen mag – nichts als Tauschwert. Genauer gesagt, er ist gar nicht, sondern vermittelt bloß. Ist im Moment der Vermittlung, könnte man allenfalls sagen. Zwischen wem? Zwischen sich und dem Ge-brauchswert? Zwischen den Reichtümern und den Bedürfnissen, denn nichts anderes stel-len die Gebrauchswerte dar - nämlich sofern sie Gebrauchswerte werden im Moment ihres Verzehrs.
Doch die Bedürfnisse sind keine
abstrakten, womöglich gleichen Größen, sondern sie sind die Bedürfnisse
von Diesem oder Jenem. Wären Dieser und Jener gleich, so gälten auch ihre Bedürfnisse gleich. Aber sie sind verschieden, das ist schon von Natur so.*
Irgendeinen Maßstab (oder persönlichen Schiedsrichter) müsste man immer
suchen, wenn man die Ver-teilung angemessen, "gerecht" vornehmen will. - Die
bürgerliche Gesellschaft nun misst den Anteil eines jeden am
gesellschaftlichen Reichtum an der Menge fremder Arbeitskraft, über die
er, qua Kaufkraft, verfügt. Aber das liegt nicht am Tauschwert selbst,
sondern an der Klassenspaltung, auf der er beruht.
11. 10. 15
*) Marx hat die Gleicheitspropheten in der Kritik des Gothaer Programms darauf hingewiesen.
Nota II. - Der Mehrwert ist möglich durch den Unterschied zwischen Tausch- und Ge-brauchstwert der Arbeitskraft. Marx konnte ihn erst erkennen, nachdem er sich während der Arbeit an den Grundrissen die Hegel'schen Flausen aus dem Kopf geschlagen hatte. Nach Hegel'schem Verfahren konnte ihm der Gebrauchswert gar nicht in den Blick geraten, weil er zum Begriff schlechthin nicht taugt. Und aus demselben Grund von der Politischen Ökonomie beiseite gelassen werden konnte!
Merke: Der Gebrauchswert ist kein Gegensatz zum Tauschwert, sondern schlechterdings etwas anderes; er gehört zum Stoffwechsel und nicht zum gesellschaftlichen Verkehr. Aber das Geld vermittelt ihn trotzdem, nämlich real.
JE
Mittwoch, 7. Oktober 2026
Zum Individuum wird der Mensch durch den Austausch.
aus Marxiana
Der Mensch vereinzelt sich
erst durch den historischen Process. Er erscheint ursprünglich als ein
Gattungs-wesen, Stammwesen, Heerdenthier – wenn auch keineswegs als ein
ζω̃ον πολιτιϰόν im politischen Sinn.
Der Austausch selbst ist ein Hauptmittel /
dieser Vereinzelung. Er macht das Heerden-wesen überflüssig und
löst es auf.
Sobald die Sache sich so gedreht, daß er als Vereinzelter nur mehr sich
auf
sich bezieht, die Mittel aber, um sich als Vereinzelter zu setzen, sein
sich
Allgemein- und Gemeinmachen geworden sind. In diesem Gemeinwesen ist
das objektive Dasein des Einzelnen als Eigenthümer, sage z. B.
Grundeigenthümer vorausgesezt und zwar unter gewissen Bedingungen, die
ihn an das
Gemeinwesen ketten, oder vielmehr einen Ring in seiner Kette machen.
In
der bürgerlichen Gesellschaft steht der Arbeiter z. B. rein objektivlos,
subjektiv da; aber die Sache, die ihm gegenübersteht, ist das wahre
Gemeinwesen nun geworden, das er zu verspeisen sucht, und von dem er
ver-speist
wird.
____________________________________________________
K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.2 S. 399f. [MEW 42, S. 404]
Nota I. - Das
wahre Gemeinwesen, das er zu verspeisen sucht und von dem er verspeist
wird, ist offenbar der zu Geld gewordene Tauschwert. Zum Einzelnen kann
er nur in die-sem Gemeinwesen werden. Anders: Als Aus-tauschender
führt der Mensch zugleich eine private und eine öffentliche Existenz.
