Mittwoch, 28. Januar 2026

Zeit ist zuerst Reihenfolge...

                               zu Wissenschftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

... und noch nicht Dauer: Die kommt erst durch den Raum hinzu. 

Die Schwierigkeit der Augustinus, einen Begriff der Zeit auszusprechen, kam aus der Unmöglichkeit, die Dauer zu begreifen, weil die die Synthesis von Raum und Zeit bereits voraus setzt. Wenn ich die Dauer hingegen aus der Zeit abziehe, bleibt die Reihenfolge übrig. 

Man kann Raum und Zeit nicht unabhängig von einander beschreiben, sondern braucht die Dauer als Vermittelstück: erst als Vermittelstück. Und Dauer ohne Raum und Reihenfolge ist die Anti zeit - bleierne Unendlichkeit. Zeit ist Ewigkeit, die vergeht. Zeit, in der nichts getan wird, ist vergangene Zeit. Bloße Reihenfolge ist die Zahlenkette - die auf Raum und Zeit gleichermaßen passt.

  

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Dienstag, 27. Januar 2026

Empirie und Freiheit, oder Sinnlichkeit und Reflexion.

                             zu Wissenschftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

... das Wesen der Empirie besteht in diesem allmählichen Auffassen und Hinzusetzen (dies ist sinnlich). Aber in diesem Auffassen und Hinzusetzen besteht die Freiheit (dies ist über-sinnlich). Wir haben hier die Synthesis der Freiheit und der Empirie der Reihenfolge, eins kann ohne das andere nicht sein. Das Intelligible ist nur, in wiefern es zur Reihenfolge hinzugedacht wird, um das Mannigfaltige in ihr zu vereinigen; die Reihenfolge ist nicht möglich ohne die Freiheit, da sie erst durch die Freiheit der Reflexion zu Stande kommt.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 157

 

Nota. -  Begriff ohne Anschauung ist leer, aber Anschauung ohne Begriff ist blind. Wissen ist Erfahrung, aber Erfahrung ist eine Synthesis. Zeit ist zuerst Reihenfolge und noch nicht Dauer (die kommt erst durch den Raum hinzu).
JE 

Montag, 26. Januar 2026

Sinnlichkeit: System in einem System

                                                 zuJochen Ebmeiers Realien   zu Philosophierungen

Man sollte meinen, dass das, was einer empfindet, Teil eines Gefühlshaushalts ist, der sei-nerseits eine qualitas seines Gesamtorganismus ausmacht: System in einem System. Da fragt es sich, was hier 'dasselbe' überhaupt bedeuten könnte.

Auf den Evolutionsgedanken zurückzugreifen liegt zwar nahe. Doch leider induziert er viel zu leicht einen Denkfehler: dass nämlich das Ursprüngliche das Echtere und Wichtigere sei und das Neuere nur Epiphänomen, das man unter Umständen schonmal vernachlässigen kann. Ein System - wenn denn dieser Begriff hier am Platze ist - ist aber keine Hierarchie von Oben und Unten, sondern eben - Wechselbestimmung auf allen Ebenen. Es ist als Gan-zes stets gleichzeitig; oder: Das neu Hinzugekommene bestimmt mit über den aktuellen Sinn alles Vorhergegangenen.

Kommentar zu Wörter, Begriffe und das Gemeinte. JE, 21. 12. 19

 

 

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Sonntag, 25. Januar 2026

Im NichtIch ist keine Kraft, sondern nur Sein.

Kunstart.net                  aus Wissenschftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik
 
[ad Der letzte Grund]

Es wird in das Ich nichts Fremdartiges hineingetragen. Von der Welt geschehen keine Ein-drücke, es kommen keine Bilder hinein. Im Entgegensetzen ist keine Kraft, die sich auf das Ich fortpflanzt, sondern es ist die Beschränkung im Ich, und der Grund, warum es etwas setzt, liegt ihn ihm. - Kraft kommt ursprünglich dem NichtIch nicht zu, sondern nur Sein. Das NichtIch fängt nicht an, es ist nur verhindernd aufhaltend. Das Ich kann nicht zum Bewusstsein kommen, wenn es nicht beschränkt ist; der Grund der Beschränkung liegt außer ihm, aber der Grund der Tätigkeit liegt in ihm.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 7
 
 
Nota. - Sein ist eine negative Größe. Positiv ist allein und ausschließlich Handeln.
JE 

Samstag, 24. Januar 2026

Asylum ignorantiae.

