ak.spiele zu Wissenschaftslehre - die fast vollendete VernunftkritikBegründet wird das Wissen durch die Selbstsetzung des Ich in der pp. Tathandlung – als ein Fakt.
Rechtfertigen muss es sich vor der Idee des Wahren. (Absoluten, Unbedingten, An-sich, Endzweck usw.).
19. 12. 15
Es ging um die Rechtfertigung der Vernunft. Sie beansprucht, Maßstab des Wissens zu sein. Nicht, die Summe des Gewussten zu sein: Die bräuchte als ihren Maßstab nur ihren prakti-schen Nutzen - solange sie nützt. Das Wissen müsste sich schon durch sich selbst rechtfer-tigen: indem sich am Schluss bewährt, was es eingangs behauptet, mit andern Worten: als System.
Lässt es sich als System beweisen?
Als System müsste es schon widerlegt werden; das ist, ex negativo, seine Rechtfertigung. Be-hauptet wird immerhin: Ein System des Wissens ist anders nicht möglich; sondern nur eine Sammlung von einstweilen Glaubwürdigem.
22. 12. 21
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Wenn es einen Sinn für mich gibt, ist er ein möglicher Sinn für jeden; nämlich für jeden in der Reihe vernünftiger Wesen: Er hat Bedeutung für jedermann und kann für ihn zu einem Zweckbegriff werden. In der Abstraktion sind Bedeutung-Sinn&Zweck dem wählenden In-dividuum voraussgesetzt. Gemeinsam ist ihnen die Be-stimmung, dass sie gelten können. 'Geltung' ist immer problematisch: gilt oder gilt nicht. Es ist kein theoretisches, sondern ein praktisches Problem, denn es stellt sich allein dem, der entscheiden muss, weil er handeln will.
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Skeptiker sind klüger als andere: "Es gibt keine Wahrheit, es gibt nur Wahrheiten..."
Das ist platt. Wenn alle Wahrheiten diese einzige Bestimmung miteinander teilen, dann 'gibt es' Wahrheit. Höchstens könnte man sagen: Sie reicht nicht überall hin, sie hat Löcher. Oder: manche Wahrheit ist bloßer Augenschein, andere Wahrheiten gehen tiefer und halten länger Stand. Das würde aber nur bedeuten, dass Wahrheit ihre Sphären und ihr Grade hat. Doch das Schlüsselwort ist: noch. Historisch hat manch Verschiedenes als Wahrheit gegol-ten, aber Warheit wurde bei allen Irrungen immer weiter und immer haltbarer.
Nun, das betrifft empirisches, faktisches Wissen, das gilt, weil es praktisch überprüft wurde: Die wirkliche Wissenschaft macht Fortschritt, weil ihr innerer Stachel die Kritik ist; sie kann gar nicht 'auf sich beruhen'.
Doch gerade dies wären eben jene 'Teilwahrheiten', die der Skeptiker konzediert. Aber was Wahrheit ihrem Wesen nach wirklich ist, ist keine Sache von Erfahrung, sondern von... rei-nem Wissen?
Empirisches Wissen ist solches, das durch Versuch falsifizierbar ist. Was lange genug den Falsifizierungsversuchen widerstanden hat, gilt als gesichert. Wenn eines Tages nicht mehr, heißt das nur, dass der Fortschritt des Wissens unaufhaltsam ist.
Darwins natürliche Auslese hatte Lamarcks aktive Anpassung in den Schatten gestellt, doch die Epigenetik hat sie ins rechte Licht gerückt. Und gar Newtons Äther wurde als kosmi-sches Plasma rehabilitiert! Das reine Nichts gibt es nicht, sondern nur ein Noch nichts.
Wahrheit ist von der einen Seite das, was von der andern Wissen ist. Von dieser Seite Gel-tung, was von jener gelten ist.
Wahres Wissen wäre also solches, das für Alles gilt?
Alles 'gibt es' faktisch so wenig wie Nichts. Ob etwas für alle möglichen Versuche gilt, kann man erst wissen, wenn der letztmögliche abgeschlossen ist, nämlich nie - und das ist nicht der Gegensatz zu immer, sondern immer wieder nur der zu jetzt.
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So viel, zu dem, was in Raum und Zeit wissbar ist - nämlich nach ausreichenden Versuchen.
Aber was ist mit dem reinen Wissen?
Das 'gibt es' nicht. Das wäre ein Wissen ohne das, was gewusst wird.
Aber das reine Denken? Das wäre die bloße Form ohne allen Gegenstand. Die Gegenstän-de, mit denen gedacht wird, sind die Begriffe: die sind der Stoff. Das Verfahren verfahren ist deren sinnhafte... Verknüpfung. Das nennt man Logik. Verknüpfung von nicht Etwas?! Denken ohne Etwas, das gedacht wird, geht nicht. Also kann Denken nicht bloßes Ver-knüpfen sein. Es muss Hervorbringen von Etwas sein - was wir landläufig vorstellen nen-nen.
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Wir wissen, dass wir etwas wissen - Dieses und Jenes. Ohne irgendetwas zu wissen, könnten wir in der Welt nicht überleben.
Genau genommen: 'Die' Welt ist unsere Welt - nämlich der Raum, in dem wir von etwas wissen können; in dem wir etwas wissen können: Ein Raum, in dem nur ich etwas wissen könnte, wäre meine Welt, aber nicht unsere. Wissen und Welt bedingen einander. Welt ist der Raum des Wissbaren.
Wissen ist das spezifische Verhältnis von einem, der weiß, zu dem, was er weiß. Das Fak-tum, dass etwas gewusst wird, setzt voraus eine Sphäre von Wissbarem. Des Verhältnis zwischen beiden, wie immer es in specie bestimmt sei, ist wahr. Anders hat dieser Ausdruck keinen Sinn. Nur was gewusst wird, kann unwahr sein - weil nämlich dieses Verhältnis, und sonst nichts, wahr ist.
Das Verhältnis eines Quants zu einem andern Quant ist, was und wie es ist - an sich und ohne, dass wer davon was weiß. Was einer darüber zu wissen behauptet, kann nur darum wahr sein, weil es auch unwahr sein kann.
Das, was er weiß, muss etwas sein, das er hinzugefügt hat, weil es die beiden Quanten nicht getan haben können; Sinn, Zweck und Bedeutung.