Öffentlich wird er, sobald er mit dem geldgewor-denen Tauschwert in
Berührung kommt.
28. 9. 15
Nota II. - Bei Fichte wird das Ich Individuum, soald es in der Reihe der vernünftigen Wesen die Aufforderung vernommen hat und durch erste SelbstBestimmungsakte aus der Reihe her-vorgetreten ist. Das ist mehr als eine Analogie; es ist eine Verwandtschaft.
JE
Dienstag, 6. Oktober 2026
Die als flüchtig gesetzte Substanz.
Das
Geld in seiner lezten, vollendeten Bestimmung erscheint nun nach allen
Seiten als ein Widerspruch, der sich selbst auflöst; zu seiner eignen
Auflösung treibt. Als allgemeine Form des Reichthums steht ihm die ganze
Welt der wirklichen Reichthümer gegenüber. Es ist die reine Abstraction
derselben, – daher so festgehalten blose Einbildung. Wo der Reichthum in ganz materieller, handgreiflicher Form als solcher zu existiren scheint, hat er [als Geld] seine Existenz blos in meinem Kopf, ist ein reines Hirngespinst. Midas.
Andrerseits
als materieller Repräsentant des allgemeinen Reichthums wird es blos
verwirk-licht, indem es wieder in Circulation geworfen, gegen die
einzelnen besondren Weisen des Reichthums verschwindet. In der
Circulation bleibt es als Circulationsmittel; aber für das aufhäufende
Individuum geht es verloren und dieß Verschwinden ist die einzig
mögliche Weise es als Reichthum zu versichern.
Die
Auflösung des Aufgespeicherten in einzelnen Genüssen ist seine
Verwirklichung. Es kann nun wieder von andren Einzelnen aufgespeichert
werden, aber dann fängt derselbe Prozeß von neuem an. Ich kann sein Sein
für mich nur wirklich setzen, indem ich es als bloses Sein für andre
hingebe. Will ich es festhalten, so verdun-stet es unter der Hand in ein
bloses Gespenst des wirklichen Reichthums.
Ferner:
Das Vermehren desselben durch seine Aufhäufung, daß seine eigne
Quantität das Maaß seines Werths ist, zeigt sich wieder als falsch. Wenn
die andren Reichthümer sich nicht aufhäufen, so verliert es selbst
seinen Werth in dem Maaß in dem es aufgehäuft wird. Was als seine
Vermehrung erscheint, ist in der That seine Abnahme. Seine
Selbstständigkeit ist nur Schein; seine Unabhängigkeit von der
Circulation besteht nur in Rücksicht auf sie, als Abhängigkeit von ihr.
Es giebt vor allgemeine Waare zu sein, aber ihrer Natürlichen
Beson-derheit wegen, ist es wieder eine besondre Waare, deren Werth
sowohl von Nachfrage und Zufuhr abhängt, als er wechselt mit seinen
spezifischen Productionskosten.
Und
da es selbst in Gold und Silber sich incarnirt, wird es in jeder
wirklichen Form einsei-tig; so daß wenn das eine als Geld das andre als
besondre Waare und vice versa erscheint und so jedes in beiden
Bestimmungen erscheint. Als der absolut Sichre, ganz von meiner
Individualität unabhängige Reichthum, ist es zugleich als das mir ganz
äusserliche, das Ab-solut Unsichre, das durch jeden Zufall von mir
getrennt werden kann. Ebenso die ganz widersprechenden Bestimmungen
desselben als Maaß, Circulationsmittel, und Geld als solches.
Endlich in der lezten Bestimmung widerspricht es sich noch, weil es den Werth als sol-chen re/epräsentiren soll; in der That aber nur ein identisches Quantum von veränder-lichem Werth* repräsentirt. Es hebt sich daher auf als vollendeter Tauschwerth.