Dürer                                      zu Philosophierungen, oder Das Vernunftsystem

Der Logiker beschäftigt sich mit etwas, das schlechthin gilt und jenseits von Raum und Zeit ist. Wenn er nun Sein und Gelten nicht unterscheidet, weil er - kritischer Kopf! - Sein für eine metaphysische Flause hält, bleibt ihm nur das ewige Gelten als Gegebenheit übrig. Wenn er dann noch - unkritischer Kopf - für real nur das hält, was ihm gegeben ist, wird er arglos an einer Metaphysik stricken, die man Logischen Atomismus nennen sollte - doch beiläufig und ohne Begriff, weil er sie vor lauter Selbstverständlichkeit nicht wahrnehmen kann.

Die Pointe? Sein ist ebenso ein Reflexionsprodukt wie Gelten. In der Wirklichkeit sind sie zunächst nicht getrennt, sondern Eins: im Handeln. Nur dieses ist wirklich. Solange Sein und Gelten - Stoff und Geist - als originär aufgefasst werden, ist es, da man sie ex post nicht zusammenbekommt, unmöglich, dass nicht das eine als originärer aufgefasst wird als das andere. Und so wird ein end- und sinnloser Streit daraus.

1. 12. 18
 

Freitag, 23. Januar 2026

Dass.

                                          aus Neuromantiker, aus Philosophierungen

Da ist die Kirsche. Der Star fliegt hin und pickt. Und findet, was er erwartet hat. Er wusste, was er erwartet hat. Doch jetzt weiß er es nicht mehr. Denn nie wusste er, dass er etwas er-wartet hat. Nie wusste er, dass die Kirsche auch ohne ihn da war und dass er auch ohne die Kirsche da ist. Er weiß immer nur dieses oder das, aber nie, dass.

‚Dass‘ ist die Bedingung der Erinnerung, und Erinnerung ist die Bedingung der Reflexion.
18. 6. 10          

 

Nota. - Trivial gesagt: 'Dass' ist der Wirklichkeitsmodus der zweiten semantischen Ebene. Erstens: Da ist eine Kirsche. Zweitens: Ich weiß – sage, denke, bemerke... –, dass da eine Kirsche ist. – Das lässt sich unendlich wiederholen. Sachlich bleibt es immer dieselbe Ope-ration: das Reflektieren auf...  Objektebene und Metaeben unterscheiden sich durch Dass.
im März 2012 


Donnerstag, 22. Januar 2026

Das gegenläufige Verfahren der Wissenschaftslehre.

motorclassic                             zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Das ist das Verfahren der Wissenschaftslehre: Statt freihändig Begriffe zu definieren und daraus ein System zu bauen, sucht sie in den wirklichen Vorstellungen der 'endlichen' Ver-nunftwesen die ihnen zu Grunde liegenden anschaulichen Voraussetzungen auf, und erst, wenn sie an den Punkt gerät, hinter den es nicht hinausgeht, kehrt sie ihren Gang um und setzt, was sie zuvor analytisch auseinandergelegt hatte, synthetisch wieder zusammen; dar-an, ob auf diesem Weg die wirkliche Vorstellungswelt der 'endlichen Vernunftwesen' hinrei-chend rekonstruiert werden kann, entscheidet sich ihre Richtigkeit.
20. 6. 17

Der erste, kritisch-analytische Gang der Wissenschaftslehre endet erst dort, wo es sachlich nicht weitergeht: Es ist die Stelle, wo das Ich sich setzte, indem es sich ein/em Nichtich entgegesetzte. Auf Grund gestoßen war sie damit freilich noch nicht; erst auf die obere Flä-che eines doppelten Bodens. Denn wenn etwas 'sich setzt', dann muss es wohl da gewesen sein, bevor es das tat. Doch 'da' lässt sich nichts auffinden. 

Ich sage, da war ein Vermögen, aber das ist bloß ein Wort. Es ist der dogmatische Reflex eines, der sich immer ein Seiendes vorstellen muss, um sich überhaupt etwas vorstellen zu können. Der dialektische Haken ist: Ein Sein muss aber vorgestellt werden, um 'sein' zu können. Nicht so das Handeln. Es mag 'da' oder auch 'so' sein, ohne dass es sich einer vor-stellt. Wenn er es sich aber vorstellt, muss er es sich so vorstellen, als ob ihm ein Sein - ein Handelnder - vorausgegangen sei. Das Handeln selbst in seiner Verlaufsform konnte er im-mer nur anschauen. Doch das ist selber eine Handlung. Und so weiter, runter ins Unend-liche.

Man muss sich einen Ruck geben und den unendlichen Regress stoppen. Man muss sich entschließen, das anschauliche Handeln selbst als das Ursprüngliche aufzufassen, von dem alles Wahrnehmen seinen Ausgang nimmt. Das ist der Grund, auf dem die Transzendental-philosophie bauen muss, weil sie anderswo nicht bauen kann. Wenn sie von da aus das gan-ze wirklich gewordene System der Vernunft rekonstruiert, wird es im Ergebnis doch nicht mehr dasselbe sein. Ein Weltbild, das auf dem Handeln... nicht beruht, sondern unablässig neu aufbaut, ist ein anderes, als eines, dem ein seiendes Sein zu Grunde liegt. Denn dieses könnte ruhen.
17. 5. 19

 
Wieso muss ein Sein vorgestellt werden und ein Handeln nicht? 
 
Ein Sein muss irgendwem zum Objekt werden, um 'sein' zu können. Das setzt voraus: dass auch ein Subjekt da ist; dass Subjekt-Objekt schon geschieden sind. Im Handeln sind sie auch beide 'da', aber eben noch nicht geschieden. Ontologisch ist das Handeln 'eher' da als Subjekt und Objekt. 
10. 7. 21
 
 

Mittwoch, 21. Januar 2026

Die analytisch-synthetische Methode.

birgitH, pixelio.de             aus Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Soll sich aber etwas aus ihr entwickeln lassen, so müssen in den durch sie vereinigten Be-griffen noch andere enthalten liegen, die bis jetzt nicht aufgestellt sind; und unsere Aufgabe ist die, sie zu finden. Dabei verfahrt man nun auf folgende Art. – Nach § 3. entstehen alle synthetische Begriffe durch Vereinigung entgegengesetzter. Man müsste demnach zuvör-derst solche entgegengesetzte Merkmale der aufgestellten Begriffe (hier des Ich und des Nicht-Ich, insofern sie als sich gegenseitig bestimmend gesetzt sind) aufsuchen; und dies geschieht durch Refle- xion, die eine willkürliche Handlung unseres Geistes ist. –

Aufsuchen, sagte ich; es wird demnach vorausgesetzt, dass sie schon vorhanden sind, und nicht etwa / durch unsere Reflexion erst gemacht und erkünstelt werden (welches über-haupt die Reflexion gar nicht vermag), d.h. es wird eine ursprünglich nothwendige anti-thetische Handlung des Ich vorausgesetzt. 

Die Reflexion hat diese antithetische Handlung aufzustellen: und sie ist insofern zuvörderst analytisch. Nemlich entgegengesetzte
Merkmale, die in einem bestimmten Begriffe = A ent-halten sind, als entgegengesetzt durch Reflexion zum deutlichen Bewusstseyn erheben, heisst: den Begriff A analysiren.
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J. G. Fichte, Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre, SW Bd. I, S. 123 f.



Nota. - Der erste Gang der Vernunftkritik, den zur Hälfte bereits Kant zurückgelegt hatte, ist Kritik, und das heißt Reflexion - und verfährt daher analytisch. Ihr Weg ist aufsuchen und auffinden: Es gilt, die Erscheinungen des vernünftigen Denken hinab zu verfolgen bis auf ihren Ursprung. Vernunft ist gegeben als eine Große Synthesis, und da Synthesis ge-schieht durch die Vereinigung Entgegengesetzter, muss Analyse verfahren als Zerlegung der je Gegebenen in zwei Entgegengesetzte. 

Die letzte (bzw. erste) Sythesis, die die Analyse vorfindet, ist der Gegensatz Ich-Nichtich. Er ist eine ursprüngliche Zerteilung. Dieser voraus muss gedacht werden eine Ursynthesis als das Was der Ur-Teilung. Die Ur-Synthesis ist eine Selbstsetzung, die wiederum nur denkbar ist als Selbstentgegensetzung. Auf diesem ihren Grund angekommen, beginnt als zweiter Gang der Wissenschaftslehre die Rekonstruktion des Ganges der Vernunft bis zum Stand unseres gegenwärtigen Wissens.
JE,
29. 4. 18

Dienstag, 20. Januar 2026

Dialektitk als Kritik.

systembruch                                                   aus Marxiana
   
Diese Mißverständnisse Ricar/dos gehn offenbar daraus hervor, daß er selbst nicht klar über den Process war, noch sein konnte als Bourgeois. Einsicht in diesen Process ist = dem statement, daß das Capital nicht nur, wie A. Smith meint Commando über fremde Arbeit ist, in dem Sinne wie jeder Tauschwerth es ist, weil er seinem Besitzer Kaufmacht giebt, sondern daß es die Macht ist sich fremde Arbeit ohne Austausch, ohne Equivalent, aber mit dem Schein des Austauschs, anzueignen.