____________________________________________________
K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1 S. 157f. [MEW 42, S. 160]
*) nämlich als Edelmetall; aber auch die Papierwährungen wechseln
ihren Wert nach Markt-lage. Dagegen wird der Reichtum längst nicht mehr
als Geld angehäuft, sondern "in Papie-ren angelegt". Deren Börsenwerte
wer-den in Geld angegeben. Es steht nicht für eine Sache ein – den Wert
–, sondern für ein Verhältnis: den Wert. Und ein Verhältnis ist veränderlich in dem Maße, wie die sich gegeneinander Verhaltenden ihr Verhalten ändern.
JE, 26. 10. 15
Montag, 5. Oktober 2026
Stoff und ökonomische Formbestimmung.
thehollyjollycupcake aus Marxiana
Soweit die reine Form,
die ökonomische Seite des Verhältnisses
betrachtet wird – der Inhalt ausserhalb dieser Form fällt hier
eigentlich noch
ganz ausserhalb der Oekonomie, oder ist als von dem ökonomischen
unter-schiedner natürlicher Inhalt gesezt, von dem gesagt wer-den kann,
daß er noch
ganz von dem ökonomischen Verhältniß getrennt ist, weil er noch
unmittelbar mit ihm zusammenfällt – so treten nur 3 Momente hervor, die
formell unter-schieden sind: Die Subjekte des Verhältnisses, die
Austauschenden; in derselben Bestim-mung gesezt; die Gegenstände ihres
Austauschs, Tauschwerthe, Equivalente, die nicht nur gleich sind,
sondern ausdrücklich gleich sein sollen und als gleich gesezt sind;
endlich der
Akt des Austauschs selbst, die Vermittlung, wodurch die Subjekte eben
als
Austauschende, Gleiche, und ihre Objekte als Equivalente, gleiche gesezt
werden.
Die Equivalente sind die Vergegenständlichung des einen Subjekts
für andre; d. h. sie selbst sind gleich viel werth und bewähren sich im Akt
des Austauschs als Gleichgeltende und zu-gleich als Gleichgültige gegen /
einander. Die Subjekte sind im Austausch nur für einander durch
die
Equivalente, als gleichgeltende und bewähren sich als solche durch den
Wechsel der Gegenständlichkeit, worin das eine für andre ist. Da sie nur
so
als Gleichgeltende, als Besitzer von Equivalenten, und Bewährer dieser
Equivalenz im Austausche für einander sind, sind sie als Gleichgeltende
zugleich Gleichgültige gegen einander; ihr sonstiger indi-vidueller
Unterschied geht sie nichts an; sie sind gleichgültig gegen alle ihre
sonstigen
indi-viduellen Eigenheiten.
Was nun den Inhalt
angeht ausserhalb dem Akt
des Austauschs, der sowohl Setzen als Be-währen der Tauschwerthe, wie
der
Subjekte als Austauschender ist, so kann dieser Inhalt der ausserhalb
der
ökonomischen Formbestimmung fällt, nur sein: 1) Die natürliche
Beson-derheit der Waare, die ausgetauscht wird. 2) Das besondre
natürliche
Bedürfniß der Austau-schenden, oder beides zusammengefaßt, der
verschiedene Gebrauchswerth der auszutau-schenden Waaren.
Dieser der Inhalt
des Austauschs, der ganz ausserhalb seiner ökonomischen Bestimmung
liegt,
so weit entfernt die sociale Gleichheit der Individuen zu gefährden,
macht
vielmehr ihre natürliche Verschiedenheit zum Grund ihrer socialen
Gleichheit. Wenn das Individuum A dasselbe Bedürfniß hätte wie das
Individuum
B und in demselben Gegenstand seine Ar-beit realisirt hätte, wie das
Individuum B, so wäre gar keine Beziehung zwischen ihnen vor-handen; sie
wären gar nicht verschiedne Individuen, nach der Seite ihrer Production
hin
betrachtet.
Beide haben das Bedürfniß zu athmen; für beide existirt die Luft
als Atmosphäre; dieß bringt sie in keinen socialen Contact; als athmende
Individuen stehn sie nur als Naturkörper zu einander in Beziehung, nicht als
Personen. Die Verschiedenheit ihres Bedürfnisses und ihrer Production giebt
nur den Anlaß zum Austausch und zu ihrer socialen Gleichsetzung in ihm;
diese natürliche Verschiedenheit ist daher die Voraussetzung ihrer socialen
Gleich-heit im Akt des Austauschs und dieser Beziehung überhaupt, worin
sie zu einander als pro-ductiv treten.
Nach dieser natürlichen
Verschiedenheit
betrachtet ist das Individuum [A] als Besitzer eines Gebrauchswerths für
B,
und B als Besitzer eines Gebrauchswerths für A. Nach dieser Seite sezt
die
natürliche Verschiedenheit sie wieder wechselseitig in das Verhältniß
der
Gleichheit. Demnach sind sie aber nicht gleichgültig gegen einander,
sondern
integriren sich, bedürfen einander, so daß das Individuum B als
objectivirt
in der Waare ein Bedürfniß für das Indi-viduum A ist und vice versa; so
daß
sie nicht nur in gleicher, sondern auch in gesellschaft-licher Beziehung
zu
einander stehn. Dieß ist nicht alles. Daß das Bedürfniß des einen durch
das
Product des andren und vice versa befriedigt werden kann, und der eine
fähig
ist den Gegenstand dem Bedürfniß des andren zu produciren und jeder dem
andren als Eigenthü-mer des Objekts des Bedürfnisses des andren
gegenübersteht, zeigt, daß jeder als Mensch über sein eignes besondres
Bedürfniß /
etc übergreift, und daß sie sich als Menschen zu einander verhalten; daß ihr
gemeinschaftliches Gattungswesen von allen gewußt ist.
______________________________________________________
K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.1 S. 165ff. [MEW 42, S. 167f.]
Nota. -
Allah hat seinem Propheten die Verse des Korans durch den Erzengel
Gabriel di-rekt auf die Zunge legen lassen. Marx war kein Prophet,
sondern Wissenschaftler, in den Grundrissen sehen wir zu, wie er progressiv seine Gedanken klärt und um die darauf pas-senden Wörter ringt. Er 'kokettiert'
dabei nicht nur mit Hegels 'eigentümlicher Ausdrucks-weise', sondern
bedient sich einstweilen seiner Begriffe, um seine Gedanken überhaupt
auf dem Papier festhalten zu können.
Der Inhalt falle 'noch
ganz außerhalb der Ökonomie', heißt es hier; deren Gegenstand sei
lediglich die Form. Natürlich meint er die Politische Ökonomie,
in der er noch ganz befan-gen ist, noch weiß er nicht, was am Ende seiner
Untersuchung stehen wird: Eben dies war ja die Mystifikation der Politischen Ökonomie, dass sie vorgab, das reale Geschehen der gesellschaftlichen Reproduktion als bloße Form darstellen und den historischen 'Stoff' links liegen lassen zu können. Diese Erkenntnis reift erst langsam ab Heft IV der Grundrisse, und schließlich wird Marx die Kritik der Politischen Ökonomie in dem Satz zusammen-fassen, dass bei ihm der Gebrauchswert 'eine ganz anders wichtige Rolle spielt als in der bisherigen Ökonomie'.
Und auch der
Hegeljargon wird übrigens ab Heft IV immer seltener, jedenfalls braucht
er ihn nicht mehr zur Selbstverständigung. Dies hatte die Politische
Ökonomie nämlich mit dem Hegel'schen System gemein: dass sie den Begriffen, die
doch nichts als mehr oder weniger passende Namen für mehr oder minder
bestimmte Vorstellungsakte sind, eine eigene Wirklichkeit und Wirksamkeit zuschreibt. In den Grundrissen
erleben wir mit, wie Marx sich nach und nach von diesem metaphysischen
Sparren freimacht. Das fängt damit an, dass er, wie an obiger Stelle,
die Hegel'schen Begriffe kritisch, nämlich gegen die Begrif-fe der Politischen Ökonomie ausspielt. Sie gehen schließlich beide daran zu Bruch.