Ricardo weiß A. Smith und andren gegenüber, die in denselben Irrthum verfallen über Werth as determined by labour, und über Werth as determined by the price of labour (wages) nie anders zu refütiren als so: daß er sagt mit dem Product derselben Quantität Arbeit kann man bald mehr, bald weniger lebendige Arbeit in Bewegung setzen, d. h. er betrachtet das Product der Arbeit in Bezug auf den Arbeiter nur als Gebrauchswerth – den Theil des Products den er braucht um leben zu können als Arbeiter. 

Woher es aber kömmt, daß auf einmal der Arbeiter in dem Austausch nur Gebrauchswerth repräsentirt oder nur Gebrauchswerth aus dem Austausch zieht, ist ihm by no means klar, wie schon seine nie allgemein, sondern stets an einzelnen Beispielen demonstrirende Argu-mentation gegen A. Smith beweist. 
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K. Marx, Grundrisse, MEGA II/1.2  S. 447f. [MEW 42, S. 456] 


Nota I. 
Das ist der Sinn der dialektischen Darstellungsweise bei Marx: ein kritischer. Den Ökonomen wird demonstriert, was sie tatsächlich sagen; und was sie stattdessen zu erklären hätten, aber nicht erklären können – nämlich in ihrer eigenen Begriffsscholastik. Konkret: Es wird gezeigt, dass der dialektische Umschlag von Gebrauchswert in Tauschwert gerade nicht stattfindet  und dies bei der Ware par excellence, der Arbeitskraft. Die bürgerliche Wirtschaftsweise ist eben kein System, das sich auf dialektische Weise "bewegt"; nämlich (selber) setzt und entgegesetzt. Das ist nur ihr Schein.
25. 9. 15
 
Nota II. -  Gar nichts "schlägt um". Alles bleibt, wie es ist. Nur der Blickpunkt wird ver-tauscht: Hier der Verkäufer, da der Käufer der Arbeitskraft. Der Tauschwert ist derselbe: der Preis der Arbeitskraft = der Lohn. Der ist für den Verkäufer sein Gebrauchswert: nämlich das, was er dafür kaufen kann; verkaufen kann er es nicht, denn er muss davon leben. Auch für den Käufer ist der Lohn der Tauschwert der Arbeitskraft; aber nicht ihr Gebrauchswert: der ist der Preis der Ware, die der Verkäufer in der vereinbarten Zeit zu produzieren vermag.  
 
Und der ist höher als der Preis der Arbeitskraft, sonst würde sich kein Käufer auf dieses Geschäft einlassen. Usw. 
JE 


Montag, 19. Januar 2026

Die sogenannte Dialektik.

                                zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik

Ach, was für eine vertane Chance! 

Fangen wir in der Mitte an - wo er von der Hegel'schen Richtung redet. Damit meint er "die Dialektik", der man insbesondere Marx zugerechnet hat. Damirt kommen wir gleich zur Sa-che selbst: Marx hat zwar seine Studien mit Hegel begonnen und dabei die Spur für sein ganzes Werk gelegt. Das ganze Werk beruht freilich darauf, dass er die Hegel'sche Methode ihrer metaphysischen Mystifikation entkleidet und darunter das kritische 'analytisch-synthe-tische Verfahren' von Fichtes Wissenschaftslehre wieder freigelegt hat. Der Knotenpunkt bei dieser Mystifikation war eben die mutwillige Vermengung von realem Gegensatz und logischem Widerspruch gewesen - auf den die böswillige Vermengung von Sein und Gelten zurückgeht.

Zwar unterscheidet Warkus zwischen dem 'rein' logischen und dem 'performativ' logischen Widerspruch - der eine liegt im Satz selbst, der andere liegt im Subjekt, das nacheinander zwei Sätze ausspricht, von dem der eine das Gegenteil vom andern behauptet. Das ist aber schon ein Derivat. Der ursprüngliche Unterschied ist jedoch, dass das Subjekt hier als ein reales aufgefasst wird, der Satz aber als ein bloß gedachter

In der Realität steht die Aussage des Subjekts im Gegensatz zu der anderen Aussage - die von zwei verschiedenen Subjekten gleichzeitig oder von demselben Subjekt nach einander 'performt' werden können. Sie können einander dann wohl immer noch ausschließen; aber sie können auch als einerseits/andererseits mit einander bestehen; was nach gesundem Menschenverstand ein logischer Widerspruch nicht kann, ohne sinnlos zu werden.

Der springende Punkt:  Das analytisch-synthetische Verfahren Fichtes ist das Fortschreiten des perfomierenden Subjekts von der Unbestimmtheit zur Bestimmung: als der Gang der Vernunft selber - im und durch das Subjekt! Nichts geschieht, was nicht durch ein 'Ich' ge-setzt wird. Und das Bestimmen eines Unbestimmten ('Bestimmbaren') als dieses ist Setzen-als und geschieht durch Entgegen setzen - links/rechts, vorne/hinten, oben/unten. Der Gegensatz eröffnet ein - neues - Bedeutungsfeld. Ist das Feld - 'Gesichtspunkt' - einmal festgestellt, sind logische Widersprüche natürlich nicht statthaft. Neue Gegensätze würden dagegen "auf höherem Gesichtspunkt" eine neue Bedeutungsebene eröffnen: So schreitet Vernunft fort; richtiger: wird vorangetrieben vom 'setzenden' Subjekt. Und von nichts anderem als dem Fortschreiten von Intelligenzen in der Vernunft handelt nach Fichte die Philoso-phie; alles andere ist Sache reeller Wissenschaften.

Ein Subjekt gibt es bei Hegel, allem Wortschwall zum Trotz, nicht. Bei ihm ist es die - "dia-lektische" - Logik selber, die forschreitet. Wie das? Im Begriff  ist auf okkulte Weise der Wi-derspruch schon enthalten, nicht nebeneinander, sondern drin, und dies führt zu seinem "Umschlagen" in sein Gegenteil, und auf ebenso okkulte Weise "vereinigen" sie sich wieder "auf höherer Ebene", ohne dass man erkennen könnte, wer oder was sie dorthin "aufhebt". 

Das geschieht alles von selbst, historisch-empirische Intelligenzen spielen nur als Vehikel ihre zufällige Rolle. Bei Fichte dagegen muss ein Ich ohne Unterlass tätig sein, wenn ir-gendwas geschehen soll - nämlich im Forstschritt der Vernunft.

Kommentar zu Widerspruch und Gegensatz.  JE, 3. 7. 21


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Sonntag, 18. Januar 2026

Das Ich kann nicht zum Bewusstsein kommen, wenn es nicht beschränkt ist.

  M. Pugliese                              zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik.

Das Ich kann nicht zum Bewusstsein kommen, wenn es nicht beschränkt ist.
J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 7

Das Ich ist im ersten, analytischen Gang der Wissenschaftslehre auf gefunden worden als al-lererste Bestimmung auf dem Weg zu dem vor gefundenen Gegenstand der Vernunftkritik. 

Da sie auffindbar war, muss sie gesetzt worden sein. Von wem? Von einem Sich-selbst-Set-zenden; denn wäre es dies nicht, sondern von einem andern gesetzt, hätte der seinerseits aufgefunden werden müssen. Das Sichselbstsetzende muss also als eine ursprüngliche prä-dikative Qualität gedacht werden, der Fichte den Namen Wollen gab.

Dem reinen Wollen kann keine weitere Bestimmung zuerkannt werden als tätigsein wollen. Es würde in unendliche Weite zerfließen, wenn es nicht auf etwas stieße, das es begrenzte - definierte - und gleichsam 'auf sich selbst' zurückstieße: auf ein Bestimmbares; ohne dieses kein Bestimmtes. 

Und so fort ins Unendliche. Nichts Bestimmtes gäbe es ohne dies, kein Ding und keine Welt. 

Und nur, was etwas bestimmt, bestimmt ipso facto sich selbst - zu dessen Anderen.  

Bedenke: In unserm Wissen kommen keine Sachen vor, sondern nur Vorstellungen.  

 

Zeit ist zuerst Reihenfolge...

                                zu  Wissenschftslehre - die fast vollendete Vernunftkritik ... und noch nicht Dauer: Die kommt erst durch d...