JE 29. 2. 16
Sonntag, 4. Oktober 2026
Dialektik als Kritik.
systembruch aus Marxiana
Diese Mißverständnisse Ricar/dos gehn offenbar daraus hervor, daß er selbst nicht klar über den Process
war, noch sein konnte als Bourgeois. Einsicht in diesen Process ist = dem
statement, daß das Capital nicht nur, wie A. Smith meint Commando über
fremde Arbeit ist, in dem Sinne wie jeder Tauschwerth es ist, weil er seinem
Besitzer Kaufmacht giebt, sondern daß es die Macht ist sich fremde Arbeit
ohne Austausch, ohne Equivalent, aber mit dem Schein des Austauschs,
anzueignen.
Ricardo weiß A. Smith und andren gegenüber, die in denselben
Irrthum verfallen über Werth as determined by labour, und über Werth as
determined by the price of labour (wages) nie anders zu refütiren als so: daß
er sagt mit dem Product derselben Quantität Arbeit kann man bald mehr, bald
weniger lebendige Arbeit in Bewegung setzen, d. h. er betrachtet das Product
der Arbeit in Bezug auf den Arbeiter nur als Gebrauchswerth – den Theil
des Products den er braucht um leben zu können als Arbeiter.
Woher es aber
kömmt, daß auf einmal der Arbeiter in dem Austausch nur Gebrauchswerth
repräsentirt oder nur Gebrauchswerth aus dem Austausch zieht, ist ihm by
no means klar, wie schon seine nie allgemein, sondern stets an einzelnen
Beispielen demonstrirende Argumentation gegen A. Smith beweist.
___________________________________________________
K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.2 S. 447f. [MEW 42, S. 456]
Nota. – Das
ist der Sinn der dialektischen Darstellungsweise bei Marx: ein
kritischer. Den Ökonomen wird demonstriert, was sie tatsächlich sagen,
was sie stattdessen zu erklären hätten, aber nicht erklären können –
nämlich in ihrer eigenen Begriffsscholastik. Konkret: Es wird gezeigt,
dass der dialektische Umschlag von Gebrauchswert in Tauschwert gerade nicht stattfindet – und dies bei der Ware par excellence, der Arbeitskraft. Die bürgerliche Wirtschaftsweise ist eben kein System, das sich auf dialektische Weise "bewegt"; nämlich (selber) setzt und entgegesetzt. Das ist nur ihr Schein.
JE, 27. 9. 15
Samstag, 3. Oktober 2026
Realer Gegensatz und logischer Widerspruch.
aus Marxiana
Gleichzeitig mit dem
Fall der Profitrate wächst die Masse des Kapitals und geht Hand in Hand
mit ihr eine Entwertung des vorhandnen Kapitals, welche diesen Fall
aufhält und der Akkumulation von Kapitalwert einen beschleunigenden
Antrieb gibt.
Gleichzeitig mit der
Entwicklung der Produktivkraft entwickelt sich die höhere
Zusammen-setzung des Kapitals, die relative Abnahme des variablen Teils
gegen den konstanten.
Diese verschiednen
Einflüsse machen sich bald nebeneinander im Raum, bald mehr nach-einander
in der Zeit geltend; periodisch macht sich der Konflikt der
widerstreitenden Agen-tien in Krisen Luft. Die Krisen sind immer nur
gewaltsame Lösungen der vorhandnen Wi-dersprüche, gewaltsame Eruptionen,
die das gestörte Gleichgewicht für den Augenblick wiederherstellen.
Der Widerspruch, ganz
allgemein ausgedrückt, besteht darin, dass die kapitalistische
Pro-duktionsweise die Tendenz einschließt nach absoluter Entwicklung der
Produktivkräfte, abgesehn vom Wert und dem in ihm eingeschlossenen
Mehrwert, auch abgesehn von den gesellschaftlichen Verhältnissen,
innerhalb deren die kapitalistische Produktion stattfindet; während sie
andererseits die Erhaltung des existierenden Kapitalwerts und sein
Verwertung im höchsten Maß (d. h. beschleunigten Anwachs dieses Werts)
zum Ziel hat. Ihr spezifi-scher Charakter ist auf den vorhandnen
Kapitalwert als Mittel zur größtmöglichen Verwer-tung dieses Werts
gerichtet. Die Methoden, wodurch sie dies erreicht, schließen ein:
Abnah-me der Profitrate, Entwertung des vorhandnen Kapitals und
Entwicklung der Produktiv-kräfte der Arbeit auf Kosten der schon
produzierte Produktivkräfte.
Die periodische
Entwertung des vorhandnen Kapitals, die ein der kapitalistischen
Produk-tionsweise immanentes Mittel ist, den Fall der Profitrate /
aufzuhalten und die Akkumula-tion von Kapitalwert durch Bildung von
Neuwert zu beschleunigen, stört die gegebnen Verhältnisse, worin sich
der Zirkulationsprozess des Kapitals vollzieht, und ist daher be-gleitet
von plötzlichen Stockungen und Krisen des Produktionsprozesses.
_______________________________________________________
K. Marx, Das Kapital III, MEW 25, S. 259f. [ MEGA II.15, S. 245f.]
Nota. – Die theoretische Bedeutung obiger Passage für die elementare Stellung des Falls der Profitrate in der Theorie des Kapitals ist offenkundig. –
Aber sie hat eine meta-theoretische Seite: Der buchstäblich Grund-legende Denkfehler der rationalistischen metaphysischen Systeme war die Identifizierung von logischem Grund mit realer Ursache (von Sein und Gel-tung).
Die Vermengung von (logischem) Widerspruch und (realem) Gegensatz ist
nur ihre Umkehrung. Und in dieser Gestalt taucht sie unverhofft bei Marx
wieder auf: Es ist ein Überrest seines 'Kokettierens mit der Hegel' schen Aus-drucks weise', in dem sich allerdings eine andauernde Unsicherheit über die sog. dialekti-schen Methode verbirgt, die Marx immer wieder dazu verleitet, die logische Darstellung mit der reellen Beschreibung zu vermengen.
Dass
der Produktionsprozess und der Zirkulationsprozess nicht in derselben
Geschwin-digkeit und auch nicht am selben 'Platz' geschehen und ihre
Synchronisierung periodisch durch Selbstvernichtung eines Teils des
Kapitals wiederhergestellt werden muss, ist ein Realvorgang. Dass das
unbegrenzte Wachstum der Produktion und ihre gleichzeitige Be-grenzung
durch die Verwertungsmöglichkeit im Begriff des Kapitals beieinander
liegen, ist dagegen ein logischer Widerspruch. Es ist aber nicht die
Logik, die den Prozesse antreibt – sie beschreibt ihn lediglich. Und
dass etwas im Begriff widersprüchlich ist, bedeutet noch nicht, dass es
in der Realität auf seine Auflösung hindrängt.
Das hat
Marx auch nicht sagen wollen? Nein, sicher nicht. Aber er hat sich so
ausgedrückt, dass epigonale Buchstabengelehrte es (in behördlichem
Auftrag) so darstellen konnten.
JE 10. 12. 15
Freitag, 2. Oktober 2026
Ist die Kritik der Politischen Ökonomie selber eine Theorie?
Gerrit Dou aus Marxiana
Einer Vervollständigung bedurfte es allerdings. Denn das theoretisch bedeutendste Problem dieser Theorie, wo nämlich der Mehrwert herkommt, wird bei Smith nur gestreift und von Ricardo als Problem nicht einmal mehr erkannt.
Wenn nämlich alle Marktteilnehmer Warenbesitzer sind und untereinander alle ihre Waren zu ihrem Arbeitswert, nämlich ihren Herstellungskosten, austauschen, wie es das Wertgesetz fordert, bleibt der Wert des Gesamtprodukts immer derselbe, ein Zuwachs geschieht nicht.
Smith machte bei seiner Grundannahme, dass der Wert jeder Ware in der in ihr vergegen-ständlichten Arbeit bestünde, eine bemerkenswerte Ausnahme: Die Arbeit selbst hat näm-lich bei ihm einen natürlichen, nicht ihrerseits durch Arbeit bestimmten konstanten Wert, nämlich den Kornpreis. Die Arbeiter ernähren sich von Brot, das wird aus Korn gebacken, aber das Korn ist ein Produkt des Bodens, der Natur (gr. physis) und nicht der Arbeit. Das war ein physio kratischer Rest, und dies ausgerechnet mitten im Kern des ganzen Systems.* Ricardo hat Smith deswegen gescholten, aber eine andere Lösung vorgeschlagen hat er nicht; er hat nicht einmal eingesehen, dass eine Lösung theoretisch notwendig war.
Marx hat sich lange bei dem Versuch aufgehalten, den Mehrwert aus dem Begriff des Werts zu entwickeln und hat sich dabei zu seinem unglückseligen "Kokettieren mit der Hegel-schen Ausdrucksweise" verleiten lassen; dies aber ohne Ergebnis. Erst als er sich, ersatz-weise, dem Studium der wirklichen Geschichte der Produktionsweisen zuwendet - Formen, die der kapitalistischen Produktionsweise vorhergehen -, fällt ihm auf, dass der Lohnarbeiter im Unterscheid zu allen andern Marktteilnehmern kein gegenständliches Produkt zum Tausch anbietet, sondern sein lebendiges Arbeitsvermögen selbst. Etwas anderes hat er nicht, aber mit seiner bloßen Arbeitskraft kann er selber nichts anfangen: Ihm fehlen die Arbeitsmittel; mit andern Worten: das Kapital.
Erst seither ist Arbeitskraft überhaupt zur austauschbaren Ware geworden, "von Natur" ist sie eine personale Eigenschaft. Sie kann daher auch nicht verkauft, sondern muss auf Zeit vermietet werden. Jetzt erst und unter diesen Bedindungen wird ihr Wert durch ihre Her-stellungs-, d. h. Reproduktionskosten bestimmt. Aber daraus folgt unmittelbar, dass ihre Produkte nicht dem Eigentümer der Arbeitskraft gehören, sondern dem, der sie während der Arbeitszeit gemietet hat, denn der hat sie sachlichen Mittel bereitgestellt, die dem Ar-beiter überhaupt erst erlaubt haben, seine Arbeitskraft zu verausgaben. Die Verausgabung der Arbeitskraft gehört dem Kapitaleigner, denn der hat sie bezahlt.
Kurz gesagt, eine Theorie der bürgerlichen Gesellschaft ist die Kritik der Politischen Öko-nomie nur, indem sie ein Kritik am Modell der Smith-Ricardoschen Schule ist. Als Theorie ist sie rein negativ.
Das hat seine besondere Pointe. Denn da, wo die Kritik doch einen positiven Beitrag zur ökonomischen Theorie leistet, das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate nämlich (das schon vor Marx erahnt, aber nicht ausgeführt wurde), erweist sich, dass das, was von einer Theorie in specie erwartet wird: ein wirkliches Geschehen in Begriffe zu fassen, im Bereich des menschlichen Handelns gar nicht möglich ist. Zwar ist das Gesetz absolut und, wie es der Begriff verlangt, allezeit wirksam; aber ob in der gegenständlichen Welt aus der Tendenz jemals ein Akut wird, also ob die Profitrate jemals wirklich fällt, ist ausschließlich eine Sache der Wirklichkeit, die nur aus Zufällen besteht. Dass es irgendwann geschieht, ist logisch genauso gut möglich, wie dass es nie geschieht.
Insofern liefert die Kritik der Politischen Ökonomie einen abschließenden Beitrag über die Brauchbarkeit nomothetischer und idiographischer Wissenschaft in der Geschichtsbetrach-tung.
*) Es war weniger dumm, als es hinterher aussieht, denn es hatte den Augenschein für sich. Zu Smith's Zeit gab es in England Preisstatistiken seit rund 50 Jahren - und in dieser Zeit hatte sich der Kornpreis kaum verändert.
Vermittlung, Für-sich-sein und gegenseitige Anerkennung.
Aber dieß ist nicht alles: Das Individuum A dient dem Bedürfnisse des Individuums B vermittelst der Waare a, nur insofern und weil das Ind...
-
flickr zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik Das Bestimmte, zu ...
